Die WELT hat mal wieder den Finger am Puls der Zeit. Jetzt hat sie entdeckt, daß die Hotelbranche in rasender Kreativität dabei ist, neue Berufe und Berufsbilder zu kreieren. Das klang schon mal vielversprechend. Viel öfter wird ja das Gegenteil beklagt: zuwenig Innovationsfreude in der Hotellerie. Also fing ich zu lesen an.
Der Artikel begann – zur Einstimmung, vermutete ich – mit dem neuen Job des Hotelpoeten. Der geht im Restaurant von Tisch zu Tisch, trägt selbst verfaßte Gedichte vor oder findet Reime zu beliebigen Worten und Wortverbindungen, die ihm die Gäste zuwerfen. Wahnsinnig aufregend. Und ein internationaler Erfolg, wie die WELT versichert. Daß der Poet aus Stratford-upon-Avon kommt, soll seine Qualitäten wohl zusätzlich beglaubigen. Immerhin wurde dort schon William Shakespeare geboren. Ich fand’s trotzdem zum Gähnen. Und noch nicht mal sonderlich neu. Dunkel erinnert man sich, sowas auch schon in Fernseh-Shows gesehen zu haben, kurz bevor man vor der Glotze einschlief. Na ja, was soll’s, dachte ich. Das war jetzt erstmal zum Aufwärmen. Keiner will schon zu Anfang sein ganzes Pulver verschießen. Eine gute Story baut langsam die Spannung auf, bevor sie zum Höhepunkt kommt. Es kann nur besser werden.
Es wurde aber nicht besser. Nur peinlicher. Da traten etwa arbeitslose Opernsänger auf, die sich als Kellner verdingten. Und während sie die gedünstete Forelle servierten, hielten sie kurz inne, um zur nicht gelinden Überraschung der Gäste »La donna è mobile…« zu schmettern. Überraschung ist heutzutage wohl ein Wert an sich. Und selbst damit ist es bei vielen dieser »neuen Hotelberufe« nicht weit her. Darüber, daß Hotels mit mehrere Stockwerke hohen Aquarien für deren Reinigung Taucher beschäftigen müssen, wundert sich wohl nur ein WELT-Reporter. Und wenn an einem tropischen Palmenstrand die Badegäste Gefahr laufen, von herabfallenden Kokosnüssen oder abgestorbenen Zweigen getroffen zu werden, dürfte es jedem verantwortungsvollen Hoteldirektor ein Anliegen sein, solche Gefahrenquellen jeden Morgen beseitigen zu lassen. Das war, wie ich vermute, vor 30 Jahren nicht anders als heute. Vielleicht hießen sie damals noch nicht »Coconut Climber«. Und ein Beruf ohne eigenen Namen ist nun mal kein richtiger Beruf.
Statt einem Höhe- strebt der WELT-Artikel langsam aber sicher seinem absoluten Tiefpunkt zu. Der ist erreicht, als man uns den Gärtner des pfälzischen Hotels »Kloster Hornbach« vorstellt. Der kümmert sich nicht nur um Blumen, Bäume und den Gemüsegarten, sondern auch um die hauseigene Carrera-Rennbahn. Was für eine glänzende Berufsperspektive.
Das macht mir Mut, selbst mit einer bescheidenen Anregung zur wunderbaren Berufsvermehrung beizutragen. Ich schlage also vor – jetzt alle mal herhören, bitte: den ultimativen Hotel-Vortänzer. Nein, nicht was Sie meinen. Einen Tanzlehrer oder Ballett-Tänzer kann jeder engagieren. Wer sowas macht, ist einfach noch nicht richtig auf den Hund gekommen. Und erst dann wird es wirklich sensationell. Lassen Sie sich überraschen:









