Auch in der Hotellerie sind mittlerweile die Social Networks in aller Munde. Wer nur davon spricht, kriegt leuchtende Augen. Kein Zweifel: das ist ein Markt, in dem einiges zu holen ist. Ob davon auch die Hotels profitieren, ist allerdings sehr die Frage.
Es ist schon ein Kreuz mit dem Tempo, das die Ereignisse einem vorgeben. Innerlich bin ich noch gar nicht über die Neuheiten der letzten Woche hinausgekommen. Da hat Matthias Horx, seines Zeichens selbsternannter Papst der deutschen Trendforschung, das Internet für tot erklärt, jedenfalls in seiner jüngsten Form, dem Mitmach-Web (oft auch unter den Stichworten Social Web oder Web 2.0 gehandelt). Allenfalls als Unterschichtenmedium habe es (noch) eine Chance. Sowas muß man erst mal verdauen.
Aber Horx ist sich seiner Sache sicher. Wer was auf sich hält, kehrt dem Internet den Rücken: »Es gibt einen Offline-Trend. Menschen gehen bewusst weg vom Internet und verweigern es.« Was übrig bleibt, ist der gesellschaftliche Bodensatz: »Nur soziale Verlierer verbleiben im Sozialen Netzwerk – diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen.« Horx meint Menschen, die mittels Blogs, Microblogs (Twitter) und anderen Medien versuchen, neue Wege der Kommunikation, des Austauschs und des Dialogs zu erproben. Mich zum Beispiel. Ich würde ihm allerdings nahelegen, sich nicht meinen Kopf zu zerbrechen und lieber seine eigene schmutzige Unterwäsche auf Halbmast zu flaggen. Meine wird er nicht zu sehen kriegen.
Immerhin ist der deutsche Trend-Guru in illustrer Gesellschaft. Ebenfalls in der letzten Woche hat auch der Popstar Prince seinen Abgesang auf das Internet angestimmt:
»The internet’s completely over. I don’t see why I should give my new music to iTunes or anyone else. They won’t pay me an advance for it and then they get angry when they can’t get it.
The internet’s like MTV. At one time MTV was hip and suddenly it became outdated. Anyway, all these computers and digital gadgets are no good.
They just fill your head with numbers and that can’t be good for you.«
Vielleicht wäre es kleinlich, Prince darauf hinzuweisen, daß seine neuen Songs durchaus bei iTunes erhältlich sind. Ich möchte lieber an ein anderes schmutziges Geheimnis erinnern: der einstige Superstar war einer der ersten, die den großen Plattenfirmen den Rücken kehrten, um ihre Musik direkt übers Internet zu vermarkten. Heute sind es andere, die Geld damit machen. Die – aus Sicht von Prince durchaus überzeugende – Schlußfolgerung daraus: the Internet »can’t be good for you«.
Bei Matthias Horx verhält es sich ähnlich. Er mag sich immer noch für die oberste Instanz in Sachen Trends halten, aber was das Internet betrifft, geben längst andere den Ton an. Das bedroht nicht nur Horx’ Ruf, sondern auch die wirtschaftliche Grundlage seines »Zukunftsinstituts«.
Gleichzeitig gestehe ich gern, daß ich Meldungen dieser Art mit einer diebischen Freude lese. Ich kann den ganzen Medien- und Marketing-Rummel um das »Social Web« nämlich auch nicht mehr hören. Die Leute überschlagen sich, als hätten sie den Stein der Weisen entdeckt. Da kann ein bißchen Ernüchterung nur gut tun, und dafür habe ich auch schon vor ein paar Wochen plädiert. Dieselbe Skepsis verdienen freilich Horx, Prince und Konsorten. Das Internet verschwindet nicht, bloß weil sie es für überholt erklären. Totgesagte leben länger. Und die Macht des Social Web zu unterschätzen wäre gefährlich für jeden, der sich am Markt behaupten muß – ganz besonders aber für Dienstleister und damit auch Hotels. weiterlesen…