Ich will die enorme Leistung der jugendlichen Weltumseglerin Laura Decker nicht schmälern, aber Jeanne Baret, die erste Frau, die vor beinahe 250 Jahren die Welt umsegelte – wenngleich nicht allein –, hatte es vermutlich kein bißchen leichter. Das begann damit, daß sie zwei Buchstaben ihres Vornamens opfern mußte, um als Gehilfe des Botanikers Philibert Commerçon auf den beiden Schiffen anheuern zu können, die im Auftrag des französischen Königs zur Umrundung der Erde in See stachen. Gehilfe habe ich gesagt, nicht Gehilfin, denn unter den übrigen Mitgliedern der Crew galt Jean Baret, wie sie sich nannte, selbstverständlich als Mann – Frauen hatten auf den Schiffen der französischen Marine nichts verloren. Allein daß es ihr gelang, auf dem engen Raum eines Schiffes über viele Monate ihr Geschlecht zu verbergen, ist eigentlich kaum zu glauben. Aber Jeanne alias Jean stand auch sonst ihren Mann und hinter den körperlichen Leistungen der männlichen Besatzungsmitglieder nicht zurück. Bleibenden Ruhm erwarb sie sich durch die Entdeckung einer bis dahin unbekannten, prächtigen Pflanze, die jedoch nicht nach ihr, sondern nach dem Kommandanten der Expedition, Louis Antoine de Bougainville, benannt wurde. Als Bougainvillea kennen wir sie noch heute.
Nach mehr als einem Jahr flog der Schwindel freilich auf – mit bösen Folgen für Jeanne Baret, wie ihre Biographin Glynnis Ridley berichtet. Es kam zu einer wüsten Massenvergewaltigung; neun Monate später brachte Jeanne ihr einziges Kind, einen Sohn, zur Welt.
Das alles liegt lange zurück, und in der Zwischenzeit hat sich bekanntlich einiges geändert, sogar im Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Allerdings: bis vor nicht allzulanger Zeit mußten Frauen mindestens die besseren Männer sein, um in der Männerwelt akzeptiert zu werden – besonders in angeblich »männlichen« Berufen, und im Business sowieso. Ich kann noch ein Lied davon singen. Mittlerweile sind wir selbst darüber hinaus. Die Zukunft, so weissagen es die Auguren, gehört, wenn schon nicht den Frauen, dann doch den »weiblichen Werten«.
Meine (männlichen) Kollegen unter den Hoteldesignern haben das natürlich längst erkannt und darauf reagiert. »What do women want in hotels«, lautet heute ihre Leitfrage. Man kann das durchaus einen Trend nennen, speziell wenn man an die Ausstattung der Badezimmer oder auch an Spa- und Wellness-Bereiche denkt. Vollzieht sich also gerade ein Wertewandel in der Hotellerie? Werden aus den Männerdomänen nun Frauendomänen? Sagen wir mal so: einen gewissen Nachholbedarf hat es sicher gegeben. Andererseits gibt es mir zu denken, wenn Männer nun Hotels für Frauen konzipieren. Was wollen uns die Herren der Schöpfung damit sagen? Daß die Männer den Frauen weiterhin überlegen und außerdem auch noch die besseren Frauen sind als die Frauen selbst?!
Da möchte ich denn doch gewisse Zweifel anmelden. Überhaupt erscheint mir der Gegensatz von Mann und Frau als fragwürdiges Kriterium in der Innenarchitektur und im Hoteldesign. Ich persönlich erwarte selbstverständlich, daß ich mich in einem Hotel als Frau gemeint und willkommen fühle. Das soll man dem Ambiente auch anmerken. Aber weibliche Werte an die Stelle der männlichen setzen? Ich bitte Sie! Da müßten ja künftig alle Jeans dieser Welt als Jeannes einchecken, jeder Cornelius wäre gut beraten, sich als Cornelia auszugeben, und ob sich hinter Laura nicht in Wahrheit ein Laurin verbirgt, bliebe erst noch zu eruieren.
Da sei die liebe Göttin vor…