Einträge zum Thema Hotels in History

19. August 2010

Die Bibliothek als Gästebuch

Am 6. August 1881 überfiel den Philosophen Friedrich Nietzsche auf einem der zahlreichen Fußmärsche, die er von Sils-Maria aus unternahm, das, was ihm selbst als sein größter Gedanke erschien: die Lehre von der Ewigen Wiederkunft des Gleichen. Seither ist Sils-Maria weltberühmt und hat einen festen Platz in der Geistes- und Kulturgeschichte. Kaum weniger zum Ruf des Ortes und zu seiner kulturellen Ausstrahlung hat das Hotel Waldhaus beigetragen, das 1881 freilich noch nicht existierte. Aber es darf ohnehin bezweifelt werden, ob Nietzsche hier abgestiegen wäre – nicht nur, weil die bescheidenen Ruhestandsbezüge eines Basler Professors das nicht erlaubten, sondern vor allem, weil er in Sils-Maria die Zurückgezogenheit und ein einfaches Leben ohne äußere Ablenkungen suchte. Das spartanisch eingerichtete Zimmer, in dem er über viele Jahre hinweg immer wieder logierte, ist heute noch zu besichtigen; für ein solches Eremitendasein war und ist das Hotel Waldhaus sicher weniger geeignet.

1908, acht Jahre nach dem Tod des Philosophen, wurde der imposante, zur Zeit seiner Entstehung in vieler Hinsicht einzigartige Hotel-Neubau eröffnet. Er thront über dem Dorf, als habe es ihn immer schon gegeben – und als gehöre er gleichzeitig gar nicht hierhin. An ein Schiff fühlte sich Ulrich Greiner bei dem Anblick erinnert; er sah »den ehemaligen Luxusdampfer weiß aus dem dunklen Nadelwald emporleuchten«, und offen blieb nur eine einzige Frage: »wie … kam das Schiff auf den Berg?« Es wurde dahin gehext, könnte man vermuten. Das wirft die weitere Frage auf, ob sich Thomas Mann, ein treuer Stammgast, nicht auch von der »Waldhaus«-Atmosphäre zu seinem »Zauberberg« inspirieren ließ. Definitiv beantworten läßt sich wohl weder die eine noch die andere Frage.

hotel waldhaus
Das Hotel Waldhaus um 1930

Überhaupt ist das Waldhaus ein Ort der unaufgelösten und unauflösbaren Gegensätze. Das beginnt schon beim Namen, der an eine abgeschiedene Idylle von bescheidenen Dimensionen denken läßt und von dem palastartigen Bauwerk ganz augenscheinlich Lügen gestraft wird. Desgleichen verträgt sich die abgeschiedene Lage, die schon Nietzsche anzog und Theodor W. Adorno an das Ende der Welt und an die unwirtliche Leere des Kosmos gemahnte, erstaunlich gut mit dem kosmopolitischen Flair und der weltgewandten Gastlichkeit des Hauses. Gäste, die erwarten, den Ort ihrer Träume Jahr für Jahr unverändert wie seit Jahrzehnten wiederzufinden, fühlen sich im Waldhaus paradoxerweise ebensogut aufgehoben wie solche, die wert auf zeitgemäßen Komfort und Luxus legen. Die ewige Widerkehr des Gleichen schließt den Fortschritt nicht aus – und das Hotel investiert jährlich zwischen drei und vier Millionen Schweizer Franken, um das unter Beweis zu stellen. So entsteht – schon wieder ein scheinbarer Gegensatz – »eine eigenwillige, aber wohlüberlegte Mischung aus Kargheit und Grosszügigkeit, eigentlich urhelvetisch«, wie es die heutigen Besitzer formulieren. Die sind die Nachfahren des Gründers Josef Giger; das Hotel ist seit vier Generationen im Familienbesitz, und wahrscheinlich ist nur ein Familienunternehmen in der Lage, eine solche Tradition mehr als ein Jahrhundert lang am Leben zu erhalten.

Aber seine absolute Alleinstellung verdankt das Waldhaus weder den landschaftlichen Reizen, noch der Architektur oder der Vielfalt und Qualität seines Angebots. Womit vermutlich kein anderes Hotel auf der Welt konkurrieren kann, ist etwas anderes:  weiterlesen…

27. Juli 2010

Die Hotels der Garbo

Vom Film »Grand Hotel« mal ganz abgesehen: Greta Garbo liebte mondäne, luxuriöse und ausgefallene Hotels. Nicht nur als Schauspielerin – da gehört das Leben aus dem Koffer ja sozusagen zum Berufsbild –, sondern auch im Privatleben. Und davon hatte sie mehr als genug, nachdem sie mit 36 Jahren zum Entsetzen ihrer Fans ohne irgendeine Begründung Hollywood und der Schauspielerei ein für allemal den Rücken kehrte. Von da an widmete sie ihre Zeit im wesentlichen ausgedehnten Spaziergängen sowie mehr oder weniger heftigen, mehr oder weniger langwierigen Affären; Greta Garbo liebte auch Männer. Und natürlich läßt sich der Reiz romantischer Abenteuer durch ein entsprechendes Ambiente erheblich steigern. Deswegen liebte die göttliche Garbo ausgefallene, luxuriöse Hotels mit dem notwendigen erotischen Flair. Aber das habe ich schon gesagt.

Ihr eigentliches Zuhause, wenn man so sagen kann – also das Haus, wohin sie als Dauergast immer wieder zurückkehrte –, war dabei der Ritz Tower in New York, und über dieses Hotel muß ich nicht viele Worte verlieren. Auf eine Beschreibung der übrigen Hotels, die sie freqentierte, will ich mich aber erst recht nicht einlassen, dazu sind es zu viele und ich müßte ein dickes Buch darüber schreiben – ohne daß ich daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Zahl ihrer Affären ziehen wollte, und über letztere gibt es ohnehin Bücher genug.

Ich beschränke mich also auf ein Land, nämlich Italien, und auch in Italien nur auf zwei Beispiele. Doch die haben es in sich: zwei der schönsten Hotels der Welt an zwei der traumhaftesten Orten dieser Erde.

Das erste ist die Villa d’Este am Comer See, das die ZEIT noch kürzlich als »Hotel der Hotels, die Essenz schlechthin« titulierte.  weiterlesen…

26. Juli 2010

»Grand Hotel« Forts.

So scharfsichtig und wirklichkeitsnah wie sie haben wenige die Welt der Grand Hotels geschildert. Kein Wunder, so denkt man – hat sie doch selbst lange als Zimmermädchen gearbeitet. Vicki Baum kannte das, worüber sie schrieb, aus eigener Anschauung und aus einer Perspektive, die dem normalen Hotelgast verborgen bleibt. Aber worüber schrieb sie eigentlich? Da beginnen schon die Fragen. Denn darüber, in welchem Berliner Luxushotel sie ihre Erfahrungen gesammelt hat, gibt es keine verläßlichen Auskünfte. Im Adlon, sagen die einen; sie sind aber in der Minderheit, und es handelt sich nicht immer um die seriösesten Gewährsleute. Die Mehrheit der Exegeten – darunter die Autoren der Wikipedia – tendiert eher zum Hotel Excelsior, und der Spiegel berichtete bereits 1997, sie habe im Excelsior »Betten und Berufsgeheimnisse gelüftet«. Da war Vicki Baum allerdings schon 37 Jahre tot. Aber immerhin ist der Spiegel bekannt dafür, die Fakten jeden Artikels doppelt und dreifach zu überprüfen.

Einigen wir uns also auf das Hotel Excelsior.

Das zählte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg zur ersten Garnitur unter den Berliner Hotels. Zwar nicht, was den Luxus der Zimmer und die Gediegenheit des sonstigen Interieurs anging – da hatten das Adlon oder auch das Esplanade erheblich Besseres und Geschmackvolleres zu bieten. Beide konnten freilich, was die schiere Größe anging, dem Excelsior auch nicht annähernd das Wasser reichen: über 750 Betten verfügte das Haus, und bezeichnete sich selbst als größtes Hotel des Kontinents. Ob diese Behauptung den Tatsachen entsprach, wüßte ich aus dem Stegreif nicht zu sagen. Erstklassig waren jedenfalls die technische Ausstattung und das Dienstleistungsangebot des Hauses:  weiterlesen…

20. Juli 2010

Ein Saal auf Wanderschaft

Erinnert sich noch jemand an Jean Claudes und Christos Aktion, den Reichstag zu verpacken? Ich meine nicht das historische Faktum an sich, sondern das ganze Drumherum: die jahrzehntelangen Diskussionen vorher, der politische Streit von den Ortsvereinen bis ins Parlament, das weltweite Medienecho – und dann die Emotionen, die das verhüllte Bauwerk auslöste, während sich die Verpackungsplanen nonchalant im Wind und der Berliner Luft kräuselten. Magische Momente. Ich kann es bezeugen; ich bin dabeigewesen.

Andererseits hatte von Jean Claude und Christo niemand was anderes erwartet. In der Kunstgeschichte haben sie als »Verpackungskünstler« längst ihren festen Platz. Auf die Idee, ein störendes Gebäude oder Teile davon einfach weg- und danach hinter Glas zu packen – auf die Idee muß man dagegen erst mal kommen. Dazu braucht es wohl die spezielle Mischung aus Euphorie und Hysterie, die das Berlin der Nach-Wende-Zeit charakterisierte. Das kann ich ebenfalls bezeugen – wir haben in diesen Jahren den neuen Schweizerhof gestaltet und aus einem Frontstadt-Hotel ein Hauptstadt-Hotel gemacht. Auch so eine Konfrontation mit der Geschichte, die ich erst kürzlich hier in der Serendipity Suite noch einmal Revue passieren ließ. Bei der Gelegenheit habe ich mehr als einmal an das Hotel Esplanade gedacht – jenes denkmalgeschützte Haus, das man »wegpackte«, weil es den Neubauplänen im Weg stand. Diese Nicht-Renovierung kostete 75 Millionen Euro; technisch handelte es sich um eine Meisterleistung, und das Medien-Echo darauf war (jedenfalls in Berlin) fast so gewaltig wie der Christo-Rummel. Aber das öffentliche Gedächtnis ist kurzlebig: heute kräht kein Hahn mehr nach der Geschichte, und kaum einer weiß noch, was es mit dem »Kaisersaal« wirklich auf sich hat.

Mir erscheint der heutige 20. Juli 2010 ein passendes Datum, noch einmal an das ehemalige Hotel Esplanade und seine Geschichte zu erinnern – sowie an die Art, wie man diese Geschichte »verladen« und »weggepackt« hat.  weiterlesen…

18. Juli 2010

Hotels in History / Writers’ Corner

Im kollektiven Gedächtnis sind die »rollenden Grandhotels« hinter ihre Rivalen zu Lande und zu Wasser zurückgetreten, habe ich festgestellt. Das gilt auch für ihre Rolle in der Diplomatie, wo sie insbesondere in Krisen- und Kriegszeiten eine wichtige Funktion übernahmen: als »nichtterritoriale Orte« für Verhandlungen, Geheimtreffen oder Vertragsunterzeichnungen beispielsweise – in dieser Hinsicht vergleichbar mit Schiffen. Es ist eine weithin vergessene Geschichte, die nach meiner Kenntnis ihren Historiker noch nicht gefunden hat.

Nachfolgend daher nur einige wenige Beispiele von Zügen, die als »Hotels«, »Paläste auf Rädern«, »mobiler Regierungssitz« oder »Kommandozentrale« Bedeutung erlangten.

Kaiser Wilhelm II. etwa liebte es, im eigenen »Hofzug« durch das Land zu rollen, sich von den Untertanen bejubeln zu lassen und in- und ausländische Gäste zu empfangen. Der Prunk seiner Salon- und Schlafwagen konnte es locker mit den besten Luxushotels der Zeit aufnehmen – urteilen Sie selbst:  weiterlesen…

7. Juli 2010

Hotels in History

mod

Ob man im Jahr 2128 noch von Boris Becker reden wird? Das ist der Unterschied zu Gustav Mahler, der heute vor 150 Jahren, am 7. Juli 1860 geboren wurde. Als »eine[n] der interessantesten und am meisten verehrten Musiker der Gegenwart« hat ihn der Dirigent Riccardo Chailly in der aktuellen ZEIT bezeichnet. Der Gegenwart! Aus dem Munde eines Dirigenten, der sich stärker für zeitgenössische Musik interessiert als viele seiner Kollegen. Und nächstes Jahr feiern wir Mahlers 100. Todestag. Das spricht nicht nur für die Kraft, sondern für die unverminderte Aktualität dieser Musik. Oder käme jemand auf die Idee, Tolstoi zu einem der größten Schriftsteller der Gegenwart zu erklären?

Weniger bekannt, aber ebenfalls »modern« ist die Rolle, die Hotels in Mahlers Leben spielten.  weiterlesen…

8. Juni 2010

Schumann zum 200.

Am 8. Juni 1810 wurde in Zwickau Robert Schumann geboren. Unter den Komponisten der deutschen Romantik war er wahrscheinlich der modernste. Sein Werk kam überhaupt erst im 20. Jahrhundert zur vollen Wirkung; für viele zeitgenössische Komponisten (wie Heinz Holliger) und Interpreten (wie Martha Argerich) stellt er eine der zentralen Bezugspersonen dar. Das ist der erste Grund, ihm diesen Eintrag zu widmen.

Der zweite: eins der bekanntesten und einflußreichsten Werke Schumanns, das Klavierkonzert a-moll op. 54, erlebte seine Uraufführung 1845 ausgerechnet in einem Hotel – dem Hotel de Saxe in Dresden; am Klavier seine Frau Clara Schumann, begleitet vom Hillerschen Konzert-Orchester unter Ferdinand Hiller, einem langjährigen Freund Schumanns. Das Hotel existiert übrigens heute noch; genauer sollte ich sagen: es existiert wieder, denn 1888 war es zu einem Postgebäude umfunktioniert worden; erst 2006 wurde es, pünktlich zum Schumann-Jahr, als Steigenberger Hotel de Saxe wieder eröffnet und seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Es dürfte nur ganz wenige Meisterwerke der Musikgeschichte geben, wenn sich denn überhaupt ein zweites findet, die in einem Hotel uraufgeführt wurden. Soviel zum zweiten Grund dieses Eintrags.

Der dritte und eigentliche Grund – aber man braucht ja auch vorgeschobene – liegt darin, daß mir Schumanns Musik so nahe ist wie kaum eine andere, und ich lasse mir keine Gelegenheit entgehen, diese Leidenschaft (und den abgründigen Zauber der Musik) mit meinen Mitmenschen zu teilen. Sollten Sie darin einen Übergriff sehen, muß ich widersprechen. Es ist eine gute Tat.

Das folgende Video dokumentiert eine Aufführung des Werks im Leipziger Gewandhaus im Juni 2006 anläßlich des 150. Todestages von Schumann. Am Klavier: Martha Argerich, begleitet vom Gewandhaus-Orchester unter Riccardo Chailly. (Hier gibt es das Konzert als Ganzes)

Und noch ein zweites Stück möchte ich Ihnen zu Gehör bringen; ich habe Sie ja gewarnt. Dieses Violinkonzert von 1853 belegt auch die Behauptung, Schumanns Werk habe einen Großteil seiner Wirkung erst im 20. Jahrhundert entfaltet – entfalten können, muß ich in diesem Fall dazusagen, denn die Uraufführung fand 1937 in Berlin statt, allerdings in einer verstümmelten Fassung und in einem Rahmen, der Schumann für die Nazi-Propaganda vereinnahmen wollte. Das empörte Yehudi Menuhin so sehr, daß er gleich im darauffolgenden Jahr eine Aufführung der Originalfassung in New York organisierte; dabei handelt es sich also um die zweite und – streng genommen – die wirkliche Uraufführung.   weiterlesen…

28. Mai 2010

Tod im Grand Hotel

»Ach, was muß man oft von bösen / Dingen hören oder lesen«, dachte ich in Abwandlung des bekannten Wilhelm-Busch-Zitats, als ich die folgende Geschichte las. Zunächst aber zum Ort des Geschehens.

Das Hamburger Hotel »Atlantic« ist jedem deutschen Rock-Fan ein Begriff, seit Udo Lindenberg es nicht nur zum festen Wohnsitz erkor, sondern auch exzessiv für seine öffentlichen Auftritte nutzte (bei Stuckrad-Barre, der schon mal in unserem Writers’ Corner zu Gast war, können Sie näheres nachlesen). Aber auch sonst stehen eine Reihe illustrer Namen auf der Gästeliste des Hotels – vom Schah von Persien über Charles de Gaulle, Josephine Baker oder Gina Lollobrigida bis hin zu Michael Jackson. Auch James Bond hat 1997 hier logiert, verkörpert durch Pierre Brosnan im Agenten-Thriller »Der Morgen stirbt nie«. Da hatte das Hotel allerdings bereits einen guten Teil seiner früheren Strahlkraft eingebüßt, und seither ist der Glanz noch weiter verblaßt. Die Verantwortlichen – nicht zuletzt der legendäre Mit-Inhaber Dieter Bock – hatten zu sehr auf den legendären Ruf des Hauses vertraut und versäumt, rechtzeitig auf veränderte Ansprüche und Erwartungen zu reagieren. Ein Fall von Peripherie-Blindheit, könnte man sagen.

Nun wurde bekannt, daß Dieter Bock, der eigentlich in Darmstadt und London lebte, aber bei Besuchen in Hamburg im »Atlantic« wohnte, im Alter von 71 Jahren eben dort verstarb. Aber wie harmlos das klingt – erstickt ist der Mann. An einem Stück Fleisch, nachdem er sich noch nach Mitternacht eine Mahlzeit aufs Zimmer bestellt hatte. Im eigenen Hotel an einem Stück Fleisch erstickt. Wenn das keine Ironie des Schicksals ist. Wie heißt es bei Wilhelm Busch wenige Seiten später: »Und vom ganzen Hühnerschmaus / guckt nur noch ein Bein heraus.« Max und Moritz haben dieses Abenteuer freilich überlebt, wenngleich nicht allzulange.

Und nicht daß Sie denken, ich wolle dieser traurigen Geschichte jetzt auch noch symbolische Bedeutung beimessen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

25. April 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

»Shining« von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1980: Ein »Horrorfilm« – und eigentlich mag ich Horrorfilme nicht so gerne. Gleichzeitig aber auch eins von Kubricks Meisterwerken – und von Kubrick möchte ich nicht einmal die schwächeren Werke missen. Bei »Shining« kommt dazu, daß ein Hotel darin die Hauptrolle spielt, zusammen mit einem Jungen, der von einer Wahnvorstellung, einem Dämon, oder wie auch immer Sie es nennen mögen, besessen ist. Oder handelt es sich doch um eine besondere Art von Hellsichtigkeit? Auch wenn Sie den ganzen Film gesehen haben, bleibt die Frage offen. Im Folgenden nur ein kurzer Ausschnitt, worin zu sehen ist, wie Danny (so heißt der Junge) sein »zweiter Zustand« überkommt. Viel Vergnügen.

Im Film liegt das »Overlook Hotel«, worin die Handlung spielt, in Colorado. Gedreht wurde in einem Haus, das selbst eine berühmte Vergangenheit hat. Das »Timberline Lodge« am Mount Hood in Oregon wurde während der Großen Depression im Rahmen der »Works Progress Administration« erbaut und 1937 von Präsident Franklin D. Roosevelt persönlich eröffnet.

Timberline Lodge, Oregon (Foto: Kelvin Kay, Wikimedia Commons)

25. April 2010

Hotels in History

ryugyong-hotel-1

Mit ziemlicher Sicherheit das größte Hotel, das nie bewohnt wurde – und auch als Ruine noch eindrucksvoll: das Ryugyong Hotel in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Geschichte geschrieben hat es naturgemäß nicht – und paradoxerweise könnte es gerade deshalb in die Geschichtsbücher eingehen: als Symbol für die gescheiterten Ambitionen des Inselstaats und den Größenwahn seiner Herrscher. Nach der Grundsteinlegung 1987 wurden die Bauarbeiten 1992 eingestellt. Seither überragt der 330 Meter hohe Rohbau mit 3 000 Zimmern alle anderen Gebäude der Stadt. Regelmäßig gab es Gerüchte über einen möglichen Weiterbau – aber bei Gerüchten ist es bisher auch geblieben. Und die Finanzsituation Nordkoreas hat sich in den vergangenen 20 Jahren wohl ebenfalls nicht zum Besseren gewandelt.   weiterlesen…

21. März 2010

Kameha in History

Wir in Hawaii verehren in Kamehameha, dessen Namen fremdländische Zungen oft zu »Kameha« verkürzen, natürlich unseren ersten König, dessen Kommen heilige Legenden schon vor Urzeiten vorhersagten. Zum Teil des Welt-Kulturerbes avancierte Kamehameha – was in Ihrer schönen Sprache »der Einzigartige« bedeutet – dann durch die Fernseh-Serie »Magnum« mit Tom Selleck in der Hauptrolle. Nach dem gleichnamigen Luxus-Club in der Serie (für Normalsterbliche kein Zutritt) wurde später der Kamehameha Club in Frankfurt benannt, und mit dem »Kameha Grand Bonn« wird der Name nun ein weiteres Mal um die Welt gehen. Ein Hoch auf die Postmoderne – und jetzt soll sich noch einer das Maul über die arme Helene Hegemann und ihren Roman »Axolotl Roadkill« zerreißen… ;-)

Hier der legendäre Trailer zu »Magnum«; der »King Kamehameha Club« kommt gegen Ende ins Bild.

Und hier noch eine ganze Szene, die direkt im Club spielt:

11. März 2010

Nochmals: das Chelsea Hotel

Ende Dezember habe ich hier über das Chelsea Hotel und seine berühmten Gäste berichtet, zu denen auch Patti Smith und ihr damaliger Lebensgefährte Robert Mapplethorpe gehörten. Diese Woche widmet das ZEIT magazin Patti Smith eine Titelgeschichte mit vielen Fotos von damals; auf seiner Website zeigt das Magazin darüber hinaus einen kurzen Film, der im Chelsea Hotel in Patti Smith’ Zimmer entstanden ist – das muß nach meiner Schätzung so um das Jahr 1970 gewesen sein, noch bevor sie 1975 mit ihrem Album »Horses« weltberühmt wurde; auch den Namen Mapplethorpes, dessen Foto von Patti Smith das Cover ziert, kannte zu der Zeit noch keiner.

Schauen Sie sich den Film an, dann wissen Sie, was mit dem Wort »Künstlerhotel« gemeint ist, und wie wenig das jetzige Luxushotel Chelsea Hotel, das sich gern mit den Namen seiner berühmten Gäste schmückt, heute noch mit einem Künstlerhotel gemein hat.

Die Gäste von heute würden allerdings auch kaum mit Patti Smith tauschen wollen. Deren Zimmer fehlt alles, was diese Gäste erwarten; dafür hat es alles – na ja, vielleicht nicht alles, aber doch vieles –, was modernen Hotelzimmern fehlt und mit den Worten Atmosphäre und Ausstrahlung nur unzureichend umschrieben ist. Ein Paradox, das mich als Innenarchitektin ständig beschäftigt. Das gilt, beispielsweise, auch für das Badezimmer Henry Millers, das Tom Schiller filmisch festgehalten hat – und dem ich deswegen gleich noch einen Beitrag widmen werde.

22. Dezember 2009

Chelsea Hotel (One More Take)

Nichts gegen Merian – aber darin auf das Chelsea Hotel als Reiseempfehlung zu stoßen, stimmt dennoch wehmütig. Wenn es je ein Domizil für schräge Vögel, ausgeflippte Typen, Superstars und verkrachte Genies gab, dann dieses. Die Legenden, die sich um das Chelsea Hotel und seine Bewohner ranken, füllen ein Buch. Es heißt »Legends of the Chelsea Hotel: Living with the Artists and Outlaws of New York’s Rebel Mecca«, und sein Autor, Ed Hamilton, gehörte jahrzehntelang zu den vielen »Dauergästen« des Hotels. Vieles, was im Buch keinen Platz mehr fand, ist in seinem Blog nachzulesen. Aber selbst Ed Hamilton kennt nur einen Bruchteil der Geschichten aus eigener Anschauung, die im  Laufe eines Jahrhunderts dem Haus seinen einzigartigen Nimbus verschafften.   weiterlesen…

16. Dezember 2009

Hotels in History

Bertha von Suttner, das Hotel Baur au Lac und der Friedensnobelpreis

Friedensnobelpreisträger sind nicht zu beneiden. Erstens gibt es immer eine lautstarke Fraktion, die findet, er oder sie habe den Preis nicht verdient, und es sei eine Schande, daß stattdessen nicht dieser oder jene ausgezeichnet worden sei. Ähnlich geht es eigentlich nur noch den Literatur­nobel­preisträgern – aber Literatur genießt in der Öffentlichkeit einen geringeren Stellenwert.

Zweitens müssen sie den Preis ganz allein, getrennt von den anderen Preisträgern entgegennehmen – in Oslo statt in Kopenhagen. Dergestalt isoliert, sollen sie in ihrer Dankesrede dann die Ehre des Preises retten. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Aber mit so viel Häme, wie Präsident Barack Obama letzte Woche entgegenschlug, wurde noch selten eine Preisrede aufgenommen. Wäre es nach den deutschen Kommentatoren gegangen, hätte sich Obama entweder für den Fehlgriff des Auswahlkomitees entschuldigen – oder ersatzweise mindestens sein Amt als US-Präsident niederlegen müssen. Angesichts dieser Alternative hat er sich, wie ich finde, sehr respektabel aus der Affäre gezogen.

Präsident Obama hält seine Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises (Foto: Pete Souza, Weißes Haus, Wikimedia)

Präsident Obama hält seine Rede während der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises

Aber das ist hier nicht mein Thema; ich habe mir in diesem Blog strikte politische Enthaltsamkeit verordnet. Trotzdem hat es mit dem Thema zu tun, denn der Friedensnobelpreis stand im Mittelpunkt von Kontro­versen, seit er im Jahr 1901 erstmalig an Henry Dunant und Frédéric Passy vergeben wurde. Auch Alfred Nobel war klar, daß es immer wieder Streit um Preis und Preisträger geben würde. Das ist einer der Gründe, warum der Preis in Oslo vergeben wird; vor dem Hintergrund der damaligen politischen Situation hoffte Nobel, auf diese Weise den Einfluß politischer Interessen auf die Wahl des Preisträgers zu begrenzen. weiterlesen…

30. November 2009

Hotel Grimes? (Hotels in History)

Eigentlich ist Alex Ross Musikkritiker; sein jüngstes, sehr zu empfehlendes Buch »The Rest is Noise« ist erst vor wenigen Wochen auch auf Deutsch erschienen. Daß er sich in seinem Blog auch über Hotels ausläßt, war mir neu. Noch sonderbarer fand ich dann, daß es das Hotel Grimes, das er im Titel nennt, gar nicht gibt – jedenfalls nicht in der Ortschaft Lowestoft in Suffolk, wo es sich Ross zufolge befinden sollte. weiterlesen…

14. August 2009

Hotels in History

einestages erinnert an das Abkommen von Bretton Woods, das vor 65 Jahren, 1944, geschlossen wurde und bis in die 70er Jahre die Grundlage für stabile Wechselkurse und eine florierende Weltwirtschaft legte. Man wundert sich, zu welch weitreichenden und konstruktiven Entscheidungen Politiker und Finanzexperten mitten im Krieg fähig waren; man wundert sich weniger, daß sie dafür einen eher abgelegenen Ort wählten: Bretton Woods liegt in New Hampshire etwa 150 km von Portland entfernt in den White Mountains und besteht im wesentlichen aus einem einzigen Gebäudekomplex – dem Hotel Mount Washington. Und so sieht das Hotel aus, in dem drei Wochen lang – vom 1. bis zum 22. Juli 1944 – Welt- und Wirtschaftsgeschichte geschrieben wurde:

Mount Washington Hotel, 1944, Foto: Alfred Eisenstaedt, LIFE

Außenansicht des Mount Washington Hotels, Bretton Woods, Juli 1944 (Fotograf: Alfred Eisenstaedt)


 

Bretton Woods, 1944, Foto: Alfred Eisenstaedt, LIFE

Die Delegierten Wilhelm Keilhau aus Norwegen und Frank N. Gie aus Süd-Afrika im Hemicycle Raum des Hotels, Bretton Woods, Juli 1944 (Fotograf: Alfred Eisenstaedt)


 

Bretton Woods, 1944, Foto: Alfred Eisenstaedt, LIFE

Mitglieder der russischen Delegation lesen während einer Konferenzpause auf der Hotelveranda die New York Times, Bretton Woods, Juli 1944 (Fotograf: Alfred Eisenstaedt)


 

Bretton Woods, 1944, Foto: Alfred Eisenstaedt, LIFE

Die holländische Delegation konferiert auf der Hotelterrasse, Bretton Woods, Juli 1944 (Fotograf: Alfred Eisenstaedt)

4. Juni 2009

Hotels in History

Viele Historiker lassen erst mit dem ersten Weltkrieg (1914–1918) und dem anschließenden Friedensvertrag von Versailles 1919 – in dem Jahr spielt auch J. Roths »Hotel Savoy« – das 19. Jahrhundert zu Ende gehen und das 20. beginnen. Nach dieser Zeitrechnung wären wir heute, im Jahr 90 n.V (nach Versailles), rein mathematisch immer noch im 20. Jahrhundert. Während aber damals alle Welt nach Versailles blickte, sah die deutsche Delegation das Schloß die längste Zeit nur von außen. Dieses war ausschließlich den Treffen der Siegermächte vorbehalten; die Deutschen durften es nur ganz zum Schluß für die Unterschrift unter den Vertrag betreten. Ansonsten fanden die Verhandlungen mit der deutschen Delegation im Versailler Hotel Trianon Palace statt, das heute noch existiert und damals so aussah:

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