Sollten Sie das Wort noch nie gehört haben, wär’s kein Wunder. Wenn doch, ist mir jemand zuvorgekommen; ich hab’s nämlich grade erfunden. Gemeint ist damit: Marktforschung mit Hilfe von Social Media. Die deutsche Übersetzung klingt sogar noch besser: Soziale Marktforschung. Das sollte ich mir eigentlich schützen lassen, aber ich fürchte, dann riskiere ich ein Gerichtsverfahren wegen bewußter Irreführung des Markts und der Öffentlichkeit.
Irreführung liegt mir allerdings fern. Ich denke vielmehr: die interaktiven Angebote des Web 2.0 bieten in vieler Hinsicht konkurrenzlose Möglichkeiten, sich mit dem Markt rückzukoppeln, Resonanz von den Zielgruppen zu bekommen und aufgrund der Reaktionen Korrekturen vorzunehmen oder Verbesserungen einzuleiten. Das ist gewissermaßen »Echtzeit-Marketing«, und Tripadvisor, Facebook oder Twitter werden dafür ja bereits umfänglich genutzt, nicht zuletzt in der Hotellerie. Unternehmerische Strategien wie das Kaizen oder der Kontinuierliche Verbesserungsprozeß (KVP) können davon nur profitieren.
»In vieler Hinsicht«, habe ich gesagt, und das heißt: es gibt auch Grenzen. Neue Technologien, die grenzenlose Möglichkeiten suggerieren, wecken nur zu leicht grenzenlose Erwartungen, die sie nicht einlösen können. »Grenzwertig« finde ich beispielsweise schon die Aktion, mit der das W Hotel London, Leicester Square – geplanter Eröffnungstermin: Februar 2011 – gegenwärtig auf Facebook von sich reden macht. »Mr W« will dort von der Community wissen, wie das neue Hotel seine » Munchies Boxes« bestücken soll (andernorts sagt man Minibar dazu). Das klingt im ersten Moment nach einer sehr vernünftigen Idee. Demokratischer geht’s nicht: diejenigen, die sie später nutzen werden, sollen auch über den Inhalt der Minibar entscheiden. Sollte das Hotel freilich die Ergebnisse dieser Umfrage tatsächlich der Bestückung seiner Minibars zugrundelegen, wären ihm gleich mehrere Denkfehler unterlaufen. weiterlesen…
