Einträge zum Thema One More Take

3. September 2010

One More Take
(»It’s even worse than it appears«)

Vielleicht schütteln Sie noch den Kopf über die absurden »neuen Hotelberufe«, mit denen uns die WELT bekannt gemacht hat. Aber in New York muß sich die Beherbergungsbranche tatsächlich mit einem neuen, nicht unbedingt erfreulichen Berufsbild anfreunden: dem des Hotel-Kammerjägers. Hier wie in anderen amerikanischen Großstädten macht die explodierende Wanzenplage auch vor Edel-Boutiquen und Fünf-Sterne-Hotels nicht halt. Die gemeine Bettwanze ist nicht zu stoppen und fast nicht totzukriegen. Zur Schadenfreude besteht kein Anlaß: Experten halten ein Übergreifen der Plage nach Europa für möglich oder sogar wahrscheinlich.

Zum Ausgleich fallen andernorts klassische Hotel-Berufsbilder dem Fortschritt zum Opfer. Im Hotel Tenne im schweizerischen Saas-Fee werden die Gäste neuerdings von Herbie bewirtet. Herbie ist ein Roboter, bereitet die Frühstückseier zu und kümmert sich um den frisch gepreßten Orangensaft. Noch verschont er uns mit Gedichten und Opern-Arien. Aber auch das könnte sich ändern.

So bewahrheitet sich einmal mehr der alte Erfahrungssatz: die Wirklichkeit übertrifft die kühnsten Erwartungen. Erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt. Oder wie es in der berühmten Liedzeile heißt:

»I know the rent is in arrears.
The dog has not been fed in years.
It’s even worse than it appears

Die kannten Sie noch nicht? Dann hören Sie selbst – hier sind Jerry Garcia und The Grateful Dead:

2. September 2010

One More Take (Kommunikation, zum dritten)

So ein Kitsch, denke ich jedesmal wieder, wenn mir dieser Song zu Ohren kommt. Sie werden lachen: so ging es mir schon beim ersten Hören vor vielen, vielen Jahren. Ach, was soll’s, sage ich mir dann – und höre den Song zu Ende. Ein Ohrwurm eben, in jeder Hinsicht. Aber das ist es nicht allein. Auch hier hat jemand den Mut, eine einfache Botschaft in ebenso einfache Worte zu kleiden. People meet in architecture. Think different. Imagine… Davor scheuen wir uns alle, aus Angst, unbedarft zu erscheinen. Womöglich pathetisch zu klingen. Naiv, sentimental und kitschig – wie dieses Lied (und John Lennon hatte immerhin einen Ruf als »der Intellektuelle unter den Beatles« zu verlieren).

Es hat schon einen Grund, warum Jobs den Beatle Lennon in seine bunt zusammengewürfelte Schar von Querdenkern aufnahm, »the crazy ones«, wie er sie gern nennt. Die englische Formulierung trifft es besser als das Wort Querdenker. Da steht dann Buckminster Fuller neben Bob Dylan, Amelia Ehrhardt neben Albert Einstein, Cassius Clay alias Muhammad Ali neben Pablo Picasso, Alfred Hitchcock neben Frank Lloyd Wright. Und so weiter. Verrückte unter sich. »Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.« Just imagine…

Schön und gut, heißt es dann oft. Im Showbusiness darf man schon mal Trivialitäten als Weisheit verkaufen. Nichts gegen Kitsch. Aber alles zu seiner Zeit. Jetzt wenden wir uns wieder ernsthafteren Dingen zu.

Ist Goethe ernsthaft genug? Der war sich nicht zu schade, im reifen Alter die Sätze zu Papier zu bringen:  weiterlesen…

29. August 2010

One More Take (»Goldfinger«)

Wie könnte ich Ihnen den Film zeigen – und den ebenso berühmten Titelsong vorenthalten? Der wurde gleich im Anschluß an die Premiere zum Nummer-Eins-Hit – und gilt unter Kennern als Anwärter auf den besten Bond-Song aller Zeiten.

Hier ist Shirley Bassey mit »Goldfinger« – zunächst in der Version des Film-Soundtracks, danach in einem Live-Mitschnitt aus der Royal Albert Hall in London:

28. August 2010

One More Take

Weil wir schon bei Jahrestagen sind: das Album »Bitches Brew« feiert dieser Tage seinen 40. Geburtstag, und das ist ein Jubiläum, das ich zwar sang-, keinesfalls aber klanglos verstreichen lassen kann. Mit »Bitches Brew« hat Miles Davis nicht das erste und nicht das einzige Mal Jazzgeschichte geschrieben; das Album markierte aber auch den Beginn eines überaus fruchtbaren Austauschs zwischen dem Jazz auf der einen, Rock und Pop auf der anderen Seite, und es hat bis heute zahllose Musiker und Komponisten bis hinein in die Reihen der sogenannten E-Musik inspiriert und beeinflußt.

Das folgende Video präsentiert den Titelsong des Albums in einem Live-Mitschnitt von 1969 – also ein Jahr, bevor das Album selbst veröffentlicht wurde. Die Band bestand aus Miles Davis, Trompete; Chick Corea, Keyboards; Wayne Shorter, Saxophon; Dave Holland, Bass und Jack DeJohnette, Drums. Für heutige Ohren eine All-Star-Besetzung, von denen einige damals freilich erst am Beginn ihrer Karriere standen und nur Eingeweihten ein Begriff waren. (Zu den weiteren Stars, die in den Jahren 1969/70 bei »Bitches Brew« mitwirkten, zählten u.a. Keith Jarrett, John McLaughlin und Gary Bartz.)

21. August 2010

One More Take

Crosby, Stills, Nash & Young, »Chicago/We can change the world«, 1968

Dieser Song ist untrennbar verknüpft mit dem Beginn und gleichzeitig einem der Höhepunkte des amerikanischen Studentenprotests gegen den Vietnamkrieg – dem 28. August 1968 in Chicago, der als »Bloody Wednesday« in die Geschichte einging. Auf dieses unrühmliche Datum, wo Polizei und Nationalgarde mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorgingen, bezieht sich der Text des Liedes.

Ca. 40 Jahre später macht der Weltkonzern Siemens die zentrale Zeile »we can change the world« zum Motto eines Wettbewerbs, der junge Menschen dafür begeistern will, selbst zum Thema Umwelt und Ökologie zu forschen. Und ebenfalls 40 Jahre später greift auch ein amerikanischer Präsident­schafts­kandidat aus Chicago die Liedzeile auf und formt daraus gleich zwei Slogans, die erneut weltweit eine ungeheure Identifikationskraft entfalten: »Change!« und »Yes, we can«. Wenn das keinen Wechsel der Perspektive bedeutet. Und die Fähigkeit, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen und die Dinge von mehreren Seiten zu sehen, hilft eben nicht nur, wie wir sahen, gegen die Machtblindheit – diese Fähigkeit ist auch die Voraussetzung für jede Art von Innovation und Veränderung: we can change the world.

Aber Sie dürfen das alles beim Zuhören auch getrost wieder vergessen. Genießen Sie einfach das Lied, das bis heute nichts von seiner mitreißenden Kraft verloren hat. Es spricht ohnehin für sich selbst.

10. August 2010

One More Take

Dinge, an denen in der Kindheit und frühen Jugend unser Herz hing, begleiten uns häufig ein Leben lang, ändern ihre Gestalt und bezaubern uns in immer neuen Verkleidungen. Oft wissen wir längst nicht mehr, worin bestimmte Vorlieben oder Abneigungen, diese oder jene Leidenschaft ihren Ursprung haben. Und wenn in seltenen Momenten die Erinnerung daran aufblitzt, dann mischen sich in dieser Erfahrung Heimweh und Wehmut wie beim Anblick einer unpassierbar gewordenen Brücke zurück ins verlorene Paradies. So ging es wohl Lucio Dalla mit zwei hölzernen Jahrmarkts-Figuren – Sonni Boi e la sua donna Fortuna – die auf dem Karussell über die Herde ebenfalls hölzerner Reitpferdchen wachten. Das Bild hat sich dem Kind tief eingeprägt, und dem erwachsenen Sänger und Poeten geht es immer noch nicht aus dem Kopf. Mühelos wird die Vergangenheit zur Metapher für die Gegenwart und inspiriert Dalla zu einem Lied, an dem aus Gründen, die keinen was angehen, ein wenig auch mein Herz hängt.

7. August 2010

One More Take

Für das Ausland zählen wir bekanntlich zur D-A-CH-Region, womit gemeint ist: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das täuscht eine Einheit vor, von der wir in Wirklichkeit noch weit entfernt sind. Deshalb führe ich das Projekt einer Völkerverständigung zwischen Österreich und Deutschland weiter, das ich im letzten Beitrag begonnen habe; für die Österreicher habe ich nun mal, wie Sie sicher längst gemerkt haben, eine besondere Schwäche. Wer sie verstehen und ihnen näherkommen möchte, darf sich freilich nicht allein auf die Hochkultur beschränken; die ist ohnehin zu großen Teilen mit unserer identisch. Nehmen Sie nur die Musik: Haydn, Mozart, Beethoven, Bruckner, Mahler, Schönberg, Berg und so weiter – alles österreichische Importware (doch doch, auch Beethoven – fragen Sie einen Österreicher). Wer die Österreicher wirklich verstehen will, muß aber darüber hinaus auch dem Volk aufs Maul schauen und neben der offiziellen Nationalhymne beispielsweise auch die inoffizielle kennen; hier sind Austria 3 (W. Ambros, G. Danzer und R. Fendrich) mit »I am from Austria«; der Name der Band bezieht sich übrigens nicht auf das auch hierzulande bekannte Radioprogramm Ö 3, sondern auf eine, vom Volksmund liebevoll »Dreier« abgekürzte und ehedem sehr beliebte Zigarettenmarke.

Das war schon mal nicht schlecht für den Anfang; wahrscheinlich haben Sie sogar den Text weitgehend verstanden. In dem Fall sind Sie reif für die nächste Lektion.  weiterlesen…

4. August 2010

Keep Smiling / One More Take

Auch Bücher haben Schicksale, wußten schon die alten Römer – und Wörter ihre Konjunkturen, möchte ich ergänzen. Mich erstaunt die Karriere, die das Wort »serendipity« im englischen Sprachbereich gemacht hat, seit ich diesem Blog seinen Namen gegeben habe. Damals war selbst native speakers der Begriff häufig nicht geläufig – mittlerweile taucht er in den unverhofftesten Zusammenhängen auf und hat sogar – was ich nie gedacht hätte – Eingang in die deutsche Sprache gefunden.

Mein jüngster »Fund« in dieser Hinsicht ist vielleicht auch der skurrilste, hat aber dennoch eine gewisse Folgerichtigkeit. Daß es Glücksdrachen gibt, haben wir gewußt; daß sie dann auch »Serendipity« heißen, liegt eigentlich nahe. Hier der Trailer zum gleichnamigen Zeichentrickfilm:

In seiner Jugend hieß der Drachen allerdings noch Paff, und das Lied dazu hat keine Geringere als Marlene Dietrich gesungen. Und zwar auf deutsch. Damit schließt sich wieder einmal ein Kreis, denn die Dietrich ist uns vor wenigen Wochen hier ja schon einmal begegnet – im Shanghai Express, um genau zu sein.

Und wenn Sie jetzt doch noch etwas mehr über das Wort »serendipity« und über das Serendipitieren erfahren wollen, sowie über die »Glücksfunde«, die sich damit verbinden, dann verweise ich Sie ein weiteres Mal auf den gleichnamigen Beitrag dazu von Ende des letzten Jahres.

31. Juli 2010

One More Take (Serendipity)

Nun haben also, David Wagner sei Dank, die Serendipität und das Serendipitieren endlich auch Eingang in die deutsche Literatursprache gefunden; ein paar vergebliche Anläufe dazu hat’s ja schon gegeben. Zur Feier dieses Ereignisses hier noch einmal, für alle, die sie noch nicht kennen, Richard Meyers »Serendipity Suite«, und für alle anderen ebenso.

Übrigens: Wagners Aufsatz ist schön, wirklich. Sie sollten ihn lesen, wenn Sie den Merkur im Hause haben (und wenn nicht, ist diesem Manko leicht abzuhelfen).

P.S.
Trotzdem läßt mir das Serendipitieren keine Ruhe. Sollte es nicht eher Serendipisieren heißen? So wie in Autorität – Autorisieren? Wer autorisiert hier eigentlich den korrekten Sprachgebrauch? Ich warte auf Wortmeldungen und Stellungnahmen – gerne auch von der Duden-Redaktion…

28. Juli 2010

One More Take
(91 und kein bißchen müde)

Sie erinnern sich an Pete Seeger und den Song von den »Little Boxes«? Das ist fast 50 Jahre her, und Pete Seeger war 43 Jahre alt. Heute hat er die 91 überschritten, schreibt weiter Lieder, stellt sich auf die Bühne und trägt sie vor. Vor drei Tagen präsentierte er seinen neuesten Song, worin er angesichts der Ölkatastrophe vor der Küste Floridas nicht nur den Konzern BP aufs Korn nimmt, sondern auch mit den unverdrossenen Befürwortern weiterer Tiefsee-Bohrungen (»drill, baby, drill«) abrechnet. Lange hat mich nichts mehr so berührt wie dieser Auftritt des 91-jährigen: hellwach, kämpferisch wie eh und je, dabei voller Optimismus und Lebensfreude. Die Zeile »we can never give up hope« geht mir durch und durch. Aber auch der Titel des Songs hat es in sich: »God’s Counting on Me, God’s Counting on You«. Anhören ist Pflicht, würde ich sagen:

[Kudos: Rolling Stone]

24. Juli 2010

Keep Smiling / One More Take

Eigentlich hatten wir dem Kraken Paul schon Lebwohl gesagt, aber die Welt will nicht von ihm lassen. Über den ursprünglichen Anlaß – die erstaunlichen prophetischen Fähigkeiten des Tiers – geht das Interesse längst hinaus; die Neugier der Menschen ist unersättlich. So hat sich in Amerika jüngst ein heftiger Streit darüber entwickelt, wie wohl die Mehrzahl von Krake, englisch »octopus«, lautet. Die Redaktion von Merriam-Webster, der amerikanischen Entsprechung zum Duden, hat jetzt die Frage entschieden. Oder auch nicht. Denn die höchste Instanz in Sachen korrekten Sprachgebrauchs versucht sich an einem salomonischen Urteil, das für korrekt erklärt, was streng genommen falsch ist. Ob das die erhitzten Gemüter beruhigt, sei dahingestellt.

Rein grammatikalisch nämlich, so Merriam-Webster, müsse man zu Kraken im Plural »octopedes« sagen. Wenn Sie das versuchen, werden Sie von Ihrem amerikanischen Gesprächspartner freilich so scheel angesehen, wie wenn Sie im Deutschen von zwei Kraken als »Krakeeler« redeten. Paul und Paula, die Krakeeler. Dann schon lieber Oktopäden. Oder gleich »octopuses«, wie es jedem normalen Ami, der nicht vom Korrektheits-Bazillus befallen ist, spontan von den Lippen gehen würde. Genau dazu gibt auch Merriam-Webster seinen Segen. Aber nur, wenn sich die Betreffenden nicht mehr über Leute aufregen, die – etymologisch genauso unsinnig – die Mehrzahl »octopi« vorziehen. »Jedem das Seine«, könnte man diese Entscheidung zusammenfassen. Über soviel Laxheit im Umgang mit der Sprache wird sich wohl bald der nächste Streit entzünden…

Nur gut, daß wenigstens über den Genitiv von »octopus« Einigkeit herrscht. Die Streitfrage haben die Beatles nämlich schon vor Jahrzehnten entschieden. Wer daran zweifelt, hat also die Autorität von Klassikern gegen sich. Und die ist in sprachlichen Zweifelsfällen allemal höher einzustufen als die Meinung einer Wörterbuch-Redaktion. Und jedenfalls auch musikalisch überzeugender:

(Im übrigen haben wir Deutsche nicht den mindesten Grund, uns über die Amis zu mokieren. Wir hatten nur das Glück, daß der Krake Paul heißt. Was aber, wenn seine Zwillings-Schwester Paula solche prophetischen Gaben an den Tag gelegt hätte? Hätten wir dann vom Kraken Paula gesprochen? oder doch eher von der Krakin?!

Das frage ich jetzt Sie, liebe Leserinnen und Leser… :-) )

22. Juli 2010

One More Take

Was mit Hildegard Knefs Sofa passiert ist, das ihr in Wirklichkeit nie gehörte und das man ebensogut als Dieter Thomas Hecks Sofa hätte bezeichnen können – ich weiß es nicht. Was die Sache damals ein bißchen makaber machte: es handelte sich, wenn überhaupt, um einen Nachlaß bei Lebzeiten – die Künstlerin war zwar krank, aber gerade in ihren letzten Lebensjahren überaus aktiv und immer auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern. Bis kurz vor ihrem Tod 2002 arbeitete sie überdies daran, ihre drei erfolgreichen Bücher – »Der geschenkte Gaul«, »Das Urteil« und »So nicht« für eine Neu-Auflage komplett umzuschreiben – und hatte zusätzlich ein viertes, »Schuld der Schuldlosen«, in Arbeit, das nie erschien. Der neue, von uns gestaltete Schweizerhof hat Hildegard Knef überlebt – aber leider auch nur ein paar Jahre. Wie es dazu kam, habe ich erzählt, und meinen Bericht mit Hildegard Knefs Liedzeile »So oder so ist das Leben« beschlossen.

Da wäre es doch taktlos und ein Mangel an elementarer Wertschätzung, die Sängerin ihr Lied nicht persönlich vortragen zu lassen:

20. Juli 2010

One More Take (Kaiserwalzer)

Zum Kaisersaal gehört der Kaiserwalzer – und in den Räumen des Hotels Esplanade in Berlin ist er sicher mehr als einmal erklungen. Den Hintergrund zur folgenden Aufnahme bildet zwar das Wiener Schloß Schönbrunn – das macht aber gar nichts. Bei diesen Klängen schließt man ohnehin am besten die Augen und versetzt sich im Geist zurück in die Zeit der Grandhotels, der Hofbälle und der feierlichen Empfänge mit ihren prachtvollen Roben und dem ausgefeilten Zeremoniell.

Was anderes bleibt uns auch gar nicht übrig – zur Blütezeit des Hotels Esplanade gab es leider noch kein YouTube… :-)

11. Juli 2010

One More Take

Im Umfeld des Londoner Avantgarde-Pops gelten die Crystal Fighters als die heißeste Gruppe dieses Sommers. Ihr neues Album »Star of Love« erscheint im September; vorab haben sie daraus die folgende Single ausgekoppelt und ins Netz gestellt. Ihr Titel: »In The Summer«. Aller guten Dinge sind drei, kann ich da nur sagen. Nach Gershwins »Summertime« in der Interpretation Janis Joplins und »In the Summertime« von Mungo Jerry hier nun also die Crystal Fighters und »In The Summer«:

[Kudos: guardian.co.uk]

8. Juli 2010

Hotel Hollywood / One More Take

In seinem Film »Der Tod in Venedig« (über die Rolle des Hotels darin haben wir schon einmal gesprochen) hat Luchino Visconti die Figur Gustav Aschenbachs, die in Thomas Manns Novelle autobiographische Züge trug und Schriftsteller war, zum Komponisten gemacht, für den Gustav Mahler als Vorbild diente. Dessen Musik zieht sich daher leitmotivisch durch den Film und gibt schon im Vorspann und den ersten Einstellungen mit dem Adagietto aus der 5. Symphonie dessen Grundton vor.

Viscontis weltweit erfolgreicher Film markiert einen der Höhepunkte des modernen Mahler-Revivals, das bis heute anhält und sich mittlerweile zu einer Art Mahler-Boom ausgewachsen hat. Seinerzeit allerdings war Viscontis Interpretation nicht unumstritten. Insbesondere in Deutschland warfen Kritiker – darunter der einflußreiche Musikhistoriker Carl Dahlhaus – dem Film eine »unzulässige Personalisierung« von Mahlers Musik vor. Was nach Gelehrtenstreit und akademischen Spitzfindigkeiten klingt, dürfte einen handfesten Hintergrund haben: man stieß sich an der Homosexualität, die der Film dem entschieden heterosexuellen Mahler unterstellt, der als Jude allerdings schon zu Lebzeiten antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war und dessen Musik während des Dritten Reichs als entartet galt. Die unterschwellige Gleichung »Aschenbach« gleich »Thomas Mann« gleich »Gustav Mahler« implizierte Beziehungen zwischen Schwulenfeindlichkeit und Antisemitismus sowie zwischen dem Nationalsozialismus und sexuellen Pathologien und führte in den Augen der Kritiker dazu, das Schicksal von Juden und Homosexuellen im Dritten Reich miteinander gleichzusetzen. Das vertrug sich schlecht mit der herrschenden Interpretation des Holocausts.

Die ganze Diskussion wurde nicht weniger verdruckst dadurch, daß Visconti wie Thomas Mann selbst homosexuell war – sich im Unterschied zu Mann allerdings offen dazu bekannte. Der ebenfalls schwule Visconti-Schüler Pasolini hat später – insbesondere mit seinem Film »Die 120 Tage von Sodom« – erneut Öl ins Feuer dieser vergifteten Debatte gegossen.

Wahrscheinlich steckt auch heute noch genug Zündstoff in dem Thema – das zeigt der Skandalerfolg von Jonathan Littells Roman »Die Wohlgesinnten«. Im Großen und Ganzen sehen wir die Dinge heute aber doch etwas entspannter und distanzierter, und ich empfehle Ihnen in diesem Sinn, die folgenden ersten zehn Minuten von »Der Tod in Venedig« – und Gustav Mahlers Musik – vorbehaltslos zu genießen.

30. Juni 2010

One More Take

Würden Sie mich nach dem unterschiedlichen Stellenwert von Tradition bei Thomas Rau und Gerhard Matzig fragen, wäre meine Antwort vielleicht: sie verhalten sich zueinander wie Hubert von Goiserns Alpinkatzen zum Musikantenstadl. Das eine ist Musik, das andere noch nicht mal Brauchtumspflege. Aber selbstverständlich kann man sich bei Hubert von Goisern auch wunderbar entspannen. Viel Vergnügen.

21. Juni 2010

»Summertime« (One More Take)

Allen Kapriolen zum Trotz, die der Wettergott heuer schlägt, will ich doch den Sommer, der heute beginnt, standesgemäß begrüßen. Hier ist »Summertime« aus George Gershwins »Porgy and Bess«, interpretiert von Janis Joplin.

Das war 1969. Ein Jahr später stürmten dann Mungo Jerry die Charts mit ihrem Song »In the Summertime«. Der gilt bis heute als der erfolgreichste Sommerhit aller Zeiten. Darum erweisen wir ihm, 40 Jahre später, zur Feier des heutigen Tages auch hier in der Serendipity Suite noch einmal die Ehre:

Und nach so vielen sommerlichen Klängen warten wir – jedenfalls hier im süddeutschen Raum – weiter sehnsüchtig darauf, daß wir zum Sommer auch noch etwas Sonne kriegen, und Temperaturen, die die Jahreszeit nicht Lügen strafen… :-)

18. Juni 2010

One More Take

Solarzellen, denen es egal ist, ob die Sonne scheint oder nicht, die auch bei diffusem Licht noch Strom erzeugen – mir imponiert das schon. Ich würde mir gern ein Beispiel dran nehmen. Aber es fällt mir schwer, sehr schwer sogar. Hiermit bekenne ich öffentlich: mir fehlt die Sonne. Das diffuse Licht regenverhangener Tage mag der Grätzel-Zelle reichen – ich bin da weniger genügsam. Ich kriege einen Regen-Koller. Und wenn ich dann aus dem Fenster gucke, erscheinen vor meinem inneren Auge Wahnbilder einer riesengroßen roten Sonne, die bei Capri im Meer versinkt. Aber bereits ein stinknormaler süddeutscher Sonnenaufgang würde mir reichen.

Dann würde ich zu Ehren unseres Zentralgestirns die folgende CD in den Recorder schieben und den Lautstärke-Regler bis zum Anschlag nach rechts drehen. So wie’s grade aussieht, muß ich darauf noch lange warten – aber warum sollte ich? Wenn ich mir schon das Wetter nicht aussuchen kann, dann doch wenigstens die Musik, die ich höre. Hier also: ein Hymnus an die Sonne. Nennen Sie’s Ersatzbefriedigung, wenn Sie wollen. Von mir aus auch Voodoo-Zauber. Ich dagegen sage gar nichts, schließe die Augen, sperre die Ohren weit auf und nehme ein inneres Sonnenbad.

8. Juni 2010

Schumann zum 200.

Am 8. Juni 1810 wurde in Zwickau Robert Schumann geboren. Unter den Komponisten der deutschen Romantik war er wahrscheinlich der modernste. Sein Werk kam überhaupt erst im 20. Jahrhundert zur vollen Wirkung; für viele zeitgenössische Komponisten (wie Heinz Holliger) und Interpreten (wie Martha Argerich) stellt er eine der zentralen Bezugspersonen dar. Das ist der erste Grund, ihm diesen Eintrag zu widmen.

Der zweite: eins der bekanntesten und einflußreichsten Werke Schumanns, das Klavierkonzert a-moll op. 54, erlebte seine Uraufführung 1845 ausgerechnet in einem Hotel – dem Hotel de Saxe in Dresden; am Klavier seine Frau Clara Schumann, begleitet vom Hillerschen Konzert-Orchester unter Ferdinand Hiller, einem langjährigen Freund Schumanns. Das Hotel existiert übrigens heute noch; genauer sollte ich sagen: es existiert wieder, denn 1888 war es zu einem Postgebäude umfunktioniert worden; erst 2006 wurde es, pünktlich zum Schumann-Jahr, als Steigenberger Hotel de Saxe wieder eröffnet und seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Es dürfte nur ganz wenige Meisterwerke der Musikgeschichte geben, wenn sich denn überhaupt ein zweites findet, die in einem Hotel uraufgeführt wurden. Soviel zum zweiten Grund dieses Eintrags.

Der dritte und eigentliche Grund – aber man braucht ja auch vorgeschobene – liegt darin, daß mir Schumanns Musik so nahe ist wie kaum eine andere, und ich lasse mir keine Gelegenheit entgehen, diese Leidenschaft (und den abgründigen Zauber der Musik) mit meinen Mitmenschen zu teilen. Sollten Sie darin einen Übergriff sehen, muß ich widersprechen. Es ist eine gute Tat.

Das folgende Video dokumentiert eine Aufführung des Werks im Leipziger Gewandhaus im Juni 2006 anläßlich des 150. Todestages von Schumann. Am Klavier: Martha Argerich, begleitet vom Gewandhaus-Orchester unter Riccardo Chailly. (Hier gibt es das Konzert als Ganzes)

Und noch ein zweites Stück möchte ich Ihnen zu Gehör bringen; ich habe Sie ja gewarnt. Dieses Violinkonzert von 1853 belegt auch die Behauptung, Schumanns Werk habe einen Großteil seiner Wirkung erst im 20. Jahrhundert entfaltet – entfalten können, muß ich in diesem Fall dazusagen, denn die Uraufführung fand 1937 in Berlin statt, allerdings in einer verstümmelten Fassung und in einem Rahmen, der Schumann für die Nazi-Propaganda vereinnahmen wollte. Das empörte Yehudi Menuhin so sehr, daß er gleich im darauffolgenden Jahr eine Aufführung der Originalfassung in New York organisierte; dabei handelt es sich also um die zweite und – streng genommen – die wirkliche Uraufführung.   weiterlesen…

26. Mai 2010

One More Take

Natürlich weiß jeder Gitarrespieler, wie er seine Gitarre zu halten hat und käme nicht auf die Idee, sie etwa als Zither zu mißbrauchen. Wenn aber eine Autodidaktin genau das tut – und das Ergebnis selbst Profis Respekt abnötigt – sollten wir dann dem »normalen« Gitarristen »Peripherieblindheit« attestieren? Fragen Sie mich doch bitte nicht so schwierige Sachen. Genießen Sie lieber das folgende Stück:

19. Mai 2010

One More Take

Ganz neu ist freilich auch das Problem mit der Authentizität nicht, wie The Who mit diesem Song von 1973 beweisen. Und immerhin haben sie mit ihrem Album »Quadrophenia« schon damals die Frage beantwortet, aus der Richard David Precht 34 Jahre später einen Bestseller gemacht hat: »Wer bin ich? – und wenn ja wie viele?“

1. Mai 2010

Maiandacht 2 (One More Take)

Strawinski in Ehren – aber wo von Frühlingsgefühlen die Rede ist, dürfen auch die Comedian Harmonists nicht fehlen. Ihren Evergreen »Veronika der Lenz ist da« kennt heute noch jeder, kaum aber die folgende Fassung – eine absolute Rarität: die Comedian Harmonists live, in einer Originalaufnahme aus dem Jahr 1930.


 

In den 80 Jahren seither haben sich zahllose andere Interpreten an dem Song versucht – das Original bleibt, nach meinem Geschmack, dennoch unerreicht. Zum Vergleich hier eine aktuelle Version aus dem letzten Jahr mit André Rieu und den »Berlin Comedian Harmonists«:

1. Mai 2010

Maiandacht (One More Take)

Der Frühling mag im März beginnen – seinen Höhepunkt erreicht er zweifellos im Mai. Igor Strawinskis Ballett »Frühlingsopfer« feiert die schöpferische (aber auch zerstörerische) Kraft dieses Punkts im Jahreslauf wie wenige andere Stücke der Musikgeschichte: »Im „Sacre du Printemps“ wollte ich die leuchtende Auferstehung der Natur schildern, die zu neuem Leben erweckt wird …, die Auferstehung der ganzen Welt.« (Strawinski) Vielleicht läßt der heutige Feiertag Ihnen die Zeit, den elementaren drive dieser Musik auf sich wirken zu lassen; ich kann sie nicht hören, ohne daß mir ein Schauer den Rücken hinunterläuft.

(Orchestre de Paris, 2002 – Dirigent: Pierre Boulez – Ballett: Triptyk, un spectacle du Théâtre Equestre Zingaro)

27. April 2010

One More Take

Mal die Expo ganz beiseite – und die Frage nach der tieferen symbolischen Bedeutung des Kopfstehens erst recht: haben Sie sich mal überlegt, warum der gemeine deutsche Gartenzwerg (Nanus vulgus) fast ausschließlich männlichen Geschlechts ist? Nein? Dann hören Sie mal in das folgende Lied rein; und danach erörtern wir gemeinsam, wie diese Kerle sich so massenhaft vermehren konnten. ;-)

[Ich widme diesen Beitrag – Ehre, wem Ehre gebührt – Sigrid Neudecker von der ZEIT, die mit diesem Blogeintrag ein angemessenes Gegengewicht zur Gartenzwergwelt schafft.]

21. April 2010

One More Take

Das Internet gab es noch gar nicht, als Frank Zappa den folgenden Song schrieb, und von unseren Problemen mit dem W-LAN hatte er erst recht keine Ahnung. Erstaunlich, wie aktuell der »Central Scrutinizer« dennoch in unseren Ohren klingt. Aber auch sonst ist das Stück hörenswert:

7. April 2010

Zum Geburtstag: Ravi Shankar

Ravi Shankar hatten wir vor einigen Wochen hier zu Gast in der Serendipity Suite, als wir uns Gedanken über die westliche und die östliche Auffassung von Hotels und Gastfreundschaft machten. Zu sehen (und zu hören) war Ravi Shankar im Zusammenspiel mit Yehudi Menuhin; die Aufnahme entstand Ende der 60er Jahre, und Ravi Shankar wirkte ziemlich jugendlich für einen Endfünfziger.

Heute wurde der große indische Komponist und Sitar-Virtuose 90 Jahre alt – und wie man sieht, gibt er immer noch Konzerte; das Foto unten rechts stammt vom Herbst letzten Jahres.

Ravi Shankar ca. 1930, Foto Wikimedia CommonsRavi Shankar 2009, Foto Alexandra Ignatenko, Wikimedia Commons
 

Ob es die spirituelle Kraft der Musik ist, die Ravi Shankar so alt hat werden lassen, und bis ins hohe Alter musikalisch so aktiv? In dem Fall würde es sich doppelt lohnen, ins folgende Stück reinzuhören. Gewissermaßen ein Geburtstagsständchen, das Ravi Shankar sich selbst bringt – und dem ich nur noch meine persönlichen Glückwünsche hinzufügen möchte:

10. März 2010

One More Take

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft Welten. Das ist das Thema, das die beiden vorangegangenen Beiträge (hier und hier) miteinander verbindet. Dazu hatten die Rolling Stones allerdings schon ein paar Jahrzehnte früher einiges zu sagen. Aber was heißt hier »sagen« – bitte reinhören:

1. März 2010

Bitte weghören (One More Take)

Wer zur Zielgruppe des Hotels »Renovatio« gehört, von dem der voran­gegangene Beitrag handelt, sollte sich besser keins der folgenden Videos antun. Aber es käme einer Unter­lassungs­sünde gleich, von Hotel­bars zu reden, ohne den Song zu er­wähnen, der im letzten Jahr­hundert gleich zweimal zum Mega-Hit wurde. Zunächst die Original­fassung von Bert Brecht/Kurt Weill, die von 1927 an um die Welt ging (der Text stammt übrigens, wie viele »Brecht­texte« der damaligen Zeit, von seiner Geliebten Elisabeth Hauptmann, der Alex Ross ein »wunderbar exzentrisches Englisch« attestiert:

Einige unter den Später­ge­borenen werden sich über diese Vor­geschichte des Lieds wundern, das in ihrem Gedächtnis als einer der größten Hits der Doors weiterlebt – gesungen von dem legendären Jim Morrison im Jahr 1967:

Schon fünf Jahre früher, 1962, hatte Bob Dylan Lotte Lenya mit einem Brecht/Weill-Programm in Greenwich Village erlebt und war zutiefst fasziniert von dem sprachlich-musikalischen »Gestus«, den Brecht und Weill kreiert hatten. Ein Erlebnis, das seine gesamte weitere musika­lische Ent­wicklung prägte. In den Worten des Musik­historikers Alex Ross:

»Im Geiste Brechts und Weills fing Dylan bald an, den Musik­hörern des späten 20. Jahr­hunderts seine eigenen Gestus­momente zu ver­schaffen: „The answer is blowin‘ in the wind“, „A hard rain‘s gonna fall“, „The times they are a-changin’“. Letzteres ist ein direktes Zitat einer Brecht-Zeile.«

Aus: Alex Ross, The Rest is Noise, München 2009, S. 220 – ein Buch übrigens, das ich jedem Musikinteressierten nur wärmstens ans Herz legen kann.

21. Februar 2010

West Meets East (One More Take)

»East is East, and West is West, and never the twain shall meet«, schrieb Rudyard Kipling (s. vorangegangenen Eintrag); aber schon zwei Zeilen später heißt es: »But there is neither East nor West […] When two strong men stand face to face, tho’ they come from the ends of the earth!« Den Beweis dafür haben der Geiger Yehudi Menuhin und der Sitarvirtuose Ravi Shankar Ende der 60er Jahre angetreten, als sie eine Reihe traditioneller indischer Ragas gemeinsam einspielten. Mehr sollte man dazu auch gar nicht sagen, sondern die Musik für sich sprechen lassen:

ebenfalls hörenswert: Swara Kakali

14. Februar 2010

My Funny Valentine

Und als besinnlicher Ausklang eines Valentins-Sonntags, den Sie hoffentlich ebenso geruhsam und entspannt verbracht haben wie ich, nun noch der klassische Song zum Thema: »My Funny Valentine«, interpretiert von Ella Fitzgerald.

28. Januar 2010

One More Take

Der Name »Atlantis« ist für Hotels erst vor wenigen Jahrzehnten in Mode gekommen. An einer wiedererwachten Begeisterung für die griechische Mythologie kann das kaum liegen. Unwahrscheinlich scheint mir auch eine Hommage an den Philosophen Platon, dem wir die Geschichte von der versunkenen Stadt verdanken. Nein, ich glaube, schuld ist einzig und allein Donovan. Beziehungsweise sein großer Hit von 1969; Wohlmeinende nennen ihn eine Ballade, andere einen Schmachtfetzen. Hier ist Donovan mit »Atlantis«:

13. Januar 2010

One More Take

Den Traum vom berechenbaren Menschen gibt es schon viel länger als die moderne Touristik-Industrie. Und immer schon haben sich die Dichter und Sänger ihren Reim drauf gemacht und ihr Spottlied dazu gesungen. Der folgende Song hat – von Randy Newman, Pete Seeger, Elvis Costello oder Donovan bis hin zu Joan Baez und Regina Spektor zahllose Interpreten gefunden, bevor er mit der Fernsehserie »Weeds« (seit 2005) erneut zum Hit wurde. Hat wohl kein bißchen Staub angesetzt in der Zwischenzeit. Hier ist Pete Seeger mit »Little Boxes«:


 

Wer Sinn für Raritäten hat, wird die folgende Version des Songs zu würdigen wissen, bei der die Komponistin selbst zur akustischen Gitarre singt. Malvina Reynolds war promovierte Anglistin und schon weit über 40, als sie unter dem Einfluß von Earl Robinson, Pete Seeger und anderen die zweite Leidenschaft ihres Lebens neben der Literatur entdeckte, Musik studierte und Lieder zu schreiben begann. Unter ihren zahlreichen Songs und Stücken – darunter viele Beiträge für die Sesamstraße – ist »Little Boxes« wohl das bekannteste.

26. Dezember 2009

Merry Christmas III

Tugendhaft bleiben und zu Weihnachten leer ausgehen – das ist eine Moral, die Eartha Kitt bestenfalls dazu dient, sich lustig drüber zu machen (s. den gestrigen Beitrag). Viel näher und wesensgemäßer ist ihr der Wunsch, to be evil, mean and bad. Hier ist sie, zum Abschluß ihres Weihnachts-Gastspiels in der Serendipity Suite, mit einem ihrer Welterfolge, live aufgenommen 1962: Eartha Kitt und »I Want To Be Evil«:

25. Dezember 2009

Merry Christmas II

In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat und im Show Biz was anderes als ein Happy End gar nicht denkbar war – in diesen alten Zeiten hätte sich die old fashioned cat woman Eartha Kitt locker ihren Millionär geangelt. But alas, the times they’re a changin’, und little Eartha kriegt gar nix vom Christkind. Selber schuld, könnnte man sagen, why didn’t she wanna be bad. Was auf die wirkliche Eartha Kitt allerdings keineswegs zutraf. Mehr darüber morgen.

24. Dezember 2009

Merry Christmas I

Vor einem Jahr, zu Weihnachten 2008 – am 25. Dezember, um genau zu sein – starb Eartha Kitt im Alter von 81 Jahren in New York City. Noch wenige Monate zuvor hatte die 80jährige auf der Bühne gestanden und durch ihre erotische Ausstrahlung – Quatsch: ihren animalischen Sex – das Publikum, das männliche zumal, zum Rasen gebracht. Als »aufregendste Frau der Welt« hatte Orson Welles sie einst bezeichnet. Ich möchte Weihnachten dem Andenken der großen Jazz-Sängerin widmen und lasse sie heute und an den beiden folgenden Feiertagen postum in der Serendipity Suite auftreten. Weihnachtlich soll es trotzdem dabei zugehen – und wie. Gleich im Anschluß singt sie vom größten Wunsch, den ein »old fashioned girl« an das Christkind (oder den lieben Gott oder das Schicksal) hat – und sorgt buchstäblich bis zur letzten Note für eine Gänsehaut beim Zuhörer.

Ob das Christkind ihren Wunsch erhört, gar erfüllt? Auch darauf gibt es eine Antwort. Morgen.

22. Dezember 2009

Chelsea Hotel (One More Take)

Nichts gegen Merian – aber darin auf das Chelsea Hotel als Reiseempfehlung zu stoßen, stimmt dennoch wehmütig. Wenn es je ein Domizil für schräge Vögel, ausgeflippte Typen, Superstars und verkrachte Genies gab, dann dieses. Die Legenden, die sich um das Chelsea Hotel und seine Bewohner ranken, füllen ein Buch. Es heißt »Legends of the Chelsea Hotel: Living with the Artists and Outlaws of New York’s Rebel Mecca«, und sein Autor, Ed Hamilton, gehörte jahrzehntelang zu den vielen »Dauergästen« des Hotels. Vieles, was im Buch keinen Platz mehr fand, ist in seinem Blog nachzulesen. Aber selbst Ed Hamilton kennt nur einen Bruchteil der Geschichten aus eigener Anschauung, die im  Laufe eines Jahrhunderts dem Haus seinen einzigartigen Nimbus verschafften.   weiterlesen…

8. Dezember 2009

One More Take

Begrüßen wollten wir Sie schon persönlich – aber das letzte Wort müssen wir nicht haben. Das überlassen wir gern einem anderen, der erstens musikalischer ist als wir, zweitens diabolischer – und drittens auch noch in drei Sprachen singt: Willkommen, welcome, bienvenue. Hier ist Joel Grey in der unvergeßlichen Eröffnungssequenz eines unvergeßlichen Films: Bob Fosses »Cabaret« aus dem Jahr 1972.

 

9. November 2009

9.11.1989 (One More Take)

Zum Mauerfall habe ich eigentlich schon anläßlich des Tags der deutschen Einheit gesagt, was aus meiner Sicht zu sagen war (vgl. hier und hier). Auch die Medienberichterstattung ist zwar üppig, aber nicht erhellend. Da ist viel Pflicht dabei und wenig Kür. Was mir auffällt: die Rolle Gorbatschows, die entscheidend war, wird weithin bagetellisiert. Seine Frau Raissa habe ich überhaupt nirgendwo erwähnt gefunden. Ziemlich seltsam. Denn an der Bedeutung, die sie für Gorbatschow persönlich hatte, hat er nie einen Zweifel gelassen. Und auch wenn er nicht ausdrücklich darauf hingewiesen hätte, wäre es mit Händen zu greifen, daß die Politik von Perestroika und Glasnost auch weibliche Züge trug. Sehr zu ihrem Vorteil, möchte ich hinzufügen.

Ich komme deshalb darauf, weil auch die Hotelbranche traditionell männlich geprägt und männlich dominiert ist. Ein bißchen mehr Weiblichkeit, eine erkennbar weibliche Handschrift täte ihr vielfach gut. Oder muß man ein Mann sein, um solche Gedanken äußern zu dürfen? – Es bleiben auf diesem Gebiet wohl noch viele Mauern niederzureißen…

Das bringt mich zu dem Lied, das ich zur Feier des heutigen Tages ausgesucht habe. Pink Floyd spielten es zum ersten Jahrestag des Mauerfalls in Berlin, und wie der Zufall es will, war das Lied 1989 gerade 10 Jahre alt – und ist heute demzufolge 30. Herzlichen Glückwunsch! Hier sind David Gilmour & Co. mit The Wall:

4. November 2009

One More Take

Sage niemand, gute Taten trügen keine Früchte. Selbst die Seeräuber-Jenny aus Brechts Dreigroschenoper wünscht zwar der ganzen Welt die Pest an den Hals – das Hotel, worin sie zwar wenig Anerkennung, aber doch immerhin Arbeit gefunden hat, will sie aber verschont wissen. Großartig und zu Unrecht fast vergessen, wie die junge Hildegard Knef dieses berühmte Lied interpretiert hat:

[Kudos an den Schockwellenreiter]

31. Oktober 2009

Happy Halloween 2

Sagt da jemand, Friedhöfe hätten nichts mit Hotels zu tun? ja, aber seit wann wäre denn ein Friedhof keine Ruhestatt? Speziell, wenn er so voll belegt ist wie dieser hier:

30. September 2009

One More Take

Glückwunsch zur Eröffnung der neuen Monte-Rosa-Hütte – und zur Feier
des Tages einen »Juchitzer« (hochdeutsch: Jauchzer), dargebracht von
Hubert von Goisern und seinen Alpinkatzen:

29. September 2009

One More Take

Aus Anlaß des Todes von Lucy Vodden – hier das Lied, das sie unsterblich
gemacht hat:

12. September 2009

One More Take

Und wie hieß noch mal der Sommerhit des Jahrs 1959, als Pasolini Italien bereiste? Das wissen Sie nicht? Macht nichts – die Melodie erkennen Sie möglicherweise dennoch: Die Edelschnulze wurde in den Jahren seither mehr als einmal gecovert. Hier ist das Original: Rocco Granata und »Marina«:

8. September 2009

One More Take

»Back to the roots«, fordert Prof. Froböse von der Wellness-Bewegung – und läßt es dann beim Wassertreten bewenden. Konsequent ist das nicht. Warum nur Pfarrer Kneipp und nicht auch Turnvater Jahn? Und überhaupt: können wir nicht auf eine überreiche Tradition zurückblicken? In diesem Sinn – nur mal als Anfang – ein paar ergänzende Anregungen für Wellness-Hotels Froböse’scher Provenienz:

30. August 2009

One More Take

Ich bin wohl nicht die einzige, die bisweilen Wut und Trauer empfindet über die nicht wiedergutzumachenden Verwüstungen, die ein gedankenloser Tourismus vielerorts angerichtet hat. Um Wut und Trauer, wenngleich aus anderen Gründen, geht es auch in dem folgenden Song, benannt nach dem Hotel und gleichnamigen Strand in Kalifornien. Hier ist die unvergleichliche Patti Smith mit »Redondo Beach«: