Einträge zum Thema Writers’ Corner

31. August 2010

Writers’ Corner

Zum Energiesparlampen-Planungswahnsinn:

»Planung heißt, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen.«

Sir Peter Ustinov

28. August 2010

Writers’ Corner

Es gibt einen Satz, den ich mir seit vielen Jahren gemerkt habe, nämlich die Antwort Sir Edmund Hillarys auf die Frage, warum um alles in der Welt er den Mount Everest bezwingen wolle. Hillarys Auskunft lautete:

» Because it’s there. – Weil es ihn gibt.«

So einfach und so wahr. Und dennoch eine Legende oder ein Plagiat, wie ich jetzt erfahre. Der Satz stammt nämlich nicht von dem Neuseeländer Hillary, sondern vom Briten George Mallory, der sich schon in den 20er Jahren am Everest versuchte, dabei aber tödlich verunglückte – und bis heute streiten sich die Historiker (aber auch eine erstaunliche Anzahl von Laien) darüber, ob er schon beim Aufstieg abstürzte – oder auf dem Weg zurück vom Gipfel. Kürzlich lief in den USA mit großem Erfolg ein Dokudrama zu der Geschichte an – »The Wildest Dream« –; ob der Film auch bei uns in die Kinos kommt, weiß ich nicht; das Rätsel um den wahren Erstbesteiger des Mount Everest wird wohl ohnehin auf ewig ungelöst bleiben.

So halte ich mich denn weiterhin an den Satz, den uns Mallory, wie ich jetzt weiß, hinterlassen hat: »because it’s there«. Es ist die knappste Antwort auf eine der schwierigsten Fragen, die es gibt: warum stellen wir uns immer wieder den verrücktesten Herausforderungen? Warum halten wir manchen Träumen ein Leben lang die Treue? Aus Ehrgeiz? – aus Pflichtgefühl? – aus Langeweile? – des Ruhmes und des Geldes wegen? – als Kompensation für uneingestandene Wünsche?

Alles Quatsch. Weil sie da sind und uns locken.

25. August 2010

Writers’ Corner

»Wir trachten nach anderen Lebensformen, weil wir die unsere nicht zu nutzen verstehen. Wir wollen über uns hinaus, weil wir nicht erkennen, was in uns ist. Doch wir mögen auf noch so hohe Stelzen steigen – auch auf ihnen müssen wir mit unseren Beinen gehen. Und auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir nur auf unserem Arsch.«

Michel de Montaigne

22. August 2010

Mehr zur Machtblindheit

Ich möchte vorbeugend ein Mißverständnis ausräumen, das mir im Gespräch begegnet ist. Interessant und wichtig finde ich an den aktuellen Forschungen zur »Machtblindheit« weniger deren konkrete Auswirkungen, als vielmehr die Tatsache, daß niemand immun ist gegen die Verdummung, die mit der Übernahme von Machtpositionen einhergeht. Die Machtblindheit ereilt jeden, der von der Macht auch nur gestreift wird – egal, ob er real eine Machtposition innehat, an sie denkt oder nur von ihr träumt. Deshalb ist es falsch, das Problem des »Machtmißbrauchs« ausschließlich unter moralischen Gesichtspunkten zu betrachten, wie das leider immer noch üblich ist. Gegen Machtblindheit hilft keine noch so hehre Moral. Mit guten Absichten oder Vorsätzen ist es nicht getan. Und noch weniger wäre damit getan, »die Macht« generell zu verteufeln. Wir brauchen Macht und wollen nicht auf sie verzichten. Macht ist das Vermögen, etwas zu bewirken. Genau aus diesem Grund halte ich es für eine vordringliche gesellschaftliche Aufgabe, das Wissen um die destruktiven Wirkungen von Macht ebenso wie geeignete Gegenmaßnahmen von früher Jugend an zu vermitteln. Wir brauchen »Machtexperten« in Führungspositionen. Auch für eine gesunde, entwicklungsfähige Unternehmenskultur ist ein konstruktiver Umgang mit Macht unerläßlich.

Was die konkreten Folgen und Symptome von Machtblindheit angeht, verraten uns die von mir angeführten Experimente in der Tat wenig Neues. Die Ignoranz der Mächtigen, die sich mit ihrer Macht identifizieren und gleichzeitig um sie fürchten, die daraus resultierende emotionale wie kognitive Verarmung – all das kennt man seit Jahrtausenden. Zahllose Epen, Romane, Theaterstücke und Filme haben das Thema variiert. Den Stoff dazu nehmen sie, mehr oder weniger verschlüsselt, manchmal auch in dokumentarischer Treue, stets aus dem »wirklichen Leben«. Bertolt Brecht war darin ein Meister. In seinem »Leben des Galilei« etwa zeigt er in brillanter dramaturgischer Verdichtung, wie sich ein etabliertes Herrschafts- und Machtgefüge gegen jede Infragestellung, jede Zumutung einer Veränderung abschottet und immunisiert. Selbst das, was vor aller Augen liegt und fast mit Händen zu greifen ist, wird im Munde derer, die das Sagen haben, zum bloßen Gespött und im schlimmsten Fall zur Blasphemie. Eins der zeitloseren Dramen von Bert Brecht, der sich selbst als Zeitdichter sah. Heute so aktuell wie vor 400 Jahren. Genießen Sie in diesem Sinn die folgende zentrale Szene aus dem Stück:

15. August 2010

Writers’ Corner

Zum Kurz-Fazit des Titels hier noch ein Zitat (es ziert auch den Klappentext), worin Wallace ein etwas ausführlicheres Resümmee seiner Kreuzfahrt zieht:

»Ich habe erfahren, dass jenseits von Ultra-ultra-Ultramarinblau noch eine Steigerung möglich ist. Ich habe während dieser einen Woche mehr und vor allem besser gegessen als jemals zuvor in meinem Leben und weiß (bei entsprechendem Seegang) um den Unterschied von „Rollen“ und „Stampfen“ des Schiffs. Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie ein Alleinunterhalter vor Publikum sagt: „Okay, jetzt aber Scherz beiseite…“ Ich habe blasslila Hosenanzüge gesehen, Sakkos von menstrualem Rosa, braun-violette Trainingsanzüge und weiße Freizeitschuhe, die ohne Socken getragen wurden. Ich habe erwachsene US-Bürger gehört, erfolgreiche Geschäftsleute, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob das Tontaubenschießen im Freien stattfindet, ob die Crew ebenfalls an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Midnight-Buffet eröffnet wird.«

David Foster Wallace

4. August 2010

Writers’ Corner

»It’s this serendipitous quality that makes Flipboard so addictive.«

Farhad Manjoo, Slate
 

[Wo ich das grade lese, muß ich’s natürlich sofort zu meinem eigenen gestrigen Artikel nachtragen. Und Manjoo hat natürlich recht: Flipboard eignet sich ideal zum Serendipisieren. Oder Serendipitieren, wenn Sie eher der David-Wagner-Schule zuneigen.]

27. Juli 2010

Writers’ Corner (Hotel Villa Cimbrone)

»Twenty five years ago I was asked by an American magazine what was the most beautiful place that I had ever seen in all my travels and I said the view from the belvedere of the Villa Cimbrone on a bright winter’s day when the sky and the sea were each so vividly blue that it was not possible to tell one from the other.«

Gore Vidal

26. Juli 2010

Writers’ Corner (»Menschen im Hotel«)

»Was in großen Hotels erlebt wird, das sind keine runden, vollen, abgeschlossenen Schicksale. Es sind nur Bruchstücke, Fetzen, Teile. Hinter den Türen wohnen Menschen, gleichgültige oder merkwürdige, Menschen im Aufstieg, Menschen im Niedergang – Glückseligkeiten und Katastrophen wohnen Wand an Wand.«

Vicki Baum

23. Juli 2010

Writers’ Corner (Kulturelles Erbe)

Das sogenannte kulturelle Erbe ist ein Schatz – bisweilen aber auch eine Bürde. Die wog im Fall des Kaisersaals – stellvertretend für das Hotel Esplanade – immerhin 1 800 Tonnen. Nicht immer ist das Erbe so gewichtig. Das Sofa Hildegard Knefs aus dem Hotel Schweizerhof etwa wurde, wie Sie sich erinnern, gewogen und für zu leicht befunden. Aber es ist für Leute, die sich gern mit Kultur schmücken, ohne mit ihr was am Hut zu haben, nicht immer leicht, in dieser Hinsicht die richtigen Maßstäbe zu finden. Davon weiß auch der Verleger und Schriftsteller Klaus Wagenbach ein Lied zu singen – und das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

»Als nach der Wiedervereinigung am prominenten Ort in Berlin ein Zentrum bürgerlicher Selbstversicherung, das Hotel Adlon, wieder aufgebaut worden war, erhielt eine Buchhandlung den Auftrag, die Bibliothek einzurichten: keine Taschenbücher, am besten Halbleder oder mindestens Ganzleinen, überwiegend grün, aber auch braun oder dunkelrot et cetera. Die Buchhändlerin hat sich dazu nicht geäußert, aber strafweise erhielt das Adlon mehrere Ausgaben von Gustav Freytags Soll & Haben. Geschieht ihm recht. Noch 2009, in einem funkelnagelneuen Hotel in Rostock, passierte mir ähnliches: In der Eingangshalle stößt man auf eine Wand mit Büchern, die offensichtlich ein Analphabet ausgesucht hat. Hauptsächlicher Zweck auch hier: Wir möchten Ihnen einen Eindruck von unserer Bildung vermitteln, die zugleich gediegen wie abgehangen ist.«

Klaus Wagenbach
 

Als »Kulturverlederung« bezeichnet Wagenbach treffend dieses Phänomen. Sie erinnern sich vielleicht an den Beitrag »1100.006 wie Liebe«, worin ich die Verwechslung von Kultur und kultureller Attitüde mindestens ebenso heftig aufs Korn genommen habe. Wagenbachs Berliner Beobachtungen sind auch ein Kommentar zum Library Hotel in New York. Es ist wohl Vorsicht angezeigt, wenn man allzu euphorisch transatlantische Gemeinsamkeiten beschwört…
;-) ;-) ;-)

20. Juli 2010

Writers’ Corner (Grandhotel 2)

»Es hatte eine Art von Luxus, wie sie heute kaum vorstellbar ist. Ich weiß, daß es heute absurd klingt, aber ich erinnere mich noch, wie ich die Hand durch die Vorhänge unseres Himmelbetts steckte und den Frühstückswagen heranzog – ein unglaubliches Ding mit einem silbernen Schwanenhals an jeder Ecke. Ich packte also einfach einen dieser Schwanenhälse und zog das ganze Silberding ans Bett. Und natürlich wurde alles auf silbernem Geschirr serviert, der Toast in Leinen gewickelt und so weiter. Und dabei wußte man die ganze Zeit über, daß direkt draussen vor dem Hotel die entsetzlichste Armut herrschte.«

Francis Bacon
(Der mittellose Maler war Ende der 20er Jahre auf Einladung seines reichen Onkels zu Gast in einem Berliner Luxushotel. Das Hotel war das Adlon – es hätte sich aber ebensogut um das Hotel Esplanade handeln können.)

20. Juli 2010

Writers’ Corner (im Grandhotel 1)

»Man kann sogar … auf diesen Knopf da zu Häupten des Bettes drücken, unter dem briefmarkenklein der Kellner abgebildet ist, und nicht mehr muß man tun, als den Arm bis hin spannen, und – Zauberei! – in zwei Minuten öffnet sich die Tür, ein Kellner klopft und tritt höflich ein, ein putziges Wägelchen auf kleinen Gummirädern fährt vor … und bringt je nach Belieben Kaffee, Tee oder Schokolade in schönem Geschirr und mit weißen damastenen Sevietten … Oder man kann den anderen Knopf drücken, wo das Messingschild ein Mädchen mit weißem Häubchen zeigt, und schon huscht sie nach leisem Klopfen herein, mit blanker Schürze und schwarzem Kleid, fragt, was das gnädige Fräulein wünsche, ob sie die Fensterläden öffnen solle oder die Gardinen dunkel oder hell ziehen oder ein Bad richten. Hunderttausend Wünsche kann man hier haben in dieser zauberhaften Welt, und alle sind im Nu erfüllt.«

Stefan Zweig

18. Juli 2010

Hotels in History / Writers’ Corner

Im kollektiven Gedächtnis sind die »rollenden Grandhotels« hinter ihre Rivalen zu Lande und zu Wasser zurückgetreten, habe ich festgestellt. Das gilt auch für ihre Rolle in der Diplomatie, wo sie insbesondere in Krisen- und Kriegszeiten eine wichtige Funktion übernahmen: als »nichtterritoriale Orte« für Verhandlungen, Geheimtreffen oder Vertragsunterzeichnungen beispielsweise – in dieser Hinsicht vergleichbar mit Schiffen. Es ist eine weithin vergessene Geschichte, die nach meiner Kenntnis ihren Historiker noch nicht gefunden hat.

Nachfolgend daher nur einige wenige Beispiele von Zügen, die als »Hotels«, »Paläste auf Rädern«, »mobiler Regierungssitz« oder »Kommandozentrale« Bedeutung erlangten.

Kaiser Wilhelm II. etwa liebte es, im eigenen »Hofzug« durch das Land zu rollen, sich von den Untertanen bejubeln zu lassen und in- und ausländische Gäste zu empfangen. Der Prunk seiner Salon- und Schlafwagen konnte es locker mit den besten Luxushotels der Zeit aufnehmen – urteilen Sie selbst:  weiterlesen…

17. Juli 2010

Writers’ Corner

»The internet’s completely over. […] All these computers and digital gadgets are no good. They just fill your head with numbers and that can’t be good for you.«

Prince (eigentlich: Prince Rogers Nelson), amerikanischer Megastar der 80er Jahre (vgl. auch hier)
 

»Breaking News: The Internet Declares Prince to be Completely Over.«

David Weinberger, Pionier des Internet-Marketings und Co-Autor des Bestsellers »The Cluetrain Manifesto – The End of Business as Usual«

11. Juli 2010

Writers’ Corner

Ewige Wahrheiten:

»People are confused about the weather of Washington. I shall explain basics:

Winter is cold.

Summer is hot.

Every year these truths hit the populace with the force of a thunderbolt.«

[Das Wetter in Berlin macht die Menschen ratlos. Lassen Sie mich die Grundlagen erläutern:

Im Winter ist es kalt.

Im Sommer ist es heiß.

Jedes Jahr treffen diese Wahrheiten die Bevölkerung mit der Gewalt eines Blitzschlags.]

Henry Mitchell, Washington Post, 1984
[Kudos: Andrew Sullivan]

26. Juni 2010

Writers’ Corner

»Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält, verdient oft am meisten untersucht zu werden.«

Georg Christoph Lichtenberg

21. Juni 2010

Writers’ Corner

21. Juni, Sommerbeginn:

»Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.«

Heinrich Heine

4. Juni 2010

Writers’ Corner

Viele erfolgreiche und zukunftsweisende Ideen sind das Ergebnis nicht des fokussierten, sondern eines peripheren, frei schweifenden und vagabundierenden Denkens – das ist ein zentrales Thema sowohl dieses als auch dieses und dieses Beitrags. Ein Loblied auf solch ein furchtloses, die Einhegungen der Disziplinen hinter sich lassendes Denken singt auch der Nobelpreisträger Rabindranath Tagore in dem folgenden Gedicht:

»Where the mind is without fear and the head is held high
Where knowledge is free
Where the world has not been broken up into fragments
By narrow domestic walls
Where words come out from the depth of truth
Where tireless striving stretches its arms towards perfection

Where the clear stream of reason has not lost its way into the dreary desert sand of dead habit;
Where the mind is led forward into ever-widening thought and action –
Into that heaven of freedom, let us awake.«

Rabindranath Tagore

Zeilen, die dazu angetan sind, einem in düsteren Stunden Mut zu machen und Zuversicht einzuflößen. Aber gerade die düsteren Stunden, in denen man nicht mehr weiter weiß, scheinbar völlig die Orientierung verloren hat und an jedem Fortschritt verzweifelt, gehören ebenso wie das vagabundierende Denken mit zu dem kreativen Prozeß, an dessen Ende der erlösende Einfall und schöpferische Durchbruch: die Innovation steht.   weiterlesen…

22. Mai 2010

Writers’ Corner

Die deutsche Rechtssprechung will es künftig nur noch Computern erlauben, sich über W-LAN miteinander zu vernetzen – nicht aber Menschen. Wollen wir uns das bieten lassen? Ich stelle die Frage, weil ich grade nochmals nachlese, was Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der amerikanischen Demokratie, vor mehr als 200 Jahren schrieb:

»We must all hang together, or assuredly we shall all hang separately.«

(Und allen, die mich warnen, das könne als Aufforderung zum zivilen Ungehorsam mißverstanden werden, gebe ich zur Antwort: wieso mißverstanden?)

20. Mai 2010

Writers’ Corner

So kann man das auch sagen:

»Das Fasten ist die Speise der Seele.«

Johannes Chrysostomus (Kirchenvater, 4.Jhdt.)

23. April 2010

Writers’ Corner (Welttag des Buchs)

Zwei aktuelle, 200 Jahre alte Anmerkungen zum heutigen Welttag des Buches für alle, die Bücher als Ballast von gestern betrachten:

»Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?«

»Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraus sehen.«

Georg Christoph Lichtenberg
 

(Das gilt natürlich alles auch für Blogs, weshalb sie von vielen Leuten gar nicht erst gelesen werden.)

23. April 2010

Writers’ Corner (Design)

»Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen. – Vor wem man glänzt, den läßt man gerne als Licht gelten.«

Friedrich Nietzsche
 

»Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne – und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist.«

Novalis

22. April 2010

Writers’ Corner

»Das Hotelleben ist das einzige, das sich wirklich für die Phantasien der Menschen eignet.«

Leon-Paul Fargue
 

»Erinnerung ist eine Form der Begegnung.«

Khalil Gibran

14. April 2010

Writers’ Corner

»Wenn ich vom Jenseits träume, vom Paradies, spielt sich das immer im Ritz in Paris ab.«

Ernest Hemingway

LVMH und Sanaa dürften wissen, woran sie sich bei der Umwandlung des Samaritaine zum First Class Hotel zu messen haben. In Sachen Luxus hängt die Latte wohl nirgends so hoch wie in Paris…

2. April 2010

Writers’ Corner

»Sich selbst in einer Welt treu zu bleiben, die ständig etwas anderes aus einem machen möchte, ist die größte Leistung überhaupt.«

Ralph Waldo Emerson

27. März 2010

Writers’ Corner

»Das ist das einzige Hotel auf der Welt, in dem ich nachts um 1 Uhr meine Hosen zum Bügeln und mein Hemd zum Waschen geben kann und schon zwei Stunden später ist alles fertig!«

Henry Kissinger

22. März 2010

Writers’ Corner

»Vor Schloss Bellevue sah man dann Ulrich Matthes in eine Kamera erzählen, wie sehr ihm die Rede gefallen hat. Als er damit fertig war, konnte man ihn noch schnell fragen, ob das wirklich stimmte, dass die Begrüßungsstimme aus dem Lautsprecher die seine war? Quatsch, sagte Matthes, an dessen Jacke ein großer „Obama 08“-Button hing. Aber war die Rede nicht großartig, fragte Matthes zurück – und seine Augen leuchteten.«

Benjamin v. Stuckrad-Barre

13. März 2010

Writers’ Corner

Was mir zum »Future Day« auf der ITB in Berlin noch einfällt: so notwendig und spannend die Beschäftigung mit der Zukunft sein mag und so sehr sie das Denken beflügelt – die wirklich entscheidenden Fragen bleiben zu allen Zeiten dieselben. Zum Beispiel: wo finde ich morgens die Brille, von der ich überzeugt bin, sie am Vorabend ordentlich auf dem Nachttischchen deponiert zu haben? Oder wie mache ich dem Zimmermädchen im Hotel begreiflich, daß ich das aufgeschlagene Buch auf dem Schreibtisch bei meiner Rückkehr aufgeschlagen wiederfinden möchte? Oder – aber dazu lasse ich am besten Stanislaw Lem zu Wort kommen, dessen Ich-Erzähler man sich als Gast eines weit in der Zukunft liegenden Mega-Hotels vorstellen muß, wo er zu allem Überfluß an einem »Futurologischen Kongreß« teilnimmt.

(Falls Sie den Namen Stanislaw Lem grade nicht unterbringen können: von ihm stammt u.a. der Science-Fiction-Klassiker »Solaris«, dessen Verfilmung durch Andrei Tarkowski ihrerseits zu einem Kultfilm und Klassiker der Filmgeschichte avancierte.)

Ach ja, wir waren bei den wirklich entscheidenden Fragen:

»Morgens esse ich immer weiche Eier, und in keinem Hotel der Erde können sie ans Bett serviert werden, ohne daß sie samt den Dottern eklig gerinnen. Dies ergibt sich selbstredend aus den stetig zunehmenden Ausmaßen der Hauptstadthotels. Wenn anderthalb Meilen die Kochküche vom Zimmer trennen, dann rettet nichts die Dotter vor dem Gerinnen. Soviel ich weiß, haben eigene Hilton-Fachleute dieses Problem untersucht und den Schluß gezogen, Abhilfe schüfen lediglich eigene Aufzüge mit Überschallgeschwindigkeit; jedoch der sogenannte »Sonic-Boom«, der Knall beim Durchbrechen der Schallmauer, ließe in geschlossenem Raum die Trommelfelle platzen. Wir könnten vielleicht verlangen, der Küchenautomat solle rohe Eier liefern, und der Kellnerautomat solle sie vor unseren Augen im Zimmer weich kochen; doch dann könnten wir fast ebensogut einen Stall voll eigener Hühner ins Hilton mitschleppen!«

Stanislaw Lem

18. Februar 2010

Writers’ Corner

»Also! Falls es mir nicht gelungen ist, zu beweisen, daß Deutsch eine schwierige Sprache ist – versucht habe ich es jedenfalls. Ich hörte von einem amerikanischen Studenten, den jemand fragte, wie er mit seinem Deutsch vorwärtskomme, und der unverzüglich antwortete: „Überhaupt nicht. Drei volle Monate habe ich jetzt hart daran gearbeitet, und dabei ist nichts weiter herausgekommen als eine einzige deutsche Wendung: ‚Zwei Glas!‛“
Er hielt einen Augenblick lang inne und fügte dann mit Nachdruck hinzu: „Aber das sitzt!“«

Mark Twain

15. Februar 2010

Writers’ Corner

Wäre es denkbar, daß Sie die Lockungen des Karnevals längst nicht mehr so verlockend finden? Daß Ihnen das närrische Treiben an Rhein und Main manchmal eher spanisch vorkommt? Und daß Sie ein nervöses Zucken nicht unterdrücken können, sobald Sie Worte wie »Alaaf« oder »Helau« hören? Unser Beileid. Aber nehmen Sie’s nicht allzu schwer. Es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Nehmen wir etwa an, Sie gingen auf die Straße – und als erstes begegnet Ihnen ein Nasobēm. Ein Nasobēm, jawohl. Was sagen Sie dann? weiterlesen…

14. Februar 2010

Happy Valentine: A Poem

How do I love thee? Let me count the ways.
I love thee to the depth and breadth and height
My soul can reach, when feeling out of sight
For the ends of Being and ideal Grace.
I love thee to the level of everyday’s
Most quiet need, by sun and candle-light.
I love thee freely, as men strive for Right;
I love thee purely, as they turn from Praise.
I love thee with a passion put to use
In my old griefs, and with my childhood’s faith.
I love thee with a love I seemed to lose
With my lost saints, — I love thee with the breath,
Smiles, tears, of all my life! — and, if God choose,
I shall but love thee better after death.

Elizabeth Barret Browning
(Kudos: A Traveler’s Library)

4. Februar 2010

Writers’ Corner

 
»Ich habe die Angewohnheit, Bücher in Hotels zu Ende zu schreiben.«

Alex Ross

25. Januar 2010

Writers’ Corner

»Seit jener Zeit habe ich es mir zum Prinzip gemacht, mit dem größten im Handel erhältlichen Wäschesack zu reisen und ihn bis zum Rand mit Büchern für jede Gelegenheit und jede Stimmung zu füllen. Er ist zentnerschwer, und selbst starke Träger stöhnen unter seinem Gewicht. Zollbeamte blicken ihn mißtrauisch an, weichen aber konsterniert zurück, wenn ich ihnen mein Wort gebe, daß er nichts als Bücher enthalte. Ein solcher Sack hat bloß den Nachteil, daß das Werk, das man haben möchte, gewöhnlich ganz unten liegt und unmöglich zu erreichen ist, ohne daß der gesamte Inhalt auf den Boden ausgeleert wird. Doch gäbe es diesen Umstand nicht, hätte ich vielleicht niemals die eigentümliche Geschichte von Olive Hardy erfahren.«

W. Somerset Maugham

22. Januar 2010

Writers’ Corner

»Wahrscheinlich ist das Ritz in Madrid tatsächlich der Höhepunkt der heutigen Hotellerie; aber würde ich im Ritz wohnen, wäre meine Lebensaufgabe zerstört. Ich könnte dort keine Zeile schreiben, höchstens wäre ich in der Lage, von dort aus eine Honorarforderung in der Größenordnung des Ritz an Sie zu schreiben.«

Thomas Bernhard

31. Dezember 2009

Writers’ Corner

Wir kommen am »Hotel Serena« vorbei, ein 5-Sterne-Hotel, von dem ich schon viel gehört habe. Mein Beifahrer erzählt, dass es mit das am besten gesicherte Hotel der Welt ist. Zweieinhalb Stunden später hören wir Schüsse aus Sturmgewehren, außerdem drei kleinere und eine große Detonation. Am Abend erfahren wir, dass am »Hotel Serena« etwas passiert ist: Zwei Attentäter sind mit Sturmgewehren und Handgranaten hin und haben die Wachposten erschossen. Einer hat sich dann mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gejagt. Ein seltsames Gefühl. wenn man gerade erst da vorbeigefahren ist.

Oberfeldwebel Dominik Hirz (Name geändert), 30, Kabul 2008

 
[Die obigen Zeilen stammen aus einer Sammlung von Briefen, Emails und SMS’ deutscher Soldaten in Afghanistan, denen das SZ Magazin eine ganze Ausgabe gewidmet hat. Die Namen von Soldaten, die noch im Dienst sind, wurden geändert, weil die Bundeswehr – wenngleich vergeblich – das Zustandekommen der Dokumentation verhindern wollte und eine Mitwirkung daran ausdrücklich untersagte. Äußerst seltsam. Denn die Dokumentation brachte mir den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan näher als alles, was ich sonst darüber gelesen habe. Ich gratuliere der Redaktion des SZ Magazins, das Heft auch gegen den Widerstand der Bundeswehrführung zu realisieren.]

16. Dezember 2009

Writer’s Corner (1)

»Das Zimmer liegt im ersten Stock und besitzt ein einziges, aber hohes und breites Zimmer mit Blick auf den See, dessen Wellen beinah bis ans Parterre heranreichen; das Haus ist nur durch einen leicht erhöhten, mit Rosen übersäten Garten vom See getrennt. Zur Rechten und zur Linken reihen sich an den sanft gewellten Hügelzügen in liebenswürdiger Beschaulichkeit schmucke Häuser mit lockeren Girlanden aneinander.«

Franz Liszt an Marie Sayn-Wittgenstein nach der Ankunft im Hotel Baur au Lac

16. Dezember 2009

Writer’s Corner (2)

Anläßlich des Abschlußbanketts des Internationalen Friedenskongresses 1904 in Boston hielt der amerikanische Philosoph William James im Anschluß an Bertha von Suttner eine Rede, die nicht zuletzt deshalb bemerkenswert und noch heute aktuell ist, weil sie erstaunliche  Parallelen zur Nobel Lecture aufweist, die Barack Obama 55 Jahre später, also 2009 gehalten hat:

»I am only a philosopher, and there is only one thing that a philosopher can be relied on to do. You know that the function of statistics has been ingeniously described as being the refutation of other statistics. Well, a philosopher can always contradict other philosophers. In ancient times philosophers defined man as the rational animal; and philosophers since then have always found much more to say about the rational than about the animal part of the definition.   weiterlesen…

1. November 2009

Writer’s Corner

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist’ ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zu Muthe;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

[…]

Seit ich auf deutsche Erde trat
Durchströmen mich Zaubersäfte –
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Zu den Höhepunkten seiner Reise durch Deutschland zählte für den Dichter – man glaubt es kaum – das deutsche Essen (und der Wahl-Pariser Heine war ein Gourmet, wie er im Buche steht). Eine gewisse Ironie und ein feiner Doppelsinn sind freilich auch nicht zu überhören – aber unbedingt hörenswert:  weiterlesen…

13. Oktober 2009

Writers’ Corner

»Fötzel ist in der Innerschweiz heute noch, trotz Tourismus, ein gebräuchlicher Ausdruck; er bezeichnet eine apriori-Minderwertigkeit des Ausländers. Über Xenophobie und Hotellerie besteht meines Wissens noch kein Standardwerk. Die bäuerliche Xenophobie, vor allem in engen Tälern ein natürliches Phänomen, ist trotz Fremdenverkehr … keineswegs verlorengegangen; Devotheit gegenüber dem Ausländer, sofern er zahlungstüchtig ist, steht nicht im Widerspruch zur schweizerischen Eigenart.«

Max Frisch

25. August 2009

Writers’ Corner

»Im Hotel sitzen die schweigenden Araber noch auf ihren Betten, rauchen, ich mache die Tür zu, die kein Schloß hat, die Sicherheit ist eine andere, sie kommt von der Gegenwart anderer, ist die Fatalität ohne Hinter- und Nebengedanken…«

Ingeborg Bachmann

14. August 2009

Writers’ Corner

»Soliman erzählte fürchterlich viel von hin und her reisenden Kurieren und geheimnisvollen Personen, die im Hotel bei seinem Herrn ein und aus gingen, und erklärte sich bereit, einen afrikanischen Fürsteneid darauf abzulegen, daß er die geheime Bedeutung entdecken werde.«

Robert Musil

10. August 2009

Writer’s Corner

«(in einem Hotelzimmer in Workuta, Sibirien) „Und bis dahin?“ – „Bis dahin müssen wir uns abrackern“, antwortet sie achselzuckend und seufzt. Es dauert lange, doch schließlich haben wir in den rechteckigen Eisrahmen Rillen gehauen, tief genug, daß sich das Fenster irgenwie schließen läßt. Um mich aufzuheitern, bringt das Zimmermädchen noch einen Kessel heißes Wasser. Der Dampf soll das Zimmer für einige Zeit erwärmen.«

Ryszard Kapuscinski

18. Juli 2009

Writers’ Corner

»Und nochmals, der wahre Reisende will nur schlafen. Der Rest ist circumstance, und was dann noch bleibt, ist pomp

Cees Nooteboom