Mac-Nutzer zahlen mehr fürs Hotelzimmer, wenn sie online buchen, hieß es vor ein paar Wochen. Das klang natürlich sensationell skandalös und schaffte es schnell in die Schlagzeilen. »Apple-Nutzer zahlen drauf«, titelte Bild. Das ist zwar richtig, aber trotzdem falsch. Oder jedenfalls mißverständlich. Ungesagt bleibt da nämlich: Apple-Nutzer tun das gern. Sie fühlen sich dabei gar nicht über den Tisch gezogen. Und sie werden auch nicht über den Tisch gezogen.
Das Online-Reiseportal Orbitz (um dessen Geschäftspraktiken es ging) hat das auch gleich klargestellt: Mac-Nutzer geben von vornherein 30 Prozent mehr pro Nacht für ein Zimmer aus als andere. Das läßt sich einer Analyse von Orbitz’ Kundendaten leicht entnehmen. Auch ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, daß sie sich für ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel entscheiden. Daraus hat Orbitz die naheliegende Konsequenz gezogen und präsentiert den Mac-Kunden in seinen Empfehlungen hochwertigere und entsprechend teurere Angebote als »ordinären PClern«. Die Apple-Nutzer wissen das ebenso zu schätzen wie Amazon-Kunden Buchempfehlungen, die auf erstaunlich genaue Weise ihren Geschmack treffen. Und um nichts anderes handelt es sich bei dem angeblichen Skandal. Keiner verlangt unterschiedliche Preise für unterschiedliche Zimmer. Der Shitstorm auf Twitter verebbte folglich ziemlich rasch, und auch die Medien verfolgten das Thema nicht weiter.
Mir gibt an der Geschichte was anderes zu denken. Ist es nicht erstaunlich, daß sich Apple einen – immer noch wachsenden – Kundenstamm herangezogen hat, der bereit ist, auch auf anderen Gebieten für höhere Qualität mehr Geld auszugeben (was bei Apple selbst im übrigen gar nicht mehr unbedingt nötig ist)? Das straft alle Lügen, die darüber jammern, die Geiz-ist-geil-Mentalität nehme überhand und den Schnäppchenjägern gehöre die Zukunft. Auch der gegenteilige Markt hat Wachstumspotential. Orbitz hat das verstanden und vermittelt den richtigen Hotels die richtigen Gäste.
Nur die Hotels selbst, könnte man meinen, haben das immer noch nicht kapiert. Wie kommt es sonst, daß selbst Luxushotels über den Preis werben und sich gegenseitig mit Schnäppchen und Sonderkonditionen unterbieten? Kaum einer geht den umgekehrten Weg und adressiert bewußt den Markt, den Apple und Orbitz (und natürlich noch ein paar andere) ihm auf dem silbernen Tablett präsentieren. Es ist schon deprimierend, wenn ich stattdessen in USA Today lesen muß, in Berlin gebe es in Nobelhotels weltweit mit die niedrigsten Zimmerpreise. Da sind die auch noch stolz drauf, so sehr sie gleichzeitig lamentieren. Daß der Tourismus insgesamt ob seiner Niedriglöhne und schlechten Arbeitsbedingungen im Kreuzfeuer der Kritik steht, nimmt da schon gar nicht mehr Wunder.
Dabei wäre es eigentlich nur eine Sache des gesunden Menschenverstands, vom Stilgefühl nicht zu reden: wenn Gäste für anspruchsvolle Hotels optieren, dann sollten diese Hotels zeigen, daß sie auf solche Gäste Wert legen und sie wertschätzen. Dann sollten sie denselben Anspruch kommunizieren. Aber wo sind die Hotels, die das einlösen? Wo sind Hotelwebsites, die sich in Klasse und gestalterischer Raffinesse mit der Welt von Apple messen könnten?
Das alles – ich schaue grade in den Spiegel – gilt nicht nur für Hotels, sondern auch für die Websites beispielsweise von Architektur- und Innenarchitekturbüros. Wenn ich mir Partner und Auftraggeber wünsche, die mehr erwarten als der Durchschnitt, dann muß ich ihnen auch mehr bieten. Gerade diese potentiellen Kooperationspartner haben ja in der Regel ein feines Gespür für Qualität. Wenn ich über Erfahrung, Kompetenz, Ästhetik, gestalterische Leidenschaft und Weltoffenheit nur rede, statt sie in jedem Detail meiner Website unter Beweis zu stellen, dann werden gerade die sich nicht angesprochen fühlen, die ich ansprechen möchte.
Wer stattdessen auf die sattsam bekannten Worthülsen und Leerformeln setzt, diese mit seelenloser Grafik von der Stange dekoriert, zu allem Überfluß vielleicht noch seine Besucher mit Flash-Animationen, nichtssagenden Fotos oder klippschülerhaften Zeichnungen malträtiert, der wird die Resonanz bekommen, die er verdient. An der allgemeinen Niveaulosigkeit, über die er sich dann gern beklagt, hat er selbst seinen Anteil.
Aber von wirklich zielführendem Marketing verstehen die meisten wohl wenig.


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