Einträge zum Thema Luxus

19. August 2010

Die Bibliothek als Gästebuch

Am 6. August 1881 überfiel den Philosophen Friedrich Nietzsche auf einem der zahlreichen Fußmärsche, die er von Sils-Maria aus unternahm, das, was ihm selbst als sein größter Gedanke erschien: die Lehre von der Ewigen Wiederkunft des Gleichen. Seither ist Sils-Maria weltberühmt und hat einen festen Platz in der Geistes- und Kulturgeschichte. Kaum weniger zum Ruf des Ortes und zu seiner kulturellen Ausstrahlung hat das Hotel Waldhaus beigetragen, das 1881 freilich noch nicht existierte. Aber es darf ohnehin bezweifelt werden, ob Nietzsche hier abgestiegen wäre – nicht nur, weil die bescheidenen Ruhestandsbezüge eines Basler Professors das nicht erlaubten, sondern vor allem, weil er in Sils-Maria die Zurückgezogenheit und ein einfaches Leben ohne äußere Ablenkungen suchte. Das spartanisch eingerichtete Zimmer, in dem er über viele Jahre hinweg immer wieder logierte, ist heute noch zu besichtigen; für ein solches Eremitendasein war und ist das Hotel Waldhaus sicher weniger geeignet.

1908, acht Jahre nach dem Tod des Philosophen, wurde der imposante, zur Zeit seiner Entstehung in vieler Hinsicht einzigartige Hotel-Neubau eröffnet. Er thront über dem Dorf, als habe es ihn immer schon gegeben – und als gehöre er gleichzeitig gar nicht hierhin. An ein Schiff fühlte sich Ulrich Greiner bei dem Anblick erinnert; er sah »den ehemaligen Luxusdampfer weiß aus dem dunklen Nadelwald emporleuchten«, und offen blieb nur eine einzige Frage: »wie … kam das Schiff auf den Berg?« Es wurde dahin gehext, könnte man vermuten. Das wirft die weitere Frage auf, ob sich Thomas Mann, ein treuer Stammgast, nicht auch von der »Waldhaus«-Atmosphäre zu seinem »Zauberberg« inspirieren ließ. Definitiv beantworten läßt sich wohl weder die eine noch die andere Frage.

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Das Hotel Waldhaus um 1930

Überhaupt ist das Waldhaus ein Ort der unaufgelösten und unauflösbaren Gegensätze. Das beginnt schon beim Namen, der an eine abgeschiedene Idylle von bescheidenen Dimensionen denken läßt und von dem palastartigen Bauwerk ganz augenscheinlich Lügen gestraft wird. Desgleichen verträgt sich die abgeschiedene Lage, die schon Nietzsche anzog und Theodor W. Adorno an das Ende der Welt und an die unwirtliche Leere des Kosmos gemahnte, erstaunlich gut mit dem kosmopolitischen Flair und der weltgewandten Gastlichkeit des Hauses. Gäste, die erwarten, den Ort ihrer Träume Jahr für Jahr unverändert wie seit Jahrzehnten wiederzufinden, fühlen sich im Waldhaus paradoxerweise ebensogut aufgehoben wie solche, die wert auf zeitgemäßen Komfort und Luxus legen. Die ewige Widerkehr des Gleichen schließt den Fortschritt nicht aus – und das Hotel investiert jährlich zwischen drei und vier Millionen Schweizer Franken, um das unter Beweis zu stellen. So entsteht – schon wieder ein scheinbarer Gegensatz – »eine eigenwillige, aber wohlüberlegte Mischung aus Kargheit und Grosszügigkeit, eigentlich urhelvetisch«, wie es die heutigen Besitzer formulieren. Die sind die Nachfahren des Gründers Josef Giger; das Hotel ist seit vier Generationen im Familienbesitz, und wahrscheinlich ist nur ein Familienunternehmen in der Lage, eine solche Tradition mehr als ein Jahrhundert lang am Leben zu erhalten.

Aber seine absolute Alleinstellung verdankt das Waldhaus weder den landschaftlichen Reizen, noch der Architektur oder der Vielfalt und Qualität seines Angebots. Womit vermutlich kein anderes Hotel auf der Welt konkurrieren kann, ist etwas anderes:  weiterlesen…

15. August 2010

In Zukunft lieber ohne mich

Hollywood liefert die Traumbilder, die Wirklichkeit korrigiert sie dann. Das erfuhr auch der Schriftsteller David Foster Wallace, als er im Auftrag von Harper’s Magazine eine Kreuzfahrt unternahm, um in einer Reportage darüber zu berichten. Der Traum erwies sich über weite Strecken als Alptraum. Eine erweiterte Fassung seines Erfahrungsberichts veröffentlichte Wallace später als Buch, dessen Fazit er kurzerhand zum Titel machte:

für größere Ansicht bitte klicken

Auch wenn damit alles gesagt scheint, empfehle ich Ihnen dennoch, das ganze Buch zu lesen (sofern Sie’s nicht schon kennen). Es ist in der Tat schrecklich amüsant – und die beste literarische Behandlung des Phänomens Kreuzfahrt, die ich kenne.

Übrigens: so kongenial Marcus Ingendaay den Titel übersetzt hat – das Original ist noch eine Spur lakonischer: »A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again«.

11. August 2010

Duschen wie im Tropenregen

Wenn uns schon beim Duschen die besten Ideen kommen – warum sollten wir dann mit der erstbesten, womöglich ganz gewöhnlichen und stinknormalen Dusche vorlieb nehmen? Es geht doch auch anders: das Alila Cha Am Hotel in Thailand wirbt mit einer Dusche, unter der Sie sich vorkommen sollen wie in einem tropischen Regenguß. Falls Sie einen solchen schon mal erlebt haben. Wenn nicht, dürfen Sie’s trotzdem genießen – und wer dabei nicht auf ausschweifende Gedanken kommt, dem ist wohl auch sonst nicht zu helfen.

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Bilder: concierge.com, Dornbracht

Nur der Vollständigkeit halber: die »Tropendusche« heißt mit bürgerlichem Namen RainSky und stammt von dem deutschen Hersteller Dornbracht, über den ich Design-Liebhabern und Bad-Ästheten vermutlich nichts zu erzählen brauche.

10. August 2010

Originale und Kopien, Fortsetzung

Wer sich das Original leisten kann, haben wir festgestellt, leistet sich das Original. Und wer das Original besitzt, rümpft die Nase über Kopien. In den Augen des durchschnittlichen Käufers und Nutzers hat das Original einen höheren Wert als jede Kopie. Das liegt keineswegs nur am höheren Preis. Eines der besten und erfolgreichsten Geschäftsmodelle der letzten Jahrzehnte war die Idee von Swatch, Billigst-Uhren durch eine limitierte Auflage und den ständigen saisonalen Wechsel zu Originalen zu machen. Einige der frühen Modelle sind heute fast nicht mehr zu kriegen, und wenn, dann für Normalsterbliche nicht zu bezahlen.

Sind sie das wirklich wert? Werden Originale vielleicht einfach überschätzt? Beruht ihr Wert womöglich auf einer bloßen Illusion – und dahinter steht bloß eine clevere Geschäfts-Idee, die dann von Werbern und Marketing-Experten ins Extrem getrieben wird? Soll ich nur für den Namen ein Vielfaches dessen bezahlen, was das Produkt wirklich wert ist – und das nur eines vielfach ebenso imaginären Status-Gewinns wegen? (Die wirklich Reichen und der alte Adel haben für derlei Firlefanz ja oft genug nichts als Verachtung übrig.)

Fragen dieser Art hat sich wahrscheinlich jeder schon mal gestellt, mich eingeschlossen. Beispiele dafür, wo der Kult des Originals an Schwachsinn grenzt, sind unschwer zu finden – und ein Serienprodukt als Original zu bezeichnen, ist in gewisser Weise ohnehin ein Widerspruch in sich. Trotzdem ist das nicht die ganze Geschichte. Wenn wir den ganzen faulen Zauber weglassen, bleibt dennoch eine Sehnsucht nach Originalen, die tief in uns verwurzelt ist. Es ist dieses tiefverwurzelte Bedürfnis, das es Marketingleuten überhaupt erst erlaubt, aus dem Tanz ums magische Original ein so profitables Geschäft zu machen. Und aus demselben Grund werden noch so vernünftige Kosten-Nutzen-Kalkulationen oder -Erwägungen ein Produkt – ob einen Konsumartikel oder eine Dienstleistung wie in der Hotellerie – niemals zu einem Objekt der Begierde werden lassen.

Wieder einmal ist es Jonah Lehrer, der mir für diese intuitive Überzeugung einen empirischen Beleg liefertweiterlesen…

30. Juli 2010

Luxushotels im Aufwind?

Vor einigen Wochen habe ich über den Deutschen Hotelimmobilien-Kongress berichtet und die positive Stimmung hervorgehoben, die dort herrschte. Fast alle waren sich einig: die Talsohle ist durchschritten, die schlechten Zeiten liegen hinter uns, mit dem Hotelmarkt geht es wieder aufwärts. Die Expansionspläne, von denen einige der großen Ketten berichteten, gaben der optimistischen Grundstimmung zusätzliche Nahrung.

Jetzt scheint ein Artikel in der New York Times diese Einschätzung zu bestätigen und durch harte Fakten zu untermauern. Die Belegungszahlen der Hotels wachsen noch stärker, als selbst die zuversichtlichsten Experten erwartet hatten – und die aktuellen Prognosen sehen kein Ende des Aufschwungs. Das sind erfreuliche Nachrichten – für amerikanische Hotels und Hotelmanager. Mir ist natürlich klar, daß diese Zahlen für Deutschland gar nichts besagen – und zur Situation hierzulande fehlen mir aktuelle emprische Daten. Aufgefallen jedoch ist mir eine Besonderheit an der Entwicklung in den USA, und ich frage mich, ob es sich dabei um ein spezifisch amerikanisches Phänomen handelt oder um einen allgemeineren, nicht auf Amerika beschränkten Trend.

Wenn Sie den Artikel in der New York Times genauer lesen, werden Sie nämlich bemerken: das Wachstum fällt im Luxus-Segment, bei den absoluten Top-Hotels, erheblich stärker aus als bei den Mittelklasse-Häusern, die zwar auch Zuwächse verzeichnen, im direkten Vergleich aber deutlich hinterherhinken. Das steht klar im Widerspruch zur Meinung, die auf dem Hotelimmobilien-Kongress mehrheitlich zu hören war.  weiterlesen…

27. Juli 2010

Die Hotels der Garbo

Vom Film »Grand Hotel« mal ganz abgesehen: Greta Garbo liebte mondäne, luxuriöse und ausgefallene Hotels. Nicht nur als Schauspielerin – da gehört das Leben aus dem Koffer ja sozusagen zum Berufsbild –, sondern auch im Privatleben. Und davon hatte sie mehr als genug, nachdem sie mit 36 Jahren zum Entsetzen ihrer Fans ohne irgendeine Begründung Hollywood und der Schauspielerei ein für allemal den Rücken kehrte. Von da an widmete sie ihre Zeit im wesentlichen ausgedehnten Spaziergängen sowie mehr oder weniger heftigen, mehr oder weniger langwierigen Affären; Greta Garbo liebte auch Männer. Und natürlich läßt sich der Reiz romantischer Abenteuer durch ein entsprechendes Ambiente erheblich steigern. Deswegen liebte die göttliche Garbo ausgefallene, luxuriöse Hotels mit dem notwendigen erotischen Flair. Aber das habe ich schon gesagt.

Ihr eigentliches Zuhause, wenn man so sagen kann – also das Haus, wohin sie als Dauergast immer wieder zurückkehrte –, war dabei der Ritz Tower in New York, und über dieses Hotel muß ich nicht viele Worte verlieren. Auf eine Beschreibung der übrigen Hotels, die sie freqentierte, will ich mich aber erst recht nicht einlassen, dazu sind es zu viele und ich müßte ein dickes Buch darüber schreiben – ohne daß ich daraus irgendwelche Rückschlüsse auf die Zahl ihrer Affären ziehen wollte, und über letztere gibt es ohnehin Bücher genug.

Ich beschränke mich also auf ein Land, nämlich Italien, und auch in Italien nur auf zwei Beispiele. Doch die haben es in sich: zwei der schönsten Hotels der Welt an zwei der traumhaftesten Orten dieser Erde.

Das erste ist die Villa d’Este am Comer See, das die ZEIT noch kürzlich als »Hotel der Hotels, die Essenz schlechthin« titulierte.  weiterlesen…

15. Juli 2010

Ein Grandhotel für Leipzig (2)

Wie angekündigt, ohne jeden weiteren Kommentar hier die Pressemitteilung von Steigenberger zum neuen Grandhotel Handelshof in Leipzig:
 

Steigenberger Grandhotel Handelshof, Leipzig –
Außergewöhnliches Design im Luxushotel

Im April 2011 ist es soweit: Das Steigenberger Grandhotel Handelshof im Herzen Leipzigs wird seine ersten Gäste empfangen. Wie das Design des Luxushotels aussehen wird, steht bereits fest: Leitlinie ist die große Historie der Stadt Leipzig und die Tradition des Handelshofes. Es dominieren historisierende Elemente, kulturelle Bezüge – etwa auf Goethes Faust –, kostbare Materialien in warmen Farben und eine unaufdringliche Eleganz.

Eindrucksvoll ist bereits die denkmalgeschützte Fassade des Steigenberger Grandhotel Handelshof. Sie hat ihr ursprüngliches Aussehen weitestgehend zurückerhalten und weist traditionelle Architekturmotive auf. Hierzu zählen etwa prunkvolle mehrgeschossige Runderker in der Leipziger Renaissancetradition.

Für die Innenarchitektur des Steigenberger Grandhotel Handelshof zeichnet das Büro Markus-Diedenhofen mit Sitz in Reutlingen verantwortlich, das sich auf die Fahne geschrieben hat, das Hotel angelehnt an den historischen Handelshof und mit Verweisen auf die Leipziger Geschichte und Kultur zu gestalten. Bei der Umsetzung der Inneneinrichtung ist die Steigenberger Tochtergesellschaft *H*E*A*D* federführend, welche die elegant-moderne Linie mit edlen Materialien und warmen Farben implementiert.

Beim Betreten des Steigenberger Grandhotel Handelshof durchquert der Gast ein imposantes Kreuzgewölbe. Dessen Boden wird aus Glasmodulen zusammengesetzt sein, deren integrierte Sensoren auf Schritte reagieren und visuelle oder akustische Signale freigeben.  weiterlesen…

15. Juli 2010

Ein Grandhotel für Leipzig (1)

Es liegt in der Natur der Sache, daß ich über unsere aktuelle Arbeit hier nur eingeschränkt oder gar nicht berichten kann. Solange ein Projekt nicht der Öffentlichkeit vorgestellt ist, haben die Auftraggeber ein Recht auf Verschwiegenheit. Mittlerweile aber ist es offiziell, Sie haben vielleicht schon aus der Presse davon erfahren, und deshalb will ich auch in der Serendipity Suite kein Geheimnis daraus machen: Leipzig bekommt ein Luxushotel von internationalem Rang. Genau in der geografischen Mitte der Stadt. Dort, wo bereits 1419 mit dem »Burgkeller« die erste Schänke Leipzigs eröffnete. 1908/09 wurde an dieser Stelle mit dem Handelshof das erste Eisenbeton-Haus der Stadt errichtet. Für die Umwandlung dieses Messepalasts in das Steigenberger Grandhotel Handelshof zeichnet das Büro Markus-Diedenhofen Innenarchitektur verantwortlich. Die Planung dieses Projekts war eine große Herausforderung, und ich meine, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aber es gibt noch einen weiteren, sehr persönlichen Grund, warum ich an diese Arbeit mit besonderer Freude und Leidenschaft herangegangen bin. Was nämlich auch von denen, die mich kennen, nur die wenigsten wissen: die Cornelia Markus-Diedenhofen aus Reutlingen ist eigentlich in Leipzig geboren.

Die eigene Geburtsstadt um eine solche Attraktion zu bereichern – das ist schon ein erhebendes Gefühl. Ich kann nicht leugnen, ein wenig stolz darauf zu sein. Aber Gelegenheiten dieser Art bieten sich einem auch nicht alle Tage…

Auf Einzelheiten des neuen Hotels einzugehen möchte ich mir sparen, da Steigenberger dazu eine ausführliche Pressemitteilung verfaßt hat, die Sie in voller Länge hier lesen können. Falls Sie aber vorab schon mal ein, zwei Bilder sehen wollen, sollten Sie erst mal hier  weiterlesen…

9. Juni 2010

Die letzten fünf Prozent

Ein anständiges Soufflé hinzukriegen, ist heutzutage keine Kunst. Die narrensicheren Zutaten gibt’s in jedem Supermarkt. Sie können’s natürlich besser machen. Dann brauchen Sie dreimal so lange – oder fünfmal. Komischer Fortschritt, oder? Lohnt sich das überhaupt? Ist halbwegs anständig nicht gut genug? Viele Esser, vielleicht die Mehrzahl, werden den Unterschied gar nicht merken. Erst recht werden sie nicht bereit sein, dem Sterne-Koch, der seit 15 Jahren daran arbeitet, sein Soufflé zu perfektionieren, dafür das Zwanzig- oder das Fünfzigfache dessen zu bezahlen, was die Zutaten im Supermarkt kosten.

Aber darin liegt auch schon die ganze Antwort. Denn echte Feinschmecker nehmen wochenlange Wartezeiten in Kauf, um einmal im Leben in den Genuß des perfekten Soufflés zu kommen. Und, vielleicht noch wichtiger: das Verhältnis von absoluten Spitzenköchen und anspruchsvollen Gourmets ist so, daß solche Wartezeiten zwangsläufig entstehen. Spitzenkönner sind gefragt und haben ihren Preis. Die narrensicheren Zutaten im Supermarkt kriegen Sie nachgeschmissen. Sie unterscheiden sich voneinander durch die Verpackung und den Herstellernamen. Der Inhalt ist jedesmal mehr oder weniger derselbe. Am besten, Sie entscheiden sich für die billigste Variante.

Das gilt für die Gastronomie – und in fast allen anderen Branchen verhält es sich ebenso. Durchschnittswaren erzielen Durchschnittspreise, und die wiederum orientieren sich am billigsten Anbieter.   weiterlesen…

25. Mai 2010

Glückwunsch an den »Hotelier des Jahres«

Von einer verspäteten Neuigkeit zu reden ist eigentlich ein Unding; was mit Verspätung berichtet wird, ist eben nicht mehr neu. Trotzdem will ich es mir nicht nehmen lassen, Thomas Noll zu seiner jüngsten Auszeichnung zu gratulieren: die European Hotel Managers Association (EHMA) wählte ihn zum Hotel-Manager des Jahres 2009; am 11. April konnte er im Rahmen einer festlichen Zeremonie in Biarritz den »EHMA Manager of the Year Award« persönlich entgegennehmen (s. die Bilder am Ende dieses Beitrags).

Regelmäßige Besucher der Serendipity Suite kennen Thomas Noll schon länger – er war die treibende Kraft hinter den sozialen Aktivitäten des Grand Hotel Europe in St. Petersburg, über die ich ausführlich berichtet habe. Das soziale Engagement war die eine Seite der Neu-Ausrichtung des Hotels, für die Thomas Noll verantwortlich zeichnete, nachdem das Haus 2005 von der Orient-Express-Gruppe übernommen worden war. Die andere bestand in der Rückbesinnung auf die Tradition und große Vergangenheit des Grand Hotel Europe, die er in zeitgemäßer Form wieder aufleben ließ. Es handelt sich um ein doppeltes Bekenntnis zum eigenen Standort – im Hinblick auf die Vergangenheit ebenso wie im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft. Und um ein Bekenntnis, dem Taten folgten:   weiterlesen…

15. Mai 2010

Luxushotel »Feuchtgebiet«, Fortsetzung

Wenn Ihnen mal nicht nach Fortpflanzungspartys oder anderen religiösen Veranstaltungen zumute ist, wenn Sie lieber mal ganz privat für sich sein möchten, dann habe ich ebenfalls einen Tip für Sie: das »Six Senses Hideaway Yao Noi« in der Phang Nga Bay, Thailand. Jeder der 56 Bungalows verfügt über einen eigenen, ca. 60 Meter langen Pool, der – wie auf dem Foto zu sehen – fast nahtlos ins offene Meer überzugehen scheint. Wenn das mal kein exklusives, subtropisches Feuchtgebiet ist…

Pool12_M – Foto: Six Senses Hideaway, Yao Noi

Pool_Villa – Foto: Six Senses Hideaway, Yao Noi

Pool14_M – Foto: Six Senses Hideaway, Yao Noi

Und falls Ihnen die Gegend bekannt vorkommen sollte – kein Wunder. Wahrscheinlich haben Sie die spektakuläre Landschaft schon in dem James-Bond-Film »Der Mann mit dem goldenen Colt« gesehen. Aber zum Geheimagenten im Auftrag ihrer Majestät kommen wir morgen noch ausführlicher…

5. Mai 2010

Wohnen im Baumhaus

Als Kinder und Jugendliche haben die meisten von uns davon geträumt. Später verblaßt der Traum, aber die Faszination bleibt. Und hat mich sofort wieder gepackt, als ich einen Bericht über das »Daintree Eco Lodge« gelesen und die Bilder dazu gesehen habe. Das Resort Hotel liegt mitten im Daintree Rain Forest, der als der älteste Regenwald der Welt gilt und seit 1988 als Weltnaturerbe ausgewiesen ist. Es besteht aus nicht mehr als 15 exklusiv ausgestatteten, durch Stege miteinander verbundenen Baumhäusern und Pfahlbauten inkl. fünf »Spa Villas« und bietet nahezu jeden Luxus, den anspruchsvolle Gäste sich wünschen (mehr dazu auf der Website des Resorts).

Unter diesen Gästen waren in den letzten Jahren einige, deren Namen Sie möglicherweise schon mal gehört haben  –   weiterlesen…

29. April 2010

Beyond Imagination

Zuerst kam es immer wieder zu Verzögerungen bei der Fertigstellung – dann machte Flugasche den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Jetzt ist es endlich soweit: vorgestern wurde das Armani-Hotel in Dubais Burj Khalifa eröffnet. Auch das Rätsel um die Innenarchitektur der neuen Luxusherberge ist damit gelüftet – jedenfalls ein bißchen. Die (wenigen) Bilder aus dem Inneren des Hotels gingen um die Welt und sind beispielsweise hier und hier zu bewundern. Ich widme diesen Beitrag deshalb einer anderen Attraktion. Dem Schauspiel, das ein Blick aus dem Fenster einigen der Gäste bietet –nämlich den Dubai Fountain, der direkt an den Burj Khalifa grenzt. Lassen Sie sich verzaubern:

(Und fragen Sie mich bitte nicht andauernd, was ich von Giorgio Armani als Innenarchitekt halte. Das verrate ich Ihnen erst, sobald die erste Casual Wear Collection made by markus-diedenhofen auf dem Markt ist. :-) )

20. März 2010

MIPIM (4)

Die aktuelle ZEIT hat in ihrer Reihe »Hoteltest« dem Kameha Grand Bonn ebenfalls eine ausführliche Besprechung gewidmet – seit heute auch online. Exklusiv in der Online-Version: eine Fotogalerie mit 15 Bildern, darunter einige, die ich in meinem Beitrag nicht gezeigt habe. Dazu noch der Hinweis auf ein Interview mit Carsten Rath, dem geistigen Vater des Kameha, das schon im Juni 2009 im manager magazin erschienen ist (ebenfalls mit Fotogalerie).

20. März 2010

MIPIM Awards verliehen (1)

Die deutschen Teilnehmer konnten sich freuen, als Donnerstag abend in Cannes die MIPIM Awards verliehen wurden. Gleich zweimal ging der begehrte »Oscar der Immobilienbranche«, der in insgesamt fünf Kategorien vergeben wird, nach Deutschland – einmal, in der Kategorie Residential Developments, an den Hamburger Wohnturm »Marco Polo Tower«, und zweitens, was mich ganz besonders freut, in der Kategorie Hotels, und zwar an das »Kameha Grand Bonn«, das sich gegen starke Mitbewerber aus Polen und der Tschechischen Republik durchsetzen konnte.   weiterlesen…

28. Januar 2010

Suiten für die Superreichen – Nachtrag

Die Bridge Suite des Hotels Atlantis auf Paradise Island (Bahamas) müsse schon sehr viel zu bieten haben, um erstens den Preis von 25.000,– Dollar pro Nacht zu rechtfertigen, zweitens die architektonische Häßlichkeit des Gebäudes wettzumachen, worin es sich befindet – so schrieb ich vor ein paar Tagen. Warum sich das gleichnamige Hotel in Dubai nicht nur am Baustil ein Vorbild nahm, sondern auch den Namen kopierte, wird mir wohl ewig schleierhaft bleiben; ein auf Nimmerwiedersehen im Meer versunkener Erdteil ist wohl eher eine zweifelhafte Referenz für ein Strandhotel. Aber egal. Für alle, die sich nicht mehr erinnern, hier noch einmal eine Ansicht des Hotels aus etwas anderem Blickwinkel:


 

Gestern nun bin ich – als ich vergeblich nach etwas ganz anderem suchte – auch über das gestolpert, was mir beim Schreiben des Eintrags noch fehlte: Bilder der Suite selbst:

Foto: The Atlantis
 

Foto: The Atlantis

Das hat schon was. Die Räume sind kostbar und – von ein paar Kleinigkeiten abgesehen – auch mit Geschmack eingerichtet. Womit ich sagen will: es dürfte durchaus kultivierte Leute geben, die sich in diesem Stil wiederfinden. Aber über Geschmack läßt sich’s bekanntlich streiten. Wie die alten Lateiner sagten: Quod licet Krethi, non licet Plethi. Ich jedenfalls würde nicht drauf hinsparen, ein paar Nächte in der Bridge Suite verbringen zu dürfen. Das macht aber gar nichts. Umgekehrt stehen die Atlantis Hotels dieser Welt auch nicht bei Markus-Diedenhofen Innenarchitektur Schlange. So gleicht sich auf dieser Welt alles wieder aus.

22. Januar 2010

Suiten für die Super-Reichen

Sie erinnern sich vielleicht: 7.000,– Euro kostet eine Nacht in der Präsidenten-Suite im Al Maha Resort in Dubai. Umgerechnet ca. 9.850 Dollar. Für echte Snobs läuft das unter der Kategorie Billigabsteige. Wer was auf sich hält, kalkuliert mit ganz anderen Preisen. Die Huffington Post hat sich das Vergnügen gemacht, eine Rangliste der zehn teuersten Hotel-Suiten der Welt zu erstellen. Die Serendipity Suite zählt nicht dazu; vermutlich fehlen auch sonst noch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten auf allerhöchstem Preisniveau. Ich hätte da die eine oder andere Hypothese – aber ich habe mir im ganzen Leben noch nie die Mühe gemacht, nach dem teuersten Hotelzimmer zu suchen und werde nicht ausgerechnet jetzt damit beginnen. Bleiben wir also bei der Rangliste der Huffington Post.

Die beginnt, am unteren Ende der Skala, mit der Imperial Suite im Park Hyatt Vendôme in Paris; 20.000,– Dollar sollte einem eine Nacht in diesem Ambiente wert sein:

Quelle: http://www.huffingtonpost.com/2010/01/19/most-expensive-hotel-suit_n_426882.html
 

Den letzten Platz teilt sich das Park Hyatt Vendôme mit einem Hotel jenseits des Atlantiks; wir sind aber noch im abgeschlagenen Feld – in der Spitzen­gruppe können Sie ein Vielfaches dieser Summe springen lassen…   weiterlesen…

16. Dezember 2009

Luxus für die Ärmsten – Nachtrag

Sie erinnern sich an das Grand Hotel Europe in St. Petersburg? Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle ausführlich über dieses Haus und die Initiative des Hoteldirektors Thomas Noll berichtet, einigen der Ärmsten der Armen – Straßen- und Waisenkindern – eine Ausbildungs-Chance und Lebensperspektive zu geben. Heute abend hat das ZDF-Auslandsjournal dem Thema einen sehenswerten 5-Minuten-Beitrag gewidmet. Falls sie ihn verpaßt haben sollten: in der Mediathek des ZDF ist er noch sieben Tage lang auch online verfügbar.

Nun sind fünf Minuten eher knapp bemessen, da kommt zwangsläufig einiges zu kurz. Vermißt habe ich in dem Beitrag vor allem zwei Aspekte, die mir wichtig scheinen. Zum einen geht es bei der Sache nicht nur um einen isolierten Akt der Wohltätigkeit – Thomas Noll sieht sein Engagement in einem größeren Zusammenhang: als Verpflichtung des Hotels gegenüber der Stadt; und noch weiter gedacht: als Verantwortung der Reichen und Mächtigen, gegenüber dem Elend am anderen Ende des sozialen Spektrums nicht die Augen zu verschließen. In der Vernetzung mit anderen Organi­sationen und Initiativen hat er es geschafft, in der Stadt an der Newa aus dieser Verantwortung ein gesellschaftliches Thema und eine Prestige­angelegenheit zu machen. Darüber habe ich in dem erwähnten Beitrag ausführlich berichtet.

Einen zweiten Aspekt möchte ich hier nachtragen. Bei allem karitativen Engagement hat Thomas Noll nie das primäre Ziel aus den Augen verloren, seinem Haus unter den besten Hotels der Welt einen Platz an der absoluten Spitze zu sichern. Erst vor wenigen Wochen – am 8. November – wurde das Grand Hotel Europe im Rahmen der World Travel Awards als bestes Luxushotel der Welt (World’s Leading Luxury Hotel) ausgezeichnet. Vom Prestige her entspricht das einem Pritzker-Preis in der Architektur oder dem Oscar im Filmbusiness. Die Auszubildenden »von der Straße« haben sich dieses ehrgeizige Ziel mit zu eigen gemacht. So etwas ist eine Chance, die man nur selten bekommt. Die Auszeichnung ist darum auch ihre Auszeichnung. Und darin liegt, wie ich meine, ein wesentliches Erfolgsgeheimnis des gesamten Projekts. Bisher hat noch keiner der Jugendlichen das Vertrauen enttäuscht, das Thomas Noll in sie setzte.

Thomas Noll nach der Verleihung des Word Travel Awards in London am 8. November 2009

4. November 2009

Luxus für die Ärmsten

Diese Reportage aus Merian klingt ein wenig so, als habe ein Drehbuchautor die Geschichte erfunden. Ein guter Film könnte schwerlich draus werden: zu rührselig der Inhalt; an den Haaren herbeigezogen die Story – und das Ganze viel zu schön, um wahr zu sein. Kitsch as Kitsch can, würde man im Kino sagen. Wir sind aber nicht im Kino, sondern in Rußland, genauer gesagt in St. Petersburg, im Grand Hotel Europe. Rußlands erstes Fünf-Sterne-Hotel, und ebenso unbestritten das erste Haus am Platz. Seit 1835 stieg hier ab, was Rang und Namen hatte – von Tschaikowsky, Prokofjew oder Strawinsky über Maxim Gorki und Georges Bernard Shaw bis hin zu Jimmy Carter, Bill Clinton, Queen Elizabeth II., Helmut Kohl und vielen anderen. So weit, so gut und für ein Hotel dieses Rangs eigentlich nicht der Rede wert. Große Namen, gesellschaftlicher Glanz, Luxus, Verschwendung – solche Assoziationen gehen mir beim Wort Grandhotel ohnehin durch den Kopf. Aber soziales Engagement? Unterstützung für die Ärmsten? Hilfe für Kinder in Not? – nein, darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. weiterlesen…

5. Oktober 2009

Alles für Devisen?

In den Medien steht dieses Jahr die deutsche Einheit schwer im Schatten von 20 Jahren Mauerfall. Das ist historisch zwar nicht ganz korrekt – das eigentliche Jubiläum fällt in den November, und die Einheit wurde erst 19 Jahre alt – aber sehr verständlich, schon weil der Jahrestag des Mauerfalls in Deutschland gar kein Feiertag ist. Verständlich vielleicht auch, daß sich die Aufmerksamkeit darauf konzentriert, was damals geschah und seither passierte. Mit dem Fall der Mauer ist ja (aus westlicher Perspektive) auch das skandalumwitterte, stets etwas angstbesetzte Drüben verschwunden, als habe es nie ein Jenseits der Mauer gegeben. Wie sollte da dieses Drüben weiterhin Neugier, Interesse, Forscherdrang auf sich ziehen? Aus östlicher Sicht stellen sich die Dinge anders dar – aber das Ergebnis ist dasselbe: Ich kenne beispielsweise keine einzige fundierte historische Studie, die sich umfassend mit dem Beherbergungswesen in der ehemaligen DDR auseinandersetzt. Schade. Denn am Beispiel der Hotels zeigt sich deutlicher als irgendwo sonst die Achillesferse des »real existierenden Sozialismus«. Die Geschichte der DDR-Hotellerie (ich werde mich im folgenden beispielhaft auf die Berliner Entwicklung konzentrieren) kann daher viel zum Verständnis des Mauerfalls beitragen. Aufschlußreich ist sie weit darüber hinaus. weiterlesen…