Einträge zum Thema Technologie

1. September 2010

Das Energiesparlampen-Paradox – Forts.

Der Artikel des Economist, an den mein gestriger Beitrag anknüpfte, scheint einen Nerv getroffen zu haben. Gestern hat auch die New York Times in ihrer Rubrik »Idea of the Day« die Thesen des Economist aufgegriffen. Das ist begrüßenswert. Denn ungeachtet der vollendeten Tatsachen, die die EU leider geschaffen hat, verdient das Thema sicher eine breitere Diskussion als die Glaubenskriege, in denen es sich häufig erschöpft.

Erstaunt haben mich allerdings die Leserkommentare. Kaum jemand hat die Argumention des Artikels nachvollzogen und seine Pointe verstanden. Die einen unterstellten, der Economist empfehle eine Rückkehr zu den Pechfackeln der Höhlenbewohner (das erinnert mich an das Niveau der Atomstrom-Debatten hierzulande), die anderen meinten, die Verfasser des Artikels und der zugrundeliegenden Studie verlängerten einfach die Entwicklung von 1750 bis heute 20 Jahre in die Zukunft. Aber die Zunahme des »Lichtkonsums« in den letzten 250 Jahren diente nur der Veranschaulichung, nicht als Argument oder gar Beweis – ebenso übrigens wie die Analogie zum überproportional wachsenden Verkehrsaufkommen bei einem Ausbau des Straßennetzes.

Wer sich ein Urteil bilden möchte, wie fundiert oder fehlerhaft ihre Ergebnisse sind, sollte sich dabei schon auf die Studie selbst beziehen; sie ist online verfügbar – wenn Sie Interesse haben, klicken Sie hier.
 

Update:
Auch deutsche Medien sind jetzt auf die Studie Prof. Jeff Tsaos von den Sandia National Laboratories aufmerksam geworden. Das Bedürfnis nach ernsthafter Diskussion ist wohl doch weiter verbreitet als die EU-Bürokraten denken, die offenbar überzeugt sind, »das Volk, den großen Lümmel« (H. Heine) nur mit Verboten zur Räson bringen zu können.

31. August 2010

Das Energiesparlampen-Paradox

Über Sinn und Unsinn des Glühlampenverbots haben wir hier bereits des öfteren gesprochen; der Unsinn überwiegt natürlich, wie bei den meisten Segnungen, die wir der Bürokratie verdanken. Dabei hat sich meine Kritik auf zwei praktische Gesichtspunkte konzentriert: der vorgeschlagene Ersatz – unter dem Namen Energiesparlampe im Handel – produziert minderwertiges, im Vergleich zur Glühlampe indiskutables Licht; die wirklich interessanten Alternativen, die LED- und vor allem die OLED-Leuchten, brauchen noch ein paar Jahre, bis sie die Glühbirne im großen Maßstab ersetzen können und sich ihr Einsatz auch ökonomisch rechnet. Vor diesem Hintergrund ist das Verbot der Glühbirne jedenfalls verfrüht, wahrscheinlich aber generell überflüssig. Sobald es überlegene Lösungen zu kaufen gibt, werden sie der Glühlampe sowieso den Rang ablaufen. Wo aber – aus welchen Gründen immer – die Glühbirne weiterhin das Beleuchtungsmittel der Wahl darstellt, da soll sie auch weiter existieren dürfen. Die Brüsseler Bürokraten hätten getrost etwas mehr Vertrauen in die Marktwirtschaft setzen dürfen…

So weit, so gut, und außer in Brüssel dürfte dieser Schlußfolgerung heute kaum noch jemand widersprechen.

Das einzige Argument, das den Befürwortern des Verbots bleibt, ist die Notwendigkeit, Energie zu sparen – lieber heute als morgen, und jedenfalls nicht erst dann, wenn die Kräfte des Marktes effizienteren und sparsameren Lösungen zum Durchbruch verhelfen. Angesichts des dramatischen Klimawandels müsse die Politik dem Markt Rahmenbedingungen setzen, so heißt es. Immerhin macht die Beleuchtung 6,5 Prozent des Welt-Energieverbrauchs aus.

Der Economist freilich stellt jetzt sogar dieses Argument in Frage und prognostiziert, daß das Verbot der Glühlampe im Gegenteil nicht nur zu einer Erhöhung, sondern sogar zu einer Vervielfachung des Energieverbrauchs führen wirdweiterlesen…

31. August 2010

Die zwei Gesichter des Social Web

Stephanie Marcus in Mashable:

»For all the praise that brand advertisers have for social media, they must be aware that it’s very much a double-edged sword. And for all the free marketing, advertising and brand promotion via Facebook, Twitter, Foursquare, and other platforms used to help build an identity and relationship with your customers, it can just as quickly turn on you and your brand.«

Das ist einer der Gründe, warum ich so beharrlich zur Vorsicht im Umgang mit Social Media rate. Was das Social Web für Sie tut, kann es auch gegen sie tun; so sehr es nutzt, so sehr vermag es zu schaden. Wenn ein potentieller Gast zwei Dutzend Hotelbewertungen bei einem Online-Portal liest – was meinen Sie, welche er in Erinnerung behält? Klar doch: die schlimmste. Und das ist keine böswillige Unterstellung meinerseits, sondern der Erfahrungswert von TUI, nachzulesen im aktuellen SPIEGEL (Link nur für Abonnenten).

Und wozu lädt das ein? auf welche Idee könnte da einer kommen, der Ihnen schaden möchte? Auch hier will ich niemandem Böses unterstellen. Aber es sind schließlich schon haarsträubende Dinge vorgekommen. Und das ist nur die naheliegendste der Gefahren, die vom Social Web drohen können.

Keine dieser Gefahren muß sich materialisieren. Aber man sollte sie kennen – und gegen sie gerüstet sein. Deshalb rate ich weiterhin zu konstruktiver Skepsis und viel Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand. Im Grunde ist es wie bei den abenteuerlichen und »todsicheren« Finanzmarkt-Konstrukten, die bis vor kurzem so in Mode waren: wenn Ihnen Ihr Bankberater das Blaue vom Himmel verspricht und Sie verstehen trotzdem nicht, wie genau das funktionieren soll – dann weiß er’s aller Wahrscheinlichkeit nach selbst nicht (und möglicherweise auch sonst keiner).

Die Folgen für die Finanzmärkte haben wir erlebt. Im Social Web sind die Auswirkungen nicht ganz so gravierend und treffen eher den Einzelnen. Das ist freilich ein schwacher Trost, wenn es sich bei dem Einzelnen ausgerechnet um Sie handelt.

19. August 2010

Im Dschungel des Social Web:
Das richtige Werkzeug macht vieles leichter

Ein Internet-Portal, das potentielle Gäste bei der Hotelsuche unterstützt, nützt auch den Hotels – und kann ihnen eine Menge Arbeit sparen.

Wer heute bei Tripadvisor recherchiert, um für ein Wochenende in Berlin, Hamburg oder München, Rom, Paris oder New York das richtige Hotel zu finden, sieht sich mit einer schier unüberschaubaren Zahl von Kommentaren zu jedem einzelnen Haus konfrontiert. Und auch die Portale vermehren sich. Neben Tripadvisor müßte der Betreffende mindestens noch HRS und Hotel.de konsultieren, um ein halbwegs vollständiges Bild zu erhalten. Es braucht Stunden oder eher noch Tage, bevor er sich auch nur halbwegs einen Überblick verschafft hat. Ob er sich danach seiner Sache sicher sein kann, steht auf einem anderen Blatt. Haben die Kriterien, die grade ihm wichtig sind, in den Kommentaren der anderen genug Berücksichtigung gefunden? Oder setzen deren Bewertungen Prioritäten, die für ihn unter »ferner liefen« fallen?

Kurz: mit der Zahl der Informationen vermehrt sich auch die Zahl der Unsicherheitsfaktoren. Statt schneller und einfacher ist die Hotelsuche im Internet eher zeit- und arbeitsaufwendiger geworden – für viele auch frustrierend und unbefriedigend.

Seit etwa einem Jahr gibt es ein »Portal der Portale«, das hier Abhilfe zu leisten verspricht – und dieses Versprechen auf erstaunlich wirksame Weise einlöst.  weiterlesen…

12. August 2010

Social Market Research

Sollten Sie das Wort noch nie gehört haben, wär’s kein Wunder. Wenn doch, ist mir jemand zuvorgekommen; ich hab’s nämlich grade erfunden. Gemeint ist damit: Marktforschung mit Hilfe von Social Media. Die deutsche Übersetzung klingt sogar noch besser: Soziale Marktforschung. Das sollte ich mir eigentlich schützen lassen, aber ich fürchte, dann riskiere ich ein Gerichtsverfahren wegen bewußter Irreführung des Markts und der Öffentlichkeit. ;-)

Irreführung liegt mir allerdings fern. Ich denke vielmehr: die interaktiven Angebote des Web 2.0 bieten in vieler Hinsicht konkurrenzlose Möglichkeiten, sich mit dem Markt rückzukoppeln, Resonanz von den Zielgruppen zu bekommen und aufgrund der Reaktionen Korrekturen vorzunehmen oder Verbesserungen einzuleiten. Das ist gewissermaßen »Echtzeit-Marketing«, und Tripadvisor, Facebook oder Twitter werden dafür ja bereits umfänglich genutzt, nicht zuletzt in der Hotellerie. Unternehmerische Strategien wie das Kaizen oder der Kontinuierliche Verbesserungsprozeß (KVP) können davon nur profitieren.

»In vieler Hinsicht«, habe ich gesagt, und das heißt: es gibt auch Grenzen. Neue Technologien, die grenzenlose Möglichkeiten suggerieren, wecken nur zu leicht grenzenlose Erwartungen, die sie nicht einlösen können. »Grenzwertig« finde ich beispielsweise schon die Aktion, mit der das W Hotel London, Leicester Square – geplanter Eröffnungstermin: Februar 2011 – gegenwärtig auf Facebook von sich reden macht. »Mr W« will dort von der Community wissen, wie das neue Hotel seine » Munchies Boxes« bestücken soll (andernorts sagt man Minibar dazu). Das klingt im ersten Moment nach einer sehr vernünftigen Idee. Demokratischer geht’s nicht: diejenigen, die sie später nutzen werden, sollen auch über den Inhalt der Minibar entscheiden. Sollte das Hotel freilich die Ergebnisse dieser Umfrage tatsächlich der Bestückung seiner Minibars zugrundelegen, wären ihm gleich mehrere Denkfehler unterlaufen.  weiterlesen…

5. August 2010

W-LAN Everywhere, Fortsetzung

Rollende W-LAN Hotspots für New York: 1000 der berühmten Yellow Cabs stellen von diesem Herbst an einen freien Internet-Zugang zur Verfügung. Die Fahrgäste werden’s zu schätzen wissen; Taxifahrten in der Großstadt können bekanntlich dauern. Das gilt nicht nur für New York. In Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam ziehen, wie Sie sich erinnern werden, auch Hotels Konsequenzen daraus und bieten ihren Gästen freies W-LAN beim Shuttle-Service vom und zum Flughafen. Und vielleicht lassen sich auch die Österreicher vom New Yorker Beispiel inspirieren: Taxis mit W-LAN auszustatten dürfte erheblich einfacher sein als Tausende Berggipfel damit zu versorgen.

Übrigens: Passanten im Umkreis von ca. 120 Metern ums Taxi kommen ebenfalls in den Genuß des freien Internets. Bei der Taxidichte in New York könnte allein auf diesem Weg schnell eine flächendeckende Versorgung herauskommen.

Hierzulande hingegen hat Robert Schweizer, seines Zeichens Rechtsvorstand des Burda-Verlags, soeben erneut gefordert, Suchmaschinenbetreiber hätten dafür, daß sie den Verlagen Leser zuführen, gefälligst Geld zu zahlen. Und der Spiegel faselt in seiner aktuellen Ausgabe in Altherren-Manier hoffnungsvoll was von einer »Null-Blog-Generation«. Alles mit dem kaum verhüllten Hintergedanken: wenn wir nur den Kopf tüchtig in den Sand stecken und die Schotten dicht machen, wird sich schon nicht allzuviel ändern. Den Fortschritt freilich schert das wenig – er geht einfach über Deutschland hinweg.

Es sind schon Welten, die hier aufeinanderprallen, oder zumindest: diametral entgegengesetzte Haltungen und Denkweisen.

5. August 2010

Einig gegen’s Körberlgeld oder
W–LAN Everywhere

Nein, ich wußte auch nicht, was das heißt, obwohl mir das Wiener Idiom vertrauter ist als beispielsweise das Plattdeutsche. Als »Körberlgeld« bezeichnen die Österreicher die Gebühren, die Hotels für die Internet-Nutzung erheben; ob das Wort darüber hinaus noch weitere Bedeutungen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls stehen diese Gebühren bei unseren alpenländischen Nachbarn gegenwärtig im Kreuzfeuer der Kritik. Politiker, Verbände, Tourismus-Experten und Fremdenverkehrsmanager sind sich einig: das Körberlgeld muß weg. Ganz weg.

Denn – und das ist das zweite, was ich neu gelernt habe: im Großen und Ganzen ist das freie W-LAN in österreichischen Hotels bereits weitgehend die Regel. Es sind die schwarzen Schafe, die wenigen verbliebenen Hardliner, gegen die sich die Kritik richtet. Die Internet-Nutzung separat in Rechnung zu stellen – das sei ein wenig, als würde man den Gästen die Wursträder (österreichisch für: Wurstscheiben) am Frühstücks-Buffet einzeln verkaufen – so Norbert Kettner von WienTourismus. Das ist aber längst nicht mehr zeitgemäß. Das tun nur noch die Ewig-Gestrigen. Daran kann man ermessen, wie weit die diesbezügliche Diskussion in der Alpen-Republik bereits fortgeschritten ist. Das mag an der Rolle liegen, die der Wirtschaftsfaktor Tourismus in Österreich spielt. Freies W-LAN immer und überall sowie die flächendeckende Verfügbarkeit des mobilen Internets sind Standort-Vorteile, die ein internationales Publikum zu schätzen weiß.

Aus diesem Grund geht es bei der aktuellen Debatte auch keineswegs ausschließlich um Hotels. Der Ehrgeiz der Österreicher ist größer.  weiterlesen…

3. August 2010

Mehr zum iPad im Hotel

Gleich bei der Markteinführung hatte ich die Vermutung geäußert, daß dem iPad und vergleichbaren Tablet-Computern eine große Zukunft in Hotels beschieden sein könnte. Die Monate seither haben diese Prognose bestätigt. Überall auf der Welt bieten Luxus-Hotels ihren Gästen iPads als besondere Attraktion, meist zusammen mit hotelspezifischen Programmen und Features. Jetzt ist eine der großen, auch in Deutschland aktiven Business-Hotelketten auf den Zug aufgesprungen. Seit Anfang dieses Monats stellen ausgewählte Sofitel Häuser in vier europäischen Ländern – darunter das Sofitel Hotel Bayerpost in München – jedem Gast, der eine Suite bucht, auch ein iPad als kostenlosen Service zur Verfügung. Natürlich darf auch hier der hotelspezifische Zusatznutzen nicht fehlen: eine vorinstallierte Auswahl ständig aktualisierter internationaler Wirtschaftszeitungen, ergänzt um führende Tageszeitungen und Magazine – darunter einige, die nur im Abonnement bzw. gegen Bezahlung online zu haben sind. Sofitel läßt sich den Luxus durchaus was kosten.

Trotzdem: besonders revolutionär oder gar einfallsreich klingt das nicht. Dieselben Medien könnte das Hotel seinen Gästen unschwer auch offline offerieren. Das wäre allerdings ein ganz schöner Wust an Papier. Da ist das iPad doch erheblich komfortabler und vielseitiger – und bietet den Gästen darüber hinaus (noch) einen besonderen »Erlebniswert«. Außerdem, so argumentiert Sofitel, sei das umweltfreundlicher als Papier, und verspricht, das Lektüre-Angebot künftig noch kräftig zu erweitern. Außerdem sollen schrittweise weitere, auf die Anforderungen einer internationalen Business-Elite zielende Anwendungen dazukommen.

Darauf bin ich jetzt schon gespannt. Denn was ich bisher diesbezüglich kennengelernt habe, überzeugt mich keineswegs.  weiterlesen…

30. Juli 2010

3 Goldene Regeln für den Erfolg im Social Web

Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich immer wieder und zum Teil intensiv mit den Möglichkeiten, die das sogenannte Web 2.0 oder »Mitmach-Web« eröffnet und habe gerade in den letzten Monaten mit vielen Menschen aus der Hotelbranche darüber gesprochen. Man kann sich bei diesem Thema nächtelang die Köpfe heißreden. Am Ende aber laufen für mich solche Diskussionen fast immer auf drei einfache Regeln hinaus, die bei den meisten meiner Gesprächspartner eher für Ernüchterung sorgen:

Regel 1
Sorge offline für zufriedene Gäste

Regel 2
Nutze das Social Web, um dich über deine Arbeit oder deine Ideen auszutauschen, mit deinen Gästen in Dialog zu treten und mit ihnen in Kontakt zu bleiben

Regel 3
Wenn du Regel 1 nicht einlöst, wird dir Regel 2 mehr schaden als nützen

Zusammengefaßt: das Social Web bietet dir Möglichkeiten, aber es sorgt gleichzeitig dafür, daß deine konkrete, praktische Arbeit ungleich höhere Werbewirkung entfaltet als noch so hoher Werbeaufwand. Das Web 2.0 belohnt Leistung, nicht flotte Sprüche. Der Grund dafür liegt darin, daß mit dem Social Web die Meinungsmacht unwiderruflich von den Werbern auf die Beworbenen, also die Konsumenten und Nutzer übergeht.  weiterlesen…

10. Juli 2010

Mobiles W-LAN für Hotelgäste

Kostenloser, d.h. im Zimmerpreis enthaltener Internetzugang über W-LAN steht – wie ich schon vor einiger Zeit berichtet habe – auf der Prioritätenliste des durchschnittlichen Hotelgastes ganz oben. Aber noch scheinen längst nicht alle Hotels bereit oder auch nur fähig, diesem Wunsch nachzukommen. Manche bemühen sich vergeblich, überhaupt ein funktionierendes W-LAN auf die Beine zu stellen – andere verlangen dafür zusätzliche Nutzungs­gebühren, die bisweilen für eher unerfreuliche Überraschungen sorgen. Am Gegenpol gibt es zumindest ein Hotel, das den Service für seine Gäste sogar noch einen Schritt weiter treibt: es bietet das hoteleigene, kostenlose W-LAN auch in sämtlichen Fahrzeugen seines Fuhrparks. Gäste, die etwa vom Flughafen abgeholt werden, sind im Auto sofort online, lange bevor sie überhaupt im Hotel ankommen und eingecheckt haben. Nach Auskunft des Hoteldirektors sind insbesondere Business-Reisende hellauf begeistert von dieser Idee.

Das Hotel, von dem ich rede, heißt »Concorde«, und es befindet sich – nein, leider nicht in Deutschland, aber auch nicht in New York oder Tokio. Sondern – und jetzt halten Sie sich fest – in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam. Das ist nur ein Beispiel. Aber es verdeutlicht vielleicht, warum im aktuellen Digital Economy Ranking des »Economist« Südkorea vom 19. auf den 13. und Taiwan vom 16. auf den 12. Platz vorgerückt sind, während sich Deutschland um einen Platz vom 17. auf den 18. Rang verschlechterte (Vietnam wird vom Ranking leider nicht erfaßt).

Es würde mich sehr interessieren, ob jemand von den Lesern ein Hotel in Deutschland oder in Europa kennt, das einen ähnlichen Service anbietet (ich würde darüber nur allzugern berichten).

3. Juli 2010

Platz 18, Tendenz absteigend

Der britische »Economist« hat diese Woche sein jüngstes Digital Economy Ranking (früher: E-readiness Ranking) vorgestellt. Diese jährlich aktualisierte Liste existiert seit mehr als 10 Jahren; sie wird von der Economist Intelligence Unit (EIU) und dem IBM Institute for Business Value erarbeitet und hat zum Ziel, Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft verläßliche Daten zu liefern, um den Stand der Informations- und Kommunikations-Technologie in ihrem Land im Hinblick auf den globalen ökonomischen Wettbewerb einzuschätzen. In die Bewertung fließt deshalb eine Vielzahl von Faktoren ein, die von der technischen Infrastruktur über den Zugang zu digitalen Diensten und die rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zum Nutzungsverhalten und dem digitalen Know-how der Nutzer reichen. Denn – in den Worten des Studienleiters Denis McCauley: »Strong digital development requires concerted action and progress across many fronts.«

Die Zusammenfassung der Studie erläutert das am Beispiel des diesjährigen Spitzenreiters Schweden:

»This year’s leader, Sweden, and most of the other top-tier countries boast, along with high degrees of connectivity, stable business and legal environments; strong educational and cultural drivers; supportive government ICT policies; and, partly as a result of all the forgoing, active and growing use of digital services by individuals and businesses.«

Schweden, von Anfang an im Spitzenfeld dabei, hat heuer übrigens erstmals den langjährigen Spitzenreiter Dänemark vom ersten Platz verdrängt. Generell allerdings hat sich an der führenden Rolle der skandinavischen Länder nicht viel verändert; auf dem vierten Platz folgt Finnland, auf dem sechsten Norwegen. Einen deutlichen Sprung nach vorn haben die USA getan, die es mit Platz drei immerhin aufs Siegertreppchen schafften; einen wesentlichen Anteil daran hat der Studie zufolge Apples iPhone und die dadurch initiierte massive Zunahme der mobilen Internet-Nutzung. Mit ins Spitzenfeld haben sich die Niederlande geschoben, die auf Platz fünf liegen; weiter auf dem Vormarsch eine Reihe asiatischer Länder, vor allem dank konsequenter Investitionen in die Infrastruktur.

Und wo liegt Deutschland? – würden Sie jetzt wahrscheinlich fragen, hätten Sie’s nicht schon in der Überschrift gelesen. Platz 18 also, ein Platz schlechter als letztes Jahr.  weiterlesen…

30. Juni 2010

Buckminster Fullers Traumauto

Das ist eins der wenigen Filmdokumente, die Fullers »Dymaxion Car« in Aktion zeigen; was auf Fotos eher skurril aussieht, wirkt hier durchaus elegant und komfortabel; beachten Sie vor allem auch die effektvolle Demonstration des kleinen Wendekreises gleich zu Anfang des Films. Man könnte meinen, es handle sich um eine Konzeptstudie aus den 50er Jahren – Fuller baute das Gefährt aber schon 1933. Als Antrieb diente ein Ford V8-Motor mit 83 PS; der Verbrauch betrug dank der aerodynamischen Konstruktion 7,8 Liter pro 100 Kilometer, was selbst heute noch ein respektabler Wert ist – ebenso wie die Höchstgeschwindigkeit, die laut Buckminster Fuller bei 190 km/h liegen sollte. Den praktischen Beweis dafür mußte er schuldig bleiben: die vorhandenen Prototypen wurden nie schneller als mit ca. 140 km/h bewegt, und zur angestrebten und eigentlich schon beschlossenen Serienfertigung kam es dann doch nicht. Vielleicht will ja Sir Norman Foster, der bekanntlich ein Faible für schnelle Fortbewegungsmittel aller Art hat, mit seinem restaurierten »Dymaxion Car« die Behauptung seines Freundes nun nachträglich unter Beweis stellen.

30. Juni 2010

Sir Norman Foster zum 75.

Reichstagkuppel_kasselgalerie_de, foto Malte Ruhnke, Wikimedia Commons_mod

Zum Glück bin ich nicht die einzige, die Geburtstage vergißt; auch der Guardian ist erst jetzt, beinahe mit einem Monat Verspätung, dazu gekommen, seinem Landsmann Norman Foster zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Der war nämlich schon am 1. Juni. Aber besser spät als gar nicht, hat sich die Redaktion des Guardian wohl gedacht – und dem will ich mich anschließen. Foster, Pritzker-Preisträger des Jahrs 1999, ist zweifellos einer der großen Architekten unserer Zeit, aber auch einer derjenigen, die am stärksten polarisiert haben. Auch bei mir hat sich oft Bewunderung mit Widerspruch und Kritik gemischt – aber von beidem habe ich profitiert. Foster gehört zu den Menschen, mit denen zu streiten sich lohnt; das ist vielleicht die höchste Anerkennung, die man ihm zollen kann. Ich möchte Ihnen daher, wenn Sie grad etwas Zeit und Muße haben, die Lektüre des Guardian-Artikels wärmstens empfehlen; sie werden einen Architekten kennenlernen, der sich auch nach der Erhebung in den Adelsstand stets zur Arbeiterklasse bekannte, der er entstammt – und dennoch Luxus-Marotten pflegt, bei denen wir Normalsterblichen nur große Augen machen… :-)

Im folgenden statt einer Laudatio ein Zitat, das mir Fosters Denk- und Arbeitsweise besonders deutlich widerzuspiegeln scheint, sowie ein paar kurze Bemerkungen zu seinem jüngsten Projekt. Zunächst das Zitat:

»There’s a snobbery at work in architecture. The subject is too often treated as a fine art, delicately wrapped in mumbo-jumbo. In reality, it’s an all-embracing discipline taking in science, art, maths, engineering, climate, nature, politics, economics. Every time I’ve flown an aircraft, or visited a steelworks, or watched a panel-beater at work, I’ve learned something new that can be applied to buildings. Disciplines connect, from locomotive engineering to the design of a bridge, or from a study of the way raptors and gliders soar. The most amazing lesson in aerodynamics I ever had was the day I climbed a thermal in a glider at the same time as an eagle. I witnessed, close up, effortlessness and lightness combined with strength, precision and determination.«

Vor diesem Hintergrund dürfte sein gegenwärtiges Projekt, die Öko-Stadt Masdar City in Abu Dhabi, wohl die Herausforderung seines Lebens darstellen. Gleichzeitig schlägt es den Bogen zurück zu einer Freundschaft, die Foster tief geprägt hat und für das Verständnis seines Werks essentiell ist. Die Konzeption von Masdar City basiert, so Foster, in wesentlichen Teilen auf Gesprächen, die er in den 70er Jahren und bis zum Tod des Freundes 1983 mit Buckminster Fuller führte. Dazu paßt, daß er sich zum 75. Geburtstag selbst ein aufwendig restauriertes (und auch sonst sündteures) Exemplar von Fullers legendärem »Dymaxion Car« geschenkt hat.

Eine Idee allerdings, die in Masdar City zum Tragen kommen wird, stammt weder von Fuller noch von Foster. Es handelt sich um Kühltürme für die Klimatisierung nach demselben Prinzip, das schon vor 500 Jahren in Haiderabad Sindh Verwendung fand. Ich hätte auch nicht gedacht, daß ich so schnell ein zweites Mal auf sie zu sprechen kommen und damit den Bogen zurück zum vor-vorigen Eintrag schlagen würde… :-)

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Fullers »Dymaxion Car«; Foto: saschapohlflepp, Wikimedia Commons

20. Juni 2010

OLED-Perspektiven

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Nach allem, was mir Fachleute erzählen, heißt die Lichtquelle der Zukunft OLED. Gegenüber den LEDs als der einzigen ernsthaften und überdies schon marktreifen Alternative zeichnen sich OLEDs durch größere Flexibilität und das voraussichtlich bessere Preis-Leistungsverhältnis aus. Leider ist bislang – von gelegentlichen Pressemeldungen und sporadischen Prototypen abgesehen – nur wenig Konkretes über OLEDs zu erfahren. Viele Fragen, die ihren praktischen Einsatz betreffen, bleiben offen. Mit großem Interesse habe ich daher gelesen, welche Ziele die EU in ihrem beziehungsreich so genannten Programm »OLED 100« für die OLED-Entwicklung vorgibt:

• 100 Lumen pro Watt
• eine Lebensdauer von 100.000 Stunden
• 100 mal 100 Zentimeter große Flächen
• Kosten von 100 Euro pro Quadratmeter

Dazu ein paar Vergleichsdaten, um diese Zahlen besser einordnen zu können. Herkömmliche Glühlampen sind auf eine Betriebsdauer von ca. 1.000 Stunden ausgelegt; 100.000 Stunden entsprechen einem Dauerbetrieb von 4.167 Tagen bzw. 11,4 Jahren. Die Lichtausbeute beträgt bei heutigen Glühlampen etwa 14 lm/W, bei Halogenstrahlern 24 lm/W und bei Energiesparlampen 65 bis 85 lm/W. Der von der EU genannte Zielwert liegt also deutlich über den heute meist eingesetzten Alternativen; angesichts der realen Leistung von ca. 20 lm/W bei heute erhältlichen OLEDs könnte er allerdings unrealistisch scheinen. Doch das Steigerungspotential scheint durchaus vorhanden; 2009 hat die TU Dresden einen Flächenstrahler vorgestellt, der rein weißes Licht erzeugt und mit 90 lm/W dem Ziel schon ziemlich nahe kommt.

Während die Technologie in jüngster Zeit eine rasante Weiterentwicklung erfahren hat, steckt die Großserienfertigung noch in den Kinderschuhen. Auf einen genauen Zeitrahmen mag sich keiner festlegen, aber fünf Jahre werden allgemein für eine realistische Schätzung gehalten.

Ich wollte, es ginge schneller.. :-)

[Vorangegangene Beiträge zum Thema OLEDs hier, hier und hier]

16. Juni 2010

Solarstrom zum Sparpreis

Für Architekten gibt es den Pritzker-Preis, aber auch Ingenieure haben ihr Nobelpreis-Äquivalent. Millennium-Preis heißt die Auszeichnung, wird von der Technischen Akademie Finnland vergeben und ist mit 2,1 Millionen Euro – davon 800.000 Euro für den Gewinner – durchaus nobelpreiswürdig dotiert. Von den drei Kandidaten, die dieses Jahr in der Endauswahl standen, hätten ihn auch die beiden Nicht-Gewinner verdient. Der britische Physiker Richard Friend spielte eine Schlüsselrolle bei der technischen Nutzbarmachung der OLED-Technologie, über die wir uns in der Serendipitiy Suite – etwa hier, hier, und hier – schon ausführlich ausgetauscht haben. Und der Computer-Ingenieur Stephen Furber war die treibende Kraft bei der Entwicklung der ARM-Microchips, die heute in Mobilgeräten, aber auch in Fernsehern, Bordcomputern von Autos etc. eine entscheidende Rolle spielen; fast 20 Milliarden dieser ultraminiaturisierten Leistungsträger wurden seit den 90er Jahren verbaut.

Den eigentlichen Lorbeer aber, also den Millennium-Preis selbst, verlieh die finnische Akademie dem in Deutschland, nämlich in Dorfchemnitz geborenen schweizer Staatsbürger Michael Grätzel, der heute als Professor an der École Polytechnique Fédérale in Lausanne (EPFL) lehrt. Nein, ich hatte den Namen ebenfalls noch nie gehört, bevor ich auf die Meldung über die Preisverleihung stieß. Dabei könnte seine Erfindung – und von einer solchen muß man sprechen – schon bald eine immense Rolle nicht zuletzt im Hotelbereich spielen. Grätzel hat nämlich, salopp formuliert, die Solarzelle ein zweites Mal erfunden. Anders als die heute gebräuchlichen Dünnschicht-Silizium-Zellen orientiert sich die Grätzel-Zelle in ihrer Funktionsweise an der Photosynthese, die grüne Pflanzen seit Jahrmillionen zur Umwandlung von Licht in Energie nutzen. Gegenüber der Silizium-Technologie bietet die technische Photosynthese, wie sie auch genannt wird, unter anderem folgende wesentlichen Vorteile:  weiterlesen…

9. Juni 2010

Apple – Design mit Macken?

Vorgestern hat Apple die vierte Generation seines iPhones vorgestellt, jenes Handys, das mittlerweile seit 2007 definiert, wie die Produkte der Mitbewerber auszusehen haben. Die Medien waren voll davon, und Sie wissen deshalb ohnehin schon fast alles darüber. Bis auf eins.

Aufgefallen ist Ihnen wahrscheinlich, daß sich – obgleich die Grundform unverändert blieb – erstmals das Design des Kult-Handys verändert hat. Es ist noch minimalistischer geworden als es ohnehin schon war. Vorder- und Rückseite bestehen jeweils aus einer ebenen Glasfläche; die Seitenkante wird gebildet durch ein flaches Band aus Edelstahl. Wirkt edel, hochwertig und ist, wenn man den Berichten glauben darf, extrem hochwertig verarbeitet. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten fällt ein merkwürdiges Detail ins Auge. Da, wo die beiden Enden des Edelstahl-Bands zusammenstoßen, klafft ein deutlicher Spalt statt des fugenlosen Übergangs, den man eigentlich erwarten würde. Hat Apple etwa geschlampt?

Aber nein, stellte Steve Jobs anläßlich der Produkt-Präsentation klar, bei der er eigens auf diese »Macke« hinwies.   weiterlesen…

8. Juni 2010

20 Prozent weniger Spritverbrauch?

In Ian McEwans jüngstem Roman »Solar« klaut der Held, ein Physik-Nobelpreisträger, seinem Doktoranden die Formel für »künstliche Photosynthese«. Die Versuchung muß groß gewesen sein. Photosynthese ist der Prozeß, bei dem grüne Pflanzen aus Sonnenlicht Energie erzeugen. Wer imstande wäre, ihn technisch nachzuahmen, könnte Maschinen bauen, die ohne Treibstoff laufen.

Gut, das ist Science Fiction.

Doch was die ZEIT da berichtet, klingt zwar nicht ganz so spektakulär, eber ebenfalls unglaublich. Ein taiwanesischer Erfinder namens Jacky Lynn soll ein System entwickelt haben, das den Treibstoff-Verbrauch und die Emissionen von Bussen, Autos und Motorrädern um 20 Prozent senkt – ohne Leistungs-Einbußen, versteht sich. Womit das funktioniert? Mit Wasser. Zehn Liter reichen für ca. 1 500 Kilometer. Daraus wird mittels Elektrolyse ein Sauerstoff- Wasserstoff-Gemisch hergestellt, das zusätzlich in den Tank eingespritzt wird und für die Treibstoff-Einsparung verantwortlich ist. Ein taiwanesisches Unternehmen hat die Erfindung zur Serienreife weiterentwickelt und unter dem Namen EP-C100 Hybrid Fuel auf den Markt gebracht. Praxistests in öffentlichen Verkehrsmitteln in Taiwan und China verliefen erfolgreich; die weltweite Vermarktung soll in Kürze beginnen. Auch ältere Fahrzeuge können problemlos nachgerüstet werden.   weiterlesen…

22. Mai 2010

Anstiftung zum Datenklau

Im britischen Economist geht »Babbage« auf die grundsätzlichen Fragen ein, die das jüngste W-LAN Urteil des BGH aufwirft. Das sind leider gleichzeitig diejenigen, die in der deutschen Berichterstattung weitgehend unberücksichtigt blieben. Nur vordergründig geht es Babbage zufolge um die Interessen der unmittelbar Beteiligten – eines Musikproduzenten und eines privaten W-LAN-Betreibers. Die eigentliche Güter-Abwägung hätte nämlich zu erfolgen zwischen dem (nicht zuletzt wirtschaftlichen) Wert einer freien Internet-Öffentlichkeit (dem »ökonomischen Wert des Internets«) und dem Wert, der Einzel-Interessen einer bestimmten Gruppe oder Branche zukommt – inkl. dem Schaden, den sie durch kriminelle Aktivitäten Einzelner etwa erleiden können. Im aktuellen BGH-Urteil ist eine solche Abwägung unterblieben. Und weil sich die Auseinandersetzung ausschließlich auf die unmittelbar Beteiligten konzentrierte, fielen die Auswirkungen des Urteils etwa auf die Belange von Hotels, Cafes, öffentlichen Hotspots, Bürgernetzwerken, wissenschaftlichen Einrichtungen, Bildungsinstitutionen etc. völlig unter den Tisch.   weiterlesen…

14. Mai 2010

Der BGH und das W-LAN

Auf die möglichen Konsequenzen nicht zuletzt für Hotels hatte ich hier vor ein paar Wochen hingewiesen. Jetzt hat der BGH seine Entscheidung verkündet: der Betreiber eines privaten W-LANs ist verpflichtet, dieses mit einem hinreichend sicheren Paßwort zu schützen. Tut er das nicht und das W-LAN wird von Dritten für Urheberrechtsverletzungen oder andere unrechtmäßige Handlungen genutzt, haftet dafür in begrenztem Umfang auch der W-LAN-Betreiber. Er kann auf Unterlassung verklagt werden und trägt die vorangegangenen Abmahnkosten.

Allerdings – das ist die gute Nachricht: er ist nicht schadensersatzpflichtig, da er die Urheberrechtsverletzung nicht selbst begangen hat. Eine Beihilfe zu einer Straftat wiederum würde Vorsatz voraussetzen, woran es in der Regel fehlen dürfte. Die weniger gute Nachricht: künftig genügt eine einzige erfolgreiche Abmahnung, um ein offenes W-LAN ein für allemal stillzulegen. Hotels, Cafes, Shopping-Malls – aber auch öffentlichen Einrichtungen, die einen kostenlosen Internet-Zugang als Dienstleistung anbieten, dürfte für ein solches Angebot von nun an die Grundlage entzogen sein.   weiterlesen…

29. April 2010

Gäste bestehen auf W-LAN

Die Website HotelChatter – ein Tochterunternehmen des Condé Nast Verlags – hat soeben die sechste Ausgabe des jährlich erscheinenden hotel wifi reports veröffentlicht. Im letzten Jahr hatten die Autoren prognostiziert, nach dem Boom zu Beginn des Jahrtausends werde im zweiten Jahrzehnt des Millenniums die Bedeutung von W-LANs wieder abnehmen, da die Gäste zunehmend über eigene, mobilfunkgestützte Netzzugänge verfügten (Netbooks, SIM-Karten für den Laptop etc.). Die aktuelle Studie straft diese Prognose Lügen: W-LAN im Hotel ist wichtiger denn je. Immer mehr Gäste machen mittlerweile ihre Entscheidung für oder gegen ein Hotel davon abhängig, ob dieses einen drahtlosen Internetzugang bietet. Darüber hinaus betrachten sie das W-LAN nicht mehr als extra zu bezahlenden »Luxus«, sondern als Standardleistung, die im Zimmerpreis inbegriffen sein sollte.

Die Experten von HotelChatter halten das nicht für ein »Zwischenhoch«, sondern einen längerfristigen Trend – und revidieren damit ihre eigene Einschätzung vom letzten Jahr. Als Grund nennen sie die veränderte Nutzung des Internets mit dem Schwerpunkt auf »Cloud-Applikationen« und multimedialen Inhalten sowie das Erscheinen eigens darauf ausgelegter Geräte (z.B. Apples iPad). Dafür böten W-LANs auf absehbare Zeit mehr Komfort als das mobile Internet.

Die Studie bezieht sich zwar auf die Vereinigten Staaten – für Deutschland oder Westeuropa wären die Ergebnisse aber wohl kaum grundlegend anders ausgefallen. Umso wichtiger erscheint mir die Rechtssicherheit: Hotels als Betreiber von W-LANs sollten nicht für die Online-Aktivitäten der Gäste haften und diesbezüglich potentiell ruinöse finanzielle Risiken in Kauf nehmen müssen. Das ist gegenwärtig in Deutschland nicht gewährleistet.

Über die anstehende Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu diesem Thema am 12. Mai werde ich berichten.

20. April 2010

Kein W-LAN mehr im Hotel?

Sind in Deutschland W-LANs in Hotels bald ebenso Vergangenheit wie Hotspots, Internetcafes oder W-LAN in Flugzeug und Eisenbahn? Darum geht es in einem Fall, der gegenwärtig vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt wird.

Ich würde dramatisieren und möglicherweise allzu weitgehende Schlüsse ziehen, haben mir einige Gäste der Serendipity Suite anläßlich dieses Beitrags vorgehalten. Ein Gesetz, das Hotels zur Online-Überwachung ihrer Gäste verpflichten würde, sei in einem Rechtsstaat undenkbar. Im Licht der jüngsten Ver­fassungs­ge­richts­ur­teile zur Vorratsdatenspeicherung und zum Schutz der Privatsphäre stimmt das wahrscheinlich. Ein Grund zur Entwarnung ist es nicht. Denn die Konsequenz daraus könnte lauten, daß Hotels ihren Gästen überhaupt kein W-LAN mehr anbieten dürfen.

Das mag in niemandes Absicht liegen. Aber da im Internet alles mit allem vernetzt ist, hat jeder Einzelfall – als Kollateralschaden gewissermaßen – potentiell Folgen in ganz anderen Bereichen, an die keiner gedacht hat. So auch in dem Grundsatzfall zur sogenannten Störerhaftung, der kürzlich vor dem BGH verhandelt wurde; die Entscheidung des Höchstgerichts ist für den 12. Mai angekündigt. Hoteliers tun gut daran, sich dieses Datum jetzt schon vorzumerken.   weiterlesen…

18. April 2010

Noch mehr OLED-Leuchten

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Kaum ein Hersteller, der auf der light & building in Frankfurt und der Mailänder Möbelmesse nicht auch LED-Leuchten zeigte. Die Technologie ist definitiv im Massenmarkt angekommen, das Angebot kaum noch überschaubar. Anders die auf organischen Halbleitermaterialien basierende OLED-Technik. Heute gilt sie als next step und Zukunftstechnologie – ein Platz, den vor zwei Jahren noch die LEDs innehatten. Umso interessanter sind die Entwürfe, die zu sehen waren, zeigen sie doch zumindest im Ansatz, welche gestalterischen Möglichkeiten die nächste Leuchtengeneration eröffnet. Einen dieser Entwürfe – Tom Dixons »Flat Lamp« habe ich Ihnen bereits vorgestellt. Und »flat« ist auch das Motto und Leitmotiv der beiden anderen Neuheiten, auf die ich heute kurz hinweisen möchte.

Die erste stammt von den diesjährigen Pritzker-Preisträgern Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (Sanaa) und wurde in Zusammenarbeit mit Zumtobel realisiert (siehe Aufmacherbild oben). Wie bei Tom Dixon handelt es sich um ein extrem puristisch-minimalistisches Design, das die verblüffend flache Bauweise von OLED-Elementen zum Gestaltungsprinzip macht. Auch eine Verwandtschaft mit rAndom Internationals »Fade to Light« Installation ist unübersehbar. Ob es sich beim Leuchtmittel ebenfalls um Philips »Lumiblades« handelt, wie der Anschein nahelegt, ist der Website von Zumtobel leider nicht zu entnehmen.

Nicht von Philips, sondern von den Mitbewerbern Osram und Novaled stammt die Technik der zweiten Novität dieses Beitrags:     weiterlesen…

14. April 2010

Tom Dixons »Flat Lamp«

Sie erinnern sich an die Philips OLED Lumiblades und die Installation »Fade to Light«, die ich Ihnen vor einiger Zeit vorgestellt habe? Auf der Mailänder Möbelmesse feiert dieser Tage eine der ersten kommerziellen Umsetzungen der Technologie Premiere – wenn nicht die erste überhaupt. Sie stammt von Tom Dixon, dem Londoner enfant terrible des zeitgenössischen Designs und heißt schlicht und einfach so, wie sie aussieht: »Flat Lamp«.

Tom Dixon,»Flat Lamp«

Dixon macht das hervorstechendste konstruktive Merkmal der »Lampe«, ihre völlig flache Form, auch zum Design-Prinzip seiner Leuchten. Neben der gezeigten Hängevariante gibt es auch noch Boden-, Wand- und Schreibtischleuchten. So ganz allmählich, muß ich sagen, verlieren meine Gedanken an die gute alte Glühbirne doch viel von ihrer nostalgischen Wehmut… :-)

10. April 2010

Diskretion Ehrensache?

Datenschutz gehört zu den Themen, die häufig erst diskutiert werden, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist – dann dafür umso heftiger. Im aktuellen Sprachgebrauch gehören die Worte »Datenschutz« und »Skandal« so eng zusammen wie »Wirtschaft« und »Krise« oder »Klima« und »Wandel«. Hotels bilden, so könnte man meinen, die Ausnahme von der Regel. Schlagzeilen hat das Thema in diesem Bereich, der sonst ja durchaus die Aufmerksamkeit des Sensations-, Skandal- und Schlüsselloch-Journalismus auf sich zieht, bislang jedenfalls nicht gemacht. Entweder die Hotels haben den Datenschutz bestens im Griff – oder es handelt sich um die Ruhe vor dem Sturm.

Letzteres scheint mir wahrscheinlicher. Ich komme darauf durch eine Nachricht, die ich in diesen Tagen gelesen habe. Es geht dabei um eine renommierte, weltweit agierende Hotelkette im oberen Marktsegment. Die hat jüngst beschlossen, die Online-Aktivitäten ihrer Gäste zu überwachen. Zum Einsatz kommt dabei das ProActive System der schwedischen Firma NetClean. Deren CEO Christian Sjöberg beschreibt die Vorteile seines Produkts folgendermaßen:

»Many collectors of child abuse images carry the images with them when they go away on business or on holiday. Organisations need to protect against this. No business wants to be portrayed as careless or indifferent about their networks being used to allow child abuse images to be viewed or passed around.«

Dem Wortlaut nach geht das sogar noch weiter als die bloße Überwachung ein- und ausgehender Datenströme. Ein weiterer Artikel zum ProActive System bestätigt diesen Verdacht:   weiterlesen…

3. April 2010

Willkommen, iPad (im Hotel)

Über Apple und Steve Jobs haben wir hier in der Serendipity Suite schon mehrfach gesprochen – z.B. hier und hier und hier. Das hat nur bedingt etwas mit Technik zu tun – noch weniger mit Design als Wert an sich oder der vielgerühmten Benutzerfreundlichkeit von Apples Produkten. Viel spannender finde ich die Haltung gegenüber dem Markt und den Kunden, die Apple seit vielen Jahren exemplarisch vorlebt – verkörpert in erster Linie, aber längst nicht mehr nur durch Steve Jobs. Es ist eine Haltung, die stärker auf Imagination setzt als auf Marktforschung. Kundenorientierung meint deshalb bei Apple nahezu das Gegenteil dessen, was man üblicherweise darunter versteht. Es geht dabei nicht um die empirische Ermittlung von Kundenwünschen, die sich dann in Features des Produkts widerspiegeln. Das Hauptinteresse Steve Jobs’ gilt vielmehr noch nicht entdeckten oder nicht bewußten, jedenfalls aber nicht erfüllten Wünschen und Bedürfnissen, die sich am besten als Teil einer Lebensform beschreiben lassen, die den Nutzern neue Erlebnis-, Erfahrungs- oder Handlungshorizonte eröffnet – im Idealfall alles zusammen.

»Imagination einer Lebensform« – das ist vielleicht die beste Definition dessen, was Apple unter Innovation versteht; Technik, Design, Vermarktung und Vertriebswege spielen demgegenüber eine zwar wichtige, aber untergeordnete Rolle: als Mittel zum Zweck und Dienst an der Sache. »Imagination einer Lebensform« aber sollte nach meiner Überzeugung auch bei der Planung von Hotels im Mittelpunkt stehen – oder da erst recht. Zu Unrecht ordnen wir den Wünschen und Bedürfnissen der Gäste ebenso automatisch wie gedankenlos jeweils bestimmte Leistungen oder Ausstattungsmerkmale zu, die sich dann »abhaken« lassen. Die Gestaltung von Hotels ist die Gestaltung von Lebensräumen, und Kreativität bedeutet auch hier, dem Gast neue Erlebnis-, Erfahrungs- und Handlungsdimensionen zu eröffnen. Bedürfnisse nicht bloß zu erfüllen, sondern ihre Erfüllung neu zu interpretieren. Wie im Fall von Apple dürfte dabei gelten: Imagination ist der Marktforschung weit überlegen – wobei Marktforschung und Marketing zweifellos unentbehrlich sind und von unschätzbarem Wert, sofern sie nicht die erste Geige spielen wollen.

In diesem Sinn können wir alle, denen an Innovation und erfolgreichen Ideen im Hotelbereich gelegen ist, eine Menge von Apple lernen – wobei sich die zusätzliche Frage stellt, warum in der Computer- und Handyindustrie bislang kein anderer Hersteller die Lektion Apples begriffen, geschweige denn sich zu eigen gemacht haben scheint; aber das wäre wohl eine Abhandlung für sich.

Das war nun eine lange Einleitung zu einem Beitrag, der eigentlich ein anderes Thema hat. Eher als eine Einleitung ist es denn auch eine Hinführung. Denn wohl in keinem Apple-Produkt verkörpert sich die beschriebene Haltung perfekter und begehrenswerter als in dem, das heute seine Markteinführung feiert.   weiterlesen…

25. März 2010

157 Jahre auf und ab

Diesen Geburtstag hätte ich fast übersehen – aber verspätete Glückwünsche sind immer noch besser als gar keine. Also: vor zwei Tagen, am 23. März, hatte der Lift Geburtstag. Jawohl, der Aufzug, der das Gesicht unserer Städte und ihre soziale Schichtung so fundamental verändert hat wie wenige andere Erfindungen. Am 23. März 1857 nahm der erste davon in einem fünfstöckigen Kaufhaus an der Ecke Broadway/Broome Street in New York den Betrieb auf. 300 Dollar hatte die Anlage gekostet; im selben Jahr verkaufte der Erfinder und Unternehmer Elisha Graves Otis zwei weitere davon zum selben Preis – in den ersten Monaten des Jahrs 1854 allerdings keinen einzigen. Eine vielversprechende Idee, aber geschäftlich ein Flop, so schien es zunächst.   weiterlesen…

24. März 2010

Es kommen lichtere Zeiten

Die ZEIT greift ein Thema auf, das uns auch auf diesen Seiten kürzlich zweimal untergekommen ist – Sie erinnern sich an die Straßen-/Außenleuchten von Philips, die mittels Solarzellen ihren eigenen Strom erzeugen; zweitens, ebenfalls von Philips, die OLED-Lumiblades und die faszinierende Installation »Fade to Light«. Wir stehen vor einer Epochenschwelle, findet auch die ZEIT. Glühlampen, Halogenleuchten, Leuchtstoffröhren (und ihre mißglückte Re-Inkarnation, die Energiesparlampe) werden schon bald das Schicksal von Schreibmaschinen, Transistorradios und Wählscheibentelefonen teilen: nostalgische Erinnerungen der älteren Generation. Das wäre an sich nicht weiter erwähnenswert – Fachleuten und technisch Interessierten ist schon länger klar, daß dem LED- und vielleicht noch mehr dem OLED-Licht die Zukunft gehört.

Nur – »Zukunft« ist ein dehnbarer Begriff. Und bei allem Respekt vor dem Tempo des Fortschritts: denen, die das Potential der neuen Technologie sehen, dauert die Entwicklung viel zu lange. Kommerziell verfügbare Lösungen sind (noch) unverhältnismäßig teuer und decken bislang nur einen kleinen Teil des Anwendungsspektrums herkömmlicher Lichtquellen ab. Aber – und das war für mich die Erkenntnis, deretwegen sich die Lektüre des ZEIT-Artikels gelohnt hat – das könnte sich jetzt sehr schnell ändern.   weiterlesen…

19. März 2010

Luxus schützt vor Ekel nicht

Hygiene im Hotel: ein wichtiges Thema – und ein heikles dazu. Wenn man davon spricht oder sprechen muß, ist eigentlich schon alles zu spät. Wenn es einem schon vorher die Sprache verschlägt – umso schlimmer. Der Igitt-Faktor reicht, um dem Gast das Haus ein für allemal zu verleiden, und sei es ansonsten noch so renommiert, vornehm und nobel. Was sind schon fünf Sterne gegen eine einzige dicke, fette schwarze Spinne, der wir uns beim Öffnen des Kleiderschranks Aug in Auge gegenübersehen. Doch, ich spreche aus Erfahrung. Wer pro Jahr in zwei, drei Dutzend Hotels übernachtet, hat auch die eine oder andere üble Geschichte zu erzählen. Und was die makellose Sauberkeit von Zimmern und Bädern angeht, kann man es uns Hotelgästen ohnehin nur sehr schwer recht machen.

Das liegt daran – wenn ich mal frei von der Leber weg reden darf –, daß im Grunde jedes Hotel eine Zumutung darstellt. Wir haben uns nur daran gewöhnt und in der Regel vergessen, welche Überwindung es in Wirklichkeit kostet, in einem Bett zu schlafen, in dem schon hundert andere geschlafen, geschwitzt, gelitten oder sich vergnügt haben; eine Toilette, eine Dusche und ein Waschbecken zu benutzen, wo schon hundert andere sich erleichtert und von Schmutz oder Körperabsonderungen befreit haben – und mit einigen davon, darauf können wir wetten, würden wir nicht einmal den Tisch teilen wollen, wenn wir die Wahl hätten. Geschweige denn unsere Intimsphäre.

Der ganze Aufwand, den gute Hotels treiben – perfekt drapierte, frisch gestärkte Bettwäsche, spiegelglattes Porzellan, glitzernde Armaturen – dient auch dazu, uns diese Zumutung vergessen zu lassen. Aber es genügt der kleinste Anlaß (und da hat jeder seine eigenen Empfindlichkeiten), sie wieder in Erinnerung zu rufen. Ein undefinierbarer Fleck auf dem Leintuch. Silberfische im Waschbecken. Die ominöse Spinne im Kleiderschrank. Manchmal reicht sogar schon ein menschliches Haar zwischen den Laken. Schon ist uns die Zumutung wieder bewußt und äußert sich in einem der stärksten und elementarsten menschlichen Gefühle: einem unüberwindbaren Ekel, der für den Augenblick alle anderen Empfindungen verdrängt.

Der Alptraum jedes Hoteldirektors.   weiterlesen…

18. März 2010

Spiegelfechtereien mit Licht

Spiegel, Leuchte oder beides?

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Die Antwort darauf lautet: beides – und mehr. Die Philips OLED Lumiblade Leucht-Elemente wirken im ausgeschalteten Zustand als Spiegel, können aber auch auf die Bewegungen des Betrachters reagieren und dann entweder von einer Lichtquelle zum Spiegel werden – oder vom Spiegel zur Lichtquelle. Alles natürlich gezielt steuerbar, sodaß sich die faszinierendsten Effekte erzielen lassen. Das hat das London-Berliner Design-Kollektiv rAndom International in Kooperation mit Philips zur Installation »Fade to Light« inspiriert, die letztes Jahr auf der Mailänder Möbelmesse für Furore sorgte und bis vor wenigen Wochen die Besucher der Münchner Neuen Sammlung in ihren Bann zog:

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»Fade to Light«, Photo: © rainer schmitzberger

»Fade to Light«, Photo: © rainer schmitzberger

»Fade to Light«, Photo: © rainer schmitzberger

Hier sagen Bilder mehr als tausend Worte, aber immer noch zu wenig. Aus diesem Grund gleich auch noch ein paar filmische Impressionen:   weiterlesen…

14. März 2010

Martin Jetpack – Fortsetzung

Auch James Fallows, einer der angesehensten Journalisten in den USA, Pilot aus Leidenschaft und »Luftfahrtpapst« der Zeitschrift »The Atlantic«, ist neugierig geworden auf den Martin Jetpack und überzeugt davon, daß er sich durchsetzen wird. Nicht zuletzt wegen des des Preises: der Jetpack soll nicht mehr kosten als eine Oberklasse-Limousine (von 76.000 Dollar = ca. 55.000 Euro sprach die Huffington Post; bei entsprechenden Stückzahlen dürfte der Preis wohl noch deutlich sinken).

Die Huffington Post hatte das spektakuläre Fluggerät übrigens schon am 25. Februar auf der Titelseite; mittlerweile ziehen auch die deutschen Medien nach – an diesem Wochenende beispielsweise hier und hier.

Vielleicht lag ich also richtig mit meiner Prognose: der Martin Jetpack hat ein enormes Marktpotential und könnte sich schnell zum Kult-Gerät mausern. Wird also der Traum vom Fliegen für jedermann wahr? Das vielleicht (noch) nicht. Aber Hotels für Sportbegeisterte und Erlebnishungrige sollten sich schon mal drauf einstellen: ihre Gäste könnten künftig die Lufthoheit beanspruchen… :-)

[Mehr zum Martin Jetpack – technische Spezifikationen, Sicher­heits­aus­stattung etc. – finden Sie auf der Website des Unternehmens.]

9. März 2010

Eis-Heilige (Reality Check)

Das ist mal eine Nachricht, die zum Wetter paßt. Wann war es eigentlich das letzte Mal so kalt um diese Jahres­zeit? – oder ist das eine Frage, die wir uns jedes Jahr aufs neue stellen? Oh ja, die menschliche Vergeß­lich­keit. Aber im Ernst: wir haben bald Mitte März! Der Frühling hat längst begonnen, bitte­schön – jedenfalls meteo­rolo­gisch betrachtet. Aber der Meteo­ro­logie ist nicht zu trauen, wie wir schon anläßlich des Winter­anfangs fest­ge­stellt haben.

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Halten wir uns also lieber an die Glaziologen. Aus deren Sicht ist das Wetter traum­haft. Gradezu ideal für unsere Gletscher im Schwarz­wald. Jetzt schauen Sie mal nicht so ver­dattert – ich weiß, wovon ich rede. Und nix für ungut: Sie sollten’s eben­falls wissen, wenn Sie mitreden wollen. Oder sich mit­freuen. Denn, so der Spiegel: »Die Touris­mus­indu­strie ist be­gei­stert.« Die hat das Poten­tial der Gletscher ganz schnell be­griffen, die neuer­dings im Schwarz­wald ge­züch­tet werden – ganz ohne Herbi­zide und chemi­sche Dün­gungs­mittel. Das Rezept ist einfach. Man nehme ein paar handels­übli­che Be­rie­se­lungs­an­lagen, wie sie zur Be­wässe­rung von Feldern ein­ge­setzt werden. Nur die Düsen sollten sich ein paar Meter über dem Erd­boden be­finden, damit der wach­sende Gletscher sie nicht unter sich be­gräbt. Dann nehme man die Anlage zu Winter­anfang in Be­trieb. Schon beginnt eine Eis­schicht zu wachsen und hat sich bis zum Früh­jahr zu einem veri­tablen Gletscher gemausert.

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Gut, im Schwarzwald, bei einer Höhe von 850 Metern über dem Meeres­spiegel, ist es mit der Pracht späte­stens im Mai wieder vorbei, was die Skepti­ker unter den Lesern be­stätigen dürfte. Aber es handelt sich eben nur um einen Test­gletscher, wie Prof. Dr. Eduard Heindl betonte, als er am 5. März auf dem Extrem­wetter­kongress in Bremer­haven sein »Projekt zur künstlichen Re­pro­duktion von Gletschern« vorstellte. Die an­fäng­lich zwei­felnde Glazio­logen­zunft hatte er schon vorher über­zeugt. Mittler­weile stehen, wenn man dem Spiegel glauben darf, eine ganze Reihe von Interes­senten Schlange:

»Skiorte in der Schweiz und in Österreich sind darunter, denen ihre Gletscher unter den Liften weg­ge­taut sind. Auch ein Schweizer Wasser­kraft­werk plant dem­nach einen Kunst­gletscher, dessen Schmelz­wasser im Sommer elektri­schen Strom liefern soll. “Die fragen sich: Stau­damm erhöhen, oder lieber Eis sprühen?”, berichtet Heindl. Ein Schweizer Nobel-Bergort wolle mit neuen Gletschern seine Hänge sichern.«

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Schon eine faszinierende Vorstellung. Alle reden vom Klima­wandel – wir expor­tieren Gletscher. Und wenn in Grön­land Palmen wachsen, wächst in den Alpen das künstliche Eis. Wenn das keine lang­fristige Zu­kunfts­planung ist… weiterlesen…

4. März 2010

Nano-Tech-Revolution – Nachtrag

So ganz ohne Resonanz ist die Beschichtung von Oberflächen mit ultradünnem Siliziumdioxid in Deutschland doch nicht geblieben, wie ein Leser dankenswerterweise anmerkt. Zumindest in der WELT vom 9. Februar ist ein Artikel darüber erschienen. Derselbe Leser bekräftigt meine Vermutung, daß die neue Technologie gegen mächtige Lobby-Interessen zu kämpfen haben wird:

»das Thema scheint derzeit in der Tat erst am Beginn zu stehen. Unlängst war aber auch in der WELT ein interessanter Artikel zu diesem Produkt zu lesen: http://www.welt.de/die-welt/wissen/article6311645/Nie-wieder-Tassen-spuelen.html

Ich denke, dass es sicher eine Lobby gegen zu unempfindliche Oberflächen gibt, was auch in diesem Artikel beschrieben wird.«

Der Leser – ich kenne ihn auch persönlich – hat wahrscheinlich noch mehr Einblick als ich in das, was hinter den Kulissen so gespielt wird. Daß aufseiten der Reinigungsmittelindustrie gigantische Umsätze auf dem Spiel stehen, liegt ohnehin auf der Hand. Aber ist das die ganze Wahrheit? Kann man sich damit zufrieden geben? weiterlesen…

2. März 2010

Öko-Licht-Spiele

Geht es nach dem Traditionskonzern Philips, zeigen Außen­leuch­ten der Zu­kunft zwei ver­schie­dene Ge­sichter. Erstens als Taglicht:

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Und zweitens als Nachtlicht:

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Eigentlich ein nahe­liegendes Konzept, das Philips hier der Natur ab­ge­guckt und auf dem Simplicity Event 2008 in Moskau erst­mals vor­ge­stellt hat. Natür­lich denkt der Konzern an Straßen­be­leuch­tung als wich­tigstes Ein­satz­ge­biet – das ist ja auch mit Ab­stand der größte Markt. Aber es braucht wenig Phan­tasie, um sich eine Fülle weiterer Ein­satz­möglich­keiten aus­zu­malen. Außen­be­leuch­tung, die keine externe Strom­quelle be­nötigt, wäre in vielen Be­rei­chen eine attrak­tive Lösung.   weiterlesen…

20. Februar 2010

Nano-Tech-Revolution im Hotel?

Manche Nachrichten klingen nach Wünsch-dir-was. Zum Beispiel die: Eine Veredelungstechnik, die nahezu alle Oberflächen zu schützen vermag, die uns im Alltag begegnen – die diesen Oberflächen gleichzeitig neue, durchgängig erwünschte Eigenschaften verleiht, ohne daß sich ihre Optik und Haptik verändert – und die bei alledem nicht nur ökologisch unbedenklich ist, sondern erheblich zur Entlastung der Umwelt beitragen kann. Hört sich nach Märchenstunde an oder nach reichlich naiven Science-Fiction-Traum, soll aber wahr sein: Die Meldung von der Entwicklung eines derartigen Materials, das »fast alles revolutionieren könnte«, geht im angelsächsischen Bereich seit Anfang Februar durch die Medien. Das Wort »Revolution« wäre in diesem Fall noch nicht einmal übertrieben, und ihr Geltungsbereich »fast alles« würde natürlich auch den Hotelbereich mit einschließen – ich denke an Materialien, die bisher als zu empfindlich galten, um sich für den Einsatz in Hotels zu eignen; ich denke aber auch an die immensen Einsparpotentiale, die der Verzicht auf aggressive und kostspielige Reinigungschemikalien bieten würde. Das ist das eine. Andererseits wurde, soweit ich sehe, die Meldung in Deutschland bislang noch nicht aufgegriffen, und auch das gibt mir zu denken. Aber der Reihe nach. weiterlesen…

8. Februar 2010

Hotel Zeppelin

Der Traum vom Fliegen mal wieder. Verstehen kann ich das schon. Die große Zeit der Grandhotels ist längst Geschichte, und auch Kreuzfahrten sind nicht mehr das, was sie mal gewesen sein mögen. Bleibt nur noch der Luftraum für die Träume vom grenzenlosen Luxus. Kombiniert mit dem Prinzip Entschleunigung: Hetze und Luxus vertragen sich schlecht. Also kein Düsenjet, sondern ein Luftschiff – genauer gesagt, ein Starrluftschiff wie früher die Zeppeline, aber nicht als »fliegende Zigarre« gestaltet, sondern eher als fliegender Diamant. Man könnte meinen, ein Origami-Künstler habe sich am Luftschiff-Design versucht.

»Aircruiser« heißt das futuristische, mit Solarenergie betriebene Gefährt, das der südkoreanische Technologiekonzern Samsung dieser Tage der Öffentlichkeit vorstellte. Das Konzept dafür – entstanden in Kooperation mit der britischen Designfirma Seymourpowell – ist bereits ziemlich detailliert ausgearbeitet. Das Luftschiff ist 265 Meter hoch und besteht aus vier gasgefüllten Teilen, die wie eine Blüte das Fünf-Sterne-Hotel im Inneren umschließen. Dieses läßt den Gästen die Wahl zwischen einem Penthouse, vier Doppel-Appartements und fünf kleineren Appartements; dazu kommen überdurchschnittlich geräumige öffentliche Bereiche: Bar/Lounge, Rezeption, Speisesaal, Aufenthaltsraum etc.

Klingt spektakulär, ist schwer zu beschreiben und noch schwerer vorstellbar. Samsung und Seymourpowell haben deshalb ein computeranimiertes Video dazu erstellt, das einen Eindruck vom lautlosen Schweben über Kontinenten und Ozeanen vermitteln soll:

Das ist schon traumhaft oder? (vom Interieur will ich mal absehen). Bleibt nur, wie so oft, die Frage, ob es dem Traum vergönnt sein wird, Wirklichkeit zu werden. weiterlesen…

30. September 2009

Hüttenzauber

Sechs Jahre nach Planungsbeginn wurde die neue Monte-Rosa-Hütte jetzt fertiggestellt und offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Ein eindrucksvolles Bauwerk; weitere Infos und Bilder hier. Nur das Wort »Hütte« wirkt umso unpassender, je länger man hinschaut. »Haus« trifft es aber auch nicht besser. Wie ein Bergkristall steht das Bauwerk inmitten der hochalpinen Landschaft; wer ein Faible für Science Fiction hat, könnte auch an Außerirdische denken, die mit ihrem Raumschiff hier gelandet sind. So sieht es aus, wenn sich Architektur und Technologie am Maßstab der Nachhaltigkeit orientieren und Hand in Hand nach der besten Lösung suchen. 90 Prozent der benötigten Energie produziert die Hütte selbst – ein Wert, der bei vergleichbaren äußeren Bedingungen schwer zu übertreffen sein dürfte. Man kann Prof. Andrea Deplazes von der ETH Zürich und seinem Team zu dieser Leistung nur gratulieren; ebenso den Kooperationspartnern aus der Industrie – und nicht zuletzt dem Schweizer Alpenclub (SAC), der hier sehr weit über die Schatten der traditionellen Hüttenromantik gesprungen ist.

14. September 2009

Reality Check

1200 Euro pro Nacht kostet es, sich einen Öko-Urlaub in Dubais Vorzeige-Resort Al Maha zu gönnen. Theoretisch. Praktisch sollte man eher den doppelten Betrag beiseitelegen: die Mindestbuchungsdauer beträgt zwei Nächte. Und wer sich vor Ort nicht unversehens als armer Schlucker oder Geizhals fühlen möchte, erwägt vielleicht, noch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Denn für 1200 Euro kriegt er grade mal die billigsten Zimmer bzw. Suiten. Luxus auf Sparflamme, gewissermaßen. Da ist noch viel Luft nach oben – bis hin zur »Präsidentensuite« für 7000 Euro/Nacht. Es handelt sich nun mal, wie Merian nicht zufällig schon in der Überschrift festhält, um ein Öko-Hotel für Betuchte – »jenseits von Jesuslatschen und Jutebeutel«.

Genau das hat mich bewogen, mir den Artikel gründlicher vorzunehmen. Nicht wegen der Zimmerpreise – da mögen sich andere drüber mokieren. Ich habe nichts gegen Reichtum, und es gibt eine Unzahl obszönerer Arten, sein Geld loszuwerden als für umweltbewußte Wellness-Urlaube – oder für Urlaub überhaupt. Aber ich habe auf diesen Seiten schon mehrfach die Überzeugung geäußert, daß Luxushotels künftig auch in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit eine Führungsrolle übernehmen müssen – und daß sich ihre Reputation nicht zuletzt danach bemessen wird, wieweit sie dazu imstande sind. Sollte sich Dubai auch darin als Übermorgenland erweisen? Nach dem höchsten Wolkenkratzer der Welt und den größten von Menschenhand geschaffenen Insel-Archipelen nun auch das Hotel mit der weltbesten Energiebilanz?   weiterlesen…

18. August 2009

Spieglein, Spieglein an der Wand

Was Hotels von Apple lernen können

Bryan Appleyards sorgfältige recherchiertes und glänzend geschriebenes Porträt in der Sunday Times bildet sicherlich das Glanzlicht in der ausgedehnten Berichterstattung, die die englische und amerikanische Presse in den letzten Wochen Steve Jobs zuteil werden ließ. Aktueller Grund für den Medienrummel ist die Lebertransplantation, der sich der Mitbegründer des Computerunternehmens Apple und der Filmproduktionsfirma Pixar jüngst unterziehen mußte – von der die Öffentlichkeit freilich erst erfuhr, nachdem er sie erfolgreich überstanden hatte.

Es genügen schon wesentlich harmlosere Anlässe, um Jobs in die Schlagzeilen zu bringen. Der Mann ist ein Firmenchef mit Popstar-Status. Das liegt zum einen an seinem persönlichen Charisma, das Wall-Street-Analysten ebenso in seinen Bann zieht wie Computernerds oder Harvard-Absolventen. Dazu kommt der weiterwirkende Nimbus des Underdogs, der erfolgreich den Computergiganten IBM herausforderte. Dann Ende der 90er Jahre sein glänzendes Comeback bei Apple, das er im Anschluß ein zweites Mal zur Kultmarke machte, nachdem man ihm mehr als zehn Jahre zuvor unsanft den Stuhl vor die Tür gesetzt hatte. Weiter sein scheinbarer Sieg über den Krebs 2004 – freilich mit dem »Nachspiel« besagter Lebertransplantation (wenn man den Ärzten glauben darf, jedoch mit exzellenter Prognose). Und nicht zuletzt die polarisierende Qualität seines Führungsstils, die jahrzehntelang zu den heftigsten, nicht selten an Glaubenskriege erinnernden Kontroversen um seine Person führten. Kurz: ein Leben wie ein Hollywoodfilm.

Die mediale Fixierung auf den nächsten Akt des Dramas oder den nächsten großen Wurf verhindert allerdings, so scheint mir, einen gelassenen Blick auf Jobs’  historische Leistung – seinen Beitrag zur Geschichte des Designs und zur Designkultur der Gegenwart. Ich würde diesen Beitrag ohne zu zögern in eine Reihe stellen mit der Arts & Crafts Bewegung, dem Bauhaus oder der Ulmer Schule. Vielleicht hat er den Designbegriff grundlegender und folgenreicher verändert als jeder dieser drei Reformansätze oder als irgendjemand sonst zuvor.   weiterlesen…

26. Juni 2009

Drei Sterne und ein Weltrekord

Das weltweit erste Hotel mit Nullenergiebilanz öffnet im November seine Tore. Nicht in Abu Dhabi oder auf Sylt oder wo immer sonst es entweder Sonne oder Wind im Überfluß gibt. Sondern mitten in Wien. In unmittelbarer Nähe der berühmten Stadthalle von Roland Rainer. Danach ist es auch benannt: Hotel Stadthalle. Alles, was nach heutigem Stand der Technik möglich ist, um Energieautarkie zu ermöglichen, ist in diesem Hotel vorhanden.

Am wirtschaftlichen Erfolg des Projekts hege ich nicht den geringsten Zweifel. Im Gegenteil – ich meine, daß das Hotel Kultstatus erlangen und zum Mekka für Wien-Besucher werden könnte, die sich außer für die k.&k.-Metropole auch noch für städtebauliche Pionierleistungen und wegweisende ökologische Konzepte begeistern. Schließlich steht Wien seit jeher für eine einzigartige Mischung aus Traditionsbewußtsein und Zukunftsoffenheit, das Festhalten am Bewährten und avantgardistischen Übermut.

Allerdings: auf die Annehmlichkeiten eines Luxushotels werden die Gäste verzichten müssen. Es gibt weder Spa noch Sauna und noch nicht einmal Minibars auf den Zimmern. Darum wird das Hotel Stadthalle auch weder mit fünf noch mit vier, sondern nur mit drei Sternen glänzen dürfen. Das ist meines Wissens das erste Mal, daß ein Hotel dieser Kategorie einen technologisch-architektonischen Durchbruch verwirklicht, der ihm weltweite Bekanntheit sichert.

Und darin sehe ich ein Problem. Denn natürlich sind es – wenn sie ihren Ruf sichern wollen – die Luxushotels, die in Sachen Fortschritt die Vorreiterrolle übernehmen müssen. Aber welches Luxushotel nimmt es freiwillig in Kauf, einen oder sogar zwei Sterne zu verlieren? Sollte das Sterne-Rating, das so viel zur Qualitätssteigerung und zur Qualitätssicherung von Hotels beigetragen hat, nun plötzlich zur Fessel werden, das den Fortschritt behindert? Ist es vielleicht an der Zeit, Fortschritt (und damit auch Luxus) anders, offener, vielfältiger zu definieren?

8. Juni 2009

Verkehrte Welt

Da stimmt doch was nicht, denke ich beim zweiten Lesen von Joseph Roths Roman »Hotel Savoy« – beim ersten Mal war ich 17 oder 18 und alles schien mir logisch und stimmig. Jetzt stolpere ich schon auf den ersten Seiten über die Beschreibung des Hotels. Da hat der Held nach seiner Ankunft erst mal ein paar Stunden geschlafen und macht sich auf, seinen Onkel in der Stadt einen Besuch abzustatten. Und mit jeder Stufe, die er die Treppe von seinem Zimmer in der sechsten Etage zur Rezeption hinuntersteigt, wundere ich mich mehr:   weiterlesen…