2. August 2012

Ein Kreis schließt sich

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Noch sind wir mit der Arbeit längst nicht fertig, aber schon erscheinen erste Presseberichte über das von uns re-designte Pullman-Hotel in München. Schließlich schlafen auch schon viele Gäste in neu gestalteten Zimmern. Doch, man kann ein Hotel auch renovieren, während der Hotelbetrieb weiterläuft. Ich will nicht behaupten, daß das einfach sei. Aber bei solchen Herausforderungen kommt uns natürlich unsere Erfahrung zugute. Und das Wort »Erfahrung« hat in München einen eigenen Klang – jedenfalls für mich.

Hier habe ich nämlich die Feuertaufe bestanden und mein erstes Hotel gestaltet, ein Holiday Inn war das. 27 Jahre ist es her. Ich kann mich nicht erinnern, daß ich seinerzeit ähnliches Lob in der Presse erhalten hätte wie heute. Vermutlich hatte ich es auch nicht verdient. Trotzdem hat die Erinnerung daran für mich eine besondere Färbung. Der Reiz des ersten Mals ist eben einmalig und nicht wiederholbar. Und jedesmal, wenn ich in München arbeite, werden die Gefühle von damals wieder lebendig. Fast, als wäre es eine Rückkehr zu den Ursprüngen, die mich energetisch auflädt und mir Flügel verleiht.

Doch wahrscheinlich interessieren Sie sich mehr dafür, Fotos unseres neuesten Werks zu sehen; ich zeige Ihnen ein paar Impressionen der neuen Zimmer:


[Fotos: soenne, Aachen]

31. Juli 2012

Höhere Preise? Aber gerne.

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Mac-Nutzer zahlen mehr fürs Hotelzimmer, wenn sie online buchen, hieß es vor ein paar Wochen. Das klang natürlich sensationell skandalös und schaffte es schnell in die Schlagzeilen. »Apple-Nutzer zahlen drauf«, titelte Bild. Das ist zwar richtig, aber trotzdem falsch. Oder jedenfalls mißverständlich. Ungesagt bleibt da nämlich: Apple-Nutzer tun das gern. Sie fühlen sich dabei gar nicht über den Tisch gezogen. Und sie werden auch nicht über den Tisch gezogen.

Das Online-Reiseportal Orbitz (um dessen Geschäftspraktiken es ging) hat das auch gleich klargestellt: Mac-Nutzer geben von vornherein 30 Prozent mehr pro Nacht für ein Zimmer aus als andere. Das läßt sich einer Analyse von Orbitz’ Kundendaten leicht entnehmen. Auch ist die Wahr­schein­lich­keit wesentlich höher, daß sie sich für ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel entscheiden. Daraus hat Orbitz die naheliegende Konsequenz gezogen und präsentiert den Mac-Kunden in seinen Empfehlungen hochwertigere und entsprechend teurere Angebote als »ordinären PClern«. Die Apple-Nutzer wissen das ebenso zu schätzen wie Amazon-Kunden Buchempfehlungen, die auf erstaunlich genaue Weise ihren Geschmack treffen. Und um nichts anderes handelt es sich bei dem angeblichen Skandal. Keiner verlangt unterschiedliche Preise für unterschiedliche Zimmer. Der Shitstorm auf Twitter verebbte folglich ziemlich rasch, und auch die Medien verfolgten das Thema nicht weiter.

Mir gibt an der Geschichte was anderes zu denken. Ist es nicht erstaunlich, daß sich Apple einen – immer noch wachsenden – Kundenstamm herangezogen hat, der bereit ist, auch auf anderen Gebieten für höhere Qualität mehr Geld auszugeben (was bei Apple selbst im übrigen gar nicht mehr unbedingt nötig ist)? Das straft alle Lügen, die darüber jammern, die Geiz-ist-geil-Mentalität nehme überhand und den Schnäppchenjägern gehöre die Zukunft. Auch der gegenteilige Markt hat Wachstumspotential. Orbitz hat das verstanden und vermittelt den richtigen Hotels die richtigen Gäste.

Nur die Hotels selbst, könnte man meinen, haben das immer noch nicht kapiert. Wie kommt es sonst, daß selbst Luxushotels über den Preis werben und sich gegenseitig mit Schnäppchen und Sonderkonditionen unterbieten? Kaum einer geht den umgekehrten Weg und adressiert bewußt den Markt, den Apple und Orbitz (und natürlich noch ein paar andere) ihm auf dem silbernen Tablett präsentieren. Es ist schon deprimierend, wenn ich stattdessen in USA Today lesen muß, in Berlin gebe es in Nobelhotels weltweit mit die niedrigsten Zimmerpreise. Da sind die auch noch stolz drauf, so sehr sie gleichzeitig lamentieren. Daß der Tourismus insgesamt ob seiner Niedriglöhne und schlechten Arbeitsbedingungen im Kreuzfeuer der Kritik steht, nimmt da schon gar nicht mehr Wunder.

Dabei wäre es eigentlich nur eine Sache des gesunden Menschenverstands, vom Stilgefühl nicht zu reden: wenn Gäste für anspruchsvolle Hotels optieren, dann sollten diese Hotels zeigen, daß sie auf solche Gäste Wert legen und sie wertschätzen. Dann sollten sie denselben Anspruch kommunizieren. Aber wo sind die Hotels, die das einlösen? Wo sind Hotelwebsites, die sich in Klasse und gestalterischer Raffinesse mit der Welt von Apple messen könnten?

Das alles – ich schaue grade in den Spiegel – gilt nicht nur für Hotels, sondern auch für die Websites beispielsweise von Architektur- und Innenarchitekturbüros. Wenn ich mir Partner und Auftraggeber wünsche, die mehr erwarten als der Durchschnitt, dann muß ich ihnen auch mehr bieten. Gerade diese potentiellen Kooperationspartner haben ja in der Regel ein feines Gespür für Qualität. Wenn ich über Erfahrung, Kompetenz, Ästhetik, gestalterische Leidenschaft und Weltoffenheit nur rede, statt sie in jedem Detail meiner Website unter Beweis zu stellen, dann werden gerade die sich nicht angesprochen fühlen, die ich ansprechen möchte.

Wer stattdessen auf die sattsam bekannten Worthülsen und Leerformeln setzt, diese mit seelenloser Grafik von der Stange dekoriert, zu allem Überfluß vielleicht noch seine Besucher mit Flash-Animationen, nichtssagenden Fotos oder klippschülerhaften Zeichnungen malträtiert, der wird die Resonanz bekommen, die er verdient. An der allgemeinen Niveaulosigkeit, über die er sich dann gern beklagt, hat er selbst seinen Anteil.

Aber von wirklich zielführendem Marketing verstehen die meisten wohl wenig.

30. Juli 2012

Writers’ Corner

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Weil mal wieder Montag ist – Juli Zeh begann ihren Urlaub auch voller Vorfreude, begleitet von einem Menschen, zwei Hunden und einer Katze. Ins bulgarische Rila-Gebirge sollte die Reise gehen, aber in Ungarn machte das Auto schlapp. Eine Werkstatt finden sie in Budapest, nur das nötige Ersatzteil ist nicht da. Also organisiert ihnen die Werkstatt ein Hotel. »Ein Kettenhotel im Gewerbegebiet«:

»Was in unserem Zimmer am Fenster hängt, sieht aus wie Duschvorhänge und riecht auch so. Auch die Abmessungen unserer neuen Behausung erinnern an eine Duschkabine. Die Hunde füllen den schmalen Gang zwischen Bett und Wand. Die Katze füllt jene Ecke des Schreibtischs, die nicht vom bauchigen Fernseher gefüllt wird. Den Rest des Platzes füllen unsere Koffer. Uns Menschen bleibt das Bett als ständiger Aufenthaltsort. Um diese Tatsache in einen logischen Zusammenhang zu stellen, entscheiden wir uns spontan für einen grippalen Infekt.

Wir husten und niesen. Wir schniefen und schnauben. Das letzte bisschen Luft im Raum riecht nach Schweiß und Viren. Draußen fällt Dauerregen. Es wird auch tagsüber nicht hell. Morgens und abends schleppen wir uns vor die Tür, um in der benachbarten Mall Nasentropfen, Brötchen und Scheibenkäse zu kaufen. Was wir nicht aufessen, legen wir zu den angebrochenen Hunde- und Katzenfutterdosen auf den Fernseher.«

Juli Zeh / DIE ZEIT

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche – und lassen Sie bloß keine Viren an sich ran… :-)

29. Juli 2012

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Slumdog Millionaire« (dt.: »Slumdog Millionär«), 2008, von Danny Boyle, Drehbuch von Simon Beaufoy nach dem Roman Q & A von Vikas Swarup, Co-Regisseur (für Indien): Loveleen Tandan, mit Dev Patel, Freida Pinto, Anil Kapoor, ausgezeichnet mit 8 Oscars, 7 BAFTAs, 4 Golden Globes

Günter Jauch moderiert nur in Deutschland – die Sendung »Wer wird Millionär« aber gibt es fast überall auf der Welt, sogar in Indien, und dort winken als Preis sage und schreibe 20 Millionen Rupien. Um die geht es im heutigen Film, und wer den nicht kennt, war wohl schon lange nicht mehr im Kino. Der Name des Regisseurs ist ihm wahrscheinlich trotzdem ein Begriff, hat er uns doch gerade erst ein Schauspiel beschert, das alle Welt gesehen hat, nämlich die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Ich bin kein Allerweltsmensch und habe sie nicht gesehen, aber sie muß wirklich großartig gewesen sein, und das will was heißen. Mindestens soviel wie die acht Oscars, die »Slumdog Millionaire« gewonnen hat.

Noch wunderbarer ist es freilich, wenn ein abgerissener Jugendlicher aus den Slums nur eine Frage davon entfernt ist, zum Multimillionär zu werden. Vorher verdächtigt man ihn allerdings, ein Schwindler zu sein – wie käme ein Slumbewohner dazu, auch noch Hirn zu haben –, und so erfahren wir in Rückblenden wesentliche Stationen seiner Lebensgeschichte, zu der auch eine unglückliche Liebe gehört. Das Blatt wendet sich natürlich im Verlauf des Films – ein Millionengewinn ist schließlich nur die eine Hälfte eines zünftigen Happy-ends…

Wer den Film gesehen hat und Charles Dickens kennt, wird sich vielleicht an »Oliver Twist« erinnert gefühlt haben und liegt damit keinesfalls falsch; Roger Ebert, dem Doyen der amerikanischen Filmkritik, ging es genauso, und der Regisseur Danny Boyle hat bekannt, er habe Dickens’ London ins 21. Jahrhundert transferieren wollen. Und nach Indien, muß man ergänzen.

Aber was rede ich so viel. Der Film ist als Ganzes auf YouTube zu sehen – und sicher unterhaltsamer, spannender und erheblich exotischer als alles, was ich Ihnen darüber erzählen könnte. Und kaum ist die erste Stunde vorüber, kommen Sie in den Genuß einer Hotelszene, die ihresgleichen sucht. Mehr will ich nicht verraten – viel Vergnügen:

(Die deutsche Version gibt es hier.)

28. Juli 2012

Für Johannes:
In memoriam Jon Lord

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Am Wochenende muß auch dafür Zeit sein: vor knapp zwei Wochen, am 16. Juli, ist der britische Pop-Musiker Jon Lord im Alter von 71 Jahren gestorben. Eins der vielen Lieder, die ihn überdauern werden – »Smoke on the Water« – war lange Zeit der Lieblings-Song meines Sohns Johannes, der selbst Schlagzeug spielt und wahrscheinlich davon geträumt hat, Lord an den Keyboards persönlich zu begleiten. Speziell für Johannes – und natürlich auch als Abschiedsgruß an Jon Lord – hier ein großartiger Live-Auftritt von Deep Purple in den USA:

Übrigens – muß ich es eigens betonen? – war Jon Lord keinesfalls nur der Krawallmacher, als den viele aus der damaligen Elterngeneration ihn abtaten, sondern ein hochbegabter, vielseitiger und differenzierter Musiker. Darüber könnte ich mich jetzt stundenlang verbreiten, aber lieber lasse ich es bei einem Beispiel bewenden: Deep Purple und die Londoner Philharmoniker in der Royal Albert Hall mit John Lords »Concerto for Group and Orchestra«, aufgenommen, man glaubt es kaum, im Jahr 1969.

Ein ganz besonderes Schauspiel, jedenfalls für mich, ist es, wie dem Dirigenten offenbar die Musik Deep Purples »in die Beine fährt«:

[Kudos: Andres Wysling, NZZ]

28. Juli 2012

Zum Teufel mit den Erwartungen

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Man müsse sich an den Erwartungen der Gäste orientieren und diesen Erwartungen gerecht werden, vernehme ich immer wieder im Gespräch. Wenn ich das höre und nicht aufpasse, sieht mein Gesicht aus, als hätte ich grade in eine Zitrone gebissen, vermute ich. Aber meistens schaffe ich es, mich zu beherrschen und das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. Denn argumentieren läßt sich mit den Vertretern dieser Auffassung nur schwer, wie ich ebenfalls aus leidvoller Erfahrung weiß.

Dabei ist diese Überzeugung absolut kontraproduktiv. Ein Erfolgskiller statt ein Erfolgsrezept. Denn die Leute erwarten, was sie von anderswoher schon kennen. Wer ihnen genau das bietet, wird kein besonderes Lob ernten, sondern ein blasiertes: na, das kenn ich doch. Das Hotel haben sie in dem Moment schon abgehakt. Wär’s nicht mit zu großen Umständen verbunden, würden sie sich ein anderes suchen.

Das mag übertrieben klingen, aber ich fürchte, es ist nichts als die Wahrheit. Das zeigt sich dort, wo es problemlos möglich ist, an einen interessanteren Ort zu wechseln, nämlich im Internet. Auch dort versuchen ja 99 Prozent der Anbieter nichts anderes, als die Erwartungen ihrer Nutzer zu erraten. Die reagieren, wie zu erwarten ist: gelangweilt. Und klicken sich durch zum nächsten Angebot. Dann beklagt man sich über die Oberflächlichkeit der Online-Öffentlichkeit, über ihre kurze Aufmerksamkeitsspanne und ihren Mangel an Konzentration. Aber 99 Prozent aller Seiten haben nichts anderes verdient. Die langweilen mich beim ersten Hinschauen, und anderen geht es sicher nicht anders.

Darüber freuen sich alle diejenigen, die sich einen Dreck um vorgebliche Erwartungen scheren. Die mit Enthusiasmus daran arbeiten, ihre Gäste oder Nutzer zu überraschen, zu fesseln, zu begeistern. Die darauf vertrauen, daß sich Leidenschaft teilen läßt, und daß Menschen, die sich angesprochen fühlen, nicht gleich die Flucht ergreifen. Im Gegenteil. Es passiert mir selten genug, auf eine Seite zu stoßen, die ich in diesem Sinne interessant, ausgefallen oder provozierend finde. Aber wenn es mir passiert, hat sich das Surfen gelohnt.

Die 99 Prozent, die sich in der Gewißheit suhlen, die Erwartungen ihrer Zielgruppen zu 100 Prozent zu erfüllen, tun dieses eine Prozent anderer Anbieter oft damit ab, das seien eben Spinner und enfants terribles. Aber die enfants terribles von heute sind die Gewinner von morgen. Das gilt natürlich nicht nur für Hoteliers und Webseitenbetreiber, sondern auch für Innenarchitekten. Und ich hoffe sehr, daß uns beides gelingt: in unserer Arbeit gegen den Strom zu schwimmen und vorgegebene Erwartungen zu durchkreuzen – und mit unserer neuen Website (die jetzt hoffentlich wirklich bald ans Netz geht) auch die zu begeistern, die noch nie ein von uns gestaltetes Hotel betreten haben… :-)

23. Juli 2012

Das kommt mir doch chinesisch vor

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Eine Skulptur? So könnte man beim ersten Hingucken meinen, und das war wohl von den Architekten auch so beabsichtigt. Aber die »Skulptur« ist gleichzeitig auch ein Hotel und hat überdies Aufnahme ins Guinness Buch der Rekorde gefunden – als »biggest image building« der Welt. Immerhin. Mit Sternen kann sich schließlich jeder schmücken; ein Weltrekord ist schwerer zu erringen.

Die Skulptur, so habe ich mir sagen lassen, stellt Fu Lu Shou dar – Gottheiten oder göttliche Kräfte, die den Menschen Glück, Reichtum und ein langes Leben bescheren. Wer wünscht sich das nicht. Nur leider haben wir wenig Einfluß darauf, ob unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Deshalb begnüge ich mich zum heutigen Montagmorgen damit, Ihnen eine angenehme und nach Möglichkeit erfolgreiche Woche zu wünschen.

Mausklick öffnet Großansicht in separatem Fenster


[Kudos: Robert Krulwich]

22. Juli 2012

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Scarface«, 1983, von Brian De Palma, Drehbuch von Oliver Stone, mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Steven Bauer

Dem unter Filmemachern so begehrten Hotel Fontainebleau in Miami sind wir letzte Woche schon begegnet. Ob es an der Atmosphäre des Hauses liegt, dem genius loci sozusagen, daß sich sowohl der damalige als auch der heutige Film an älteren Vorbildern orientieren? »The Bellboy« ist eine Hommage an Roscoe »Fatty« Arbuckles gleichnamiges Werk von 1918 mit Buster Keaton in einer seiner ersten Rollen, »Scarface« ein Remake von Howard Hawks’ Klassiker aus dem Jahr 1932. Allerdings ist dieses Remake nicht bloß die profitorientierte und scheinbar risikolose Neuauflage eines bekannten und erfolgreichen Stoffs, dazu ist sich Brian de Palma zu schade. Es handelt sich vielmehr um eine radikale Auseinandersetzung mit der Gegenwart, und die lose Anlehnung an das »Original« dient dazu, sowohl die Kontinuitäten als auch die Brüche in der amerikanischen Geschichte und Gesellschaft sichtbar zu machen. Deshalb hat die »Neuverfilmung« auch eine ganz eigene Fangemeinde gewonnen, in der sie Kultstatus genießt.

Die Szene am Hotelpool, die der heutige Ausschnitt zeigt, gilt dabei als eine der schärfsten Abrechnungen mit dem amerikanischen Way of Life und seiner auf Geld und Macht reduzierten Erfolgsideologie. Tony und Manny, die von künftigem Reichtum träumen, holen sich eine Abfuhr bei der Anmache von Frauen, deren Eroberung zu diesem Traum eigentlich dazugehört. Diese Erfahrung resümiert Tony folgendermaßen:

»In this country, you gotta make the money first. Then when you get the money, you get the power. Then when you get the power, then you get the women.«

Aber schauen Sie sich die Szene am besten selbst an. Und wenn Sie den Pool des Hotels sehen, dann ahnen Sie vielleicht auch, warum das Fontainebleau bei Filmemachern – und nicht nur bei ihnen – so beliebt ist:

21. Juli 2012

Writers’ Corner

»An den Rändern der Gesellschaft, an ihren vermeintlich schlechtesten Plätzen, findet man meist die grössten Freiheiten. Nichts ist langweiliger und beengender als der Tisch des Kapitäns, an dem man sich korrekt benehmen muss. Kunst entsteht am Katzentisch, nicht am Tisch des Kapitäns, und in Kanada gibt es sogar ein Sprichwort, wonach noch nie jemand, der Schlips und Kragen trug, eine gute Idee gehabt habe. Das ist natürlich eine sehr ungerechte Bemerkung, aber in gewisser Weise glaube ich, dass sie stimmt.«

Michael Ondaatje

20. Juli 2012

Google+ Local

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Daß Google im Tourismus und als unverzichtbarer Partner der Hotellerie ein ernsthaftes Wörtchen mitreden will, zeichnet sich seit einiger Zeit ab. Google Places war eine der Komponenten in dieser Strategie, hat sich aber wohl gegen Foursquare & Co. nicht ganz so erfolgreich durchgesetzt, wie sich die Google-Verantwortlichen das gewünscht hatten. Darum hat man den Dienst überarbeitet und voll in Google+ integriert. Auch der Name hat sich geändert: aus Google Places wurde Google+ Local. Was daran für Hotels interessant ist und Hoteliers beachten sollten, hat ReviewPro kurz zusammengefaßt. (Eine etwas gründlichere Analyse hätte ich mir freilich schon gewünscht.)

20. Juli 2012

Ein bißchen Selbst-Promotion

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Über das Sonderheft »hoteldesigner« der Zeitschrift »Hotelbau« habe ich berichtet. Das ist eine Zeitlang her, möglicherweise haben Sie damals versäumt, das Heft zu besorgen, und mittlerweile ist es nicht mehr ganz so leicht aufzutreiben. Ein klein wenig will ich dem abhelfen. Zwar kann ich nicht mit dem ganzen Heft dienen, aber zumindest den Beitrag über uns können Sie jetzt auch online betrachten und lesen. Ich wünsche viel Vergnügen.

17. Juli 2012

Was Apple Hotels verdankt

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Alle sind sich einig, daß die »Genius Bar« einen wesentlichen Anteil am phänomenalen Erfolg der Apple Stores hat, die heute – was die Zahl der Besucher, den Umsatz und den Gewinn betrifft – die mit großem Abstand erfolgreichste Einzelhandelsgruppe der Welt darstellen. Mit Interesse habe ich deshalb in Walter Isaacsons Steve-Jobs-Biographie gelesen, wie die Idee der Genius Bars geboren wurde.

Während einer zweitägigen Klausur fragte Ron Johnson, verantwortlich für die Entwicklung der Apple Stores, die Mitglieder seines Teams, wo sie den besten Service ihres Lebens erfahren hätten. In fast allen Geschichten standen Hotelerlebnisse, vor allem im Ritz-Carlton und im Four Seasons, im Mittelpunkt. Johnson ließ daraufhin fünf führende Mitglieder seines Teams das Trainingsprogramm von Ritz-Carlton absolvieren. So entstand die Idee, im Zentrum aller Apple Stores ein Mittelding zwischen Bar und Rezeption zu installieren, wo Kunden und Besucher für jedes Problem Hilfe und für jede Frage einen Ansprechpartner fanden. Bis heute ist den Genius Bars diese Herkunft anzumerken.

Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen.

Erstens Apples Bereitschaft, über den vorgegebenen Tellerrand hin­aus­zu­schauen. Also nicht darauf zu schielen, was andere Einzel­handels­ketten bieten und die Rezepte der erfolg­reich­sten unter ihnen zu übernehmen, sondern klar die eigenen Ziele zu formulieren, und sich dann ohne Scheuklappen umzusehen, wo Anregungen zum Erreichen dieser Ziele zu finden sein könnten. Es ehrt die Hotels, daß sie dabei in einem so zentralen Bereich wie der Servicequalität zu Apples Vorbild wurden. Und die beste Weise, sich dieser Ehre würdig zu erweisen, läge wohl darin, Apples Beispiel zu übernehmen und bei der Suche nach neuen Lösungen den sprichwörtlichen Tellerrand zu ignorieren und unbekümmert in fremden Revieren zu wildern.

Die Apple Stores selbst (das ist der zweite Gedanke, der mir durch den Kopf ging) wären dabei ein guter Anfang. Denn Apple hat sich zwar von Ritz-Carlton und Four Seasons inspirieren lassen, aber etwas ganz eigenes daraus gemacht. Und von der Resonanz darauf können Hotels nur träumen. Die Attraktivität der Apple Stores läßt – ich habe schon einmal darauf hingewiesen – sogar die Unterhaltungsindustrie vor Neid erblassen. Sie sind zu gesellschaftlichen Zentren und Orten der Begegnung ersten Ranges geworden. Sollten daraus nicht auch Lehren für die Hotellerie zu ziehen sein? Inspiration ist schließlich keine Einbahnstraße – sie kann vom Austausch nur profitieren.

Daß bei alledem manche »Experten« immer noch die Stirn haben, das Verschwinden der Rezeption zu prophezeien – und manche Hotels in vorauseilendem Gehorsam schon daran gegangen sind, sie abzuschaffen –, das verschlägt mir allerdings schon die Sprache. Immerhin gibt es auch Gegenbeispiele, das Yotel zum Beispiel. Dort hat man die Entlastung der Rezeption von ihren traditionellen Routineaufgaben dazu genutzt, sie zum zentralen Treffpunkt des Hotels umzufunktionieren – einer Art Genius Bar gewissermaßen. Ob die Verantwortlichen dabei durchgängig ein glückliches Händchen bewiesen haben, ist die Frage. Denn so einladend und viel­ver­sprechend der Begriff »Genius Bar« klingt, so wenig überzeugt mich die Bezeichnung, die das Yotel an dessen Stelle gesetzt hat. Wen zieht es schon freiwillig in die »Mission Control«? – Mich nicht. Namen sind eben doch nicht nur Schall und Rauch.

16. Juli 2012

Ein tierischer Start in die Woche (2)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Erinnern Sie sich an Chateau Poochie, das 5-Sterne-Hotel für Haustiere in Florida, worin den vierbeinigen Lieblingen geboten wird, was das Herz begehrt? Aber glauben Sie nicht, das sei das Non-plus-ultra in Sachen tierischen Luxus’. Alles, was das Hundeherz begehrt – und das im prüden Amerika? Das kann doch gar nicht sein, dachte sich der Brasilianer Fabiano Lourdes und eröffnete in Belo Horizonte seine eigene Hundeherberge, die das Chateau Poochie in jeder Hinsicht ausstechen soll. In jeder – und vor allem in einer: eins der acht Stockwerke ist zur Gänze der tierischen ars amatoria gewidmet – vulgo: dem Liebesspiel der Hunde. Von roten Kissen über dämmeriges Licht bis hin zu herzförmigen Spiegeln an der Decke ist alles vorhanden, was die treusorgenden Besitzer mit etwas verruchtem, pornographisch angehauchtem tierischen Sex in Verbindung bringen. Seither geistert das »Animalle Mundo Pet« weltweit als »Liebeshotel für Hunde« durch die Schlagzeilen. Sogar der SPIEGEL und Focus haben darüber berichtet. Sie dürfen beim Nachlesen gerne schmunzeln.

Vielleicht reicht das Lächeln ja sogar für die ganze Woche… :-)

16. Juli 2012

Ein tierischer Start in die Woche (1)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Matilda, the Algonqueen, ist zurück, nachdem sie sechs Monate im Exil verbringen mußte. In der Zeit wurde New Yorks Nobelherberge renoviert; 18 Mio. Dollar hat der Umbau gekostet – jetzt erstrahlt das Algonquin in neuem Glanz, und Matilda, the resident cat, herrscht wieder über ihr angestammtes Reich.

Aber halt, da stimmt doch was nicht. Sieht das Katzentier nicht irgendwie unwirsch aus, vielleicht sogar böse? Erkennt sie ihr altes Heim nicht mehr? Oder herrscht ihr jetzt einfach zuviel des Glanzes? Ausgeschlossen ist das nicht. Plakative statt der pastelligen Farben, ein grell gemusterter statt des dezent blauen Teppichs, strahlendes Licht statt des intimen Dämmers von früher: glaubt man der ZEIT, beschweren sich darüber auch andere – der Schamane Joseph Dumas beispielsweise, der im Foyer immer seine Séancen anbot, auch das eine altehrwürdige Tradition im Algonquin. Neuerdings will die Kommunikation mit dem Jenseits aber nicht mehr so recht gelingen. Okkultisten scheuen das allzu helle Licht ebenso wie Katzen.

Die wirkliche Kunst liegt eben in der richtigen Verteilung von Licht und Schatten – in der Innenarchitektur nicht anders als im Glück des gelingenden Lebens. Ich wünsche Ihnen eine schöne Mittsommerwoche, auch wenn sie den Metereologen zufolge eher düster und verschattet ausfallen soll…

[Foto: Lodging]

15. Juli 2012

Vorsicht, Werbung (42)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Ein Film von 1960, mehr als ein halbes Jahrhundert alt, was soll der heute noch bewirken, könnte man denken und hätte gute Argumente auf seiner Seite. Und doch. Im allerersten iPhone-Commercial von 2007 sehen wir Jerry Lewis als »The Bellboy« den Telefonhörer abnehmen und »Hello« sagen. Die Szene wäre sicher nicht im Spot gelandet, würde sie bei den Zuschauern nicht eine Saite zum Klingen bringen. Ob sie dabei an das Fontainebleau denken, darf allerdings bezweifelt werden. Aber es handelte sich schließlich auch um keine Werbung für das Hotel…

15. Juli 2012

One More Take

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Nicht nur im Film feierte das Fontainebleau Erfolge – auch in der Musik kam es zu Ehren, etwa in dem gleichnamigen Song der Stills-Young Band auf dem legendären Album »Long May You Run« von 1977. Wer solche Fürsprecher und Multiplikatoren findet, braucht sich um klassische Werbung keine Gedanken mehr zu machen. Und daran, daß Neil Young Fontainebleau ausspricht, als schreibe es sich Fountain Blue, dürften sich weder die Hörer noch das Hotel gestört haben…

15. Juli 2012

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»The Bellboy«, (dt.: »Hallo, Page!«), 1960, von und mit Jerry Lewis, Stan Laurel, Milton Berle

Was soll ich groß sagen. Das Hotel spielt in dem Film eine Hauptrolle, und eine ziemlich eindeutige dazu. Es ist dazu da, Jerry Lewis eine Bühne zu bieten und seinen Einfällen freie Bahn zu geben. Im doppelten Wortsinn übrigens, denn während er untertags dreht, unterhält er abends auf der Bühne desselben Hotels Fontainebleau in Miami Beach als Entertainer sein gutbetuchtes Publikum. Damit steht er in einer illustren Reihe von Stars, die ebenfalls hier gastierten, von Elvis Presley bis Frank Sinatra. Aber er ist der einzige, der gleichzeitig das Privileg genießt, sich über das Hotel und seine eigene Rolle lustig zu machen und beide dem Gelächter preiszugeben.

Das scheint er so genossen zu haben, daß er im Film eine Doppelrolle übernimmt und damit dieses Privileg reproduziert und verdoppelt: er spielt gleichzeitig »The Bellboy«, also einen Pagen, und sich selbst, den weltberühmten Entertainer, der samt Entourage im Fontainebleau absteigt und gastiert. Als wäre das nicht genug, gelingt es ihm, den ebenfalls in Miami Beach auftretenden und damals fast gleich berühmten Komiker Milton Berle zu überreden, mit im Film aufzutreten, und zwar – haben wir es nicht schon geahnt? – in einer analogen Doppelrolle als Page und als er selbst. Einen der Höhepunkte dieses doppelten Verwirrspiels zeigt der folgende Ausschnitt, worin sich die beiden in ihren jeweiligen Doppelrollen begegnen…

Ob sich auch das Hotel über den Erfolg gefreut hat, den Jerry Lewis mit »The Bellboy« feierte? Wahrscheinlich schon. Ein bißchen routinemäßig vielleicht – war es doch weder die erste noch die letzte Filmrolle, in der das Fontainebleau reussierte. In »Goldfinger«, »A Hole in the Head«, »Scarface«, »Bodyguard« und einer Reihe anderer Filme (von Fernsehserien nicht zu reden) spielte es immer wieder Hauptrollen, die seinen Ruf festigten. Und das Hotel profitiert von der Karriere, die es in Hollywood machte, als Hotel ganz sicher bis heute:

14. Juli 2012

Vorsicht, Bumerang

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Was um Verständnis wirbt, ist oft nur entlarvend. Etwa wenn Boule­vardjournalisten oder Fernsehmacher, werden sie auf das beschämende Niveau ihrer Arbeit angesprochen, sich auf den schlechten Geschmack des Publikums berufen. Wenn Hoteliers eine sinkende Servicequalität mit der Schnäppchenjägermentalität der Gäste rechtfertigen. Oder wenn Innenarchitekten sich über den mangelnden Mut, die fehlende Weitsicht und schwindende Investitionsbereitschaft ihrer Auftraggeber beklagen.

Aber verdient wirklich unser Mitleid, wer sich entschieden hat, unter seinem Niveau zu arbeiten – und wer die Menschen, für die er arbeitet, für dümmer und minderwertiger hält als sich selbst? Oder handelt es sich um einen Sündenfall, für den jeder selbst die Verantwortung trägt, ebenso wie für die logische Folge: den unaufhaltsamen Weg nach unten, hin zum kleinsten gemeinsamen Nenner?

Hinterher dann zu jammern und auf Sachzwänge zu pochen, verrät allerdings schlechten Geschmack – und unterschätzt ein weiteres Mal die Intelligenz des Gegenübers.

10. Juli 2012

Jenseits des Erwartungshorizonts

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Die Meinungsforschung verrät uns ziemlich detailliert, was Gäste von einem Hotel erwarten und an einem Hotel schätzen. Da müßte es doch ein leichtes sein, diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollte man meinen. Doch dem ist nicht so. Erfolg hat der, der in möglichst vielen Hinsichten die Erwartungen der Gäste übertrifft. Das ist folglich auch das Ziel, das Investoren, Hoteliers und Innenarchitekten miteinander verbinden sollte…

Leider aber hat sich diese simple Weisheit noch viel zu wenig herumgesprochen.

10. Juli 2012

Vorsicht, Werbung (41)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Zur Abwechslung was zum Genießen – Heineken schafft es immer wieder, mich zu verblüffen. Und diesmal ganz besonders, fühle ich mich doch von dem folgenden Spot als Innenarchitektin voll angesprochen… ;-)

8. Juli 2012

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»James Bond 007 – Octupussy«, 1983, von John Glen, mit Roger Moore, Maud Adams, Louis Jordan, Musik: John Barry, Titelsong: Rita Coolidge, Titelsequenz: Maurice Binder

James Bond als Kinoheld und die Rolling Stones – beide werden sie 50 in diesem Jahr. Ich kann gar nicht sagen, über welches der beiden Jubiläen ich mehr ins Staunen und ins Grübeln komme, und ob die Stones oder 007 in dieser Zeit mehr Menschen erreicht und in ihren Bann gezogen haben, weiß ich ebenfalls nicht. Hier im Hotel Hollywood Sunday Special aber geht es ausschließlich ums Thema Film, und so ist es wenigstens keine Frage, wem der heutige Beitrag gewidmet zu sein hat.

James Bond also, dem wir schon früher Gastrecht gewährten. Heute mit einem Film, der die parodistischen Elemente und paradoxen, oft sogar skurrilen Einfälle der Serie auf die Spitze treibt. »Octopussy«. Keine Geliebte James Bonds hat einen seltsameren Namen. Natürlich steht sie, wie so oft bei James Bond, zwischen den Fronten, spielt ein doppeltes Spiel und genießt auch das Vertrauen des Feindes. Es geht – auch das gehört zu den Bond-Filmen in den Zeiten des Kalten Krieges – um nichts geringeres als den Weltfrieden und die Existenz Europas. Als »Währung« für die Atombombe, die Europa dem Erdboden gleichmachen soll, dienen allerdings (man höre und staune) ausgerechnet Fabergé-Eier aus dem russischen Zarenschatz… Der Thriller hat fast schon Slapstick-Qualitäten.

Natürlich kommen auch Hotels nicht zu kurz; wo sonst sollte James seinen Martini bestellen – geschüttelt, nicht gerührt? Eins der prachtvollsten ist das City Palace in Udaipur, Rajasthan, wo Bond während seines Indienaufenthaltes meist gastiert. Nicht dieses will ich Ihnen freilich im folgenden Ausschnitt zeigen, sondern ein noch spektakuläreres, das freilich im Film nicht als Hotel, sondern als Octopussys Privat-Palast in Erscheinung tritt: das Taj Lake Palace Hotel, gelegen auf einer Insel mitten im Lake Pichola. Um einen Palast hat es sich ursprünglich ja gehandelt – aber schon seit Jahrzehnten zählt es zu den berühmtesten Hotels Indiens, das so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Lord Curzon, Vivien Leigh, Queen Elizabeth und Jacqueline Kennedy zu ihrer Lieblingsresidenz erkoren.

Aber zurück zum Film bzw. zum heutigen Ausschnitt. Nach den ersten beiden Minuten beginnt die Überfahrt zum Palast, und was den Zuschauer beeindruckt, ist nicht nur dessen Pracht, sondern vor allem auch das Aquarium mit dem Octupus, das sich die Besitzerin als Wappentier zugelegt hat. Oder verdankt sie ihren (Spitz-)Namen überhaupt erst der Liebe zu diesen Tieren? Ich sage es doch – an skurrilen Einfällen leidet der Film keinen Mangel…

Noch einmal: alles Gute zum Geburtstag. Und sollte James Bond nach weiteren 50 Jahren immer noch so beliebt sein wie heute, wird er wenigtens dieses Jubiläum nicht mit den Rolling Stones teilen müssen… ;-)

7. Juli 2012

Writers’ Corner
»Am schlimmsten sind Hotels und Restaurants.«

»Was ich vermisse? Ruhe. Ich setze mich vor den Konzerten backstage in diese Großraumduschen mit der Akustischen und spiele Flamenco. Gute Akustik. Dabei sammle ich mich selbst ein, sozusagen. Am schlimmsten sind die Hotels und Restaurants. Überall Drum ’n’ Bass, House, ein einziges Geploppe, Gesirre, Gezwitscher, Geloope. Du kannst durch diese Hotels durchtanzen, vom Zimmer durch den Flur durch den Aufzug durch den Frühstückssaal und dann raus durch die Rezeption bis auf die Straße. Dich im Kreis drehen, mit dem Kopf wackeln, in die Hände klatschen, rausgrooven. Das ist Terror.«

Oliver Riedel von »Rammstein« im Shorebreak Hotel, Huntington
(Zitiert nach SZ-Magazin, 6.7.2012, S. 28)

3. Juli 2012

Writers’ Corner:
Das Loch im Picasso

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Es dürfte nicht wenige Museumsdirektoren geben, die das Wynn Hotel in Las Vegas um seine Gemäldesammlung beneiden. Steve Wynn zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Hoteliers, sondern auch zu den leidenschaftlichsten Kunstsammlern der Gegenwart. Aber was ein echter Sammler ist, der kauft nicht nur Kunst, er verkauft sie auch. So ließ sich Wynn 2006 von dem Hedgefonds-Milliardär Steven Cohen überreden, ihm Picassos Porträt »La Reve« abzutreten – für den höchsten Preis, der bis dahin jemals für ein Gemälde bezahlt worden war. Aber Geld ist nicht alles, und leicht scheint Steve Wynn der Abschied von dem Bild nicht gefallen zu sein. Jedenfalls lud er eine Reihe von Bekannten und Gästen seines Hauses – darunter auch die Regisseurin Nora Ephron – ein, mit ihm gemeinsam einen letzten Blick darauf zu werfen. Ein letztes Mal verbreitete er sich voller Enthusiasmus über das Gemälde, das dabei war, für unabsehbare Zeit, vielleicht für immer, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden. Wie gesagt: die Trennung fiel ihm schwer. Sehr schwer. Und so fand er inmitten seiner Ausführungen einen kreativen, wenngleich drastischen Weg, den Picasso doch noch zu behalten. Nun ja – nicht ganz den Picasso, den er an Steven Cohen veräußert hatte, aber immerhin, am Ende lief es fast aufs selbe hinaus. Nämlich? – Das lassen Sie sich am besten von Nora Ephron selbst schildern, die in der Huffington Post darüber berichtete (ich habe bei der Geschichte schallend gelacht):

»A couple of weekends ago, we went to Las Vegas. It was a small group of us who can never get enough Vegas. We stayed at The Wynn, where we always stay. We like the Wynn and we like Steve and Elaine Wynn, who own the Wynn, and we like the breakfast buffet at the Wynn, which is the greatest breakfast buffet in Las Vegas and therefore in the world. It’s even better than the breakfast buffet at the Bellagio Hotel, which Steve Wynn used to own. The day you die and go to heaven, there will not be a breakfast buffet as good as the one at the Wynn.

We got there Friday night and went straight to dinner at the SW Restaurant, which is of course named after Steve Wynn. I’d never been there. It has a strip steak that I honestly thought was the finest steak of my life, and let me tell you, I eat a lot of steak. (This reminds me, someone at our table ordered a steak made of grass-fed beef, it was the second time I’d had grass-fed beef in less than a week, it’s become a big trend, and may I say that someone should stamp out grass-fed beef because it has no taste whatsoever.) Anyway, while we were eating, Steve and Elaine Wynn stopped by the table. Wynn was in a very good mood because, he told us, he had just sold a Picasso for $139 million. I was surprised he’d sold it, because the Picasso in question was not just any old Picasso but the famous painting Le Reve, which used to hang in the museum at the Bellagio when Wynn owned it, and no question it was Wynn’s favorite painting. He’d practically named his new hotel after it, but at some point in the course of construction he’d changed his mind and decided to name the hotel after himself, which, when you think of it, was a good idea, what with the homonym and all. Meanwhile, he named the Cirque de Soleil Show at the Wynn after Le Reve. weiterlesen…

1. Juli 2012

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Sleepless in Seattle« (dt.: »Schlaflos in Seattle«), 1993, von Nora Ephron, mit Tom Hanks, Meg Ryan

Letzte Woche, genauer gesagt am 26. Juni, starb die amerikanische Regisseurin und Drehbuchautorin Nora Ephron im Alter von 71 Jahren. Kein Feuilleton und kaum ein Blog in England und den USA, der darauf nicht ausführlich, teilweise auch mehrfach eingegangen wäre. Wer diese Beiträge und dazu vielleicht ein paar der noch viel zahlreicheren Leserbriefe liest, für den fügen sich alle die Nachrufe zu einer einzigen großen Liebeserklärung. Stärker noch als hierzulande hat Nora Ephron dort mit ihren romantischen Komödien seit vielen Jahren die Herzen des Publikums erreicht. Nicht daß sie bei uns unbekannt geblieben wäre: Filme wie »Harry und Sally«, »Schlaflos in Seattle«, »e-m@il für Dich«, »Julie & Julia« u.a. wurden zu Welterfolgen und verschafften Nora Ephron eine treue, stetig wachsende Fangemeinde.

Selbstverständlich reihen wir uns auch hier in der Serendipity Suite in den Kreis der Trauergemeinde ein und erweisen der Filmemacherin die letzte Ehre. Allerdings nicht in Form eines Nachrufs, sondern standesgemäß und wie sich das gehört in Form von zwei Filmausschnitten, die im Hotel spielen. Sie stammen aus dem Film »Schlaflos in Seattle«, der – ähnlich wie »e-m@il für Dich« – die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnologien dazu nutzt, der klassischen Liebesgeschichte ganz neue Facetten abzugewinnen.

In der ersten Szene ruft die Heldin Annie von ihrem Hotelzimmer (ab Min. 05:00) in Seattle aus ihre Freundin Rosie an und schildert ihr ausführlich ihre »neue Liebe« Sam, den sie gerade heimlich beobachtet und dabei erstmals wirklich gesehen hat. Auf diese Weise lernt Rosie – das ist die hübsche Pointe dabei – Sam über das technische Medium Telefon kennen, ohne ihn zu Gesicht zu bekommen, so wie sich Annie zuvor in seine Radiostimme (und das, was sie zu sagen hatte) verliebte.

Die zweite Szene spielt in einem Hotelzimmer in New York (ab ca. Min. 5:00 des Ausschnitts). Es ist Valentinstag, und Annie holt ihren bisherigen Verlobten im Hotel ab, um gemeinsam Vorbereitungen für die bevorstehende Hochzeit zu treffen. Am Abend desselben Tages beschließt sie, sich zugunsten Sams von ihrem Verlobten zu trennen, noch ohne zu wissen, ob es zu dem eher vage geplanten Rendezvous mit ihm überhaupt kommen wird. Das Zimmer 608 des Sorrento Hotels in Seattle, wo diese Szene gedreht wurde, ist bis heute als »Sleepless in Seattle«-Zimmer bekannt, und das rechtfertigt schon für sich allein eine Aufnahme in die Hall of Fame des Hotel Hollywood Sunday Specials.

Dazu kommt natürlich, daß Sam von Beruf Architekt ist und selbst Hotels plant. Aber um mehr darüber zu erfahren sollten Sie sich schon das Vergnügen gönnen, bei Gelegenheit mal in Ruhe den ganzen Film zu sehen…

29. Juni 2012

Review:
Türen zum Vergessen. Oder Schwellen zum Erfolg.

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wie es weitergehen soll, hängt auch davon ab, was uns wirklich wichtig ist. Konkret auf die Serendipity Suite bezogen: woran nehme ich mir immer noch ein Beispiel – welche Fragen sind weiterhin offen und von Belang; welche Themen haben nichts an Aktualität eingebüßt; welche Sichtweisen erschließen uns über den Tag hinaus neue Erkenntnisse, Horizonte und Denkmöglichkeiten? Eine Reihe solcher Beiträge, von denen ich meine, daß sie »Zukunft haben« und haben sollten, möchte ich in den nächsten 2 bis 3 Wochen unter dem Stichwort »Review« Revue passieren lassen. Ich lade Sie ein, mir dabei Gesellschaft zu leisten.
 

Zu den üblichen Beurteilungskriterien für Innenarchitektur gehören Ästhetik, Funktionalität und allenfalls noch der Erlebniswert. Doch diese Kriterien beschreiben nur Oberflächenphänomene. Erfolgreiches Hoteldesign sollte eher daran gemessen werden, was es leistet. Und da kommen ganz andere Kriterien ins Spiel.

Räume beeinflussen die Stimmung, das ist bekannt. Erstaunlich wäre, wenn es dabei bliebe – sämtliche Aspekte der menschlichen Existenz haben eine räumliche Dimension. Die Sprache bringt das klar zum Ausdruck; wir reden von Erlebnisräumen, Empfindungsräumen, Assoziationsräumen, Denkräumen, Bewegungsräumen, Möglichkeitsräumen, Erinnerungs­räumen usw. Der äußere oder geometrische Raum, mit dem wir es in der Architektur und Innenarchitektur zu tun haben, steht mit allen diesen Räumen in Wechselwirkung. Damit stärkt oder schwächt, fördert oder hemmt er auch die Fähigkeiten, die zu diesen Existenzräumen gehören. Räume, die sich zum Gespräch und entspannten Plaudern anbieten, eignen sich nicht unbedingt zum konzentrierten Arbeiten, und umgekehrt. Räume zu gestalten bedeutet, auf der Partitur der menschlichen Möglichkeiten zu spielen.

Architekten und Innenarchitekten wissen das seit jeher und haben dazu im Lauf der Jahrhunderte einen gewaltigen Schatz an Wissen und Erfahrung erworben. Explizit formulieren, in ein Regelwerk gießen oder zu einem Theoriegebäude formen läßt sich dieser Erfahrungsschatz nicht – dazu sind die Zusammenhänge zu komplex und die Zahl der Wechselwirkungen zu groß. Tradition und lebenslanges Lernen spielen hier eine entscheidende Rolle. Die zunehmende »Akademisierung« unseres Berufsstands in den letzten Jahrzehnten hat auf diesem Gebiet eher zu einer Verkümmerung der handwerklichen Fähigkeiten und einem Verlust an »implizitem Wissen« als zu wirklichen Fortschritten beigetragen – aber das ist ein Thema für sich.

Interessant finde ich, daß in den letzten Jahren von der Neurophysiologie oder Kognitionsforschung bis hin zur Arbeitspsychologie, der Soziologie oder der Urbanistik auch immer mehr Wissenschaften sich für die Wirkung von Räumen auf die Menschen interessieren. Einer von ihnen ist Prof. Gabriel Radvansky von der University of Notre Dame. Eins seiner jüngsten Forschungsprojekte beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von Türen und Gedächtnis, dem Ortswechsel zwischen unterschiedlichen Räumen und dem Erinnerungsvermögen. So weit hergeholt das im ersten Moment scheinen mag, so verblüffend sind die Ergebnisse.   weiterlesen…