Einträge zum Thema Keep Smiling

1. September 2010

Vorsicht, Werbung – 10 (Mehr Licht)

es werde licht

Ich bin das Licht, die Wahrheit und das Leben*. So hell kann es gar nicht sein, daß es noch heller nicht schöner wäre. Wer will noch Glühbirnen, wenn es Leuchtstoff-Energiesparlampen gibt. Das ist doch ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht, zwischen Sonne und Mond. Scheint diese Anzeige sagen zu wollen. Damit liefert sie den perfekten Kommentar zum gestrigen Beitrag – und gleichzeitig eine unfreiwillige Bestätigung von dessen These.

Obwohl – so unfreiwillig wohl auch wieder nicht. In Wirklichkeit ist das genau die Botschaft, die Leuchtenhersteller unter die Leute bringen wollen. Schließlich geht es ihnen um bessere Geschäfte, nicht schlechtere. Um höhere Nachfrage, nicht geringere. Und also um mehr Licht, nicht um weniger.

Man kann es den Herrschaften noch nicht mal verdenken. Das sind sie ihren Unternehmen und deren Aktionären einfach schuldig. Deshalb werden sie alles tun, die leuchtende Vision des Economist noch strahlendere Wirklichkeit werden zu lassen.
 

* Ja, ich weiß, in der Bibel steht es anders. Aber es gibt immer mehrere Wege, die frohe Botschaft zu verkünden. Fragen Sie eine Werbeagentur.

25. August 2010

Vorsicht, Werbung – 9 (Bescheidenheit)

Heiratsanzeige in einer südfranzösischen Tageszeitung:

»Gescheiterte Existenz, viermal geschieden, zweimal Konkurs, Plattfüße, Vollglatze, Säbelbeine, Asthma und Rheuma, möchte heiraten, möglichst Miß Europa oder Miß Frankreich, eventuell auch andere Schönheitskönigin, sofern der Vater Millionär ist. Zuschriften unter: „Bescheidenheit“ an die Administration der Zeitung.«

Die Resonanz: 83 Zuschriften, darunter sechs mit beigelegtem Bankauszug. Scheint so, als könne man es mit Bescheidenheit doch zu was bringen. Jedenfalls in Frankreich.

(Lange habe ich überlegt, ob eine Heiratsannonce wirklich unter die Kategorie Werbung fällt… Ich denke aber schon: Brautwerbung, manchmal auch Balz genannt, ist sogar die Urform der Werbung überhaupt.)

24. August 2010

Vorsicht, Werbung (8)

Nicht nur eine Stadt namens Paris gibt es in Texas, sondern auch Warnschilder wie dieses. Makaber ist es auf jeden Fall; noch makabrer dürfte es finden, wer auch den Film kennt, auf den die Headline anspielt. Aber da hilft wohl alle Vorsicht nichts – solcher »Werbung« entkommen wir nicht…

dead man talking
Foto: vikisuzan

Der Fairness halber sollte man vielleicht dazusagen, daß in Amerika noch viel mehr am Steuer telefoniert, gesimst und getwittert wird als hierzulande.

[Kudos: Alexis Madrigal, the Atlantic]

23. August 2010

Paris, Texas. Berlin, Connecticut

Waren Sie wirklich erstaunt, daß es sich bei Paris allen Ernstes um eine Stadt in Texas handelt? Dann sollten Sie sich mal diese Website ansehen. Die sammelt Postkarten aus Berlin, von waschechten amerikanischen Berlinern. Mittlerweile findet sich dort Post aus 31 amerikanischen Städten dieses Namens, unter anderem aus Berlin, Connecticut. Und es werden vermutlich noch mehr werden.

Wie sagte schon John F. Kennedy: »Ick bin oin Börliner.« ;-)

Postcards from Berlin Episode 1: Our Story from KS12 on Vimeo.

23. August 2010

Kommt jetzt der Sex auf den Hund?

Seit ich den Film und die Bilder des Chateau Poochie in Florida gesehen (und hier veröffentlicht) habe, höre ich nicht auf, mich zu wundern. Gäbe es Bilder, die nur das Haus und nicht seine Bewohner zeigen, würde schwerlich jemand erraten, worum es sich handelt. Die Architektur, das kostbare Interieur und die technische Ausstattung liefern nicht den mindesten Hinweis darauf, daß es sich hier um ein Luxus-Domizil für Hunde und Katzen handelt.

Entwickeln die Menschen also eine Affenliebe zu ihren Hunden und Katzen (vielleicht auch noch zu Eisbären und Kraken)? Machen sie keinen Unterschied mehr zwischen sich und ihren Haustieren? Verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Tier? Eine gefährliche Frage, wie ich festgestellt habe, denn jetzt finde ich überall Bestätigungen dieser These. Eine davon möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Auf den ersten Blick mag es zwar abwegig scheinen – aber vielleicht ist auch Ihnen bereits aufgefallen, welch verblüffende Ähnlichkeiten oft zwischen Sex-Artikeln und Hundspielzeug besteht. Wenn nicht, dann versuchen Sie mal, die folgenden Gegenstände richtig zuzuordnen:

1. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_1

2. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_2

3. Sex-Zubehör oder Hundezubehör?

spielzeug_3

4. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_4

5. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_5

6. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_6

7. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_7

8. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?

spielzeug_8

Das soll für den Anfang genügen. Haben Sie den Verwendungszweck der Sachen richtig erkannt? Gratulation! Falls Sie hingegen Zweifel hegen, sollten Sie einfach  weiterlesen…

18. August 2010

Vorsicht, Werbung – 7 (Pinkelpause)

Da freut sich die Dritte, die nicht dabeisein und mitpinkeln, pardon: -fliegen muß. Also ich. Weiter mag ich mich inhaltlich über diese Anzeige gar nicht auslassen:

verpiss_dich_condor

Wo ich sie, vor wenigen Stunden erst, entdeckt und fotografiert habe? Auf dem Klo natürlich. Wo sonst. Genauer gesagt: auf der Damentoilette der Autobahn-Raststätte Holzkirchen zwischen München und Salzburg. Sorgsam gerahmt, ungefähr im Format DIN A3, auf der Innenseite der Klotür. Genau vis-á-vis der Porzellan-Schüssel und also nicht zu übersehen, wenn frau mal muß. Wahrscheinlich wollte Condor ganz gezielt männliche Geschäftsreisende als Hauptzielgruppe ansprechen. Und wo findet man die? Na klar doch: in Damen-Toiletten auf Autobahn-Raststätten.

Ein kleiner Tip noch an die PR-Abteilung von Condor: es gibt einen bestimmten mittleren Lebensabschnitt – so zwischen früher Pubertät und fortgeschrittener Vergreisung –, da finden selbst Männer sowas nicht mehr lustig. Welchem der beiden nicht so mittleren Lebensabschnitte die Erfinder der Anzeige angehört haben, kann ich dagegen nur raten. Aber in der Regel dürfen Kreative nicht zu alt sein…

P.S:
Weils in der Serie »Vorsicht, Werbung« so Usus ist, läuft leider auch dieser Eintrag unter der Kategorie »Keep Smiling«. Aber Sie haben recht: ich find’s auch nicht zum Lachen.

P.P.S:
Um diese Anzeige sehen zu dürfen, müssen Sie übrigens 70 Cent Eintritt bezahlen. 50 Cent davon kriegen Sie zurück, wenn Sie hinterher noch was trinken. Der Rest ist Schmerzensgeld.

14. August 2010

Vorsicht, Werbung (Keep Smiling)

Braucht man unterwegs nicht zwischendurch auch mal eine Erfrischung? Na also.

7. August 2010

Tu felix Austria oder
Deutsch sind die anderen

In Sachen W-LAN und mobiles Internet habe Österreich Deutschland womöglich einiges voraus, habe ich geschrieben. Darüber freuen sich die Österreicher, aber sie wundern sich nicht. Daß ihnen die Piefkes nicht das Wasser reichen können, wissen sie spätestens seit Maria Theresia, Gott hab sie selig. Sie freuen sich also über das Lob und über die Ahnungslosigkeit des Lobenden. Hätte er eine Ahnung, dann wüßte er: in Wirklichkeit ist alles ganz furchtbar, wenn nicht noch schlimmer. Denn der Österreicher tendiert, wie man weiß, zum Selbsthaß. Noch mehr als die Österreicher haßt er im Grunde nur noch die Deutschen; beides aber ist Ausdruck seines tiefverwurzelten Patriotismus. Was dann schon wieder hoffen läßt. Und da sich auch die Deutschen bisweilen als lernfähig erweisen, könnte das folgende Video durchaus einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Gedreht haben es Saatchi & Saatchi; ich wünsche viel Vergnügen.

(»De wissan jo ned amoi, daß ma „Seeligkeit« nua mit aam „e“ schreibt«, mosert der Österreicher. »Die sollen doch, bitteschön, erst mal richtig deutsch lernen«, beschwert sich der Deutsche. Und schon ist Einigkeit hergestellt zwischen den Erbfeinden; es geht doch nichts über den gemeinsamen Schulterschluß gegen den banausischen Dritten…)

6. August 2010

Train Spotting im Hotel

train-room-akihabara-washington-hotel-3-620x264_exp

Für alle, die schon alles ausprobiert haben, hier ein Vorschlag, auf den sie selber womöglich nie gekommen wären: die Spielzeug-, pardon: Modell-Eisenbahn im Hotelzimmer. Zwar ist die Anreise etwas lang – es sei denn, Sie hätten ohnehin in Japan zu tun –, dafür haben Sie ausreichend Zeit für die Planung: die neue Attraktion des Akihabara Washington Hotels in Tokio ist auf Monate ausgebucht. Angeblich sind viele Japaner richtige Eisenbahn-Narren. Daß das Bett deutlich kleiner ausfällt als die Eisenbahn-Anlage, dürfte bei alledem keinen ernstlich stören. Wer wird in so einem Zimmer schon ans Schlafen denken…

Was der Spaß kostet? 265 Dollar die Nacht.

Und da dachte ich immer, das Kind im Mann sei ein Produkt der westlichen Zivilisation, und andernorts würden die Männer erwachsen. So kann man sich täuschen.

Und weil’s so schön ist, hier der Zugverkehr in Aktion:

[Kudos: CrunchGear]

4. August 2010

Keep Smiling / One More Take

Auch Bücher haben Schicksale, wußten schon die alten Römer – und Wörter ihre Konjunkturen, möchte ich ergänzen. Mich erstaunt die Karriere, die das Wort »serendipity« im englischen Sprachbereich gemacht hat, seit ich diesem Blog seinen Namen gegeben habe. Damals war selbst native speakers der Begriff häufig nicht geläufig – mittlerweile taucht er in den unverhofftesten Zusammenhängen auf und hat sogar – was ich nie gedacht hätte – Eingang in die deutsche Sprache gefunden.

Mein jüngster »Fund« in dieser Hinsicht ist vielleicht auch der skurrilste, hat aber dennoch eine gewisse Folgerichtigkeit. Daß es Glücksdrachen gibt, haben wir gewußt; daß sie dann auch »Serendipity« heißen, liegt eigentlich nahe. Hier der Trailer zum gleichnamigen Zeichentrickfilm:

In seiner Jugend hieß der Drachen allerdings noch Paff, und das Lied dazu hat keine Geringere als Marlene Dietrich gesungen. Und zwar auf deutsch. Damit schließt sich wieder einmal ein Kreis, denn die Dietrich ist uns vor wenigen Wochen hier ja schon einmal begegnet – im Shanghai Express, um genau zu sein.

Und wenn Sie jetzt doch noch etwas mehr über das Wort »serendipity« und über das Serendipitieren erfahren wollen, sowie über die »Glücksfunde«, die sich damit verbinden, dann verweise ich Sie ein weiteres Mal auf den gleichnamigen Beitrag dazu von Ende des letzten Jahres.

2. August 2010

Bücher kamen nicht zu Schaden

Sooft ich bisher auf das Library Hotel in New York zu sprechen gekommen bin, ging es um Bücher, nicht um Autos und schon gar nicht um Taxis. Wieso auch – daß Hotels von Taxis angesteuert werden, ist schwerlich berichtenswert. Höchstens dann, wenn sie es mit dem Ansteuern zu wörtlich und mit dem Bremsen nicht allzu genau nehmen. So geschehen an einem Abend letzter Woche zur besten Essenszeit. Das Hotel-Restaurant Madison & Vine war bis auf den letzten Platz besetzt, als sich mit einem lauten Knall zwei der berühmten New Yorker Yellow Cabs dennoch Einlaß verschaffen wollten. Glasscheiben splitterten, und zwei Kühlernasen ragten ins Innere des Gourmet-Tempels. Einen Tisch haben sie dabei nicht erobert, sodaß die Gäste mit dem Schrecken davonkamen.

Ich frage mich trotzdem, warum gleich zwei Taxis und dazu noch zur selben Zeit das Hotel ins Visier nahmen. War es Zufall – oder hatten sie sich dort verabredet?

Was die Hotelgäste angeht, die sich im Restaurant befanden: wenn es sich dabei wirklich um Bibliophile handelt, hatten sie sich von ihrem Aufenthalt wohl etwas besinnlichere Abenteuer versprochen. Immerhin haben sie jetzt was zu erzählen, vielleicht auch zu schreiben. Womöglich findet die Episode sogar Eingang in ein Buch, dieses wird der Bibliothek des Library vermacht, und das Hotel macht seinem Namen wieder mal Ehre. Wenn nicht – und ich gebe zu: es ist etwas unwahrscheinlich – dann bewahrt wenigstens dieser Blog dem Zwischenfall ein bleibendes Angedenken… :-) :-) :-)

[Kudos: HotelChatter]

30. Juli 2010

Serendipity. Voll im Trend.

Vor etwa zehn Jahren prokrastinierte, wer ein bißchen angeben und sich wichtig machen wollte. Schließlich wußte kaum einer, was das Wort bedeutete. Heute ist Prokrastination eine Allerweltsvokabel. Wir brauchen dringend was Neues, um Eindruck zu schinden. Am besten mit snobistisch englischem statt mit gelehrt lateinischem Stammbaum. Und wir müssen noch nicht mal lange suchen; das Modewort des nächsten Jahrzehnts ist soeben aus dem Ei geschlüpft und hat es auf Anhieb zu Titel-Ehren gebracht. Ab sofort wird serendipitiert.

Ernsthaft. Im neuen Merkur, den ich druckfrisch in Hände halte, schreibt David Wagner einen ganzen Essay mit der Überschrift »Ich serendipitiere«. Einfach so – ich serendipitiere, als sei das ebenso geläufig wie Meditieren, Bramarbasieren oder Prokrastinieren. So stellt man gezielt sein Licht unter den Scheffel. Und in ein paar Monaten wird Wagner dann beiläufig erzählen, er habe völlig unbeabsichtigt einen Trend ins Leben gerufen. Ohne auch nur zu erwähnen, daß sich dieser Blog schon seit mehr als einem Jahr das Serendipitieren auf die Fahne geschrieben hat. Damals haben mich sogar Engländer, native speakers also, gefragt, was »serendipity« eigentlich bedeute. Die Vorreiterin bin ich. Mir fehlt nur Wagners Cleverness.

Der bringt es nämlich fertig, nach der verheißungsvollen Überschrift zwar, beispielsweise, zu schildern, wie er mit 22 Jahren dazu kam, Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« zu lesen – dafür aber die Worte serendipitieren, Serendipität oder serendipitös in seinem ganzen Essay kein einziges weiteres Mal zu erwähnen. Merkur–Leser wissen, was es mit der Serendipität auf sich hat. Wenn nicht, sind sie zu blöd oder sonst nicht ganz auf der Höhe. Das will natürlich keiner auf sich sitzen lassen. Und reicht den Schwarzen Peter weiter: schon im nächsten Gespräch wird er beiläufig einfließen lassen, wie ihm serentipitierenderweise mal wieder ein ganz besonderer Coup geglückt ist. Schön, nicht wahr? So werden Moden lanciert.

Aber bei Ihnen sind solche Hochstapler zum Glück an den Falschen geraten. Sie wissen viel besser als diese Angeber, was »Serendipity« bedeutet, wo das Wort herkommt und wie es Eingang in die englische (und jetzt auch die deutsche) Sprache gefunden hat. Und wenn nicht, können Sie es jederzeit nachlesen. Womit wir uns wieder ernsthafteren Dingen zuwenden könnten.

 

P.S:
Schade, daß ich kein Gästebuch führe. Dann könnte ich gucken, ob und wann David Wagner sich drin verewigt hat… :-) :-) :-)

28. Juli 2010

Selbstbedienung im Hotel

In Hotels wird geklaut, was das Zeug hält. Manchmal von den eigenen Mitarbeitern, öfter aber von den Gästen. Je vornehmer ein Haus, desto unverfrorener die Souvenirjäger und desto wertvoller ihre Beute. So jedenfalls lautet das populäre Vorurteil, das Insider nur bestätigen können. Neu ist das alles freilich nicht, und irgendwann kennt man auch die wildesten Geschichten beinahe auswendig. Mittlerweile bringt mich das ganze Thema nur noch zum Gähnen.

Meine Neugier hielt sich daher in Grenzen, als die WELT kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, worin sie Direktoren von Luxushotels nach den kecksten Diebstählen in ihrem Haus befragt hatte. Eine Sommerloch-Geschichte, dachte ich. Und die meisten Stories blieben denn auch auf dem Niveau meiner tiefgespannten Erwartungen – oder lagen darunter. Bis auf drei, die den Rahmen sprengten und mich spontan zum Lachen brachten.

Die erste spielt in einem Wellness-Hotel in der Region Edersee und wirkt im ersten Moment gar nicht spektakulär. Aus der Lobby hatte jemand zwei hochwertige, hoteleigene Computer mitgehen lassen. Kein Grund zur Aufregung bei der Hotel-Leitung, und auch die herbeigerufene Polizei nahm’s gelassen. Für solche Fälle hatte man vorgesorgt; sämtliche öffentlichen Bereiche des Hotels waren video-überwacht. Der Dieb oder die Diebe würden lange Gesichter machen, dachte man – und machte dann selber welche.  weiterlesen…

24. Juli 2010

Keep Smiling / One More Take

Eigentlich hatten wir dem Kraken Paul schon Lebwohl gesagt, aber die Welt will nicht von ihm lassen. Über den ursprünglichen Anlaß – die erstaunlichen prophetischen Fähigkeiten des Tiers – geht das Interesse längst hinaus; die Neugier der Menschen ist unersättlich. So hat sich in Amerika jüngst ein heftiger Streit darüber entwickelt, wie wohl die Mehrzahl von Krake, englisch »octopus«, lautet. Die Redaktion von Merriam-Webster, der amerikanischen Entsprechung zum Duden, hat jetzt die Frage entschieden. Oder auch nicht. Denn die höchste Instanz in Sachen korrekten Sprachgebrauchs versucht sich an einem salomonischen Urteil, das für korrekt erklärt, was streng genommen falsch ist. Ob das die erhitzten Gemüter beruhigt, sei dahingestellt.

Rein grammatikalisch nämlich, so Merriam-Webster, müsse man zu Kraken im Plural »octopedes« sagen. Wenn Sie das versuchen, werden Sie von Ihrem amerikanischen Gesprächspartner freilich so scheel angesehen, wie wenn Sie im Deutschen von zwei Kraken als »Krakeeler« redeten. Paul und Paula, die Krakeeler. Dann schon lieber Oktopäden. Oder gleich »octopuses«, wie es jedem normalen Ami, der nicht vom Korrektheits-Bazillus befallen ist, spontan von den Lippen gehen würde. Genau dazu gibt auch Merriam-Webster seinen Segen. Aber nur, wenn sich die Betreffenden nicht mehr über Leute aufregen, die – etymologisch genauso unsinnig – die Mehrzahl »octopi« vorziehen. »Jedem das Seine«, könnte man diese Entscheidung zusammenfassen. Über soviel Laxheit im Umgang mit der Sprache wird sich wohl bald der nächste Streit entzünden…

Nur gut, daß wenigstens über den Genitiv von »octopus« Einigkeit herrscht. Die Streitfrage haben die Beatles nämlich schon vor Jahrzehnten entschieden. Wer daran zweifelt, hat also die Autorität von Klassikern gegen sich. Und die ist in sprachlichen Zweifelsfällen allemal höher einzustufen als die Meinung einer Wörterbuch-Redaktion. Und jedenfalls auch musikalisch überzeugender:

(Im übrigen haben wir Deutsche nicht den mindesten Grund, uns über die Amis zu mokieren. Wir hatten nur das Glück, daß der Krake Paul heißt. Was aber, wenn seine Zwillings-Schwester Paula solche prophetischen Gaben an den Tag gelegt hätte? Hätten wir dann vom Kraken Paula gesprochen? oder doch eher von der Krakin?!

Das frage ich jetzt Sie, liebe Leserinnen und Leser… :-) )

3. Juli 2010

Und noch so ein Sommertraum

35 Grad warm soll’s heute wieder werden, sagt der Wetterbericht, oder sogar noch wärmer, sagt ein anderer. Und vom Schreibtisch her lächelt mich sardonisch die Arbeit an, die ich an diesem Wochenende zu erledigen habe. Du wirst doch jetzt nicht über die Hitze jammern, wispert eine Stimme in meinem Kopf – Regentage kommen noch genug. Aber gar nicht, antwortet eine andere. Eigentlich kann es mir gar nicht warm genug sein. Aber schön wär’s schon, jetzt sich im Meer zu aalen, wie ein Fisch durchs Wasser zu gleiten…

Ein Fisch? – mischt sich da endlich die gute Fee ein, die in keinem Sommermärchen fehlen darf. Ein Fisch ist ein bißchen viel verlangt. Die Fische sind längst schon vergeben. Aber eine Schildkröte hätte ich noch da – ein Tier von ausnehmend sonnigem Gemüt…

Fisch, Seepferd, Schildkröte – was auch immer, antworte ich. Hauptsache, das Wasser ist klar und keine Ölplattform in der Nähe. Wenn’s weiter nichts ist, lächelt die Fee, dann klick doch mal einfach auf den Pfeil da unten:

Happiest Turtle Ever from Henrik Edelbring on Vimeo.

3. Juli 2010

Ein Smiley für den Sommer :-)

So oft habe ich mich schon über die trüben Tage und die Schafskälte zu Beginn dieses Sommers beklagt – da muß ich doch jetzt, wo der Sommer seinem Namen Ehre macht und schon fast den Ehrentitel Hochsommer verdient, auch das mal gebührend würdigen. Also: es ist einfach toll, wie uns das Wetter momentan verwöhnt, und wie Tag für Tag von morgens bis abends die Sonne vom Himmel lacht. Man kann sich gar nicht dran sattsehen, oder?!

smiley

[Kudos: Andrew Sullivan]

22. Juni 2010

Momentaufnahmen aus 25 Jahren (2)

Natürlich gab es auch Pannen in diesen 25 Jahren – Momente, in denen ich am liebsten im Erdboden versunken wäre. Ein paar dieser Mißgeschicke aus den allerersten Jahren des Büros Markus-Diedenhofen Innenarchitektur sind mir besonders lebhaft in Erinnerung, fast so, als wäre es gestern gewesen. Das liegt wohl daran, daß ich damals relativ neu im Geschäft war und etwas grüner hinter den Ohren als heute – folglich stand auch mein Selbstbewußtsein auf eher wackligen Beinen. Was ich jetzt Panne nenne, erschien mir damals als Katastrophe. Als Ende der Welt. Als Sintflut vielleicht. Ja, doch – Sintflut paßt ganz gut zu der Geschichte, die ich erzählen möchte.

Sie spielt in einer kleinen bis mittelgroßen Stadt von ca. 60 000 Einwohnern. Eine Stadt, in der die Eröffnung eines neuen, luxuriösen Hotels einer renommierten internationalen Kette ein Ereignis war. Zur Eröffnungsfeier waren nicht nur die Honoratioren der Stadt gekommen, sondern auch Pressevertreter sowie der Rundfunk, der überdies live übertrug. Und ich sollte eine Rede halten; schließlich hatte mein Büro die Innenausstattung geplant und gestaltet. Darin hatte ich auch entschieden mehr Übung als im Reden. Vor allen Dingen hatte mir keiner gesagt, wie man sich verhält, wenn hinter einem die Hölle losbricht.  weiterlesen…

10. Juni 2010

Keep Smiling

Ein Bitte-Nicht-Stören-Türanhänger? – ein Annäherungsversuch? Na, Sie haben vielleicht Fragen… ;-)

PrimeDNDisturb

[aus: »The Prime Hotel«, Miami Beach. Kudos: hotelchatter.com]

29. Mai 2010

Um die Wette schmusen…

…und mehr sollte man dazu schon gar nicht mehr sagen. Höchstens sich inspirieren lassen. Viel Vergnügen und ein lustvolles Wochenende… :-)

[Kudos: The Daily Beast]

28. Mai 2010

Keep Smiling

Urlaubsidylle vor 50 Jahren, als sich noch keiner nach der Einsamkeit von Bohrinsel-Hotels sehnte.

Urlaubsidylle

[Kudos: Bad Postcards]

23. Mai 2010

Keep Smiling

Pfingsten ist das Fest der Vollendung und der Überwindung aller Grenzen. Ein tröstlicher Gedanke – nur leider ist der Pfingst-Geist in unserer Welt noch nicht ganz zur Herrschaft gekommen. Von der Vollendung sind wir weit entfernt, andauernd stoßen wir an Grenzen, und nicht einmal die banale Frage nach dem Sinn des Lebens können wir hinreichend beantworten. Oder doch? Micheal Niavarani versucht sich jedenfalls daran; ob es der Heilige Geist war, der ihn dabei inspirierte, will ich offenlassen…

15. Mai 2010

Luxushotel »Feuchtgebiet«

In früheren, verklemmteren Zeiten hatte die Kirche, die katholische zumal, ihre liebe Not (Liebe? Not…) mit dem Sex und nahm bei der Frage, wie die Kinder in die Welt kommen, am liebsten Zuflucht bei den Blumen auf dem Felde und emsig summenden Bienen. Da hat sich, zumindest was die Aufklärung betrifft, doch einiges gewandelt, wovon sich die staunenden Gläubigen auf dem Ökumenischen Kirchentag in München einmal mehr überzeugen konnten. Unter dem Titel »Werteorientierte Sexualerziehung heute« präsentierte die Erzdiözese München-Freising in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Aids-Stiftung ein Programm ohne falsche Scham. Zu zeitgenössischen Disco-Klängen treffen sich Spermien und Eizellen auf einer wilden Party. Verführerisch lächelnd tanzen die Spermien auf die Eizellen zu; anschließend stellt sich nur noch die alte, immer gleiche Frage: zu dir oder zu mir? Keins von beiden, antworten die modernen Aufklärer – und empfehlen stattdessen ein »Luxushotel«; früher sagte man wohl Plazenta dazu. Und wer hätte das gedacht: auch im Hotel herrscht Bombenstimmung, und der »Partyservice« hat schon die wunderbarsten Nährstoffe und herrlichsten Leckereien bereitgestellt (ganz schön anstrengend das religiöse Leben heute – kaum noch Pausen zwischen den Partys).

Die Eizelle ist in der Zwischenzeit – solche Wunder gibt es im Katholizismus noch immer – zur glitzernden Disco-Kugel mutiert, und die begeisterten Samenzellen können sich vor Lust und Begeisterung fast nicht mehr halten. Wer dabei an ein Stundenhotel denkt oder an schlimmeres, beweist nur seine schmutzige Phantasie, handelt es sich doch vielmehr um ein Neun-Monats-Etablissement.

Da muß man sich nicht wundern – denke ich mir, als ich in der taz den Bericht zu der Veranstaltung lese – wenn die Menschen zum Hotel eine besonders tiefe, emotionale Beziehung entwickeln. Sogar der blöde Spruch: »Fühlen Sie sich bei uns bitte wie zuhause!« bekommt da plötzlich eine tiefere Bedeutung. Jeder Hotelaufenthalt: eine Rückkehr zu den Ursprüngen. Ins Warme. Ins Feuchte. In den Mutterleib. Wohl bekomm’s.

Nur von Aids war bei alledem nicht die Rede. Komisch eigentlich. Aber vielleicht hätte sich das einfach nicht so recht mit der Partystimmung vertragen, neben der unsere eigenen Aufklärungsbemühungen hier in der Serendipity Suite fast schon antiquiert wirken. ;-)

26. April 2010

Keep Smiling

Wie hat Spiegel Online gestern getitelt:

Asche-Flugverbot – »Das ist ein absurder Vorgang«

Ich kann dem Spiegel nur recht geben: Bevor man der Asche das Fliegen verbietet, sollte man doch lieber dem Berg untersagen, überhaupt Asche zu spucken… ;-)

23. April 2010

Keep Smiling

Und hier als weiterer Beitrag zum heutigen Tag des Buchs eine Erfindung des italienischen Ingenieurs Agostino Ramelli. Bedenkt man das Gewicht der damaligen Folianten, handelt es sich zweifellos um eine leserfreundliche Innovation. Ramelli selbst beschrieb sein »drehbares Lesepult« als »ansehnliche und sinnreiche Maschine, … die sehr nützlich für jeden ist, der gern studiert, besonders aber für jene, die unter Gicht oder körperlichen Gebrechen leiden, denn mit dieser Maschine kann man eine große Anzahl von Büchern lesen, ohne sich von der Stelle zu bewegen.«

Agostino Ramelli, »Lesemaschine« (1588)

Wer Richard Lesters Film »Die drei Musketiere« gesehen hat, kann sich an das Monstrum vielleicht erinnern – der Regisseur ließ es für den Film originalgetreu nachbauen.

Aber bei allem Respekt vor der handwerklich-technischen Leistung: die heutigen Ebooks – heißen sie nun Kindle, Nook oder iPad – sind vielleicht doch ein wenig handlicher… :-)
 

(Und weil ein Tag des Buchs ohne Buchtip eine halbe Sache wäre, hier meine Empfehlung: »Eine Geschichte des Lesens« von Alberto Manguel, auch als Taschenbuch erhältlich.)

19. April 2010

Der Unaussprechliche (Keep Smiling)

Der Berg ist stärker. Erst mal noch einen weiteren Tag – bis Dienstag morgen um 02 Uhr – bleibt der Luftraum über weiten Teilen Europas gesperrt. Die Politik beugt sich der höheren Gewalt – und die Fluggesellschaften beugen sich mit, wenngleich mit knirschenden Zähnen und nicht ohne, wie etwa Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, lautstark gegen unverantwortliche und rückgratlose Politiker zu wettern. Was soll er auch anderes tun? gegen den Berg kann er schlecht wettern. Dazu müßte er ihn erst mal beim Namen nennen. Nach Möglichkeit ohne zu stocken oder zu stottern. Bitteschön, zum Nachsprechen:

Eyjafjallajökulls.

Der Eierdingsda, wie er deutschlandweit wohl heißen dürfte. Aber was heißt deutschlandweit. Sogar die New York Times macht sich Gedanken über die korrekte Aussprache des Gletschervulkans, dieses konsonanten- und vokalespeienden Ungeheuers. Und geht der Sache auf den Grund, wie es sich eine Zeitung ihres Rangs schuldig ist. Recherchen beim isländischen Konsulat ergeben – und ich transkribiere die lautmalerische Aussprache vom Englischen ins Deutsche:    weiterlesen…

10. April 2010

Keep Smiling

Datenschutz, Online-Überwachung, Kindesmißbrauch – das sind brisante Themen. Aber sie beträfen – so ist oft zu hören – nur eine Minderheit. Es handle sich um die schwarzen Schafe, die Ausnahme – nicht die Regel. Nur sind die Schafe nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen:

vespa-polo
(Kudos: RETrOZONe via Schockwellenreiter)

Und auch die Mehrheitsverhältnisse sind nicht immer so eindeutig. Was ist Regel, was Ausnahme? Man kann da furchtbar danebenliegen:   weiterlesen…

4. April 2010

Osterbräuche (Keep Smiling)

Volksbräuche und regionale Traditionen sind der Tourismusbranche lieb und teuer. Sie geben dem Reisenden das Gefühl, etwas Echtes und Ursprüngliches zu erleben und ganz ins fremde Land einzutauchen. Dazu gehört zum Beispiel die kroatische Sitte, in Ostereier kunstvolle Ornamente einzuritzen. »Ostereierkratzen«, sagen die Österreicher dazu. Das Studio Burgenland des ORF wollte einen Bericht darüber senden. Aber fast wäre man über die Anmoderation nicht hinausgekommen:

Wir wünschen Ihnen ein frohes Osterfest!

[Kudos: Sigrid Neudecker, ZEIT online]

20. März 2010

Frühlingserwachen?

Ab morgen haben wir Frühling, sagen die Meteorologen und präsentieren uns eine Wettervorhersage, bei der sich so mancher die Decke gleich wieder über den Kopf ziehen möchte. Ob das dann ein verlängerter Winterschlaf ist oder eine vorgezogene Frühjahrsmüdigkeit oder ein nahtloser Übergang zwischen beiden, kann jeder für sich entscheiden. Sollten die Meteorologen aber unrecht behalten – mit dem Wetter, nicht mit dem Frühlingsanfang – dann lohnt es sich vielleicht doch, gegen das Schlafbedürfnis anzukämpfen. Nehmen Sie sich ein Beispiel:

15. März 2010

Bitte nicht stören

Ja, doch – so kann man das auch sagen:

Shattuck Plaza Hotel, Berkeley, CA, USA

[Kudos: James Fallows]

5. März 2010

Reiseandenken (Keep Smiling)

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: die Wahrheit dieses Sprichworts haben in dem ZEIT-Special, von dem der vorangegangene Eintrag handelt, zehn Schriftsteller und sieben ZEIT-Autoren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aber – so erinnert uns ein anderes Sprichwort: manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Und auch das ist wahr, wie die folgenden Schnappschüsse vor Augen führen:

Less is more. Knapper kann man die Essenz des Tourismusmarketings nicht auf den Punkt bringen: wo der nötige Nervenkitzel fehlt, mußt du ihn schaffen – und dann heftig die Werbetrommel dafür rühren:

caution edges

weiterlesen…

11. Februar 2010

Kulis im Hotel (Keep Smiling)

»Nil humani a me alienum esse puto« – nichts Menschliches ist mir fremd: dieses Zitat von Terenz hat uns mein alter Lateinlehrer bis zum Abwinken eingetrichtert; aber ich fürchte, der römische Dichter hat sich dabei ebenso überschätzt wie mein Lateinlehrer, der den Satz mit Vorliebe auf sich selbst bezog. Was beispielsweise die versteckten Kameras hinter den verschlossenen Türen der ostberliner Hotels Metropol, des Palasthotels oder des Grand Hotels Berlin so alles aufzeichneten und anschließend über die Monitore der SED flimmern ließen, hätte wohl selbst den Autoren des Kinsey Reports die Schamröte ins Gesicht getrieben – von meinem Lateinlehrer gar nicht zu reden. Jugendfrei waren diese Videos sicher nicht, sowenig wie das, was sich sonst überall auf der Welt hinter verschlossenen Hoteltüren an Lustvollem und weniger Lustvollem abspielt. Das macht aber nichts. Denn zum Glück läßt sich auch das wüsteste Treiben in die keimfreie Sprache des Sexual­kunde­unterrichts übersetzen. Das glauben Sie nicht? Dann urteilen Sie selbst: weiterlesen…

13. Januar 2010

Keep Smiling



1995 05 22 069 NY Flies

31. Oktober 2009

Happy Halloween 1

Mike Peters, Mother Goose & Grimm, 10/31/2003

14. September 2009

Keep Smiling



William Haefeli, The New Yorker, 2005 10 10 058

18. Juli 2009

Keep Smiling


Barbara Shermund, The New Yorker, 1929 06 01 013

5. Juli 2009

Keep Smiling

Peter Arno, The New Yorker, 1927 07 30 016