Einträge zum Thema «Innovation»

26. Juni 2012

Review:
Leitgedanken

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wie es weitergehen soll, hängt auch davon ab, was uns wirklich wichtig ist. Konkret auf die Serendipity Suite bezogen: woran nehme ich mir immer noch ein Beispiel – welche Fragen sind weiterhin offen und von Belang; welche Themen haben nichts an Aktualität eingebüßt; welche Sichtweisen erschließen uns über den Tag hinaus neue Erkenntnisse, Horizonte und Denkmöglichkeiten? Eine Reihe solcher Beiträge, von denen ich meine, daß sie »Zukunft haben« und haben sollten, möchte ich in den nächsten 2 bis 3 Wochen unter dem Stichwort »Review« Revue passieren lassen. Ich lade Sie ein, mir dabei Gesellschaft zu leisten.
 

Von Firmenkultur und unternehmerischen Leitgedanken reden viele. Aber wofür stehen die Worte – und was bedeuten sie für die tägliche Praxis?

Mich wundert schon lange der Aufwand, den Unternehmen betreiben, um ihre Philosophie oder ihre Leitlinien zu formulieren. Dem Ergebnis ist der Aufwand kaum je anzusehen. Was als Mission Statement in der Imagebroschüre und auf der Website zu lesen ist, trägt eher skurrile Züge. Wortreich betont man die eigene Einzigartigkeit – und verwendet dabei bis aufs i-Tüpfelchen dieselben Formulierungen wie jeder andere auch. Wer fünf dieser feierlichen Erklärungen studiert hat, kennt sie alle. Wer mag sowas noch lesen? Keiner, würde ich wetten. Wozu also all diese Elaborate?

Ich will damit sagen: das Thema schien mir bislang nicht einmal des Nachdenkens wert. Dann habe ich diesen Essay des Internet-Pioniers und Unternehmers Paul Graham gelesen. An meiner Einschätzung der genannten Mission Statements hat sich dadurch nichts geändert. Aber seither frage ich mich, welche Chancen hier möglicherweise vergeben werden.

Grahams Überlegungen nehmen ihren Ausgangspunkt von einer scheinbar banalen Beobachtung: dem Vagabundieren seiner Gedanken morgens unter der Dusche. Wie jeder weiß, gehen beim Duschen die Gedanken ihre eigenen Wege – und auf die Weise entstehen bisweilen die allerbesten Einfälle. Da bin ich ganz zufällig drauf gekommen, sagen wir dann. Das stimmt aber nicht, behauptet Graham. Es ist kein Zufall woran wir beim Duschen denken – oder bei jeder anderen Gelegenheit, wo wir unseren Gedanken freien Lauf lassen. Am Inhalt dieser Gedanken können wir ablesen, was uns zu dieser Zeit am intensivsten beschäftigt; sie liefern uns unter Umständen aber auch Hinweise darauf, warum ein Erfolg, den wir anstreben, trotz aller Bemühungen ausbleibt.

Das hat seinen Grund in der Art, wie Innovation, schöpferische Arbeit und kreative Prozesse funktionieren. Diese entsprechen nicht dem Bild eines direkten Wegs von A nach B, von der Frage zur Antwort, von einem Ausgangspunkt zum anvisierten Ziel. Regelmäßig kommen wir an einen Punkt, wo wir steckenbleiben und nicht weiterwissen. »Dranbleiben« hilft da gar nichts – im Gegenteil: Loslassen heißt die Devise. Indem wir unsere Konzentration von der Aufgabe abziehen und »unsere Gedanken schweifen lassen«, erlauben wir ihnen, die gewohnten Bahnen zu verlassen, das Blickfeld zu erweitern, die Dinge anders zu sehen und neu zusammenzusetzen. Das Denken muß auf Abwege geraten, um kreativ zu sein.  weiterlesen…

23. Juni 2012

Review: Das Richtige ist das Falsche. Und umgekehrt.

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wie es weitergehen soll, hängt auch davon ab, was uns wirklich wichtig ist. Konkret auf die Serendipity Suite bezogen: woran nehme ich mir immer noch ein Beispiel – welche Fragen sind weiterhin offen und von Belang; welche Themen haben nichts an Aktualität eingebüßt; welche Sichtweisen erschließen uns über den Tag hinaus neue Erkenntnisse, Horizonte und Denkmöglichkeiten? Eine Reihe solcher Beiträge, von denen ich meine, daß sie »Zukunft haben« und haben sollten, möchte ich in den nächsten 2 bis 3 Wochen unter dem Stichwort »Review« Revue passieren lassen. Ich lade Sie ein, mir dabei Gesellschaft zu leisten.
 

Manchmal denke ich so lange über eine Frage nach, bis mir eine Formulierung einfällt, die alles auf den Punkt bringt. Leider versteht es dann oft keiner mehr außer mir – so wie die Überschrift zu diesem Beitrag. Dabei ist es wirklich ganz einfach. Es geht um Innenarchitektur, was sonst. Also darum, nicht bestehende Räume zu möblieren, sondern neue Räume zu schaffen und sich für diesen Zweck alles zunutze zu machen, was man über die Gesetze der Geometrie und der menschlichen Wahrnehmung weiß. Diese Definition ist natürlich fragwürdig, um nicht zu sagen moralisch verwerflich. Denn sie läuft darauf hinaus, die Menschen zu täuschen, hinters Licht zu führen und ihnen Dinge vorzugaukeln, die gar nicht existieren. So wie Stanley Kubrick oder M.C. Escher, aber auch Palladio und Le Corbusier das getan haben. Wenn wir »Räume schaffen«, bringen wir die Menschen dazu, den Schein höher zu schätzen als die Wirklichkeit und die Welt so zu sehen, wie sie nicht ist. Man könnte das auch als Betrug bezeichnen.

Das läßt man uns durchgehen, weil diese Art von Betrug als harmlos gilt und sogar als nützlich, solange sie ihre Grenzen nicht überschreitet. Niemand findet etwas dabei, sich eine Ansammlung von Pigmenten als »Brücke bei Arles« vormachen zu lassen oder einen Marmorklotz als »David« zu bezeichnen. Das ist schließlich Kunst und dient der Erbauung. Je weiter die Künstler die Täuschung treiben, desto höher werden sie geschätzt. Nur ernst nehmen darf man sie nicht. Alle Kunst ist Lüge, hat schon der Philosoph Plato festgestellt.

Soweit man der Innenarchitektur eine »künstlerische Komponente« zubilligt oder sogar von ihr fordert, genießen wir deshalb Narrenfreiheit. Wir sind eben die verrückten Kreativen. Es ist Aufgabe der Auftraggeber und Unternehmer, die mit unseren Kreationen Gewinne erzielen wollen, uns anschließend den Kopf wieder zurechtzurücken und jedenfalls darauf zu achten, daß wir nicht allzusehr über die Stränge schlagen. Denn für Unternehmer, Manager oder Banker gibt es keine größere Todsünde, als die Welt zu sehen, wie sie nicht ist. Die Welt nicht zu sehen, wie sie ist, bedeutet sie falsch zu sehen – und eine falsche Sicht der Welt ist von Übel und muß korrigiert werden.

Immerhin gestehen sich seit einiger Zeit selbst hartgesottene Realisten und Pragmatiker zu, auch nur Menschen zu sein und irren zu können. Sie sprechen dann von Fehlerkultur und ermutigen ihre Mitarbeiter, sich ihrerseits nicht vor Fehlern zu fürchten. Aber darin liegt keine Wertschätzung der Fähigkeit, die Welt zu sehen, wie sie nicht ist. Fehler und Irrtümer sind einfach der beste Weg, Fehleinschätzungen zu erkennen und eine falsche Weltsicht zu korrigieren. Und das ist alles, was zählt.

Damit ignorieren sie das, was ihnen eigentlich am wichtigsten sein müßte. Die Welt nicht zu sehen, wie sie ist, ist nämlich die Voraussetzung jeder Innovation. Zur Innovation gehört es, sich nicht abzufinden mit den Verhältnissen, wie sie nun mal sind, sondern sich die Freiheit zu nehmen, davon zu träumen, wie sie möglicherweise sein könnten – anders, besser, schöner, menschenfreundlicher und so weiter. Meinetwegen auch gewinnbringender – warum nicht, das gehört sicher dazu. Robert Musil hat dafür das Wort vom Möglichkeitssinn geprägt. Wer dagegen darauf beharrt, die Welt so zu sehen wie sie ist, wird unter Innovation nie etwas anderes verstehen als graduelle Verbesserungen. Er übersieht, daß die Welt niemals so ist, wie sie eben ist, weil sie sich beständig im Fluß befindet. Dazu, sie in Fluß zu halten, leisten wir Menschen, im Guten wie im Schlechten, einen wesentlichen Beitrag. Wir schaffen die Wirklichkeit, wie wir Räume schaffen: durch Imagination.

Mit der Imagination allein ist es freilich nicht getan. Irgendwann muß man ins kalte Wasser springen und den Versuch wagen, das Andere der Wirklichkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Aus der Welt, wie sie (noch) nicht ist, die Welt zu machen, die wir geschaffen haben. Darin liegt ein Risiko. Auch die beste Marktforschung kann das Ergebnis nicht vorhersagen und garantieren. Darum scheuen die »Realisten« und »Pragmatiker« den Sprung ins wirklich Neue und denunzieren die Innovatoren, die Kreativen und die Träumer lieber als Verrückte und Spinner. Letztlich freilich sträuben sie sich vergeblich: die Welt läßt sich nicht anhalten, und nichts bleibt, wie es war. Das merken auch die Wirklichkeitsfanatiker, sobald es zu spät ist.

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Realisten, die sich mit Träumern zusammentun; Kreative, die das Gespräch mit den Pragmatikern suchen. Erstaunlich oft liegt in diesem Brückenschlag zwischen Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn der Keim einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte, und man sollte meinen, das Beispiel habe Schule gemacht. Das ist nicht so, ich weiß. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen… :-)

[Erstveröffentlichung: 9. August 2011]

16. Mai 2012

Grundrisse wie von Zauberhand:
Sensopias Magic Plan App

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Bleistift, Maßband und Millimeterpapier – das ist der althergebrachte Weg. Zeitaufwendig, mühsam und nicht sehr beliebt. Mit computerunterstützten Laser-Meßgeräten und einem Laptop klappt’s schneller, einfacher und oft auch präziser. Für die Erstellung verbindlicher Pläne bleibt das weiterhin die Methode der Wahl. Doch wenn sich’s drum handelt, vor Ort schnell ein paar Grundrisse festzuhalten und womöglich gleich im Anschluß mit dem Klienten erste Gespräche zu führen, greifen alte Hasen immer noch zum Skizzenblock. Das geht schnell, und die Ergebnisse haben oft einen eigenen Reiz. Aber die Genauigkeit läßt zu wünschen übrig.

Für solche Situationen hat die kanadische Softwarefirma Sensopia – eine Neugründung, zu der sich erfahrene Entwickler aus unterschiedlichen Bereichen zusammengetan haben – die Magic Plan App für den iPod, das iPhone und das iPad entwickelt. Die ermöglicht es, auf ver­blüffend ein­fache Weise selbst von möblierten Räumen zentimetergenaue Grund­risse zu erstellen. Das dauert kaum länger, als Auge und Gehirn brauchen, die Maße und die Besonderheiten eines Raums aufzunehmen, abzuschätzen und zu verarbeiten. Das folgende Video zeigt, wie’s funktioniert:

Mehr dazu auf der Website von Sensopia oder im iTunes Store.

Das Programm ist binnen kurzer Zeit vom Geheimtip zum Renner avan­ciert, war in 92 Ländern »App of the Week« und in 70 das meist­ver­kaufte iPad-Utility. Nachdem ich das Video gesehen habe, wundert mich das nicht. Speziell auf der jüngsten Generation des iPad mit dem Retina-Display sollte die Magic Plan App brillieren. Ich selbst habe sie noch nicht ausprobiert, werde das aber demnächst nachholen. In der Zwischenzeit würde mich sehr interessieren, welche Erfahrungen andere mit der App gemacht haben.

26. April 2012

Salone Internazionale del Mobile:
Werner Aisslingers Farm der Stühle

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

2011 beeindruckte Werner Aisslinger die Messebesucher in Mailand mit seinem Hemp Chair. Dieser »Hanfstuhl« war einerseits eine Hommage an Verner Panton und die nach ihm benannte ikonische Stuhlkreation, trat aber gleichzeitig den Beweis an, daß sich die Befreiung von traditionellen, durch das Material vorgegebenen Formen, die damals der Kunststoff versprach, heute auch mit nachwachsenden Werkstoffen verwirklichen läßt. Deswegen habe ich dem Hemp Chair seinerzeit hier in der Serendipity Suite einigen Platz eingeräumt.

Und auch in diesem Jahr sorgte Aisslinger für Aufsehen auf dem Salone Internazionale del Mobile, diesmal mit einem Konzept, das er auf den Namen Chair Farm getauft hat. Wie schon der Name sagt, handelt es sich um Stühle aus dem Gewächshaus. Dabei macht sich Aisslinger zwei Eigenschaften der Bambuspflanze zunutze. Zum einen wuchert sie wie Unkraut und wächst ca. 30 Zentimeter pro Tag, zum anderen läßt sie sich durch Hindernisse und äußere Zwänge im Wachstum nicht aufhalten, sondern ändert einfach dessen Richtung. Auf diese Weise läßt sie sich mittels einen stählernen Korsetts dazu bringen, sogar in Form von Stühlen zu wachsen. Bevor ich versuche, das im Detail zu beschreiben, zeige ich Ihnen enfach Bilder:

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24. April 2012

Salone Internazionale del Mobile:
Heinekens Ideen zum Nachtclub der Zukunft

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Nightclubs haben eine lange Tradition und einen speziellen Nimbus, nicht zuletzt in der Hotellerie. Aber wie sieht ihre Zukunft aus? So lautete die Frage, die die Brauerei Heineken einem Team von 19 ausgewählten Nachwuchsdesignern aus aller Welt stellte. Das war gleichzeitig der Startschuß zu den Heineken Open Design Explorations, die sich in den kommenden Jahren unterschiedlichen Bereichen und Themen des Gegenwartsdesigns widmen sollen. Aber Zukunftsvisionen gibt es eigentlich schon genug, und in Phantasien zu schwelgen fällt keinem schwer. Das Besondere an Heinekens Initiative: die Frage war gleichzeitig verbunden mit der Aufgabe, die Antworten in die Tat umzusetzen und modellhaft einen Nachtclub der Zukunft als Pop-up-Lösung zu realisieren. Geleitet wurde das Team der Jungstars von erfahrenen Experten, die sich ihr internationales Renommee schon erarbeitet haben – darunter Luc Schurgers für den Bereich Motion Design und Fabio Rotella für die Innenarchitektur. Mit den Worten von Mark van Iterson, Design­ver­ant­wort­licher bei Heineken:

»Clubs are really interesting spaces for us to explore new design ideas, as they’re social, extrovert and progressive places where design really sets the scene for the nightlife experience. We set out to experiment with ways of making the night more welcoming, more memorable and igniting conversation through design concepts and innovations.«

Ein Jahr lang hatte das Team Zeit, 50 der erfolgreichsten Clubkonzepte zu analysieren, eigene Denkansätze zu entwickeln, mit unterschiedlichen Ideen zu spielen und sie auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen. Das Ergebnis feierte jetzt auf der Mailänder Möbelmesse Premiere. Nimmt man das Interesse und den Andrang des Publikums als Maßstab, war das Experiment ein voller Erfolg. Dessen Schattenseite: es ist mir nicht gelungen, ein Ticket zu ergattern. Um mir ein Bild zu machen, habe ich nur Fotos, auf denen Menschen und die Momente der Veränderung und der Bewegung im Raum fehlen. Das ist sicher zuwenig, sich ein Urteil zu bilden, und ich will mich daher vorerst jeden Kommentars enthalten.

Die Leitgedanken des Clubs sind, wenn ich es richtig verstanden habe, Interaktivität und Wandelbarkeit. Als wesentliche gestalterische Elemente fungieren dabei das Prinzip des Origami (die dreidimensionale Form des Tangram-Prinzips, auf das ich schon öfter eingegangen bin), das Licht sowie interaktive Screen in verschiedenen Größen bis hin zum persönlichen Touch-Display an der Bar. Fotos vermögen davon, wie schon gesagt, sicher nur einen unzureichenden Eindruck zu vermitteln – aber im Moment sind sie das einzige, was ich mit Ihnen teilen kann:

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[Fotos: Heineken]

23. April 2012

Der fliegende Würfel

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

M.C. Eschers Kaleidozyklen und der vom Schweizer Künstler Paul Schatz entwickelte »umstülpbare Würfel« haben mit ihren verblüffenden geometrischen Eigenschaften immer wieder Designer zu neuartigen Raum- und Objektlösungen inspiriert. Das liegt nahe und gewissermaßen in der Natur der Sache. Weniger nahe liegt das, was das Bionic Learning Network der Firma Festo jetzt entwickelt hat: ein heliumgefülltes Flugobjekt nach dem Vorbild des umstülpbaren Würfels, das sich allein aufgrund seiner eigenen Bewegungsgeometrie – also ohne äußere Antriebsquelle – durch die Luft bewegt und steuern läßt.

Das ist ein Muster, das in der Geschichte der Innovationen immer wiederkehrt (und auch von der natürlichen Evolution genutzt wird): Techniken, die sich auf einem Gebiet bewährt haben, führen – oft aufgrund eines Zufalls oder glücklichen Einfalls – zu Lösungen auf scheinbar weit abliegenden Gebieten. Nicht immer ist dabei auf Anhieb klar, ob es sich um eine Sackgasse handelt oder um den Schlüssel zu einem revolutionären Durchbruch – so wie damals, als Gutenberg ausgerechnet bei Weinbauern und ihren Traubenpressen die Basistechnologie des modernen Buchdrucks entdeckte. Dabei war das Prinzip der Traubenpresse mehr als tausend Jahre alt, von den Griechen auf die Römer und von diesen auf die Germanen gekommen, ohne je seinen angestammten Bereich zu verlassen.

»Exaptation« hat der Evolutiontheoretiker Steven Jay Gould dieses Prinzip genannt, das in vielen kreativen Prozessen eine Rolle spielt. Gegenwärtig sind die Ingenieure von Festo noch dabei, nach Nutzanwendungen für ihre Erfindung zu suchen – sie haben sogar, gemeinsam mit dem Rat für Formgebung, einen Ideenwettbewerb dafür ausgeschrieben. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Bislang ist das alles eher eine Spielerei – faszinierend, aber nutzlos. Im Nachhinein sind es dann häufig diese Spielereien – Pragmatiker sagen auch Spinnereien dazu – die zu Fortschritten führen. Lag doch eigentlich auf der Hand, sagen die Pragmatiker dann. Von der Trauben- auf die Druckerpresse zu kommen ist ja nun wirklich kein Kunststück. Nur ist eben viele Jahrhunderte lang keiner drauf gekommen. Ohne den Mut zur Spinnerei und die Bereitschaft, in fremden Revieren zu wildern, bleibt die Presse bei den Weinbauern, wo sie immer schon zuhause war, statt ein neues Zeitalter einzuläuten.

Ständig über den eigenen Tellerrand und die Grenzen des eigenen Fachs hinauszuschauen, wie wir es hier in der Serendipity Suite versuchen, ist deshalb nicht bloß ein Luxus, den ich mir gönne. Es ist – auch im Tourismus, auch im Hoteldesign, auch in der Innenarchitektur – die Grundvoraussetzung dafür, zukunftsweisende Ideen und innovative Konzepte zu entwickeln. Wer den Ehrgeiz nicht hat, darf sich gern unter die Pragmatiker einreihen. Man sollte sich nur über die eigenen Ziele klar werden – und auch über deren Implikationen. Fliegen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren, geht nicht.

Mit dem Gedanken möchte ich die Woche beginnen. Ich wünsche Ihnen eine anregende KW 17. ;-)

20. April 2012

Noch einmal: Triangular Design

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Ich bin grade auf dem Weg zur Mailänder Möbelmesse – Salone del Mobile. Dort habe ich, wenn ich möchte und die Zeit dazu finde, Gelegen­heit, Zhang Zhoujies Schöpfungen (das Wort Möbel widerstrebt mir in diesem Zusammenhang) auch im Original zu sehen. Außerdem zeigt Zhoujie auf seinem Stand ein Video über den Entwurfs- und Her­stellungs­prozeß seiner Kreationen. Das ist freilich auch online verfügbar, und ich möchte es Ihnen nicht vorenthalten. Denn egal, ob man meine Vorbehalte gegenüber dieser Art von Design teilt oder nicht – interessant und disku­tierens­wert ist es allemal, was Zhoujie da macht.

Vielleicht kann ich dann im Lauf der kommenden Woche noch andere Eindrücke von der Messe mit Ihnen teilen, die mir persönlich näher liegen.

20. April 2012

Reality Check oder
Nicht alles, was spitz ist, ist Spitze

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Manche sehen in Zhang Zhoujie aus Shanghai den kommenden Superstar der Designszene. Das mag mit einem gewissen Bonus zusammenhängen, den zur Zeit alles genießt, was aus Asien und speziell China kommt. Wie auch immer, jedenfalls sorgt Zhoujie gerade mit einem Konzept für Aufsehen, das er »Triangulation Design« nennt. Sieht man die Möbel dazu, erschließt sich der Name auf Anhieb. Das Konzept dahinter ist freilich, wie Zhoujie versichert, noch komplexer und verbindet mathematische Logik und die Möglichkeiten computergestützten Designs mit der Tradition und den ästhetischen Werten des Taoismus. Na ja. Als Braque und Picasso begannen, das naturalistische Abbild geometrisch aufzusplittern, war das noch radikal und revolutionär. Aber das ist 100 Jahre her.

Im Fall von Zhoujie bleibe ich skeptisch. Seine Stühle und Hocker mögen innovativ sein, und sicher sehen sie futuristisch aus. Ich zweifle auch nicht daran, daß Zhoujie viel Zeit, Energie und Gedankenarbeit in die Entwürfe gesteckt hat. Das sieht man – und genau das stört mich daran. Zu meinem Ideal von Design gehört es nämlich, daß alle Mühsal der Kreation und alle konzeptionellen Überlegungen, die ihr zugrundeliegen, im Resultat ver­schwinden und dieses dem Benutzer so selbstverständlich gegen­über­tritt, als habe dieser immer schon darauf gewartet. Darauf beruhen meine Überlegungen zu Na-klar-Effekt ebenso wie meine Wertschätzung etwa der japanischen Tradition des Wabi Sabi oder des Designs von John Pawson oder Jonathan Ives.

Zhoujies Triangulation Design ist das genaue Gegenteil davon. Hier wird das Konzept, der gedankliche Unter- und Überbau, selbst zum Thema und spielt sich in den Vordergrund. Er wird zur eigentlichen Sache, statt in der Sache aufzugehen und zu verschwinden. Das Ergebnis kann man bewundern, aber ich möchte weder damit leben noch darauf sitzen.

An dieser Verwechslung von Zweck und Selbstzweck kranken aus meiner Sicht weite Teile des gegenwärtigen Designs. Natürlich sehen viele das anders, sonst gäbe es für diesen Trend und für Entwürfe dieser Art keinen Markt. Darum bilden Sie sich am besten Ihr eigenes Urteil:

interior design hotel hospitality

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[Kudos: China Design Hub via The Coolist; Fotos/Renderings: Zhang Zhoujie]

17. April 2012

Der Na-klar-Effekt oder
Zwei Arten von Design

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

architektur, innenarchitektur, design, hotel, hoteldesign, gastfreundschaft, hospitality

Seit kurzem habe ich eine neue Brille. Als Zusatzgeschenk gab es dazu vom Optiker nicht nur das übliche Mikrofaser-Reinigungstuch, sondern auch ein Etui. Das habe ich allerdings zunächst fast nicht mitbekommen. Im ersten Moment wunderte ich mich nur über das kleine, dünne Brett, das er mir überreichte, als sei es etwas ganz Besonderes. Ich nahm es in die Hand, betrachtete es, drehte es um, betrachtete es von der anderen Seite – kurz, ich war sichtbar ratlos. Gerade, als ich fragen wollte, worum es sich bei dem Teil eigentlich handelte, verwandelte sich dann das Brettchen, mit dem ich verlegen herumspielte, in ein dreidimensionales Objekt, das sich jetzt auch problemlos öffnen ließ und an seinem eigentlichen Ver­wen­dungs­zweck keinen Zweifel mehr ließ. Der Optiker hatte diesen Effekt sicher nicht zum ersten Mal erlebt, und ich vermute, er amüsiert sich jedes­mal aufs Neue darüber.

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Das ist jetzt einige Wochen her, und ich freue mich über dieses Etui immer noch fast ebenso wie über den Sitz und die perfekte Optik meiner Gleitsichtbrille. Und das will was heißen. Es war ja bloß eine Zugabe, für die ich noch nicht mal was bezahlen mußte. Aber es verkörpert das, was ich mir von einem Etui immer schon gewünscht habe, ohne daß ich es mir bewußt gemacht oder in Worte gefaßt hätte: daß es als Etui verschwindet, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Dann verwandelt es sich in ein nahezu zwei­di­men­sio­nales Objekt fast ohne Volumen, das praktisch keinen Raum einnimmt und nicht aufträgt. Ein Triumph des Designs, wenn ich für so einen banalen Gebrauchsgegenstand ein großes Wort gebrauchen darf. weiterlesen…

30. März 2012

So schreibt man Geschichte:
Das Swatch Art Peace Hotel in Shanghai

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Es braucht wohl immer wieder Branchenfremde* wie Nick Hayek, um in der Hotellerie neue Akzente zu setzen. Als Hotelier jedenfalls hat sich der Sohn des Schweizer Paradeunternehmers Nicolas Hayek (bekannt vor allem als »Erfinder« der Swatch und des Smart) bisher keinen Namen gemacht. Zunächst schien er überhaupt aus der Art zu schlagen. Statt in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, arbeitete er in einer Gießerei, studierte anschließend auf der Filmakademie in Paris, betätigte sich in der Folge als Filmproduzent und Regisseur und feierte mit Filmen wie »Family Express« (1992, mit Peter Fonda) auch international Erfolge.

Letztlich aber diente dieser Lebensabschnitt wohl vor allem dem Sammeln von Erfahrungen und der Erweiterung des Horizonts. 1994 kehrte er in die Schweiz und ins väterliche Unternehmen zurück, wo er schnell zum Vizepräsidenten der Swatch Group und Marketingleiter der Swatch AG avancierte. Seit 2003 steht er als CEO an der Spitze der Unternehmensgruppe.

Vielleicht drängt es ihn nun, ein weiteres Mal zu beweisen, daß er seinen Aufstieg nicht nur seinem Namen und der Protektion seines 2010 verstorbenen Vaters verdankt. Das habe ich gedacht, als ich jetzt diese Geschichte gelesen habe. Auf der Suche nach einem Standort für den geplanten Swatch-Showroom in Shanghai stieß Hayek auf ein Gebäude von ganz besonderer Ausstrahlung: das ehemalige Palace-Hotel, fertiggestellt im Jahr 1908, als Shanghai als »Hure des Ostens« und Stadt der Opiumhöhlen einen eher schillernden Ruf genoß, der sicher mit zur Faszination der Handelsmetropole beitrug. Damals und auch noch in den Jahrzehnten danach war das Hotel eins der prachtvollsten Häuser der Stadt. Ein Jahr nach der Eröffnung trat hier die Opiumkommission zusammen und einigte sich auf eine weltweite Ächtung des Drogenhandels; etwas später feierte der Mao-Widersacher Chiang Kai-Shek im Palace-Hotel seine Verlobung. Seit 1949 hieß das Haus dann Peace-Hotel – mit Palästen hatten die Kommunisten wenig am Hut –, und der alte Glanz begann zu verblassen.

Ein ideales Umfeld für die Produkte der Marke Swatch, fand Nick Hayek. Fast zu schade, nur als Showroom zu dienen. Kurzerhand kaufte er das ganze Gebäude, ließ sich von der Aura des Orts inspirieren und beschloß, der Geschichte des Hauses ein neues Kapitel hinzuzufügen. So entstand das »Swatch Art Peace Hotel«. Das ist, wie es sich für ein neues Kapitel gehört, nicht einfach eine Rückkehr zu den Ursprüngen, eine Erneuerung des früheren Glanzes mit den Mitteln und Möglichkeiten von heute, sondern ein Hotel ganz eigener Art. Konservativere Gemüter werden vielleicht sagen, eigentlich sei es gar kein Hotel, sondern eine Künstlerkolonie. Das stimmt natürlich auch: nur der vierte Stock dient als Luxushotel für »normale«, freilich auch zahlungskräftige Gäste. Der zweite und der dritte Stock dagegen ist den Künstlern vorbehalten, die hier nach dem Willen Hayeks ideale Bedingungen zum Arbeiten vorfinden sollen: großzügige, allerdings bewußt einfach gestaltete Zimmer und reichhaltig ausgestattete Ateliers. Natürlich genießen die Künstler dabei alle Annehmlichkeiten eines Hotels; keiner muß sich um das Frühstück kümmern, die Betten machen oder die Bäder sauberhalten. weiterlesen…

15. März 2012

Die Welt in Gelb

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Als lesenswert habe ich das Sonderheftchen zur Neugestaltung von Reclams »Universal-Bibliothek empfohlen – und Ihnen zwei Muster-Doppelseiten daraus gezeigt. Das war arg knausrig, wie ich jetzt entdeckt habe, denn Reclam hat dieses Heft auch online zur Verfügung gestellt. Ein Klick auf das Bild öffnet in einem separaten Fenster die Digitalversion in einer zum Blättern und bequemen Lesen geeigneten Größe:


 

Eine schöne Geste des Verlags. Eine Frage drängt sich mir dabei allerdings auf. Die Universal-Bibliothek war ja eine Vorläuferin des modernen Taschenbuchs und hat Pionierarbeit dabei geleistet, Klassiker der deutschen und der antiken, später auch der Weltliteratur in preiswerten, gleichwohl sorgfältig edierten Ausgaben breiten Schichten zugänglich zu machen. Warum beweist man heute angesichts der Digitalisierung des Buchs nicht denselben Pioniergeist? Ein paar wenige Bände gibt es als PDF zum Download – das war’s auch schon. Von Ebooks, die sich auch auf dem Kindle oder dem iPad lesen ließen, keine Spur. Die digitale Welt ist nicht mehr gelb. Schade.

Aber Reclam steht damit nicht allein. Auch die Hotellerie fremdelt, wie mir scheint, immer noch mit den Möglichkeiten, die das Web 2.0, Tablets und Smartphones böten. Eine Facebook-Seite, ein Twitter-Account und die Online-Buchung, damit hat es meist sein Bewenden. Darüber hinausgehende, innovative Angebote mit einem echten Mehrwert für den Gast sind so rar, daß mir jetzt aus dem Stegreif nicht mal ein einziges einfällt. Nur an den Kosten kann das nicht liegen – eher schon an mangelnder Entdeckerfreude und Abenteuerlust. Diese genuinen unternehmerischen Qualitäten fehlen dann leider auch in allen anderen Bereichen, und was mein eigenes Feld der Innenarchitektur betrifft, mag ich gar nicht dran denken, wieviele gute und vielversprechende Ideen der Risikoscheu und dem Beharrungsvermögen des business as usual zum Opfer gefallen sind.

13. März 2012

Jonathan Ive über Design

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Our goals are very simple – to design and make better products. If we can’t make something that is better, we won’t do it«, erklärt Apples Designchef Jonathan Ive in einem aktuellen Interview. Das klingt nach einer sehr einfachen Maxime. Würde jeder sich dran halten, verschwände ein Großteil der Produkte, die um unsere Aufmerksamkeit buhlen, aus den Regalen. Es gäbe weniger Auswahl, dafür aber bessere Alternativen. In Wirklichkeit passiert genau das Gegenteil, wie wir alle wissen. Dazu noch einmal Jonathan Ive:

»That’s quite unusual, most of our competitors are interested in doing something different, or want to appear new – I think those are completely the wrong goals.«

Aber zu blenden ist nun einmal leichter als zu überzeugen, und außerdem macht es viel mehr Arbeit, nach wirklich besseren Lösungen zu suchen. Man weiß auch nie genau, ob was dabei rauskommt. Da läßt man es lieber von vornherein bleiben und erklärt stattdessen Originalität und Anderssein zum Wert an sich. Dazu ein weiteres Zitat von Ive:

»One of the things that really irritates me in products is when I’m aware of designers wagging their tails in my face.«

Das alles gilt nicht nur für Computer, Handys oder Music-Player, sondern ebenso für die Innenarchitektur und das Hoteldesign. Auch hier verdecken Effekte oft nur die fehlende Substanz. Natürlich erfordert es mehr Zeit und Aufwand, besser zu sein als andere statt nur anders. Aber auf lange Sicht macht dieser Aufwand sich doppelt und dreifach bezahlt.

12. März 2012

Exzesse

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

ökologie nachhaltigkeit sustainability energie energy design

Der political correctness ist längst die ecological correctness gleich­be­rech­tigt zur Seite getreten – und treibt die seltsamsten Blüten. Schon vor längerer Zeit habe ich hier über das Hotel in Kopenhagen berichtet, das seine Gäste für ein Viertelstündchen Strampelei auf dem Fahrradergometer mit Essensgutscheinen belohnt. Das Angebot kommt blendend an; am ökologischen Mehrwert kann man zwar zweifeln, aber wahrscheinlich geht es den Gästen ohnehin mehr um die Gratis-Völlerei hinterher. Seltsam berührt mich freilich auch die mittlerweile Usus gewordene Aufforderung, Handtücher, die man gewaschen habe möchte, einfach auf den Boden und gewissermaßen den Zimmermädchen vor die Füße zu schmeißen. Ökologisch mag das sinnvoll sein, aber ist es auch höflich? Früher hätte man so etwas als schlechtes Benehmen gebrandmarkt.

Auswüchse gibt es allerdings nicht nur im ökologischen Bereich, sondern auch in Sachen Wellness. Dazu zählen beispielsweise die Anti-Schnarchzimmer, mit denen Intercontinental (IHG) seit einiger Zeit von sich reden macht. Ob sich die Publicity auch in Belegungszahlen niederschlägt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ein englischer Designer, so meldet BILD, hat nun beide Aspekte miteinander verbunden und ein Gerät entwickelt, das die beim Schnarchen entstehende Energie in Strom umwandelt, der dann das Handy, den Laptop oder andere Kleingeräte auflädt. Klingt unglaublich? Nun ja, es ist ja auch nur die BILD-Version der Geschichte. In Wirklichkeit heißt der englische Designer João Paulo Lammoglia und stammt aus Rio de Janeiro. Seine Aire-Mask allerdings gibt es tatsächlich. Für Schnarcher mit ihren gefährlichen Atemaussetzern ist sie jedoch eher kontraindiziert. Lammoglias Erfindung richtet sich an ganz normale Menschen, die ihren Beitrag zur energetischen Nachhaltigkeit leisten wollen. Und zwar nicht nur im Schlaf, sondern auch beim Spazierengehen, Joggen, Lesen oder anderen Tätigkeiten, auf die ich nicht näher eingehen mag.

Eine spezielle Form der Windenergie, gewissermaßen. Ob irgendeine Hotelkette auch dieses Konzept aufgreift, wird sich zeigen. Ernst gemeint ist es jedenfalls schon, und an Anerkennung fehlt es der Idee ebenfalls nicht. Immerhin hat Lammoglia damit den red dot design award »best of the best« erhalten – einen der weltweit renommiertesten Designpreise überhaupt. Über die Berechtigung dieser Auszeichnung dürfte es geteilte Meinungen geben. Ich jedenfalls werde mir in Zukunft Zurückhaltung auferlegen, wenn ich über die diversen red dot awards spreche, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben… ;-)

Quelle: http://inhabitat.com/aire-mask-uses-the-power-of-human-breath-to-charge-gadgets/

6. März 2012

Bauen im Bestand

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wirtschaftlich und ökologisch spricht alles dafür, vorhandene Gebäude und Räumlichkeiten so lange wie möglich zu nutzen und sie an veränderte Anforderungen anzupassen, statt einfach neue an ihre Stelle zu setzen. Das Bauen im Bestand, wie der bürokratische Fachausdruck dafür lautet, wird deshalb in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Das gilt auch für die Hotellerie. Wir merken das an den Anfragen, die an uns herangetragen werden. In den letzten Jahren haben wir einige interessante Projekte dieser Art realisiert. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Trotzdem fragen mich neugierige Zeitgenossen immer wieder, ob es sich dabei für Innenarchitekten und Hoteldesigner nicht um eine frustrierende Entwicklung handle. Daran sind manche Kolleginnen und Kollegen nicht unschuldig, die genau diesen Eindruck vermitteln. Dahinter steht wohl die Vorstellung, es sei am Erstrebenswertesten, bei Null beginnen und ganz die eigenen Vorstellungen verwirklichen zu können. Die erzwungene Rücksichtnahme auf vorhandene Strukturen erscheint aus dieser Sicht nur als Einschränkung der kreativen Freiheit.

Das ist schon im Ansatz falsch. Kreativität bewährt sich gerade an den Grenzen, die ihr von außen gesetzt sind. Aber es gibt auch ganz praktische Gründe, warum das sogenannte Bauen im Bestand häufig interessantere und innovativere Lösungen ermöglicht. Der wichtigste liegt in den wesentlich höheren Investitionen, die ein kompletter Neubau inklusive Planung erfordert. Dementsprechend knapp müssen die Investoren kalkulieren; für unkonventionelle, mit Kosten verbundene Konzepte bleibt kaum Spielraum; bewährte und damit kalkulierbare Rezepte erhalten gegenüber möglicherweise vielversprechenderen, aber eben auch mit einem unternehmerischen Risiko behafteten Ideen fast immer den Vorzug.

Dagegen ist beim Bauen im Bestand ein Teil der Infrastruktur bereits vorhanden – und darin besteht die Herausforderung. Das Vorhandene kreativ neu zu nutzen ist in der Regel erheblich billiger als es zu ersetzen. Ich sehe darin keine Einschränkung, sondern eine zusätzliche Inspirationsquelle – sogar dann, wenn Anforderungen etwa des Denkmalschutzes »erschwerend« dazukommen. So haben wir beim Mövenpick Hotel Wasserturm einige scheinbar unumstößliche Regeln des Hoteldesigns bewußt über Bord geworfen. Der Lohn dafür ist eine Erfahrung, wie sie Hotelgästen nirgendwo sonst zuteil wird.

Manche experimentellen Ansätze lassen sich überhaupt nur im Bestand verwirklichen; ich denke beispielsweise an das Pixel-Hotel in Linz, das ich hier schon einmal ausführlich vorgestellt habe. Die die alberghi diffusi fallen ebenfalls in diese Kategorie.

In einem größeren Zusammenhang zeigt sich das, was ich meine, auch bei der Entwicklung ganzer Städte. Die lebendigsten und interessantesten Viertel sind meist die, wo neu hinzugekommene Gruppen – Künstler, Gewerbetreibende, Einzelhändler etc. – die vorhandene Substanz neuen Nutzungen zugeführt haben. Eine solche Vielfalt und die damit verbundene Lebensqualität können neu errichtete Siedlungen niemals bieten. Nicht zufällig ist denn auch für viele Bürger das Wohnen im Altbau attraktiver als in noch so luxuriösen Neubauwohnungen. Die große Urbanistin Jane Jacobs war eine der ersten, die schon vor Jahrzehnten auf diese Zusammenhänge hingewiesen hat:

»As for really new ideas of any kind – no matter how ultimately profitable or otherwise successful some of them might prove to be – there is no leeway for such chancy trial, error and experimentation in the high-overhead area of new construction. Old ideas sometimes use new buildings. New ideas must use old buildings.«

Wahrscheinlich hat niemand die Chancen und das Potential des »Bauens im Bestand« besser auf den Punkt gebracht.

18. Februar 2012

Das neue Duschgefühl

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Die traditionelle Badewanne dürfte schon bald Seltenheitswert genießen. Immer öfter tritt die Dusche an ihre Stelle. Mit Platzersparnis oder gar einer neuen Bescheidenheit hat das nichts zu tun. Es entspricht einem veränderten Lebensgefühl und Reinlichkeitsverständnis; im Gegenzug werden die Duschen immer aufwendiger und luxuriöser. Und den Platz, den bisher die Badewanne beanspruchte, wissen die Duschen-Designer ebenfalls zu schätzen. Das beweist einmal mehr die Firma Dornbracht, einer der Wegbereiter des Trends im Luxussegment. Die vermarktete ihr Ambiance Tuning System schon bisher als Nonplusultra unter den Duschen. Jetzt erweitert sie das System um die »Horizontaldusche«. Da bleibt kein Körperteil trocken, und die gute alte Badewanne erscheint dagegen fast als ein Muster an Raumökonomie. Was sonst noch für die jüngste Innovation aus dem Hause Dornbracht spricht, muß wohl jeder für sich selbst beurteilen.

Michael Cunningham freilich, soviel wage ich zu prophezeien, dürfte die Horizontaldusche erst dann in Erwägung ziehen, wenn es zumindest ein wasserdichtes iPad dafür zu kaufen gibt. Aber auch das wird kommen – über kurz oder lang.

Und damit steht der heutige Samstag hier in der Serendipity Suite vollends im Zeichen des Badezimmers. Was das zu bedeuten hat, ist mir selbst noch nicht ganz klar…

18. Februar 2012

So einfach, so praktisch

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Was für abartige Dinge man mit Duschvorhängen anstellen kann, habe ich neulich hier vorgeführt. Ich hätte nicht gedacht, daß ich so schnell wieder auf das Thema zurückkommen würde, und zwar mit einer Innovation, die mich wirklich verblüfft hat. Im Nachhinein liegt es ja geradezu auf der Hand, den Duschvorhang mit einer solchen »Zusatzfunktionalität« auszustatten; die Erfahrung, daß es in Duschen an den notwendigen Ablageflächen fehlt, hat schließlich jeder schon mal gemacht. Nur – warum ist nicht schon viel früher jemand auf diese Idee gekommen? Den meisten Designern ist der Duschvorhang wohl viel zu gewöhnlich, um auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Das ist ein Fehler, wie ich meine, und zwar nicht nur, wenn es um Duschvorhänge geht.

hotel hoteldesign interior innenarchitektur innovation

[Kudos: Sherri Scheck-Merrill]

6. Februar 2012

Jonathan Ive über Design

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Über Steve Jobs und seine Verdienste um das Design habe ich grade gesprochen, und Bill Marriott hat die Hartnäckigkeit und Ausdauer betont, mit der er sich um Perfektion auf allen Ebenen bemüht hat. Das ist das eine. Aber Jobs hatte eben auch die Fähigkeit, andere für seine Visionen zu begeistern und ein Team von Spitzenkönnern um sich zu scharen. Und dann kommt es zu so einem Glücksfall wie dem, daß er im Designer Jonathan Ive einem kongenialen Partner, einen echten Bruder im Geiste begegnete. Die beiden waren ein einzigartiges Gespann, und die mehr als zehn Jahre ihrer Zusammenarbeit haben Designgeschichte geschrieben.

In seinem Film »Objectified« hatte der »Helvetica«-Regisseur Gary Hustwit die Chance, Jonathan Ive, der ungern Interviews gibt, ausführlich zu Wort kommen zu lassen – und das sogar in seinem legendären Studio in Cupertino, zu dem Außenstehende kaum je Zutritt erlangen. Ein besonderer Reiz liegt darin, daß Dieter Rams, der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts eine ähnliche Bedeutung hatte wie heute Ive, zuvor noch einmal seine berühmten zehn Gebote des guten Designs zusammenfaßt. Umso deutlicher ist im Anschluß zu merken, wie sich Ive bemüht, etwas in Worte zu fassen, was darüber noch hinausgeht: im Design das Design zum Verschwinden zu bringen. Gutes Design, so könnte sein elftes Gebot lauten, erkennt man daran, daß die Menschen nicht vom Design schwärmen, sondern von den Dingen, um die es geht, und nicht einmal von den Dingen allein, sondern von den Erfahrungen, die sie ihnen vermitteln, und den Möglichkeiten, die sie ihnen eröffnen.

Das ist nahezu das Gegenteil dessen, was heute weithin unter Design verstanden wird und was viele sogenannte Star-Designer anstreben. Ives Weg ist schwieriger – aber der Ehrgeiz lohnt sich, wie gerade das Beispiel von Apples Erfolgsgeschichte zeigt. Ich bin fest überzeugt, daß es sich in der Architektur, der Innenarchitektur und im Hoteldesign ähnlich verhält. Es geht darum, den Gast zu feiern, nicht den Designer oder Architekten. Die Gäste werden mir sicher recht geben.

[Kudos: Just Practising]

17. Januar 2012

Cornell University investigating the future of the hospitality industry

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Tourismus Hotellerie hotel design leadership dienstleistung zukunft

After the success of the first Cornell Hospitality Research Summit in 2010, the Cornell School of Hotel Administration has now announced that the second CHRS will take place on October 8 and 9, 2012. Here is the Call for Submissions letter that Rohit Verma, Ph.D., Executive Director of the Center for Hospitality Research at the Cornell University School of Hotel Administration, sent out to potential contributors yesterday:

»Dear Friends and Colleagues:

I am delighted to announce that submissions are now being accepted for the second Cornell Hospitality Research Summit (CHRS), set for October 8 and 9, 2012, at the Cornell School of Hotel Administration. The theme of this conference is ›Service Excellence and Performance Growth in the Global Hospitality Industry: Strategies and Approaches for Navigating Forward.‹ Taking into account the turbulent economic environment faced by the global travel, tourism, and hospitality industry, the CHRS seeks presentations that blend research and practice with a goal of finding strategies and new knowledge that will move the industry ahead.

While the topic is broad, our goal is focused. We want to convert the knowledge generated by research into practices that will advance the industry’s strategies and improve performance. It’s important to note that much of that fact-based research comes from the industry, and a critical aspect of this Summit is to encourage the synergy that comes from cross-sharing of that knowledge.

Researchers in both industry and academe are invited to submit proposals for presentations, panels, tutorials, and workshops related to the conference theme, and then plan to attend. The CHRS’s dates of October 8 and 9 are timed for the beautiful autumn scenery in upstate New York. The first CHRS brought together faculty, corporate partners, and other industry leaders to develop new ideas, theories, and models that improve strategic, managerial, and operating practices. The second CHRS will build on the strength of the first Summit.

Submissions will be accepted between now and March 2, 2012. Additional information about the call for papers is at http://www.hotelschool.cornell.edu/research/chr/events/chrs/submissions.html, and Summit details are found at: http://www.hotelschool.cornell.edu/research/chr/events/chrs/.

To review speakers, program and testimonials for CHRS10 see: http://www.hotelschool.cornell.edu/research/chr/events/chrs/2010/index.html.

When we asked what made the 2010 Summit so successful, participants pointed to the high level of presentations and the interaction of industry and academe. So, we encourage you to send us your presentation proposal so that this year’s Summit will be even stronger.
Sincerely,

Rohit Verma, Ph.D.
Executive Director, Center for Hospitality Research
Cornell University School of Hotel Administration
Office: +1-607-255-2688
Email: rohit.verma@cornell.edu«

Web: www.chr.cornell.edu«

I expect the event to become even more exciting and thought-provoking than the first Summit in 2010.

29. Dezember 2011

Trends in der Hotellerie: Tagungshotels

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Aus Sicht der Marketingspezialistin hat Gabriele Schulze die Ent­wick­lungen in der Tagungshotellerie herausgearbeitet, die ihrer Einschätzung nach im Moment die stärkste Innovationsdynamik zeigen und dabei sind, die Hotellandschaft zu verändern. Im Unterschied zu vielen anderen »Marketingvisionen« hält sich ihre Analyse eng an die Praxis und an reale Anforderungen. Die Punkte, die sie nennt, sind deshalb fast durchgängig auch für Architekten und Innenarchitekten interessant. Was die Planung von Hotels mit dem Schwerpunkt im MICE*-Bereich angeht, handelt es sich um einige der zentralen Herausforderungen an das Hoteldesign der kommenden Jahre.

Ich lasse am besten Gabriele Schulze selbst zu Wort kommen und ergänze ihre Ausführungen da, wo es mir sinnvoll erscheint:

»1. Aus Sicht der Veranstaltungsplaner erfreulich: (Viele )Tagungshotels werden immer mehr zum Full Service Tagungsdienstleister, die deutlich mehr tun, als Zimmer und Räume zu vermieten. Professionelle, MICE-spezifische Rahmenprogramme werden immer häufiger angeboten. Immer mehr Hotels (und auch Kongresshallen) bieten quasi (Event)-Agenturdienstleistungen und beschaffen Trainer, Sportanimateure, Künstler und andere Dienstleister oder die besondere Location für die Abendveranstaltung. Oft sogar als Generalunternehmer.«

Daraus ergeben sich neue Anforderungen insbesondere an die öffentlichen Bereiche des Hotels. An die Stelle einer fest vorgegebenen Zuweisung von Funktionen treten variable, vielfältig nutzbare Raumkonzepte, die sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand an unterschiedliche Aufgaben anpassen lassen. Die Grenzen zwischen Tagungs- und Ver­an­staltungs­bereich und den übrigen öffentlichen Bereichen werden noch durchlässiger werden, als sie es in den vergangenen Jahren schon geworden sind. Dasselbe gilt für Fitness-, Spa-und sonstige Bereiche, die sich immer stärker in ein Gesamtkonzept integrieren und das Hotel zu einem facet­ten­reichen, in sich stimmigen »Erfahrungsraum« machen.

Weitere Herausforderungen und Chance ergeben sich da, wo Hotels von vornherein als integraler Bestandteil von Veranstaltungszentren geplant werden. Auch hier sehe ich eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken könnte.

»2. Insbesondere bei neuen Hotels ist erkennbar, dass der Arbeitsbereich „Tagungsraum“ immer mehr zum „Livingbereich“ (schönes Beispiel ist das Marriott Livingroomkonzept) gestaltet wird. Die Pausenbereiche erlauben Entspannung, moderne Bar- und Loungekonzepte vor den Tagungsräumen ermöglichen ein entspanntes miteinander arbeiten, auch außerhalb des eigentlichen Tagungs- oder Seminarraumes. Die Kaffeepause auf dem 1,5 Meter breiten Gang gehört hoffentlich bald in allen Tagungshotels der Vergangenheit an.«

Darauf bin ich im vorigen Punkt schon eingegangen; ich glaube aber, daß die Veränderungen auch die eigentlichen Tagungsräume selbst mit einbeziehen werden. Unsere Vorstellungen von »Arbeit«, von »Meeting« und von »Lernen« entfernen sich immer weiter von dem runden oder viereckigen Tisch, um den herum in graue Anzüge gekleidete Herren sich ihrer eigenen Wichtigkeit vergewissern. Auch bei Vorträgen und ähnlichen Anlässen wird die klassische »Frontalsituation« mit Podium und wohlgeordneten Stuhlreihen immer häufiger durchbrochen. Diese Entwicklung steckt erst in ihren Anfängen und bietet noch zahlreiche unausgeschöpfte Möglichkeiten. Ich würde mir wünschen, daß sie weiter anhält.

»3. Veranstaltungen lernen vom Social Web. Das Event 2.0 oder sogar 3.0 ist endlich angekommen. Veranstalter erkennen, das Wissen steht nicht nur auf der Bühne, es sitzt auch davor. Barcamps und andere Veranstaltungsformate nehmen deutlich zu. Locations wissen wissen noch nicht genau, was auf sie zukommt und welche neuen Anforderungen aus den geänderten Veranstaltungsformaten resultieren. Müssen es aber lernen…«

Oder sie müssen lernen – das ist mir dabei durch den Kopf gegangen – nicht mehr in klassischen Anforderungsprofilen zu denken. Dann ginge es, im Hoteldesign beispielsweise, nicht um Räume, die vorab definierten Anforderungsprofilen gerecht werden. Wichtiger wäre, sich überraschen zu lassen, wie die Menschen die Räume nutzen, und der Ehrgeiz des Architekten oder des Innenarchitekten ginge dahin, Räume zu kreieren, die solche Überraschungen ermöglichen (darin läge erneut eine Parallele zum Web 2.0, das ja, anders als herkömmliche »Produkte«, ebenfalls von den Nutzern nicht nur mitgeprägt, sondern in vieler Hinsicht überhaupt erst geschaffen wird).  weiterlesen…

13. Dezember 2011

Mobiliar mit Mehrfachnutzen

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Bis vor nicht langer Zeit folgte die Gestaltung und Möblierung von Hotel­zimmern überall auf der Welt weitgehend demselben Muster. Unter­schiede gab es im wesentlichen in der Größe, der Ausstattung, dem Komfort sowie natürlich dem Stil der Ein­richtung. Das hat sich geändert und wird sich künftig noch stärker ändern. Die Marriott-Marke Courtyard hat bei der Vor­stellung des Redesigns für ihre europäischen Häuser diesen Aspekt besonders hervor­gehoben: »Guests are able to create the room they need with a flexible furniture layout.«

Ich selbst interessiere mich schon seit langem für variable Raumkonzepte in der Hotellerie. Als Partner des Fraunhofer InHaus-Zentrums arbeiten wir im Rahmen des Forschungsprojekts FutureHotel seit einigen Jahren an innenarchitektonischen Lösungen mit Vielfachnutzen sowohl für die öffentlichen Bereiche als auch für die Gästezimmer. Multifunktionale Möbel allerdings dürfte es in normalen Hotelzimmern so schnell nicht geben – dafür besteht bei den Gästen schlicht kein Bedarf.

Anders verhält es sich bei Staycation- oder Apartment-Hotels, Familienbungalows in Ferien-Resorts oder Time-Sharing-Modellen wie dem von Hapimag. Da sehe ich einen großen Bedarf daran, den vorhandenen Raum so effizient und vielseitig wie möglich zu nutzen und an die eigenen Erfordernisse anzupassen. In diesem Zusammenhang bin ich auf das folgende Video aufmerksam geworden. Angesichts von fast viereinhalb Millionen Aufrufen war ich da wohl weder die erste noch die einzige… ;-)


[Kudos: Robert Anderson]

8. Dezember 2011

Vorsicht, Werbung (34)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Das Unternehmen Heineken hat ja schon öfter Werbegeschichte geschrieben und ist auch sonst durch ungewöhnliche Ideen aufgefallen. Und die Marke inspiriert ihre Agenturen weiterhin zu ausgefallenen Ideen; ob das am Bier liegt, müßte man mal untersuchen. Der folgende, ganz aktuelle Spot jedenfalls hat erneut das Zeug, zum Renner und möglicherweise zu einem »Klassiker« zu werden. Er löst auf elegante Weise das Problem, daß man zu Weihnachten selten das geschenkt bekommt, was man sich gern selbst schenken würde. Und beweist darüber hinaus, daß man selbst für Bier tolle Weihnachtswerbung machen kann.

Handwerklich ist der Spot ziemlich konventionell – aber die Idee dahinter ist einfach großartig. Da haben sich die Kreativen erfolgreich Gedanken gemacht, wie sich die Möglichkeiten sozialer Netzwerke für innovative Werbung nutzen lassen. Andere Unternehmen können sich daran nur ein Beispiel nehmen. Es gibt Alternativen zu den üblichen und reichlich öden Gewinnspielereien…


[Kudos: Digital Buzz]

7. Dezember 2011

Fokus Intergastra (3)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Über den Themenschwerpunkt »Fokus Hotel« auf der Intergastra 2012 (vom 11. bis zum 15. Februar) habe ich bereits berichtet – sowohl über die konkreten Themen und Angebote des kommenden Jahres, als auch darüber, was mir langfristig und über den konkreten Anlaß hinaus dabei vorschwebt. Auf einer sehr praxisnahen Ebene geht es um eine Gesprächsplattform, die nicht nur das Spektrum existierender Lösungen erschließt, sondern darüber hinaus zum Impulsgeber und Katalysator künftiger Innovationen werden kann. Dieselbe Art von Gesprächen also, die ich mir gestern von professionellen Architektur- und Innenarchitekturkritikern gewünscht habe. Ich selber fange halt da an, wo meine eigenen Kompetenzen liegen.

Natürlich interessiert es mich, wie diese Initiative ankommt und aufgenommen wird. Wo ich auf Berichte darüber stoße, werde ich deshalb auch hier in der Serendipity Suite darauf hinweisen – jedenfalls dann, wenn es sich nicht nur um Wiederholungen dessen handelt, was anderswo schon berichtet wurde; das gibt es häufiger, als dem durchschnittlichen Zeitungs- und Zeitschriftenleser bewußt ist.

Auf den folgenden Beitrag trifft das nicht zu. Hotelling hat gestern der Intergastra insgesamt einen ausführlichen und informativen Artikel gewidmet. Zu »Fokus Hotel« ist darin folgendes zu lesen:

»Für Hoteliers bietet die Intergastra als einzige deutsche Gastronomie-Fachmesse wieder eigene Hallen exklusiv für das Objektgeschäft im Bereich Hotellerie. Als einzige Hotelfachmesse präsentiert die Intergastra Firmen wie Buderus, Wolf Heizkessel, AEG Haustechnik im Energiebereich, Berndorf Bäderbau oder Neuland Konferenztechnik. Der Themenpark „Fokus Hotel“ – ein Hotel zum Anfassen mit beispielhaften Lösungen für diverse Hotelbereiche – der 2010 zum ersten Mal in Stuttgart präsentiert wurde wird wieder im Mittelpunkt stehen. Unter dem Motto „Bauen im Bestand“ liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr beim Thema Einrichtung und Innenausbau von Hotelzimmern und Bädern. Zahlreiche Kompletteinrichter und Planer werden vor Ort sein. Konzipiert und gestaltet wird „Fokus Hotel“ vom Reutlinger Innenarchitekturbüro Markus-Diedenhofen im Auftrag der Messe Stuttgart.«

Unerwähnt bleibt das übergreifende Motto »Stadt/Land/Fluß«, das für die Breite der angesprochenen Hotelkategorien steht. Auch wird das Thema Bauen im Bestand zwar seinen (wichtigen) Platz erhalten, nicht aber die exklusive Rolle spielen, die der Artikel in Hotelling ihm zuschreibt. Aber das sind Kleinigkeiten, und wo wenn nicht hier sollte ich solche sachlichen Korrekturen und Ergänzungen zur Sprache bringen…

2. Dezember 2011

Fokus Intergastra (2)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Heute morgen habe ich von der persönlichen Motivation gesprochen, aus der sich mein Engagement für den Themenpark »Fokus Hotel« auf der Intergastra speist. Einige Leser habe ich damit sicher neugierig gemacht auf das Angebot und die konkreten Themen, um die es dabei geht. Dazu gibt es einen Pressetext unseres Büros, der alles Wesentliche enthält, und den ich deshalb unverändert wiedergebe; man soll die Dinge ja nicht ohne Not doppelt und dreifach sagen. Ergänzend dazu hier schon mal – exklusiv für die Gäste der Serendipity Suite – ein »Lageplan« unseres virtuellen Hotels. In Wirklichkeit handelt es sich zwar nur um eine vorläufige Skizze – im Grundsatz wird sich daran aber nichts mehr ändern.

Und hier nun, wie angekündigt, die »offizielle« Pressemitteilung unseres Büros; Sie wissen ja: Klappern gehört zum Handwerk… ;-)
 

Markus-Diedenhofen Innenarchitektur gestaltet auch 2012 wieder die Sonderschau FOKUS HOTEL auf der INTERGASTRA

Stadt, Land, Fluss

Der Themenpark FOKUS HOTEL ist ein echter Besuchermagnet – zu diesem Urteil gelangten die Macher der INTERGASTRA, der führenden Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie, bereits nach der Premiere in 2010. Deshalb war vor den Planungen für 2012 klar: Diese Sonderschau soll als feste Größe weiter ausgebaut werden. Mit verantwortlich für den erfolgreichen Start und die durchweg positive Resonanz ist das Innenarchitekturbüro Markus-Diedenhofen. Daher übernimmt das Team aus Reutlingen auch bei der kommenden Messe wieder Akquise, Planung und Ausführung für die gesamte FOKUS HOTEL.

Auf insgesamt 200 qm realisiert Markus-Diedenhofen Innenarchitektur ein „Hotel zum Anfassen“, der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Zimmern und Bädern: Exemplarisch für verschiedene Hotelkategorien werden drei Themenzimmer „Stadt/Land/Fluss“ präsentiert, darüber hinaus innovative Lösungen für die Bereiche Spa und Wellness gezeigt. Themen wie das Wohlbefinden mittels Farbgebung, gedeckter Tisch sowie Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit definiert das Büro als weitere Kernpunkte.

„Wir bieten Eigentümern und Betreibern ein zentrales Forum für Antworten“, erklärt Cornelia Markus-Diedenhofen. „Schließlich wirft die tägliche Arbeit genug Fragen auf, die meist unbeantwortet bleiben.“ Hierbei stehen den Spezialisten für Innenarchitektur auch Fachingenieure der technischen Gebäudeausstattung zur Seite. Produktbezogene Themen können 2012 dann auf den eigenen Ständen der Hersteller vertieft werden.

Nähere Informationen zum Innenarchitekturbüro Markus-Diedenhofen sind erhältlich im Internet unter www.markus-diedenhofen.de und weitere Fakten zur Messe auf der Seite www.intergastra.de. Wer sich persönlich ein Bild machen möchte, sollte vom 11.02.12 bis zum 15.02.12 auf der Stuttgarter Messe vorbei schauen – der Bereich FOKUS HOTEL befindet sich in Halle 6.

29. November 2011

Fortschritt

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Seit vielen Jahren zählt der Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas nicht nur zur Avantgarde der internationalen Architektur, sondern gehört – für mich noch wichtiger – zu den interessantesten, anregendsten und vielseitigsten Architekten von heute. Gleichzeitig gilt er als einer der schärfsten – und scharfsinnigsten – Kritiker der Gegenwartsarchitektur. Das eine scheint mit dem anderen schlecht zusammenzugehen; in Koolhaas’ Fall aber schon. Denn seine Kritik ist keine rückwärtsgewandte, romantische Verklärung der Vergangenheit, sondern entspringt einer genauen Analyse aktueller Fehlentwicklungen, die sich nicht auf die Architektur beschränkt. Dafür hat er seinem Büro OMA einen Think-tank namens AMO angegliedert, der sich auf die Erforschung solcher übergreifenden Zusammenhänge konzentriert. OMA und AMO gehören zusammen wie Bild und Spiegelbild. Und wo Rem Koolhaas gegen den Strom schwimmt, da tut er das auf dem aktuellen Stand der gegenwärtigen Entwicklung, an vorderster Front des Fortschritts gewissermaßen.

Wenn ein Vortrag von ihm dann ausgerechnet dieses Wort »Fortschritt« im Titel führt – und zwar ohne jeden Zusatz –, dann darf man schon gespannt sein. Gehalten hat Koolhaas diesen Vortrag oder diese Vorlesung im Oktober an der Cornell University, und zwar anläßlich der Einweihung der von OMA geplanten neuen Milstein Hall, einer Erweiterung der renommierten Fakultät für Architektur, Kunst und Planung, die selbst schon mehr als einen Pritzker-Preisträger hervorgebracht hat. Die Erwartungen waren hoch, und wie Koolhaas sie eingelöst hat, muß ich nicht schildern, denn davon gibt es dankenswerterweise das folgende Video. Zwar verliert Koolhaas kein Wort über Hotels oder die Hotellerie, aber in seinem Fall – soviel darf ich vorwegnehmen – hat sich für mich der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wieder einmal gelohnt. Einer der wichtigsten Punkte, wo sich sein Denken mit meinem trifft, ist die Betonung des in der Architekturtheorie ungewohnten Begriffs der »Performance«.

Die Frage, was ein Gebäude, einen Innenarchitektur, ein Hoteldesign leistet, führt definitiv über das steril gewordene Begriffspaar von Form und Funktion hinaus. Ich habe mir fest vorgenommen, mich dazu noch im Lauf des Dezember ausführlicher auszulassen. Aber hören Sie zunächst einmal Rem Koolhaas:

Progress; Rem Koolhaas at Cornell University 2011.10.20 from OMA on Vimeo.

24. November 2011

Die Ochsentour

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Als der große griechische Mathematiker Pythagoras den Satz gefunden hatte, der seinen Namen trägt und noch heute jedem Schulkind ein Begriff ist, da opferte er zum Dank für dieses Geschenk den Göttern hundert Ochsen. Seit diesem Tag erheben jedesmal, wenn etwas Neues in die Welt kommt, alle Ochsen dieser Erde ein gottserbärmliches Gebrüll.