Einträge zum Thema Trivia

7. September 2010

in memoriam

Nein, es ist niemand gestorben, jedenfalls nicht aus dem Kreis meiner Bekannten und Verwandten. Auch dem Filmfestival in Venedig geht es (je nachdem, welche Zeitung ich aufschlage) ganz passabel bis glänzend. Aber das wissen Sie sicher ebenfalls, wenn Sie zwischendurch das Feuilleton lesen. Einen Grund zur Wehmut gibt es dennoch: das Grand Hotel Des Bains, eins der ältesten und traditionsreichsten der Stadt, hat vor kurzem endgültig geschlossen und soll bis Ende 2011 in einen Apartment-Komplex umgewandelt werden. Nur der Name erinnert dann noch von ferne an die große Vergangenheit: Des Bains Residences statt Grand Hotel Des Bains.

Damit ist Venedig nicht nur um ein Hotel, sondern um ein Stück Filmgeschichte ärmer. Das Des Bains war das Haus, in dem seit Jahrzehnten die Jury des Festivals tagte – ich möchte nicht wissen, wie viele erbitterte Kontroversen in den hohen, stuckverzierten Räumen des Belle-Époque-Baus ausgefochten wurden. Nicht zu zählen sind jedenfalls die Interviews, die Schauspieler, Regisseure oder Festival-Direktoren auf der Terasse des Hotels gaben.

Doch das alles ist zu verschmerzen. Die Jury sowie die Stars, die sonst im Des Bains residiert hätten, mußten schon dieses Jahr ein neues Domizil finden, und sie dürften sich damit nicht allzu schwer getan haben. An Hotels der Spitzenklasse herrscht in Venedig ja wahrlich kein Mangel. Verschwinden wird mit dem Gebäude allerdings auch die sichtbare Reminiszenz an einen der schönsten Filme, die Luchino Visconti gedreht hat: das Grand Hotel Des Bains spielte eine Hauptrolle in seiner Verfilmung von Thomas Manns Novelle »Der Tod in Venedig«; einen Ausschnitt aus dem Film habe ich Ihnen im Rahmen des Hotel Hollywood Sunday Specials im April gezeigt – ergänzt um ein Bild des Hotels in seinem gegenwärtigen Zustand. Das Wort »gegenwärtig« können Sie schon in wenigen Wochen ersatzlos streichen. Die Kinobilder haben kein Pendant in der Realität mehr. Aber ich will es mit der Wehmut auch nicht übertreiben. Man kann es nämlich auch umgekehrt sehen:  weiterlesen…

27. August 2010

Sex & the City: The Munich »Wies’n«

wies'n Foto Bernhard J. Scheuvens, Creative Commons, Wikimedia

Drei Wochen noch, dann ist München wieder fest in ausländischer Hand. Für etwas mehr als zwei Wochen mutiert Bayerisch zur inländischen Fremdsprache in der Stadt, viele Münchner begeben sich in die innere Emigration und meiden die Innenstadt, wo sie nur können. Zur Feier des 200-jährigen Bestehens zieht es womöglich noch mehr Besucher auf die Wies’n als sonst. Und worauf freuen sich die Heerscharen ausländischer Gäste, wenn sie ans Oktoberfest denken? aufs überteuerte Bier, ausgeschenkt in dreiviertelvollen Maßkrügen?

Das vielleicht auch. Mehr noch aber, wenn ich unseren amerikanischen Hotel- und Reise-Experten Glauben schenke, auf den erfrischenden Anblick der bayerischen Dirndlkleider, und mehr noch als auf den Anblick auf die reizvollen Einblicke, die dieselben angeblich bieten. Das ist das eine; das andere ist die Münchner Gastfreundschaft. Die New Yorker Experten empfehlen ihren Landsleuten diesbezüglich das Rocco Forte Collection Hotel Charles in der Sophienstraße, ziemlich genau zwischen Hauptbahnhof und Königsplatz.

Das freut mich natürlich, schließlich habe ich zum Charles durchaus eine persönliche Beziehung. Es ist zwar auch schon wieder ein paar Jahre her, daß wir das Hotel geplant und eingerichtet haben (unglaublich, wie die Zeit vergeht), aber ich denke immer noch gerne daran zurück. Schon deshalb will ich dem Tip unserer amerikanischen Freunde nicht widersprechen; eigentlich sollte ich im Rahmen von »25 Jahre made by markus-diedenhofen« demnächst ausführlicher über die Entstehungsgeschichte des Hotels berichten. (Was ich hiermit feierlich verspreche.)

Nur was die erwähnten »Einblicke« und anderen erotischen Reize betrifft, möchte ich die Erwartungen ein wenig dämpfen. In dieser Hinsicht hat Rio de Janeiro definitiv mehr zu bieten. Wer darüber enttäuscht ist, tröstet sich dann eben mit einer Maß Bier. Oder zwei, oder drei, oder vier… ;-)

23. August 2010

Paris, Texas. Berlin, Connecticut

Waren Sie wirklich erstaunt, daß es sich bei Paris allen Ernstes um eine Stadt in Texas handelt? Dann sollten Sie sich mal diese Website ansehen. Die sammelt Postkarten aus Berlin, von waschechten amerikanischen Berlinern. Mittlerweile findet sich dort Post aus 31 amerikanischen Städten dieses Namens, unter anderem aus Berlin, Connecticut. Und es werden vermutlich noch mehr werden.

Wie sagte schon John F. Kennedy: »Ick bin oin Börliner.« ;-)

Postcards from Berlin Episode 1: Our Story from KS12 on Vimeo.

4. August 2010

Writers’ Corner

»It’s this serendipitous quality that makes Flipboard so addictive.«

Farhad Manjoo, Slate
 

[Wo ich das grade lese, muß ich’s natürlich sofort zu meinem eigenen gestrigen Artikel nachtragen. Und Manjoo hat natürlich recht: Flipboard eignet sich ideal zum Serendipisieren. Oder Serendipitieren, wenn Sie eher der David-Wagner-Schule zuneigen.]

2. August 2010

Bücher kamen nicht zu Schaden

Sooft ich bisher auf das Library Hotel in New York zu sprechen gekommen bin, ging es um Bücher, nicht um Autos und schon gar nicht um Taxis. Wieso auch – daß Hotels von Taxis angesteuert werden, ist schwerlich berichtenswert. Höchstens dann, wenn sie es mit dem Ansteuern zu wörtlich und mit dem Bremsen nicht allzu genau nehmen. So geschehen an einem Abend letzter Woche zur besten Essenszeit. Das Hotel-Restaurant Madison & Vine war bis auf den letzten Platz besetzt, als sich mit einem lauten Knall zwei der berühmten New Yorker Yellow Cabs dennoch Einlaß verschaffen wollten. Glasscheiben splitterten, und zwei Kühlernasen ragten ins Innere des Gourmet-Tempels. Einen Tisch haben sie dabei nicht erobert, sodaß die Gäste mit dem Schrecken davonkamen.

Ich frage mich trotzdem, warum gleich zwei Taxis und dazu noch zur selben Zeit das Hotel ins Visier nahmen. War es Zufall – oder hatten sie sich dort verabredet?

Was die Hotelgäste angeht, die sich im Restaurant befanden: wenn es sich dabei wirklich um Bibliophile handelt, hatten sie sich von ihrem Aufenthalt wohl etwas besinnlichere Abenteuer versprochen. Immerhin haben sie jetzt was zu erzählen, vielleicht auch zu schreiben. Womöglich findet die Episode sogar Eingang in ein Buch, dieses wird der Bibliothek des Library vermacht, und das Hotel macht seinem Namen wieder mal Ehre. Wenn nicht – und ich gebe zu: es ist etwas unwahrscheinlich – dann bewahrt wenigstens dieser Blog dem Zwischenfall ein bleibendes Angedenken… :-) :-) :-)

[Kudos: HotelChatter]

28. Juli 2010

Selbstbedienung im Hotel

In Hotels wird geklaut, was das Zeug hält. Manchmal von den eigenen Mitarbeitern, öfter aber von den Gästen. Je vornehmer ein Haus, desto unverfrorener die Souvenirjäger und desto wertvoller ihre Beute. So jedenfalls lautet das populäre Vorurteil, das Insider nur bestätigen können. Neu ist das alles freilich nicht, und irgendwann kennt man auch die wildesten Geschichten beinahe auswendig. Mittlerweile bringt mich das ganze Thema nur noch zum Gähnen.

Meine Neugier hielt sich daher in Grenzen, als die WELT kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, worin sie Direktoren von Luxushotels nach den kecksten Diebstählen in ihrem Haus befragt hatte. Eine Sommerloch-Geschichte, dachte ich. Und die meisten Stories blieben denn auch auf dem Niveau meiner tiefgespannten Erwartungen – oder lagen darunter. Bis auf drei, die den Rahmen sprengten und mich spontan zum Lachen brachten.

Die erste spielt in einem Wellness-Hotel in der Region Edersee und wirkt im ersten Moment gar nicht spektakulär. Aus der Lobby hatte jemand zwei hochwertige, hoteleigene Computer mitgehen lassen. Kein Grund zur Aufregung bei der Hotel-Leitung, und auch die herbeigerufene Polizei nahm’s gelassen. Für solche Fälle hatte man vorgesorgt; sämtliche öffentlichen Bereiche des Hotels waren video-überwacht. Der Dieb oder die Diebe würden lange Gesichter machen, dachte man – und machte dann selber welche.  weiterlesen…

7. Juli 2010

Momentaufnahmen aus 25 Jahren (4)

mod

Moment mal, da war doch auch noch was anderes, dachte ich, nachdem mich die Einladung vom Optiker Stanzel 25 Jahre zurückversetzt hatte. Sommer 1985 – erinnern Sie sich noch? Ganz Deutschland fieberte mit, so wie jetzt bei der Fußball WM. Auch da ging es um Sieg oder Niederlage auf dem grünen Rasen, allerdings auf dem von Wimbledon. Und dann triumphierte der Nobody aus Germany. Heute vor 25 Jahren, am 7. Juli 1985. Boris Becker. The Leimener. Uns-Boris, wie er später liebevoll genannt wurde. Oder Bum-Bum-Boris, wie die Bild Zeitung wohl damals schon titelte. Da war der Junge grade mal 17. Andere sind in dem Alter noch nicht mal mit Pubertieren fertig. Das hat Becker später umso ausgiebiger nachgeholt.

Aber bleiben wir bei dem blutjungen Rotschopf, der über Nacht zum Weltstar wurde. In dem Zusammenhang, in dem sie auftauchte, hatte die Erinnerung daran für mich auch was Irreales. Hier eine Einladungskarte, worin das Jahr 1985 zur weiterwirkenden Gegenwart wurde. Da die Bilder aus Wimbledon, die mal als »unvergeßlich« galten und heute schon beinahe vergilbt sind: das ist ja schon fast nicht mehr wahr, dachte ich. Die »Ära Becker« und die Gegenwart – da liegen doch Ewigkeiten dazwischen. Oder jedenfalls Generationen: die Ära Sampras. Die Ära Federer. Und auch die neigt sich bereits wieder ihrem Ende zu.

Damals aber standen wir, der Leimener und ich, die gebürtige Leipzigerin aus Reutlingen, beide am Anfang unserer Karriere und hatten die Zukunft vor uns. Ich fieberte mit an diesem 7. Juli, und dachte keine Minute daran, daß ich 25 Jahre später Grund haben würde, stolz auf meine eigene Arbeit zu sein. Zu einer Zeit, da Becker seine Zukunft längst hinter sich hat. Gut, er hat Geschichte geschrieben mit diesem Wimbledon-Sieg, und auch noch einige Male danach, wenngleich dieser erste Triumph im Grunde nie mehr zu toppen war. Im Rückblick ist es eigentlich von Anfang an eine ziemlich traurige Erfolgs-Story. Und am Ende teilte Becker das Schicksal so vieler Stars von heute, insbesondere im Sport und im Show-Business: sie sind dazu verdammt, ihre eigene Geschichte zu überleben, es sein denn, sie sie erfänden sich ein zweites Leben nach dem ersten. Und das schaffen die wenigsten.

Nein, ich würde nicht mit Becker tauschen wollen. Womöglich müßte ich sonst, vor lauter Langeweile, ebenfalls nochmals damit anfangen, zu pubertieren.

mod

[Weitere »Momentaufnahmen« hier, hier  und hier; weitere Beiträge zu »25 Jahre made by markus-diedenhofen«:

Acom Hotel Nürnberg
Mövenpick Hotel Wasserturm, Hamburg
Öschberghof, Donaueschingen]

17. Juni 2010

Zustechen – ausstechen?

Sehr groß ist das Vertrauen der Brasilianer in ihr Nationalteam bei dieser Fußball-WM wohl nicht, wie sich aus diesem SPIEGEL-Bericht schließen läßt. Danach sind Voodoo-Puppen-Sets der konkurrierenden Mannschaften – speziell der argentinischen – im Moment der große Renner überall im Land und verkaufen sich wie warme Semmeln. Passende Nadeln liegen sinnvollerweise bei. Werden die Puppen damit durchbohrt, widerfährt auch ihren lebenden Ebenbildern Übles, meint der Volksaberglaube.

Jetzt weiß ich endlich, was es heißt, seine Gegner »auszustechen«… :-)

[Damit Sie mich nicht einer drastischen Abirrung von den zentralen Themen dieses Blogs bezichtigen: wie wäre es denn, in Hotels Voodoo-Puppen sämtlicher Mitarbeiter samt Nadeln öffentlich zu plazieren – und die Gäste schon beim Einchecken über deren Bedeutung aufzuklären? Die Zahl schriftlicher Beschwerden könnte drastisch zurückgehen, und vielleicht würde sogar die Moral der eigenen Truppe gestärkt. Möglicherweise aber auch nicht… ;-) ]

1. Juni 2010

Haltet den Dieb

Natürlich sollen die ausgeklügelten Sicherheitsvorkehrungen in Hotels den Gast vor allen nur denkbaren Gefahren schützen. Bei der Mehrzahl aller unliebsamen Vorfälle handelt es sich allerdings um ganz gewöhnliche, mal kleinere und mal größere Diebstähle. Wer wissen will, wie man den leidigen Langfingern auf die Schliche kommt, kann schon mal üben: vor wenigen Wochen ist im Herpers Verlag als Teil eines vierteiligen Spiele-Sets inkl. Begleitbuch das Spiel »Hoteldetektive« erschienen, das Ihre Fähigkeiten als Spürnase auf eine harte Probe stellt. Sollten Sie dennoch zu schnell auf die Lösung kommen und danach lange Weile haben, dürfen Sie gern die Rollen tauschen und im Spiel »Gefängnisflucht« Ihr diesbezügliches Talent testen.

Nur eins verrät Ihnen weder das Spiel noch das Buch: wie Sie am taktvollsten damit umgehen, wenn sich am Ende ausgerechnet der geschätzteste Gast des Hotels als der Dieb herausstellt… :-)

28. Mai 2010

Tod im Grand Hotel

»Ach, was muß man oft von bösen / Dingen hören oder lesen«, dachte ich in Abwandlung des bekannten Wilhelm-Busch-Zitats, als ich die folgende Geschichte las. Zunächst aber zum Ort des Geschehens.

Das Hamburger Hotel »Atlantic« ist jedem deutschen Rock-Fan ein Begriff, seit Udo Lindenberg es nicht nur zum festen Wohnsitz erkor, sondern auch exzessiv für seine öffentlichen Auftritte nutzte (bei Stuckrad-Barre, der schon mal in unserem Writers’ Corner zu Gast war, können Sie näheres nachlesen). Aber auch sonst stehen eine Reihe illustrer Namen auf der Gästeliste des Hotels – vom Schah von Persien über Charles de Gaulle, Josephine Baker oder Gina Lollobrigida bis hin zu Michael Jackson. Auch James Bond hat 1997 hier logiert, verkörpert durch Pierre Brosnan im Agenten-Thriller »Der Morgen stirbt nie«. Da hatte das Hotel allerdings bereits einen guten Teil seiner früheren Strahlkraft eingebüßt, und seither ist der Glanz noch weiter verblaßt. Die Verantwortlichen – nicht zuletzt der legendäre Mit-Inhaber Dieter Bock – hatten zu sehr auf den legendären Ruf des Hauses vertraut und versäumt, rechtzeitig auf veränderte Ansprüche und Erwartungen zu reagieren. Ein Fall von Peripherie-Blindheit, könnte man sagen.

Nun wurde bekannt, daß Dieter Bock, der eigentlich in Darmstadt und London lebte, aber bei Besuchen in Hamburg im »Atlantic« wohnte, im Alter von 71 Jahren eben dort verstarb. Aber wie harmlos das klingt – erstickt ist der Mann. An einem Stück Fleisch, nachdem er sich noch nach Mitternacht eine Mahlzeit aufs Zimmer bestellt hatte. Im eigenen Hotel an einem Stück Fleisch erstickt. Wenn das keine Ironie des Schicksals ist. Wie heißt es bei Wilhelm Busch wenige Seiten später: »Und vom ganzen Hühnerschmaus / guckt nur noch ein Bein heraus.« Max und Moritz haben dieses Abenteuer freilich überlebt, wenngleich nicht allzulange.

Und nicht daß Sie denken, ich wolle dieser traurigen Geschichte jetzt auch noch symbolische Bedeutung beimessen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

1. Mai 2010

Veronika, der Lenz ist da (Forts.)

Gestatten, Lenz ist mein Name. Ich bin Veronikas Rabe…

[Kudos: lotusmodern via A Day Late & Half a Pixel Short]

27. April 2010

Deutsche Gartenzwerge erobern chinesische Herzen

Es gab Zeiten, da galt die Expo als Ereignis und als einzigartige Gelegenheit, der Welt die neuesten Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu präsentieren. Espressomaschine, Eiffelturm, Reißverschluß, Lippenstift, Telefon, Rolltreppe, die erste elektrische Schreibmaschine, der Farbfernseher, das Atomium und und und – lauter Expo-Premieren, die unsere Zivilisation geprägt haben.

Und 2010? Was erwartet uns dieses Mal? Auf der Expo in Shanghai?

Der deutsche Pavillon, so lese ich auf CRI-Online, präsentiere unter dem Leitmotiv »balancity« »verschiedene Facetten deutscher Wirklichkeit unserer Tage«. Eine eigene Halle widmet sich ausschließlich dem Thema Gartengestaltung und Gartenleben. Und was darf in einem echten deutschen Garten nicht fehlen? Richtig. Der Gartenzwerg. Die chinesischen Gäste sind hellauf begeistert – zumal sie die putzigen Kerlchen dem Vernehmen nach wohl auch noch anfassen – oder sich auf einer Parkbank sitzend vor der Kulisse der Wartburg zusammen mit einem bunten Zwerg fotografieren lassen dürfen.

Wie bitte? Gartenzwerge auf einer Weltausstellung? Da sollte ich mein Verhältnis zum Gartenzwerg vielleicht noch einmal gründlich überdenken.

Dabei fällt mir ein, wie ich vor Jahren von Niederbayern nach Tschechien fuhr. Kaum hatte ich die Grenze überquert, erstreckte sich vor mir eine schier unüberschaubare Phalanx von Gartenzwergen. Gartenzwerge auf allen Straßen und Plätzen des kleinen Ortes. Als hätte eine wahre Völkerwanderung dieser kleinen Männchen stattgefunden. Und dazwischen immer wieder deutsche Touristen, die ihre soeben erstandenen Zwerge unter die Arme packten und glücklich und froh zu ihren Autos eilten.

Ein Bild, das ich nie vergessen werde.

Immerhin aber sollen in Shanghai die Gartenzwerge auf dem Kopf stehen. Geht es dabei möglicherweise gar nicht wirklich um die Zwerge, sondern um eine – sei’s ehrfürchtige, sei’s ironische oder sei’s kritische – Hommage an Georg Baselitz? Oder handelt es sich einfach nur um zeitgenössisches Design? Vielleicht sollte ich also nicht so sehr mein Verhältnis zu Gartenzwergen überdenken, sondern das zum Design. Aber das habe ich ja – hier und hier – eben erst getan… ;-)

(Und noch etwas geht mir durch den Kopf: habe ich nicht vor einiger Zeit gelesen, aus Helmut Kohls Garten sei der dazugehörige Zwerg entwendet worden? Woher, frage ich mich da, stammen eigentlich die Gartenzwerg-Stars in Shanghai? Aus Tschechien? Oder aus dem Vorgarten eines Einfamilienhauses in Oggersheim?!)

17. Februar 2010

Bahndeutsch

Höchste Zeit, der Deutschen Bahn ein Lob zu zollen. Wer sonst hat in den letzten Jahren so selbstlos daran ge­arbeitet, den Bildungs­­stand der Be­völ­ke­rung zu heben und die Welt­­sprache Englisch auch im Deutschen ge­sell­schafts­fähig zu machen. Worte wie Info-Point, Hot Spot oder Park & Rail gehen einem heute so locker über die Lippen, als hätten wir sie mit der Mutter­milch ein­ge­sogen. Wer sagt noch Kurz­park­zone, wenn er auch Kiss & Ride sagen kann?   weiterlesen…

14. Februar 2010

Happy Valentine! (Hotel Hollywood)

Eigentlich gehören Blumen zum Valentinstag – manchmal regnet’s aber auch blaue Bohnen. Zum Beispiel beim sogenannten Valentinstag-Massaker 1929 in Chicago, das Billy Wilder in »Some like it hot« (»Manche mögen’s heiß«) filmisch verarbeitete. Eine der berühmtesten Szenen des Films zeigt, wie sich die Cosa Nostra für dieses »Valentinstags-Präsent« mit einer Geburtstagstorte revanchiert – und diese Torte hat es im wahrsten Sinn des Wortes in sich:

Das Hotel, worin diese Szenen spielen, liegt im Film in Miami; reales Vorbild und Drehort war allerdings das Hotel del Coronado in San Diego, das aus diesem Grund bis heute Touristen aus aller Welt anzieht. weiterlesen…

9. Februar 2010

Runter kommen sie immer – Nachtrag

Woran mich das Bild von der symbolischen Bruchlandung der Turkish Airlines unwillkürlich erinnert hat:

Ein Mann, dem Outfit und der Startnummer nach zu urteilen einer der Olympiateilnehmer, wirft sich in die Anlaufspur, stößt sich vom Schanzentisch ab – und danach beginnt ein seltsames Schauspiel. Offenkundig ist der Sprung von der Olympiaschanze eine völlig ungewohnte Erfahrung für ihn. Wild rudert er mit den Armen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, die Fernsehzuschauer in aller Welt halten den Atem an, und dann landet er doch noch sicher. Bei einer Weite um die 50 Meter statt der doppelten Distanz wie die übrigen Teilnehmer. Der letzte Platz war ihm sicher. Augenscheinlich hatte er das Fliegen nie gelernt.

Das war Eddie the Eagle. Einige von Ihnen werden sich an ihn erinnern. Publikumsliebling und heimlicher Star der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary. In der Gunst der Menschen und der Medien verwies er selbst die Superstars der Wintersport-Nationen auf die Plätze:

In Kürze, 22 Jahre später, beginnen erneut Olympische Winterspiele in Kanada. In Vancouver statt in Calgary. Und die Kanadier haben den Sympathieträger von damals bis heute nicht vergessen.   weiterlesen…

29. Januar 2010

Der, die, das Geschlecht

Das muß ich jetzt einfach mal loswerden, weil es mir durch den Kopf geht, seit ich diesen Blog zu schreiben begonnen habe: was bin ich froh, daß in meiner Arbeit der Gast das Maß aller Dinge ist. Noch einmal, ganz langsam, zum Nachsprechen: der Gast. Nicht die Gastin und der Gast. Oder müßte es Gästin heißen? Sehr verehrte Gästinnen und Gäste… So weit ist es zum Glück noch nicht gekommen. Aber sonst führt der Mensch fast überall eine Doppel­existenz. Kolleginnen und Kollegen. Arzthelferinnen und Arzthelfer. Insassinnen und Insassen. Mühsam, mühsam, mühsam. Im Bestreben, die Sache wenigstens zu vereinfachen, hat man sie womöglich noch schlimmer gemacht. Ich spreche von den Zwittern – den seltsamen zwei­ge­schlecht­lichen Wesen, die seit einigen Jahren das Schrift­deutsch bevölkern. Jede(r) LeserIn weiß, was ich meine, und jeder/m Lieb­haberIn der deutschen Sprache dreht sich der Magen um. Und nun versuchen Sie mal, liebe LeserInnen, dieses mündlich vorzutragen und die Zwei­ge­schlecht­lichkeit »mit­zu­sprechen«. Das ist kein Fort­schritt – das ist eine Sprach­störung, die möglicher­weise auf einen ernst­haften Hirn­schaden schließen läßt. Wer sowas für Emanzi­pation hält, ist bescheuert; wer sich mit dieser Art von Emanzi­pation zu­frieden­gibt, noch be­scheuerter. Das sei von uns Innen­archi­tek­tinnen und Innen­archi­tekten allen Sprach­refor­merinnen und Sprach­re­formern ins Stamm­buch geschrieben.

Und ich werde alle, die die Serendipity Suite mit mir teilen, weiterhin Gäste nennen. Nicht BesucherInnen. Nicht LeserInnen. Und schon gar nicht FreundInnen.

28. Januar 2010

Suiten für die Superreichen – Nachtrag

Die Bridge Suite des Hotels Atlantis auf Paradise Island (Bahamas) müsse schon sehr viel zu bieten haben, um erstens den Preis von 25.000,– Dollar pro Nacht zu rechtfertigen, zweitens die architektonische Häßlichkeit des Gebäudes wettzumachen, worin es sich befindet – so schrieb ich vor ein paar Tagen. Warum sich das gleichnamige Hotel in Dubai nicht nur am Baustil ein Vorbild nahm, sondern auch den Namen kopierte, wird mir wohl ewig schleierhaft bleiben; ein auf Nimmerwiedersehen im Meer versunkener Erdteil ist wohl eher eine zweifelhafte Referenz für ein Strandhotel. Aber egal. Für alle, die sich nicht mehr erinnern, hier noch einmal eine Ansicht des Hotels aus etwas anderem Blickwinkel:


 

Gestern nun bin ich – als ich vergeblich nach etwas ganz anderem suchte – auch über das gestolpert, was mir beim Schreiben des Eintrags noch fehlte: Bilder der Suite selbst:

Foto: The Atlantis
 

Foto: The Atlantis

Das hat schon was. Die Räume sind kostbar und – von ein paar Kleinigkeiten abgesehen – auch mit Geschmack eingerichtet. Womit ich sagen will: es dürfte durchaus kultivierte Leute geben, die sich in diesem Stil wiederfinden. Aber über Geschmack läßt sich’s bekanntlich streiten. Wie die alten Lateiner sagten: Quod licet Krethi, non licet Plethi. Ich jedenfalls würde nicht drauf hinsparen, ein paar Nächte in der Bridge Suite verbringen zu dürfen. Das macht aber gar nichts. Umgekehrt stehen die Atlantis Hotels dieser Welt auch nicht bei Markus-Diedenhofen Innenarchitektur Schlange. So gleicht sich auf dieser Welt alles wieder aus.

22. Januar 2010

Suiten für die Super-Reichen

Sie erinnern sich vielleicht: 7.000,– Euro kostet eine Nacht in der Präsidenten-Suite im Al Maha Resort in Dubai. Umgerechnet ca. 9.850 Dollar. Für echte Snobs läuft das unter der Kategorie Billigabsteige. Wer was auf sich hält, kalkuliert mit ganz anderen Preisen. Die Huffington Post hat sich das Vergnügen gemacht, eine Rangliste der zehn teuersten Hotel-Suiten der Welt zu erstellen. Die Serendipity Suite zählt nicht dazu; vermutlich fehlen auch sonst noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten auf allerhöchstem Preisniveau. Ich hätte da die eine oder andere Hypothese – aber ich habe mir im ganzen Leben noch nie die Mühe gemacht, nach dem teuersten Hotelzimmer zu suchen und werde nicht ausgerechnet jetzt damit beginnen. Bleiben wir also bei der Rangliste der Huffington Post.

Die beginnt, am unteren Ende der Skala, mit der Imperial Suite im Park Hyatt Vendôme in Paris; 20.000,– Dollar sollte einem eine Nacht in diesem Ambiente wert sein:

Quelle: http://www.huffingtonpost.com/2010/01/19/most-expensive-hotel-suit_n_426882.html
 

Den letzten Platz teilt sich das Park Hyatt Vendôme mit einem Hotel jenseits des Atlantiks; wir sind aber noch im abgeschlagenen Feld – in der Spitzen­gruppe können Sie ein Vielfaches dieser Summe springen lassen…   weiterlesen…

8. Dezember 2009

Willkommen

Schön, daß Sie der Einladung gefolgt sind und den Weg zur Serendipity Suite gefunden haben. Oder sind Sie womöglich ganz zufällig hereingeschneit? Auch gut. Dies ist eine Suite der offenen Tür. Hier ist jeder willkommen, der sich angesprochen fühlt. Gastfreundschaft ist Gastfreundschaft. Also legen Sie ab, machen Sie es sich bequem, schauen Sie sich erst mal in aller Ruhe um. Doch, sie dürfen auch die Füße auf den Tisch legen. Es geht ziemlich locker zu bei uns. Mit Tabus und Verboten haben wir wenig am Hut. Vor allem, wenn sie das Denken betreffen. Das werden Sie gleich merken, wenn Sie sich auf eine kleine Entdeckungsreise durch die Suite begeben.

Und zu entdecken gibt es einiges – fürs Auge, fürs Ohr, für den Geist. Wir wissen, was wir dem Namen unseres bescheidenen Etablissements schuldig sind. Wie bitte? Verzeihung, Sie haben natürlich völlig recht. Über den Namen haben wir noch gar nicht gesprochen. Das würde jetzt aber auch zu weit führen. Lassen Sie sich einfach überraschen. Und schauen Sie gelegentlich im Zimmer mit den Glücksfunden vorbei… wenn Sie dann noch Fragen haben – umso besser. Dann haben wir gleich was, worüber wir reden können. Locker, aber beileibe nicht unverbindlich. Zur Gastfreundschaft gehört bei uns das Mitspracherecht. Gleiches Recht für alle. Was mein ist, soll auch dein sein. Etwas einfacher formuliert:

Von nun an ist das auch Ihre Suite. Sechs Monate lang haben wir sie im kleinen Kreis genutzt und halbwegs wohnlich eingerichtet. Jetzt freuen wir uns darauf, sie mit Ihnen zu teilen. Und tun Sie sich bitte keinen Zwang an. Wie die Suite nach weiteren sechs Monaten aussehen wird – oder nach einem Jahr –, liegt auch bei Ihnen. An Platz leiden wir keinen Mangel, und Gesprächsthemen kann es ebenfalls nie zu viele geben. Wahrscheinlich haben Sie auch schon den Feedback-Link unter jedem Beitrag entdeckt. Jetzt müssen Sie nur noch Gebrauch davon machen…

Aber lassen Sie sich um Himmels willen nicht drängen. Vielleicht wollen Sie zunächst einfach etwas mehr über diesen Blog, dessen bisherige Bewohner und deren Motive, Ziele und Absichten erfahren. Dann schauen Sie am besten zunächst hier vorbei. Danach hier. Und schließlich hier – genau, im Zimmer mit den Glücksfunden, von dem schon die Rede war.

Anschließend sind Ihrer Abenteuerlust und Entdeckerfreude keine Grenzen gesetzt. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen.

Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

20. November 2009

Hätten Sie’s gewußt?

Der November ist in sein letztes Drittel getreten, die Tage werden immer noch trüber, und jetzt steht auch noch ein Wochenende ins Haus. Zeit, die Gedanken auf andere Dinge zu lenken und sich vielleicht nach einem unterhaltsamen Zeitvertreib umzusehen. Wie wär’s beispielsweise mit einem kleinen Ratespiel? Etwa das Spiegel-Quiz zu den Sehenswürdigkeiten der Welt. Ein kleiner Hinweis für Globetrotter: es ist schwieriger als Sie denken. Aber wenn man sich mal auf eine Frage eingelassen hat, will man sich auch am Rest versuchen. Auf wie viele Richtige ich gekommen bin? Wird nicht verraten. Ich wünsche allen Lesern ein erholsames Wochenende! :-)

8. Oktober 2009

Alles für Devisen? – Nachtrag

»Devisenmolkereien« – das war eine andere Bezeichnung für die Interhotels, die dem Ministerium für Staatsicherheit (MfS), Hauptabteilung VI, Abteilung Touristik unterstanden. Gemolken bzw. abgeschöpft wurden die westlichen Gäste dort doppelt. Dabei waren die exorbitanten Preise für Kost und Logis in den 5-Sterne-Hotels nur die eine, vielleicht nicht einmal die wichtigere und sicher nicht die pikantere Seite. Denn vor allem verfügten die Gäste über Informationen, Know-how, Einflußmöglichkeiten – und sie kamen nicht selten zu geschäftlichen Zwecken. Es galt also sicherzustellen, daß die entsprechenden Verhandlungen zum Vorteil der DDR verliefen. Besonders beliebt war dabei eine Methode, die MfS-intern als »Mata-Hari-Modell« bezeichnet wurde.   weiterlesen…

23. September 2009

Googeleien

Sommer ade. Von nun an werden die Tage kürzer, die Nächte länger, und die Kälte kriecht unmerklich ins Gemüt. Alles in allem sind Frühling und Sommer einfach die menschenfreundlicheren Jahreszeiten als Herbst und Winter. Um nicht ganz dem Trübsinn zu verfallen, habe ich mir die Frage gestellt, wie häufig wohl die vier Jahreszeiten in Verbindung mit Hotelnamen vorkommen. Google weiß es wie immer ganz genau. Die Suchanfrage »Hotel Vier Jahreszeiten« liefert 227.000 Treffer. Dabei ist beispielsweise das Vier Jahreszeiten in München noch nicht mal auf der ersten Seite gelistet.

In anderen Sprachen sind die Ergebnisse ähnlich. »Hotel four seasons« bringt es auf 188.000 Einträge;  »Hotel 4 stagioni« immer noch auf 28.500.

Ob sich dahinter eine tiefere Bedeutung verbirgt? Wahrscheinlich nicht. Bemerkenswert ist es dennoch, oder?

25. August 2009

Reality Check

Was wohl von dieser Geschichte zu halten ist? Eine englische Touristin, so heißt es, sei versehentlich ins Rathaus (frz. Hôtel de Ville) einer französischen Stadt eingeschlossen worden und habe unfreiwillig eine Nacht dort verbracht, weil sie des Namens wegen gedacht hatte, es handle sich um ein Hotel… Nun ja. Wer je französisch gelernt oder in Frankreich Urlaub gemacht hat, ist auch auf die Doppelbedeutung des Worts Hotel gestoßen. Wer würde sich nicht, wenigstens en passant, die Phantasie erlauben, zu welchen Verwicklungen die Verwechslung zwischen beiden Bedeutungen führen könnte? Nur um die Phantasie dann ganz schnell wieder zu beerdigen: wie sollten denn die Umstände aussehen, unter denen praktisch eine solche Verwechslung möglich wäre? Nein, diese Agenturmeldung trägt alle Züge einer Zeitungsente und ziemlich durchsichtigen urban legend.

Ich erlaube mir außerdem den Hinweis, daß das Wort Hotel im Französischen noch eine dritte Bedeutung, nämlich die von Krankenhaus hat; das Pariser Hôtel-Dieu ist eins der ältesten und noch heute eins der angesehensten Spitäler der Welt. Sobald aus einer absolut vertrauenswürdigen und zuverlässigen Quelle verlautet, ein französischer Tourist sei im Berliner Hotel Adlon aufgekreuzt, um sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen – sobald also das geschieht, werde ich auch die Geschichte von der eingeschlossenen englischen Touristin glauben. Vorher nicht.

12. Juni 2009

Reality Check

Daß das Copacabana Palace in Rio de Janeiro zu den schönsten Luxushotels der Welt zählt, weiß man. Weniger bekannt dürfte sein, daß dessen damaliger Direktor, Dario Campos, im Jahr 1969 Nelson Rockefeller das Leben rettete. Das Ganze war auch eher ein Zufall. Aus Versehen war Campos bei einem Telefonat in der falschen Leitung gelandet – und hörte ein Gespräch über eine Bombe mit, die während der Pressekonferenz Rockefellers im Museum für Moderne Kunst explodieren sollte. Die Polizei konnte die Bombe danach rechtzeitig sicherstellen. Eigentlich waren es sogar zwei Zufälle: daß Campos in der falschen Leitung landete – und überdies genau zu dem Zeitpunkt, als die Attentäter ihre Pläne besprachen. Ein Lottogewinn ist wahrscheinlicher. Daß Rockefeller am Leben blieb, grenzt an ein Wunder.

Es sei denn, man nähme an, Campos habe sich nicht zufällig, sondern eher regelmäßig in falschen Leitungen herumgetrieben. Aus Neugier etwa. Oder um die Presse gezielt mit kleinen Indiskretionen zu versorgen. Wäre ja zumindest denkbar. Aber darf man das jemandem unterstellen, der ein Attentat auf den Gouverneur von New York und persönlichen Botschafter Präsident Nixons verhindert hat? Nein, das darf man nicht. So sah das wohl auch Nelson Rockefeller. Und bedankte sich in einem persönlichen Brief bei seinem Lebensretter. Das wird Dario Campos aber gefreut haben.