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	<title>Serendipity Suite</title>
	<link>http://www.serendipity-suite.de</link>
	<description>On hotels, hospitality and seemingly unrelated issues</description>
	<lastBuildDate>Wed, 08 Sep 2010 02:23:21 +0000</lastBuildDate>
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	<language>en</language>
	
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		<title>Ein Küßchen und ein Rösselsprung</title>
        <pubDate>Wed, 08 Sep 2010 02:19:59 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Wahrscheinlich werden mir jetzt viele von Ihnen attestieren, daß ich hinter dem Mond lebe, und das schon jahrelang. Aber ganz ehrlich: mir war dieser Verkehrshinweis (und der englische »Fachbegriff« darauf) noch nie untergekommen, jedenfalls nicht bewußt. Bis auf gestern, als ich mit dem Zug nach Linz fuhr – Sie wissen schon: <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=1523" target="_self">die europäische Kulturhauptstadt</a> 2009). Da fiel mein Blick, grade als ich ins Taxi steigen wollte, auf das abgebildete Schild:</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/kiss-ride.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/kiss-ride-500x666.jpg" alt="kiss &amp; ride" title="kiss &amp; ride" width="500" height="666" class="alignnone size-large wp-image-7229" /></a></p>
<p><em>Kiss &#038; Ride</em>. Minutenlang brütete ich im Taxi vor mich hin, was damit wohl gemeint sein könnte. Für ein Verkehrsschild klang es ungewohnt erotisch, um nicht zu sagen anzüglich. Es stand aber definitiv nicht in einer Rotlicht-Zone, wie aus dem Foto eindeutig hervorgehen dürfte. Selbst dann hätte ich freilich gezögert, das »Verkehrszeichen« wörtlich zu verstehen. Die österreichische Provinz ist schließlich kein Sünden-Babylon. So sehr ich mir auch das Hirn zermarterte – mir fiel keine plausible Erklärung ein. Also fragte ich kurzerhand den Taxifahrer. Der klärte mich bereitwillig auf, und seither bin ich um eine Bildungslücke ärmer.</p>
<p>Hätten Sie’s gewußt? Dann muß ich Ihnen die Antwort ja nicht verraten. Und wenn nicht, können Sie Ihre Unwissenheit sicher noch ein paar Stunden länger aushalten. Ich bin gespannt, ob Sie in der Zwischenzeit auf die Lösung kommen.</p>
<p>Ein kleiner Tip: mit der folgenden Pop-Gruppe hat das alles wirklich gar nichts zu tun:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/PTU6SB26IJE" frameborder="0"></iframe></p>
<p>Die ist bisher wohl zu recht meiner (und vermutlich auch Ihrer) Aufmerksamkeit entgangen… <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7228</link>
			</item>
	<item>
		<title>Enttäuschung gegen Vorkasse</title>
        <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 20:35:52 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>&#8230;<a href="http://www.zeit.de/2010/35/Hoteltest-Motel-One?page=all" target="_blank">so betitelt die ZEIT</a> ihren Bericht über ein Budget-Hotel (Teil einer sehr bekannten und angesagten Kette) in Hamburg. Wüßte ich nicht, daß es sich um eine Rezension handelt, hätte ich es für eine Satire gehalten. Man hat dort wohl an einigem anderen gespart, um »viel Design für wenig Geld« zu bieten – und dann hat das Geld noch nicht mal für wirklich viel Design gelangt: einige wenige Reminiszenzen an Arne Jacobsen (<a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6835" target="_self">das SAS Royal Hotel in Kopenhagen</a>) und dazu eine halbwegs modern anmutende Bogenleuchte, das wars auch schon. Zum Service zwei Kostproben aus dem Originaltext:</p>
<blockquote><p>»Als [der Kellner] zurück ist, moniert man das schmutzige Wasserglas, Spuren von Lippenstift. Wortlos stellt er ein anderes hin. Leider auch dreckig. Er greift ein drittes Glas, an dessen Rand er noch einmal mit dem schmuddeligen Bartuch entlangzieht. »Die Gläser sind erst eine Woche alt«, sagt er, »da kann eigentlich nichts dran sein.« Vielleicht gebraucht erstanden?«</p></blockquote>
<p>Und dazu – als Auftakt und gleichzeitig Fazit des gesamten Aufenthalts:</p>
<blockquote><p>»Die Dame beim Einchecken bedauert denn auch, dass sie den Gast nur im zweiten Stock unterbringen kann. Sie hätte auch sagen können: »Ihr Zimmer zeigt zum Hinterhof. Ziehen Sie besser die Vorhänge zu.« Aber das sagt sie nicht. Stattdessen bittet sie den Gast um seine Kreditkarte, hier wird sofort abgebucht. Sie sagt: »Check-in heißt bei uns gleichzeitig Check-out.« Sie hätte auch sagen können: »Nachdem Sie gezahlt haben, sind Sie uns ziemlich egal.« Aber auch das sagt sie nicht.«</p></blockquote>
<p>Sowas kann natürlich immer und überall passieren und ist in jedem Fall ärgerlich. Wenn man freilich das Preis-Leistungs-Verhältnis zum wichtigsten Verkaufsargument und Alleinstellungsmerkmal stilisiert, ist es unverzeihlich. Mein eigenes Fazit: es gibt offensichtlich nicht nur <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=2627" target="_self">Premium-Economy</a>, sondern auch Holzklasse-Economy. Und auf den Unterschied sollte man überall achten, wo »Budget« als Gütesiegel draufsteht.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7222</link>
			</item>
	<item>
		<title>Gespenstisches Amerika</title>
        <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 10:37:31 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Was Naturgewalten sind, weiß ich – was aber bedeutet dann der Begriff »höhere Gewalt« der so oft in Reise- und Versicherungsverträgen auftaucht? Die müßte ja, rein von der Logik her, in der Hierarchie noch eine Stufe darüber angesiedelt sein, eine übernatürliche Gewalt folglich, oder vielleicht eine paranormale. In den letzten Wochen hat mich die tägliche Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre der Aufklärung vielleicht ein Stück näher gebracht. Ich rede jetzt wohlgemerkt nicht von der BILD Zeitung oder irgendwelchen New-Age-Postillen. Normalerweise bevorzuge ich seriösere Lektüre – die New York Times etwa oder den SPIEGEL bzw. Merian. Diese seriösen Blätter also berichten neuerdings auffällig häufig über Geisterhotels – Hotels, worin es spukt und in denen Gespenster ihr Unwesen treiben. Wahrscheinlich handelt es sich bei denselben um Emigranten. Sie treten nämlich nicht mehr in ihrer klassischen Heimat, in englischen Schlössern und Landhäusern auf, sondern ausschließlich in den USA. </p>
<p>Da wären etwa – um nur die letzten einschlägigen Fälle anzuführen – <a href="http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9C02E5D71730F936A2575BC0A9669D8B63&#038;scp=2&#038;sq=stanley+hotel+ghost&#038;st=nyt&#038;pagewanted=all" target="_blank">das Greenbrier Hotel</a> in West Virginia, das nicht weniger als 26 amerikanische Präsidenten in seinem Gästebuch verzeichnet; Joseph Kennedy, der Stammvater des Clans, feierte hier sogar seine Flitterwochen; die Geister des Hotels sind allerdings von der gutartigen Sorte und machen sich eher atmosphärisch denn handfest bemerkbar. Dann <a href="http://www.nytimes.com/2010/08/23/us/23bisbee.html?scp=1&#038;sq=hotel+ghost&#038;st=nyt" target="_blank">das Copper Queen Hotel</a> in Arizona, das mindestens 16 Gespenster zu seinen Dauergästen zählt, über deren Geschichte und deren Treiben gerade eben <a href="http://www.amazon.com/Ghosts-Copper-Queen-Hotel/dp/0982662246/ref=sr_1_6?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1282428355&#038;sr=1-6" target="_blank">ein eigenes Buch</a> erschienen ist. Und schließlich <a href="http://www.merian.de/reiseziele/artikel/a-714201.html" target="_blank">das Stanley Hotel</a> in Colorado, das sich damit brüsten kann, den Bestsellerautor Stephen King zu »Shining«, einem seiner erfolgreichsten Romane, inspiriert zu haben (an den <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=3725" target="_self">gleichnamigen Film</a> von Stanley Kubrick fühlte sich dagegen eher der Rezensent des Greenbrier Hotels erinnert). Kein Zweifel – die Häuser wetteifern darum, wer die attraktivsten, sprich schaurigsten Poltergeister in seinen Mauern beherbergt.</p>
<p>Den Gästen gefällt das – sie gieren nach der Gänsehaut, die die Schauergeschichten versprechen –, und die Hotels sind zuverlässig das ganze Jahr hindurch ausgebucht. Offenbar handelt es sich um einen echten Erfolgs-Trend. Und möglicherweise gleichzeitig um eine weitere Manifestation der Vergangenheits-Nostalgie, der Sehnsucht nach der guten alten Zeit, die gegenwärtig nicht nur in den USA, dort aber besonders, die seltsamsten Blüten treibt. Ob in den Geisterhotels auch regelmäßig Tea-Parties stattfinden, entzieht sich leider meiner Kenntnis.</p>
<p>Dann würd’s freilich erst richtig gespenstisch, und sogar mir liefe es kalt den Rücken runter…</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7182</link>
			</item>
	<item>
		<title>in memoriam</title>
        <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 05:14:17 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://farm2.static.flickr.com/1040/1210692054_26941484cd_o.jpg"><img class="alignnone" title="Foto:  karusel, flickr" src="http://farm2.static.flickr.com/1040/1210692054_26941484cd_o.jpg" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<p>Nein, es ist niemand gestorben, jedenfalls nicht aus dem Kreis meiner Bekannten und Verwandten. Auch dem Filmfestival in Venedig geht es (je nachdem, welche Zeitung ich aufschlage) ganz passabel bis glänzend. Aber das wissen Sie sicher ebenfalls, wenn Sie zwischendurch das Feuilleton lesen. Einen Grund zur Wehmut gibt es dennoch: das Grand Hotel Des Bains, eins der ältesten und traditionsreichsten der Stadt, hat vor kurzem endgültig geschlossen und soll bis Ende 2011 in einen Apartment-Komplex umgewandelt werden. Nur der Name erinnert dann noch von ferne an die große Vergangenheit: <em>Des Bains Residences</em> statt <em>Grand Hotel Des Bains</em>.</p>
<p>Damit ist Venedig nicht nur um ein Hotel, sondern um ein Stück Filmgeschichte ärmer. Das Des Bains war das Haus, in dem seit Jahrzehnten die Jury des Festivals tagte – ich möchte nicht wissen, wie viele erbitterte Kontroversen in den hohen, stuckverzierten Räumen des Belle-Époque-Baus ausgefochten wurden. Nicht zu zählen sind jedenfalls die Interviews, die Schauspieler, Regisseure oder Festival-Direktoren auf der Terasse des Hotels gaben.</p>
<p>Doch das alles ist zu verschmerzen. Die Jury sowie die Stars, die sonst im Des Bains residiert hätten, mußten schon dieses Jahr ein neues Domizil finden, und sie dürften sich damit nicht allzu schwer getan haben. An Hotels der Spitzenklasse herrscht in Venedig ja wahrlich kein Mangel. Verschwinden wird mit dem Gebäude allerdings auch die sichtbare Reminiszenz an einen der schönsten Filme, die Luchino Visconti gedreht hat: das Grand Hotel Des Bains spielte eine Hauptrolle in seiner Verfilmung von Thomas Manns Novelle »Der Tod in Venedig«; einen Ausschnitt aus dem Film habe ich Ihnen im Rahmen des Hotel Hollywood Sunday Specials im April gezeigt – ergänzt um ein Bild des Hotels in seinem gegenwärtigen Zustand. Das Wort »gegenwärtig« können Sie schon in wenigen Wochen ersatzlos streichen. Die Kinobilder haben kein Pendant in der Realität mehr. Aber ich will es mit der Wehmut auch nicht übertreiben. Man kann es nämlich auch umgekehrt sehen:&nbsp; <span id="more-7185"></span> im Film bleibt Marlene Dietrich ewig die »Blonde Venus«, und das Grand Hotel Des Bains behält für immer den morbiden Fin-de-siècle-Charme, den es in Wirklichkeit womöglich gar nie hatte.</p>
<p>Im Film – und natürlich auf den Fotos, die von dem Hotel existieren:</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/Foto-DI-Florian-Fuchs-Wikimedia-Commons.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/Foto-DI-Florian-Fuchs-Wikimedia-Commons-500x131.jpg" alt="Foto DI Florian Fuchs, Wikimedia Commons" title="Foto DI Florian Fuchs, Wikimedia Commons" width="500" height="131" class="alignnone size-large wp-image-7202" /></a></p>
<p><a href="http://farm4.static.flickr.com/3557/3477185284_c014f2714f_b.jpg"><img class="alignnone" title="Foto: Badly Drawn Dad, flickr" src="http://farm4.static.flickr.com/3557/3477185284_c014f2714f_b.jpg" alt="" width="380" height="507" /></a></p>
<p><a href="http://farm3.static.flickr.com/2229/1816987419_81bc5f868b_z.jpg?zz=1"><img class="alignnone" title="Entrance; Foto: enrique del pozo, flickr" src="http://farm3.static.flickr.com/2229/1816987419_81bc5f868b_z.jpg?zz=1" alt="" width="380" height="507" /></a></p>
<p><a href="http://farm4.static.flickr.com/3092/2667104441_6b92c2fa07_o.jpg"><img class="alignnone" title="Foto: nicholaslaughlin, Flickr" src="http://farm4.static.flickr.com/3092/2667104441_6b92c2fa07_o.jpg" alt="" width="500" height="354" /></a></p>
<p><a href="http://farm2.static.flickr.com/1143/1034111856_4f46926295_b.jpg"><img class="alignnone" title="Lobby; Foto:  towne, flickr" src="http://farm2.static.flickr.com/1143/1034111856_4f46926295_b.jpg" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<p><a href="http://farm1.static.flickr.com/155/336895678_58e0790cbd_b.jpg"><img class="alignnone" title="Lobby; Foto: merlin2000, flickr" src="http://farm1.static.flickr.com/155/336895678_58e0790cbd_b.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p><a href="http://farm3.static.flickr.com/2606/3992964611_528ea572de_o.jpg"><img class="alignnone" title="Ballsaal, Foto Dominique Robert, Flickr" src="http://farm3.static.flickr.com/2606/3992964611_528ea572de_o.jpg" alt="" width="500" height="336" /></a></p>
<p><a href="http://farm3.static.flickr.com/2232/1816977823_120d312768_z.jpg?zz=1"><img class="alignnone" title="Foto: Dominique Robert, Flickr" src="http://farm3.static.flickr.com/2232/1816977823_120d312768_z.jpg?zz=1" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p><a href="http://farm3.static.flickr.com/2299/1817821894_28e4326852_z.jpg?zz=1"><img class="alignnone" title="Foto: Dominique Robert, flickr" src="http://farm3.static.flickr.com/2299/1817821894_28e4326852_z.jpg?zz=1" alt="" width="380" height="506" /></a></p>
<p><a href="http://farm4.static.flickr.com/3174/3087503202_7e5d2ffe8e_b.jpg"><img class="alignnone" title="Kuppel; Foto: vuillomat, flickr" src="http://farm4.static.flickr.com/3174/3087503202_7e5d2ffe8e_b.jpg" alt="" width="500" height="335" /></a></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7185</link>
			</item>
	<item>
		<title>Das Montagsvideo oderProkrastinieren will gelernt sein</title>
        <pubDate>Mon, 06 Sep 2010 12:12:29 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Montag ist’s, und pünktlich zum Wochenbeginn möchte ich Ihnen doch noch ein paar professionelle Tips mit auf den Weg geben, wie Sie Ihr Zeug erledigt kriegen, ohne daß dabei irgendwas Wichtiges auf der Strecke bleibt. Mit Ausnahme vielleicht der Arbeit… <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/4P785j15Tzk" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7139</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotel Hollywood (Der Zauberlehrling)</title>
        <pubDate>Mon, 06 Sep 2010 11:39:18 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Seit die Ballade vom »Zauberlehrling« 1797 erschien, hat sie nicht aufgehört, die Phantasie von Dichtern, Literaturwissenschaftlern, Philosophen, Kindern und ganz normalen Lesern zu beschäftigen; auch mein <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7146" target="_self">vorangegangener Beitrag s</a>tand einen Abschnitt lang »in ihrem Bann«. Fast 150 Jahre nach der Premiere fand die Ballade ihre kongeniale Umsetzung in einem der schönsten Zeichentrickfilme der Filmgeschichte: Walt Disneys »Fantasia«. Micky Maus, man glaubt es kaum, erweist sich als Idealbesetzung für die Rolle des Zauberlehrlings. Die Musik zum Film stammt von dem französischen Komponisten Paul Dukas, der 1897, pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum, eine Vertonung der Ballade als symphonische Dichtung vorgelegt hatte. Als Dirigenten konnte Disney keinen Geringeren als Leopold Stokowski gewinnen. Der war von dem Projekt so angetan, daß er auf seine eigene Gage verzichtete und es darüber hinaus schaffte, 100 Profimusiker so zu begeistern, daß sie es ihm gleichtaten.</p>
<p>Das waren noch Zeiten, oder? Heute dürfen Sie sich begeistern lassen, ohne auf irgendetwas dafür zu verzichten:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/DkkJm6vcgbE" frameborder="0"></iframe><br />
&nbsp;</p>
<p>Und falls Sie den Film »Zweiohrhasen« gesehen haben, erinnern Sie sich wahrscheinlich auch noch an die folgende Version der Ballade:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/zIBzUxdTAhk" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7167</link>
			</item>
	<item>
		<title>Ich komm dann mal an</title>
        <pubDate>Sun, 05 Sep 2010 22:58:39 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><em>Warum hat das Internet neuerdings eine so schlechte Presse? Die Antwort auf diese Frage führt uns zunächst weit in die Vergangenheit – aber am Ende stoßen wir auf etwas, was künftig die <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7034" target="_self">Kernkompetenz</a> von Hotels ausmachen könnte. Es ist ein weiter Weg, doch die Mühe lohnt sich.</em></p>
<p>Gleich von einer Rolle rückwärts zu sprechen wäre übertrieben. Nennen wir es lieber die große Ernüchterung. Die Flitterwochen sind vorbei. Das Internet ist nicht der Himmel auf Erden. Es ist noch nicht mal der Cyberspace der unbegrenzten Möglichkeiten, der uns vorschwebte: das unerforschte Gebiet, das Entdeckungen und Abenteuer für uns bereithält – und Chancen, die nur auf uns gewartet haben. So wie in den alten Zeiten, als der Pioniergeist noch lebendig war und belohnt wurde. Aus der Traum. Nach den Flitterwochen ist der Ehe-Alltag eingekehrt. Aufs Internet wollen wir weiterhin nicht verzichten, sowenig wie aufs elektrische Licht oder die frischen Brötchen vom Bäcker. Aber müssen wir es deshalb anbeten? Klar, die Möglichkeiten sind immer noch unermeßlich. Aber unsere Zeit ist begrenzt, das Prickeln hat nachgelassen – und überhaupt: haben wir nicht ohnehin genug um die Ohren? Es gibt Zeiten, da finden wir am Ehestand – pardon: der digitalen Welt &#8211; mehr zu mäkeln und zu nörgeln als zu lieben.</p>
<p>Und diese Zeiten häufen sich; ebenso die Stimmen, die sich zum Sprachrohr der Unzufriedenheit machen. Einigen davon haben wir  <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=5713" target="_self">unser Ohr geliehen</a>; Matthias Horx etwa, auf dessen Großbildmonitor nur noch die schmutzigen Unterhosen der Blogger flattern, und der sich angeekelt von den traurigen Gestalten abwendet, die bei Facebook oder Twitter ihren Beitrag zur ultimativen Verblödung der Menschheit leisten – <em>Loser</em> allesamt. Auch der Popstar Prince hält das Internet für ein Übergangsphänomen, das seine besten Zeiten bereits hinter sich habe, womit er selbst nahtlos an seine Erfolge der 80er Jahre anknüpfen könnte. Nicht daß man solchen Äußerungen sonderliches Gewicht beimessen müßte; zu offensichtlich ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber Horx und Prince sind längst nicht mehr isoliert, und andere Symptome sind ernster zu nehmen. Was sollen wir etwa davon halten, daß der SPIEGEL (im Juli) ein Heft mit einem Titel aufmacht, der da lautet: »Ich bin dann mal off«? – oder daß sich eine der Edelfedern einer großen deutschen Tageszeitung – Alex Rühle von der SZ – ein halbes Jahr lang Internet- und Handy-Abstinenz verordnet und darüber ein erfolgreiches Buch veröffentlicht? – oder daß Jaron Lanier, der einst das Wort von der »virtual reality« prägte, nun fürchtet, wir könnten zu bloßen »Gadgets« unserer eigenen Schöpfung werden? – oder (letztes Beispiel) daß ein weiterer renommierter Wissenschaftler, Nicholas Carr, die Sorge äußert, die Links(!) im Internet und die hypertextuelle Struktur des Netzes könnten – nein, nicht nur unser Denken beeinträchtigen, sondern gleich zur physiologischen Degeneration unserer Hirnstrukturen führen – woran sich nahtlos die Frage anschließt, ob die vielen Links, denen er bei seinem Quellenstudium folgen mußte, Carr vielleicht tatsächlich nicht gut bekommen sind.</p>
<p>Nehmen wir diese schrillen Töne nicht allzu wörtlich. So reden nun mal enttäuschte Liebhaber. Die Desillusionierung führt zum bösen Blick. Und um eine Desillusionierung scheint es sich zu handeln – nicht nur bei den ehemaligen Propheten der Virtual Reality und Visionären des digitalen Zeitalters. »Das Internet kommt aus der Mode«, <a href="http://www.welt.de/kultur/article8584280/Digitales-Fasten-die-neue-Wunderdiaet.html?wtmc=RSS.Kultur.Kultur" target="_blank">schreibt die WELT</a>, und ARD und ZDF <a href="http://carta.info/32166/ardzdf-onlinestudie-interesse-an-mitmach-netz-sinkt/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%253A+carta-standard-rss+%2528Carta%2529" target="_blank">untermauern das</a> mit Zahlen. Zwar würden immer mehr Menschen täglich »das Internet einschalten« (anders können sich die Radio- und Fernsehfritzen Medien-Nutzung wohl nicht vorstellen), das Interesse an einer aktiven Teilnahme jedoch sei am Abnehmen. Zu diesem Ergebnis kommen die öffentlich-rechtlichen Medienforscher, indem sie Facebook aus ihrer Untersuchung einfach ausklammern: das sei nicht Teil des Social Web, sondern eine Community. All die Freizeit- und Sonntags-Blogger, die zu Facebook abgewandert sind, fehlen hinterher natürlich bei der zahlenmäßigen Erfassung der Blogosphäre, und daraus folgt dann mit schöner Zwangsläufigkeit ein vermindertes Interesse an aktiver Teilnahme. Gut zu wissen, daß mit unseren Gebührengeldern solch seriöse Forschung betrieben wird.</p>
<p>Sie merken schon: so sehr ich mich bemühe, die jüngste Anti-Internet&shy;stimmung ernst zu nehmen – ich lande immer wieder bei Verstiegenheiten und seltsam falschen Tönen. Schizo-Talk heißt das bei den Psychiatern. Der erreichte seinen absurden Höhepunkt in einer Aktion rechtschaffener Bürger, die sich durch Googles <em>Street View</em> in ihrer Privatsphäre beeinträchtigt sahen. Um dagegen zu protestierten, stellten sie sich vor ihre Häuschen, ließen sich von der Rheinischen Post fotografieren und das Bild anschließend mit ihrem vollen Namen im Internet verbreiten: das Internet ist des Teufels; hoch lebe das Internet.</p>
<p>Diese Widersprüche wecken in mir den Verdacht, daß für viele dieser frischgebackenen Kritiker und Warner vor der digitalen Barbarei das Internet nur ein Vorwand ist.&nbsp; <span id="more-7146"></span> Man schlägt den Sack und meint den Esel, oder – wie man in Bayern und Österreich zu sagen pflegt: das Internet ist bloß der Watsch’n-Mann. Aber worum geht es wirklich?<br />&nbsp;</p>
<p><strong>Wunschbild Entschleunigung</strong></p>
<p>Der SPIEGEL-Titel vom Juli liefert womöglich den Schlüssel zu einer Antwort. »Ich bin dann mal off« ist ja eine Anspielung auf ein Buch, das trotz seines vordergründig alles andere als einladenden Titels völlig unerwartet zum Bestseller wurde: »Ich bin dann mal weg« kam bei den Lesern an. Mit dem Internet hatte der Inhalt freilich herzlich wenig zu tun. Wovon Hape Kerkeling berichtet, sind die Erfahrungen einer Pilgerreise, die der bewußten Entscheidung entsprang, dem Beruf, der Karriere, den Pflichten und Anforderungen des Alltags eine Zeitlang den Rücken zu kehren. Deshalb erlebt Kerkeling die Strapazen des Fußmarsches nach Santiago de Compostela gleichzeitig als Reise zu sich selbst. Die Fesseln der Zivilisation, die Zwänge eines fremdbestimmten Lebens fallen von ihm ab. Die Aufmerksamkeit richtet sich aufs Hier und Jetzt: den eigenen Geist, den eigenen Körper, die Begegnungen mit anderen Menschen, die Momente des existenziellen Aufeinander-angewiesen-Seins. Kerkeling beschreibt die wochenlange Wanderung als spirituelle Erfahrung – und wie er das macht, ist gekonnt: locker, dennoch fesselnd, ohne Pathos und ohne New-Age-Esoterik. Ein tolles Aussteiger-Buch, würde ich sagen.</p>
<p>Das erklärt zum einen seinen Erfolg, und stellt es gleichzeitig in eine lange Tradition. Knapp dreißig Jahre davor war ein anderes Buch, der Debüt-Roman eines jungen deutschen Schriftstellers, sogar zu einem internationalen Bestseller geworden. Das Buch ist eine fiktionalisierte Biografie; es erzählt das Leben des englischen Kapitäns und Entdeckungsreisenden John Franklin. Sein eigentliches Thema aber bringt schon der Titel auf eine bestechend prägnante Formel: »Die Entdeckung der Langsamkeit«. Aus dem Blickwinkel eines Außenseiters, der einer anderen Zeit und einer anderen Welt angehörte, entfaltet es einen Gegen-Entwurf zur Moderne, einem Leben unter der Herrschaft des Sekundenzeigers. Auch dies also ein Aussteigerbuch mit unerwarteter Breitenwirkung, die bis heute andauert: Soziologen, Coaches und Unternehmensberater, die von »Entschleunigung« reden, zehren immer noch von Sten Nadolnys Roman.</p>
<p>Neu war die Botschaft des Romans freilich schon damals nicht. Weitere knapp 30 Jahre zuvor hatte das amerikanische <em>Beat Movement</em>, zu dem u.a. die Dichter Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs gehörten, dem Konformismus des amerikanischen Traums mit seiner eindimensionalen Orientierung an Konsum und Wohlstand den Kampf angesagt. Das Establish&shy;ment war geschockt, und vor ihrem Durchbruch mußten die »Beatniks« diverse Kämpfe mit der Justiz ausfechten, um überhaupt publizieren zu können. Danach war die Resonanz umso stärker und nachhaltiger. Der Appell zum radikalen Ausstieg führte in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu den unterschiedlichsten Manifestationen – Hippies, Studentenproteste gegen den Vietnamkrieg, Woodstock, die 68er Bewegung, die Pop-Musik, die Frauen-Emanzipation – um nur ein paar Stichworte zu nennen.</p>
<p>Und ich könnte unschwer weiter zurückgehen. Bereits 1774 erschien ein Aussteigerbuch – erneut das Romandebüt eines jungen deutschen Autors – das zum europäischen Bestseller wurde. Der Roman hieß »Die Leiden des jungen Werthers«; Autor war ein gewisser Johann Wolfgang Goethe, und bald schon häuften sich die Forderungen, das Buch zu verbieten. Grund war eine beispielslose Selbstmord-Epidemie, die Europa heimsuchte: zahllose junge Menschen entschieden sich, ihrem Idol in den Freitod zu folgen, vorzugsweise gekleidet in die sogenannte Werther-Tracht – bestehend u.a. aus gelben Hosen, gelber Weste, blauem Frack und Stulpenstiefeln. Allein die Vorstellung ist makaber. Weiter kann man den »Ausstieg« jedenfalls nicht treiben.</p>
<p>Nun hat es Aussteiger zu allen Zeiten gegeben – Eremiten, Sonderlinge, Non-Konformisten und andere Außenseiter. Davon rede ich hier aber nicht. Worum es mir geht, ist die Faszination, die seit ca. 250 Jahren, also seit Beginn der Industrialisierung, von den Außenseitern ausgeht. Wenn der <em>homo faber</em> – der tätige, schaffende Mensch – das Ideal des industriellen Zeitalters darstellt, dann ist der Aussteiger sein Zwillingsbruder, vielleicht auch der Schatten, der ihn immer begleitet. So paradox es klingt: <em>das industrielle Zeitalter erkennt sich in den Außenseitern wieder. </em>Es definiert – in allen vorangegangenen Epochen undenkbar – die Kunst insgesamt als Außenseitertum <em>par excellence</em>, als institutionalisierte Gegenwelt, als Antithese zur bürgerlichen Ordnung – in die sie über den Kunstmarkt gleichwohl integriert bleibt: noch nie wurden für Kunstwerke so exorbitante Preise erzielt wie in den letzten Jahrzehnten. Daran kann man ermessen, welche Anziehungskraft die Anti-Helden ausüben. Künstler und Bürger, Außenseiter und Establishment, Aussteiger und Insider sind in einer seltsamen Haßliebe aneinandergeschweißt. Sie können nicht miteinander und nicht ohne einander. Diese Haßliebe gehört offenbar zur genetischen Grundausstattung der industrialisierten Welt. Es spricht viel dafür, daß sie ihre Wurzeln in der Industrialisierung selbst hat, daß die Maschinen, die Güter erzeugen und Reichtum schaffen, auch das Phantasma des Aussteigers hervorbringen.<br />&nbsp;</p>
<p><strong>Im Banne des Zauberlehrlings</strong></p>
<p>Eins der schönsten poetischen Bilder dafür hat derselbe Goethe gefunden, der mit dem »Werther« seinen ersten großen Triumph gefeiert hatte. Fast genau 20 Jahre später veröffentlichte er die Ballade vom »Zauberlehrling«. Dieser – der Lehrling also – nutzt die Abwesenheit des Meisters, um endlich einmal »richtig« zu zaubern, sprich: die Zauberei in den Dienst praktischer Zwecke zu stellen. »Besen, Besen, sei’s gewesen, sei von nun ein Zauberwesen«, lautet die sprichwörtlich gewordene Formel, und mit ihr wird aus dem Besen ein Gadget, das ohne menschliches Zutun nützliche Arbeit verrichtet. Das ist der Traum aller Erfinder und Ingenieure, die Schöne Neue Welt der Maschinen-Ära. Leider läuft die Sache aus dem Ruder, und der Traum entwickelt sich zum Alptraum. Unermüdlich tut der Besen, was ihm aufgetragen wurde, und holt Eimer um Eimer Wasser aus dem Fluß. Was als Segen begann, erweist sich als Fluch. Der Versuch, den Besen zu zerstören, führt nur zu seiner Vervielfältigung. Bald steht das Haus unter Wasser, und wenn sich das verdammte Ding nicht stoppen läßt, ersäuft am Ende die ganze Welt. Hilflos ist der Lehrling seiner Schöpfung ausgeliefert, und alles Jammern kommt zu spät: »Die ich rief die Geister werd ich nun nicht los.« Wir sind sie immer noch nicht losgeworden. Allerdings haben wir uns daran gewöhnt, ihnen zu Willen zu sein und uns ihren »Sachzwängen« unterzuordnen. Nur zwischendurch träumen wir davon, wieder Herr im eigenen Haus und über die eigene Zeit zu sein. Ganz ist er nicht totzukriegen, der Traum vom verlorenen Paradies.</p>
<p>In Goethes Ballade erfüllt er sich sogar. Gerade noch rechtzeitig kehrt der Meister zurück und weist den Besen in seine Schranken. Der Schamane, der das Zauberwort kennt, der dem Spuk ein Ende zu setzen vermag und uns den Weg weist, aus dem allumfassenden System der Sachzwänge einfach auszusteigen – dieser Schamane ist heutzutage der Künstler. Wahlweise auch der Revolutionär – Karl Marx etwa, der auf alten Fotos so aussieht, wie man sich als Kind den lieben Gott vorgestellt hat. Oder Mao, dessen zu Propagandazwecken verbreitetes Konterfei ebenfalls Züge eines gütigen Vaters trug. Die Revolutionäre predigen die Aufhebung der »Entfremdung«; die Künstler wollen die Kunst ins Leben zurückholen. Aussteiger sind sie beide.</p>
<p>So verführerisch uns solche Sirenenklänge manchmal anmuten – im Grunde wissen wir, daß sich das Rad nicht zurückdrehen läßt. Also hoffen wir lieber darauf, bessere Zauberer zu werden. Nicht die Geister, die wir riefen, loszuwerden, sondern sie in den Griff zu kriegen. Die Macht über den Besen zurückzuerlangen, statt seinem Treiben hilflos ausgeliefert zu sein. Diesen Traum nährte in den letzten zwei Jahrzehnten das Internet. Im Cyberspace war der Einzelne wieder allmächtig. Die Grenzen von Raum und Zeit schienen aufgehoben. Auf einen Mausklick hin zauberten wir die ganze Welt, das Wissen aller Zeiten und Völker als virtuelle Realität auf unseren Bildschirm. Die Möglichkeiten waren unerschöpflich. Aber Goethe erwies sich als weitsichtiger. Ohne daß wir es zunächst merkten, nahm uns auch diese Schöne Neue Welt in Geiselhaft. Herr über Raum und Zeit – von wegen. Das Internet zwingt uns seine Allgegenwart auf. Über Handy, PC und Laptop, Email, Twitter und Facebook sind wir jederzeit und überall zu erreichen und stehen willig zur Verfügung. Die Begeisterung weicht der Ernüchterung; mittlerweile fühlen sich viele nur noch überfordert. Das Internet ist der Zauberbesen des 21. Jahrhunderts. Deshalb stoßen ein Prince und ein Matthias Horx auf offene Ohren, so wenig das, was sie sagen, auch Hand und Fuß hat. Die Medien greifen die Stimmung auf und machen in Zivilisationskritik und Kulturpessimismus. Klingt freilich alles ein wenig schal und abgestanden. Es ist eine Melodie, die seit 250 Jahren gesungen wird. Nur die Texte wechseln.</p>
<p>Damit kehren diese Überlegungen an ihren Ausgangspunkt zurück, und der Kreis schließt sich – scheinbar. Denn es bleibt das Faszinosum des Aussteigers, das bei solchen Gelegenheiten jedesmal aufs neue virulent wird. Das ist mehr als der Traum derer, die nie erwachsen wurden oder sonstwie auf der Strecke blieben. Auch Erfolgsmenschen sind nicht immun dagegen – sie vielleicht am wenigsten. Ich erinnere noch einmal daran: der Aussteiger ist nicht der Antipode des Erfolgsmenschen, er ist sein Zwilling oder – vielleicht noch treffender: sein Schatten. Es ist der Erfolgreiche selbst, der sich durch den Erfolg um etwas Wesentliches betrogen fühlt. Statt ihn zu genießen und sich seines Reichtums zu freuen, ist er unablässig damit beschäftigt, das Wasser aus dem Boot zu schöpfen, damit es nicht doch noch untergeht. Je größer die Verantwortung, desto unerbittlicher der kategorische Imperativ. Wer nur einmal zu lange innehält, wer in seiner Konzentration nachläßt und den Überblick verliert, den bestraft das Leben und er gibt dem Wasser zurück, was dem Wasser gehört. Die Bilder überfluteter Städte und Landstriche, die die Szenarien des Klimawandels heraufbeschwören, passen vielleicht besser zu diesem Lebensgefühl als die häusliche Überschwemmung in Goethes Gedicht. Einen wahren Kern haben sie beide.<br />&nbsp;</p>
<p><strong>Zurück zur Muße</strong></p>
<p>Worauf das alles hinausläuft, erleben wir tagtäglich: die Welt, die wir geschaffen haben, hält uns gehörig auf Trab. Selbst die »Macher« reagieren die meiste Zeit auf Anforderungen, die von außen auf sie zukommen. Sie sind realistisch genug zu wissen, daß sie das nicht ändern und die Welt nicht einfach umkrempeln können. Aber ihr zeitweilig den Rücken kehren, um sich nicht ganz abhanden zu kommen? – sich zu besinnen auf das, was einen antreibt und worum es einem geht? – sich der eigenen Quellen zu vergewissern: das muß doch möglich sein. Das ist doch auch nicht unrealistisch?!</p>
<p>Ganz und gar nicht, würde ich sagen. Ich sehe in diesem Bedürfnis im Gegenteil einen Megatrend der kommenden Jahrzehnte. Es ist ein Trend, bei dem Hotels gleichsam von Natur aus eine Vorreiter-Rolle spielen müßten. Viele von ihnen haben die Marktlücke erkannt. Aber die meisten sind weit davon entfernt, die wahre Dimension des Bedürfnisses zu erkennen, das sich in diesem Trend zu Wort meldet. Geschweige denn, angemessen darauf zu antworten: eine Marktlücke zu erkennen und sie zu füllen sind zweierlei.</p>
<p>Diese Diagnose mag überraschen. Geht nicht die Entwicklung der letzten Jahre mit immer luxuriöseren Spas, immer mehr Fitness- und Wellness-Angeboten, immer neuen Entspannungs-, Regenerations- und <em>Timeout-</em>Angeboten genau in diese Richtung? Dem wäre vielleicht so, stünden alle diese Programme und Angebote nicht selbst im Zeichen der Effizienz, die das Dasein im Griff hat. Bestmögliche Regeneration für die größtmögliche Leistung. Stress abbauen, um Stress besser wegzustecken. Die Batterien aufladen, damit der Motor wieder auf Hochtouren läuft. Man hetzt vom Business-Termin zum Workout-Termin und von da gleich weiter zum Flughafen, ohne jemals anzukommen. Das ist kein Aussteigen aus dem Kreislauf – das ist der Kreislauf selbst, aus dem es auszusteigen gälte. Hape Kerkeling hat sich nicht in ein Hotel eingemietet, um sein Leben zu überdenken und sich über seine Zukunft klar zu werden. Ein Hotel hätte ihm dabei auch schwerlich geholfen. Hotels verstehen gar nicht das Bedürfnis, das ihn zum »Ausstieg« trieb, und in dem sich so viele Leser wiederfanden. Und ich bin überzeugt, daß überwältigend viele Leistungsträger diesen Traum in der einen oder anderen Form teilen.</p>
<p>Hotels scheinen oftmals ihren Ehrgeiz daran zu setzen, sie davon abzulenken. Sie bieten ihnen Zerstreuung, nach der sie am wenigsten verlangt. Unterhaltungsangebote und Reize aller Art, die das Hungergefühl betäuben, ohne satt zu machen. Wer ernsthaft den Abstand zu einem Leben im Dienst äußerer Zwecke sucht, möchte aber gar nicht abgelenkt werden. Der will sich zwar zeitweilig von diesem Leben und der Welt der Geschäftigkeit abwenden (»ich bin dann mal weg«), aber nur um zu sich zu kommen und bei sich zu bleiben – das Motiv der Pilgerreise. Er ist erfüllt von dem Wunsch, wieder ein Gefühl für die <em>eigene</em> Zeit und den <em>eigenen</em> Rhythmus zu bekommen: die Entdeckung der Langsamkeit. Und er sehnt sich nicht nach einem Zwischenhalt auf dem Weg zu weiteren Etappenzielen, sondern nach einem Ruhepunkt – einem Ort, zur Muße zu finden.</p>
<p>Muße ist das Stichwort. auf das es ankommt. Muße ist ein so rares Gut, daß schon das Wort fast außer Gebrauch geraten ist. Wir wissen fast gar nicht mehr, was es bedeutet. Muße ist das Gegenteil von Faulenzen, vom einfachen Abschalten und Nichtstun. Sie ist auch das Gegenteil der Langeweile, vor der sich so viele fürchten, wenn die äußeren Reize wegfallen und jede Ablenkung fehlt. Und sie ist etwas völlig anderes als Freizeit und Freizeitgestaltung oder der passive Konsum von Reizen beliebiger Art, egal ob Fernsehen, Hintergrund-Musikgedudel oder YouTube-Videos.</p>
<p>Muße ist ein Zustand, in dem wir mit uns selbst im Reinen sind, ohne darüber nachzudenken und vor allem ohne uns die Frage zu stellen, was als nächstes zu tun ist oder zu erleben wäre. Wir überlassen uns ganz dem spontanen Strom der eigenen Gedanken, Wahrnehmungen, Gefühle und Impulse. Dabei setzen wir keine bewußten Prioritäten, unterwerfen uns weder äußeren Anforderungen noch einer inneren Zensur. Muße ist ein Zustand, dem wir uns hingeben. Sie führt uns dahin, wo sie uns hinführt, nicht, wo wir hinwollen. Dazu gehört eine aufs höchste gesteigerte, aber absichtslose Empfänglichkeit, die geradezu das Gegenteil von angespannter Konzentration darstellt: wir sind hellwach, selbst wenn wir träumen. Im Grunde handelt es sich eher um ein Fließen als um einen Zustand. Konstant ist daran nur jene subtile Balance, der körperlich-seelische Gleichklang, der uns erlaubt, mit unseren innersten Potentialen in Kontakt zu treten und uns ihnen zu überlassen. Was wir dabei erleben – die Psychologen nennen es <em>Flow –</em>, hat große Ähnlichkeit mit dem, was wir als Glück bezeichnen.</p>
<p>Deshalb galt Muße in den meisten Hochkulturen als das höchste zu erstrebende Ideal – Arbeit dagegen nur als notwendiges Übel. So steht etwa im Lateinischen das Wort<em> negotium</em> für das Geschäft und den Handel; noch heute heißt in Italien das Geschäft <em>negozio, </em>und auch in der englischen Bezeichnung <em>negotiation </em>für das Ver<em>handeln</em> ist die Wortwurzel erhalten geblieben. In Wirklichkeit freilich ist <em>negotium </em>ein abgeleitetes Wort: es ist die Negation von <em>otium,</em> dem lateinischen Begriff für Muße<em>. </em>Letztere also ist das Primäre und das eigentliche Ideal; für die Römer war sie das, was den Menschen zum Menschen macht.</p>
<p>Es gibt Muße in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen. Als selbstvergessenes, dem Augenblick hingegebenes Spiel. Als tagträumerisches Schweifenlassen der Gedanken. Als Versenkung in ein Buch oder auch nur einen einzigen Satz eines großen Denkers. Als religiöse Meditation. Als freie Improvisation auf einem Musikinstrument. Oder als Gespräch, das keine Ergebnisse bezweckt, sondern allein vom gemeinsamen Interesse an einem Thema getragen ist und neugierig unbegangene Denkwege erprobt. Gemeinsam ist allen diesen Formen die Offenheit gegenüber neuen Ideen, überraschenden Querverbindungen, unerwarteten Wahrnehmungen. Im Zustand der Muße verlassen wir die ausgetretenen Pfade der Alltags-Routine und machen Entdeckungen. Fast alle Erfindungen, Erkenntnisse, Innovationen, künstlerischen und wissenschaftlichen Durchbrüche verdanken sich jedenfalls teilweise solchen Momenten des Innehaltens und Abstand-Gewinnens. Entgegen einem populären Vorurteil ist Muße eben kein passiver, sondern ein höchst aktiver Zustand. Sie ist kreativ, schöpferisch und produktiv – mehr noch: sie ist die Quelle aller Kreativität und Produktivität, sofern damit die Hervorbringung von Neuem gemeint ist und nicht nur die quantitative Steigerung der Produktion ein und desselben.</p>
<p>Produktivität in diesem Sinn preisen Unternehmen als Innovationskultur – und verhindern sie, indem sie Effizienz zum höchsten Wert erklären, an dem sich (auch) die Produktion zu orientieren habe. »Effizienz« und »Produktivität« sind nämlich keineswegs zwei verschiedene Worte für dieselbe Sache. Ganz im Gegenteil: sie schließen einander wechselseitig aus. Wo nur die Effizienz regiert, wo Ziele, Leistungen und Ergebnisse streng quantifiziert und gemessen werden, hat Muße keinen Platz. Es bedarf schlicht anderer Qualitäten, die Geister, die man rief, zu bändigen und in Dienst zu nehmen, als solche Geister überhaupt erst in die Welt zu bringen – also das Bestehende in Frage zu stellen, Neues zu schaffen und an die Stelle des Alten zu setzen. In der Industrie haben die schöpferischen Kräfte, denen sie selbst ihr Dasein verdankt, im Anschluß keinen Platz und kein Existenzrecht mehr. Die Industrie kann nicht ohne sie sein, aber auch nicht mit ihnen. Eben deshalb gehören das Phantasma des Aussteigers und die Geschichte der Industriegesellschaft zusammen wie das Licht und der Schatten. Selbst innerhalb der bestehenden Strukturen sorgen die (heimlichen oder offenen) Aussteiger für die Unruhe und den Innovationsgeist, die den Fortschritt vorantreiben. Aber sie existieren in verstreuten, mühsam erkämpften und ständig bedrohten Enklaven und Nischen. Jedem Controller sind sie ein Dorn im Auge. Aufs Ganze gesehen – das ist ein offenes, wenngleich nie ausgesprochenes Geheimnis – leiden Unternehmen, aber auch Behörden oder politische Institutionen deshalb an Innovationsdefiziten. Der größere Teil ihres Potentials liegt brach.</p>
<p>Das ist ein befremdlicher Befund, weil andererseits Einigkeit darüber herrscht, daß Kreativität und Innovationsfähigkeit zu den wichtigsten Ressourcen jedes Unternehmens und jeder Volkswirtschaft zählen. Die Wirtschaft braucht die Aussteiger – aber die Muße, die diese für ihre Nicht-Arbeit und deren unschätzbare Resultate benötigen, läßt sich mit herkömmlichen betriebs&shy;wirt&shy;schaft&shy;lichen Methoden nicht kalkulieren. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Es sind immer nur wenige, die »fürs Nichtstun« bezahlt werden, sofern sich ein Unternehmen das überhaupt leistet. Selbst die Wenigen stehen in der Regel unter Rechtfertigungsdruck. Und für alle übrigen gilt: Müßigang ist aller Laster Anfang.<br />&nbsp;</p>
<p><strong>Auf dem Weg zu einer neuen Kernkompetenz</strong></p>
<p>Damit liegt die Frage nahe: wenn Kreativität und Produktivität innerhalb gewachsener Unternehmensstrukturen keinen Platz haben – warum dann nicht außerhalb? oder innerhalb <em>und</em> außerhalb? wäre es nicht denkbar, an die Stelle der <em>phantastischen</em> Parallel-Welt der Aussteiger eine <em>wirkliche</em> zu setzen? Könnte es nicht zum Berufsbild von Leistungsträgern und Führungskräften gehören, sich in regelmäßigen Abständen zurückzuziehen, der Muße hinzugeben, zu Aussteigern zu werden? um das, was ihnen als Aussteiger »zugefallen« ist, hinterher wieder ins Unternehmen hineinzutragen? wären solche temporären Aussteiger nicht möglicherweise unvergleichlich wertvoller als ständig gestresste Workaholics?</p>
<p>Betrachtet man die betrieblichen Strukturen und Abläufe des letzten Jahrhunderts, könnte das als realitätsfremder Traum erscheinen. Doch die Realität ist im Umbruch – und ich komme ein weiteres Mal auf das um sich greifende Unbehagen am Internet zu sprechen. Dieses rührt nicht zuletzt daher, daß Vernetzung und ständige Erreichbarkeit die Grenzen zwischen Berufs- und Familienleben, zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre zunehmend zum Verschwinden bringen. Als Folge davon droht das Leistungs- und Effizienz-Denken sämtliche Bereiche des Lebens und des Alltags zu durchdringen. Das Wasser steht uns bis zum Hals, und es fehlt uns die Zauberformel, die Geister in ihre Schranken zu weisen. Die geschützten Freiräume für Entspannung, Regeneration, Kreativität und persönliches Wachstum schrumpfen unaufhaltsam (das ist natürlich nicht die Schuld von Google, Facebook oder YouTube – insofern ist das Internet tatsächlich nur ein Watschnmann), und im selben Maß gewinnen Aussteigerphantasien und damit Bücher wie das von Hape Kerkeling an Faszination und Strahlkraft. Das ist keine Mode-Erscheinung, sondern Symptom tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen.</p>
<p>Ich halte fest: es gibt ein weitverbreitetes Bedürfnis, auszusteigen, Luft zu holen, Distanz zu gewinnen. Diese geht über den Wunsch nach Urlaub weit hinaus, führt aber nur selten dazu, daß Menschen einen Schlußstrich ziehen und ein neues Leben beginnen (immerhin – auch diese Fälle nehmen zu). Woran es mangelt, sind Möglichkeiten, auszusteigen, ohne gleich die ganze Existenz aufs Spiel zu setzen.</p>
<p>Dabei ist auch die Wirtschaft brennend daran interessiert, die Ressourcen individueller Kreativität und Produktivität besser zu nutzen als in der Vergangenheit. Nicht zufällig experimentiert man seit vielen Jahren mit neuen Modellen der Arbeitsorganisation, der Zusammenarbeit und der Unternehmensführung. Denn auch die Wirtschaft leidet an der durch das Ineinanderfließen von Berufs- und Privatsphäre bewirkten Verknappung der kreativen Ressourcen. Ob man dabei den Wert der produktiven Nicht-Arbeit in jedem Fall hoch genug einschätzt oder einseitig nur der Effizienz-Optimierung Priorität zumißt, lasse ich dabei dahingestellt.</p>
<p>Zwingend erscheint mir allerdings die Schlußfolgerung: wir brauchen in unserer Gesellschaft spezielle Orte der Muße. Für sinnvoll und wünschenswert halte ich darüber hinaus eine räumliche Trennung dieser Orte der Muße sowohl vom Arbeitsplatz als auch vom eigenen Zuhause. Das erleichtert es, »auszusteigen«, die alltägliche Routine hinter sich zu lassen und an einem anderen Ort und in einem anderen Zustand »anzukommen«. Die äußere Distanz unterstützt auch den inneren Wechsel zwischen zwei Welten, der überhaupt erst zur Muße hinführt. Des weiteren wäre es erforderlich, daß sich im Lauf der Zeit ein gesellschaftliches Bewußtsein für den Wert und die Notwendigkeit solcher regelmäßigen produktiven Auszeiten herausbildet. Muße müßte zu einem wirtschaftlichen Gut mit hohem gesellschaftlichen Stellenwert werden.</p>
<p>Der Konjunktiv verrät es: das meiste davon ist heute noch Zukunftsmusik. Ob aus der Utopie Wirklichkeit wird, weiß ich nicht; ich bin keine Prophetin. Da sind viele Faktoren mit im Spiel – unter anderem der politische, unter&shy;nehme&shy;rische und individuelle Wille sowie die notwendige Tatkraft und Weitsicht. Eine Prognose aber will ich wagen: wenn wir uns – als Nation oder als europäische Staatengemeinschaft – im globalen Wettbewerb langfristig über unsere Innovationskraft, unser Know-how und unsere Problem&shy;lösungs&shy;kompe&shy;tenz postionieren wollen, dann werden wir nicht darum umhin kommen, spezielle Orte und Zeiten der Muße zu etablieren und gesellschaftlich aufzuwerten – wie immer diese Orte auch aussehen mögen.</p>
<p>Es spricht also einiges dafür, sich heute schon über diese mögliche Zukunft Gedanken zu machen. Und aus diesen Gedanken wird sich die Hotellerie nicht ausklammern lassen. Hotels sind dafür prädestiniert, als Orte der Muße, der Inspiration und der Kreativität zu fungieren; ich bin darauf in dem Beitrag »<a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=5231" target="_self">Vergebene Chancen</a>« schon einmal näher eingegangen. Einige Hotels haben diese Rolle als Inkubatoren kultureller und künstlerischer Innovation bereits in der Vergangenheit erfolgreich übernommen – <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=1452" target="_self">das Chelsea Hotel</a> in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, oder <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6633" target="_self">das Hotel Waldhaus</a> im Engadin. Auch <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6151" target="_self">die Villa Cimbrone</a> diente als kreativer Retreat des elitären englischen Bloomsbury-Kreises (dem u.a. auch John Maynard Keynes angehörte), noch bevor es zum Hotel umfunktioniert wurde.</p>
<p>Es erscheint mir mehr als nur denkbar, daß diese Präzedenzfälle etwas vorwegnehmen, was künftig zum festen Bestandteil des Selbstverständnisses von Luxushotels gehören wird. Verdankten sie in den Jahrzehnten vor und nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ihr Ansehen der Funktion, die sie für Repräsentation und gesellschaftliche Selbstdarstellung übernahmen, so könnten sie im 21. Jahrhundert dieselbe oder eine höhere Wertschätzung als Orte der Muße, der Inspiration und der transökonomischen Wertschöpfung genießen. Damit wären sie, neben ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Ausstrahlung, auch Orte von eminenter ökonomischer Bedeutung. Ist die Industrie das Standbein der wirtschaftlichen Leistung, dann wären Hotels künftig ihr Spielbein. Diese Zukunftperspektive läßt es geraten scheinen, schon heute Konzepte und Angebote in dieser Richtung zu entwickeln. Gut möglich, daß es sich dabei schon bald um <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7065" target="_self">eine Kernkompetenz</a> von Hotels handeln wird.</p>
<p>Und das geflügelte Wort der »Aussteiger« wird dann nicht mehr lauten: »Ich bin dann mal weg«, sondern: »Ich komm dann mal an.«</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Einige Bücher, die in diesem Essay eine Rolle spielten:</em></p>
<p>Alex Rühle: »<a href="http://www.amazon.de/Ohne-Netz-Mein-halbes-offline/dp/3608946179/ref=sr_1_1?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740084&#038;sr=1-1" target="_blank">Ohne Netz: Mein halbes Jahr offline</a>«</p>
<p>Jaron Lanier: »<a href="http://www.amazon.com/You-Are-Not-Gadget-Manifesto/dp/0307269647/ref=sr_1_1?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740281&#038;sr=1-1" target="_blank">You Are Not a Gadget: A Manifesto</a>«</p>
<p>Nicholas Carr: »<a href="http://www.amazon.com/Shallows-What-Internet-Doing-Brains/dp/0393072223/ref=sr_1_1?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740419&#038;sr=1-1" target="_blank">The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains</a>«</p>
<p>Hape Kerkeling: »<a href="http://www.amazon.de/Ich-bin-dann-mal-weg/dp/3890293123/ref=sr_1_2?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740658&#038;sr=1-2" target="_blank">Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg</a>«</p>
<p>Sten Nadolny: »<a href="http://www.amazon.de/Die-Entdeckung-Langsamkeit-Sten-Nadolny/dp/3492051340/ref=sr_1_2?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740577&#038;sr=1-2" target="_blank">Die Entdeckung der Langsamkeit</a>«</p>
<p>Johann Wolfgang Goethe: »<a href="http://www.amazon.de/Die-Leiden-jungen-Werthers-BasisBibliothek/dp/3518188054/ref=sr_1_2?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283741131&#038;sr=1-2" target="_blank">Die Leiden des jungen Werthers</a>«</p>
<p>Johann Wolfgang Goethe: »<a href="http://www.amazon.de/Sämtliche-Gedichte-Johann-Wolfgang-Goethe/dp/3458173552/ref=sr_1_1?s=books&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283740803&#038;sr=1-1" target="_blank">Sämtliche Gedichte</a>«</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7146</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotel Hollywood Sunday Special</title>
        <pubDate>Sun, 05 Sep 2010 09:07:51 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><em>»Fahrstuhl zum Schaffott« (orig.: »Ascenseur pour l’échafaud«) von Louis Malle, 1958, mit Jeanne Moreau und Maurice Ronet, Musik: Miles Davis</em></p>
<p>Mag sein, daß die Hotellerie heute eine Anzahl <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7093" target="_self">neuer Berufsbilder</a> hervorbringt – dafür gibt es andere, die nahezu ausgestorben sind. Dazu gehört der des Hotelfotografen. Ein solcher spielt im heutigen Film eine entscheidende Rolle. Seine Bilder bringen (wie Sie ab der dritten Minute des folgenden Ausschnitts sehen werden) die Wahrheit ans Licht und bleiben gleichzeitig das einzige bleibende Moment eines Traums, der nie in Erfüllung ging. Oder doch beinahe. Denn eigentlich ist es Louis Malles <em>Film noir</em>, der die Zeit überdauert hat. Aber Zelluloid ist Zelluloid, könnte man sagen, und um Alchemie handelt es sich in beiden Fällen. </p>
<p>Dieses unaufdringliche Spiel mit der Zeit, den Bildern und der Mehrdeutigkeit der Wirklichkeit paßt zum Avantgardisten Louis Malle, der mit »Fahrstuhl zum Schaffott«, seinem Debüt-Film, auf Anhieb Starruhm erlangte – ebenso übrigens wie Jeanne Moreau als Hauptdarstellerin. Und neue Wege geht der Film gleich in mehrfacher Hinsicht. Da sind etwa die mit <em>available light</em>, also ohne Kunstlicht, gefilmten Nachtszenen, für die Malle ein neu auf den Markt gekommenes, hochempfindliches Lichtmaterial – Kodak Tri-X – verwendete. Dazu kommt ein im französischen Film bis dahin noch nicht gesehener Blick auf Paris als futuristisch anmutende, nahezu menschenfeindliche Megalopolis; zu diesem Zweck drehte Malle beispielsweise in einem der ersten modernen Büro-Hochhäuser und auf der eben erst fertiggestellten Stadt-Autobahn. Nicht einmal das Hotel ist einfach nur ein Hotel – es handelt sich vielmehr um das erste Motel in Frankreich überhaupt. Dieses befand sich freilich nicht, wie der Film suggeriert, an der Peripherie von Paris, sondern 200 km entfernt an der Atlantik-Küste (korrekterweise müßte ich daher den Hotelfotografen, in dessen Atelier die gezeigte Schluß-Szene des Films spielt, eigentlich als Motelfotografen bezeichnen).</p>
<p>Zu den eindrucksvollsten Neuerungen zählt für mich aber die Filmmusik. Sie stammt von Miles Davis, dem ich erst kürzlich einen <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6912" target="_self">eigenen Beitrag</a> gewidmet habe. Der Trompeter war zufällig zu einem dreiwöchigen Gastspiel in der Stadt, als sich der jazz-verrückte Malle um die Filmmusik bemühte. Malle nahm das als Omen und bat ihn, den Soundtrack zu seinem Film beizusteuern. Davis zögerte zunächst, eine Filmmusik ohne seine gewohnten Studio-Begleit&shy;musiker einzuspielen. Doch als er die Roh-Fassung des Films gesehen hatte, war er für das Projekt Feuer und Flamme. In einer einzigen Nacht, zwischen zehn Uhr abends und fünf Uhr morgens, spielte er, komplett improvisiert, in einem Studio an den Champs-Élysées die gesamte Filmmusik ein.</p>
<p>Das Ergebnis erstaunte selbst den Regisseur:</p>
<blockquote><p>»Was er machte, war einfach verblüffend. Er verwandelte den Film. Ich erinnere mich, wie er ohne Musik wirkte; als wir die Tonmischung fertig hatten und die Musik hinzufügten, schien der Film plötzlich brillant. Es war nicht so, daß (…) (die) Musik (…) die Emotionen vertiefte, die die Bilder und der Dialog vermittelten. Sie wirkte kontrapunktisch, elegisch und irgendwie losgelöst.«</p></blockquote>
<p>Jazzmusik hatte es in Filmen auch schon zuvor gegeben; »Fahrstuhl zum Schaffott« war jedoch der erste, der einen durchgängigen, eigens für den Film geschaffenen Jazz-Soundtrack verwendete. Freuen Sie sich also nicht nur auf ein Seh-, sondern auch ein Hör-Erlebnis der besonderen Art.</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/UEpbcWTpMMo" frameborder="0"></iframe><br />
&nbsp;</p>
<p>Für Jazzfans hier das ganze Schlußstück des Films: Miles Davis, »Chez le photographe du motel«; die <a href="http://www.amazon.de/Fahrstuhl-Schafott-Ascenseur-Pour-lEchafaud/dp/B000004785/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#038;s=music&#038;qid=1283672618&#038;sr=8-2" target="_blank">gesamte Filmmusik</a> gibt es auch als CD.</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/FiN3huLQLVk" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7110</link>
			</item>
	<item>
		<title>One More Take(»It’s even worse than it appears«)</title>
        <pubDate>Fri, 03 Sep 2010 13:43:37 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Vielleicht schütteln Sie noch den Kopf über die absurden »neuen Hotelberufe«, mit denen uns die WELT <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7093" target="_self">bekannt gemacht</a> hat. Aber in New York muß sich die Beherbergungsbranche tatsächlich mit einem neuen, nicht unbedingt erfreulichen Berufsbild anfreunden: dem des Hotel-Kammerjägers. Hier wie in anderen amerikanischen Großstädten macht <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,714769,00.html" target="_blank">die explodierende Wanzenplage</a> auch vor Edel-Boutiquen und Fünf-Sterne-Hotels nicht halt. Die gemeine Bettwanze ist nicht zu stoppen und fast nicht totzukriegen. Zur Schadenfreude besteht kein Anlaß: Experten halten ein Übergreifen der Plage nach Europa für möglich oder sogar wahrscheinlich.</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/reisen/2010-09/tech-hotels?page=all" target="_blank">Zum Ausgleich</a> fallen andernorts klassische Hotel-Berufsbilder dem Fortschritt zum Opfer. Im Hotel Tenne im schweizerischen Saas-Fee werden die Gäste neuerdings von Herbie bewirtet. Herbie ist ein Roboter, bereitet die Frühstückseier zu und kümmert sich um den frisch gepreßten Orangensaft. Noch verschont er uns mit Gedichten und Opern-Arien. Aber auch das könnte sich ändern.</p>
<p>So bewahrheitet sich einmal mehr der alte Erfahrungssatz: die Wirklichkeit übertrifft die kühnsten Erwartungen. Erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt. Oder wie es in der berühmten Liedzeile heißt:</p>
<p>»I know the rent is in arrears.<br />
The dog has not been fed in years.<br />
<em>It&#8217;s even worse than it appears</em>.«</p>
<p>Die kannten Sie noch nicht? Dann hören Sie selbst – hier sind Jerry Garcia und The Grateful Dead:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/wOaXTg3nAuY" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7101</link>
			</item>
	<item>
		<title>Heiteres Beruferaten</title>
        <pubDate>Fri, 03 Sep 2010 08:20:07 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Die WELT hat mal wieder den Finger am Puls der Zeit. Jetzt hat sie entdeckt, daß die Hotelbranche in rasender Kreativität dabei ist, neue Berufe und Berufsbilder zu kreieren. Das klang schon mal vielversprechend. Viel öfter wird ja das Gegenteil beklagt: zuwenig Innovationsfreude in der Hotellerie. Also fing ich zu lesen an.</p>
<p>Der Artikel begann – zur Einstimmung, vermutete ich – mit dem neuen Job des Hotelpoeten. Der geht im Restaurant von Tisch zu Tisch, trägt selbst verfaßte Gedichte vor oder findet Reime zu beliebigen Worten und Wortverbindungen, die ihm die Gäste zuwerfen. Wahnsinnig aufregend. Und ein internationaler Erfolg, wie die WELT versichert. Daß der Poet aus Stratford-upon-Avon kommt, soll seine Qualitäten wohl zusätzlich beglaubigen. Immerhin wurde dort schon William Shakespeare geboren. Ich fand’s trotzdem zum Gähnen. Und noch nicht mal sonderlich neu. Dunkel erinnert man sich, sowas auch schon in Fernseh-Shows gesehen zu haben, kurz bevor man vor der Glotze einschlief. Na ja, was soll’s, dachte ich. Das war jetzt erstmal zum Aufwärmen. Keiner will schon zu Anfang sein ganzes Pulver verschießen. Eine gute Story baut langsam die Spannung auf, bevor sie zum Höhepunkt kommt. Es kann nur besser werden.</p>
<p>Es wurde aber nicht besser. Nur peinlicher. Da traten etwa arbeitslose Opernsänger auf, die sich als Kellner verdingten. Und während sie die gedünstete Forelle servierten, hielten sie kurz inne, um zur nicht gelinden Überraschung der Gäste »La donna è mobile…« zu schmettern. Überraschung ist heutzutage wohl ein Wert an sich. Und selbst damit ist es bei vielen dieser »neuen Hotelberufe« nicht weit her. Darüber, daß Hotels mit mehrere Stockwerke hohen Aquarien für deren Reinigung Taucher beschäftigen müssen, wundert sich wohl nur ein WELT-Reporter. Und wenn an einem tropischen Palmenstrand die Badegäste Gefahr laufen, von herabfallenden Kokosnüssen oder abgestorbenen Zweigen getroffen zu werden, dürfte es jedem verantwortungsvollen Hoteldirektor ein Anliegen sein, solche Gefahrenquellen jeden Morgen beseitigen zu lassen. Das war, wie ich vermute, vor 30 Jahren nicht anders als heute. Vielleicht hießen sie damals noch nicht »Coconut Climber«. Und ein Beruf ohne eigenen Namen ist nun mal kein richtiger Beruf.</p>
<p>Statt einem Höhe- strebt der WELT-Artikel langsam aber sicher seinem absoluten Tiefpunkt zu. Der ist erreicht, als man uns den Gärtner des pfälzischen Hotels »Kloster Hornbach« vorstellt. Der kümmert sich nicht nur um Blumen, Bäume und den Gemüsegarten, sondern auch um die hauseigene Carrera-Rennbahn. Was für eine glänzende Berufsperspektive.</p>
<p>Das macht mir Mut, selbst mit einer bescheidenen Anregung zur wunderbaren Berufsvermehrung beizutragen. Ich schlage also vor – jetzt alle mal herhören, bitte: den ultimativen Hotel-Vortänzer. Nein, nicht was Sie meinen. Einen Tanzlehrer oder Ballett-Tänzer kann jeder engagieren. Wer sowas macht, ist einfach noch nicht richtig auf den Hund gekommen. Und erst dann wird es wirklich sensationell. Lassen Sie sich überraschen:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/Nc9xq-TVyHI" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7093</link>
			</item>
	<item>
		<title>Der Fluggast spürt keinen Schmerz</title>
        <pubDate>Fri, 03 Sep 2010 02:18:07 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Die europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat eine Studie erstellen lassen und <a href="http://www.zeit.de/reisen/2010-09/studie-flugzeug-beinfreiheit" target="_blank">gibt jetzt Entwarnung</a>. Der Verdacht, es gebe einen ursächlichen Zusammenhang zwischen zu engen Sitzabständen und der Gefahr von Thrombosen, habe sich nicht bestätigt. Damit kann bis auf weiteres alles beim Alten bleiben. Der Forderung von Politikern, Ärzten und Ver&shy;braucher&shy;schützern, verbindlich größere Sitzabstände vorzuschreiben, erteilt die EASA eine klare Absage. Dazu wäre sie zwar befugt – da aber für die Passagiere keine Lebensgefahr drohe, werde sie von dieser Befugnis keinen Gebrauch machen.</p>
<p>Das könne sich in Zukunft aber ändern, betonte ein Sprecher der Behörde. Denn die Fluggäste werden im Schnitt immer größer und schwerer. Das führe möglicherweise dazu, daß die eng gestaffelten Sitzreihen eine rechtzeitige Evakuierung verhinderten. In diesem Fall werde man selbstverständlich regulierend eingreifen. Das beruhigt mich jetzt wirklich. Und die Logik dahinter ist einfach bestechend: solange es keine Toten gibt, dürfen die Fluggesellschaften ihren Passagieren zumuten, was sie wollen. Sollte es aber wirklich Tote geben, wird die EASA ein Expertenteam untersuchen lassen, ob sich wissenschaftlich schlüssig ein Kausalzusammenhang zwischen der vermuteten Ursache und den Todefällen beweisen läßt. Man braucht schließlich Sicherheit, bevor man handelt. Schade, daß die EU-Institutionen nicht in allen Bereichen so hohe ethische Maßstäbe anlegen. Auf ein <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6998" target="_self">Verbot der Glühbirne</a> könnten wir dann noch lange warten…</p>
<p>Aber vielleicht sollte man in Zukunft trotzdem öfter mit der Bahn fahren. Und das Flugzeug nur in Ausnahmefällen benutzen. Am besten in Vollnarkose.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7085</link>
			</item>
	<item>
		<title>One More Take (Kommunikation, zum dritten)</title>
        <pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:22:19 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>So ein Kitsch, denke ich jedesmal wieder, wenn mir dieser Song zu Ohren kommt. Sie werden lachen: so ging es mir schon beim ersten Hören vor vielen, vielen Jahren. Ach, was soll’s, sage ich mir dann – und höre den Song zu Ende. Ein Ohrwurm eben, in jeder Hinsicht. Aber das ist es nicht allein. <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7034" target="_self">Auch hier</a> hat jemand den Mut, eine einfache Botschaft in ebenso einfache Worte zu kleiden. <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7032" target="_self">People meet in architecture</a>. <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7065" target="_self">Think different</a>. Imagine… Davor scheuen wir uns alle, aus Angst, unbedarft zu erscheinen. Womöglich pathetisch zu klingen. Naiv, sentimental und kitschig – wie dieses Lied (und John Lennon hatte immerhin einen Ruf als »der Intellektuelle unter den Beatles« zu verlieren).</p>
<p>Es hat schon einen Grund, warum Jobs den Beatle Lennon in seine bunt zusammengewürfelte Schar von Querdenkern aufnahm, »the crazy ones«, wie er sie gern nennt. Die englische Formulierung trifft es besser als das Wort Querdenker. Da steht dann Buckminster Fuller neben Bob Dylan, Amelia Ehrhardt neben Albert Einstein, Cassius Clay <em>alias</em> Muhammad Ali neben Pablo Picasso, Alfred Hitchcock neben Frank Lloyd Wright. Und so weiter. Verrückte unter sich. »Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.« Just imagine…</p>
<p>Schön und gut, heißt es dann oft. Im Showbusiness darf man schon mal Trivialitäten als Weisheit verkaufen. Nichts gegen Kitsch. Aber alles zu seiner Zeit. Jetzt wenden wir uns wieder ernsthafteren Dingen zu.</p>
<p>Ist Goethe ernsthaft genug? Der war sich nicht zu schade, im reifen Alter die Sätze zu Papier zu bringen:&nbsp; <span id="more-7059"></span> »Wenn einer träumt, ist es ein Traum. Wenn viele träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit.« Das ist nichts anderes als eine Zusammenfassung von Lennons Song – ein <em>Abstract</em>, wie der Fachterminus dafür lautet. Nur daß Lennon die Botschaft in Dialogform gebracht hat. Erst der Dialog verführt zum Handeln – und Handlungen sind der Stoff, aus dem Geschichten sind. Und Geschichte. Ich mag nicht schon wieder von Kernkompetenzen reden, aber auch im Hinblick auf professionelle Kommunikation kann man von Lennon einiges lernen. Vor allem, wie man das Gegenüber in den Dialog einbezieht und dessen Skepsis zur eigentlichen Pointe des eigenen Arguments werden läßt: »You may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one. I hope some day you’ll join us, and the world [will be a different one].« (Der Text in eckigen Klammern steht als Platzhalter für die Variationen, die Lennon in dem Song für seine Botschaft findet.)</p>
<p>Wahrscheinlich haben Sie das Lied schon ebenso oft gehört wie ich; nachfolgend daher eine weniger bekannte Variante: John Lennon und Yoko Ono 1972 live im Madison Square Garden:</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/9Q0Eyw3l3XM?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/9Q0Eyw3l3XM?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
<p>Manchmal empfinde ich solche »einfachen Wahrheiten« nachgerade als Erholung von wissenschaftlich aufgemachten Konzepten, die mit viel Aplomb und in hochgestochenes Fach-Chinesisch verpackt doch nur Trivialitäten verkünden – und selbst die gehen an der Sache vorbei. Elaborate dieser Art sind mir in letzter Zeit leider viel zu viele untergekommen. Aber das haben Sie wahrscheinlich eh schon vermutet…<br />
 <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7059</link>
			</item>
	<item>
		<title>Kompetenz kommunizieren, zum zweiten</title>
        <pubDate>Thu, 02 Sep 2010 09:56:40 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Das Video aus dem <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=7034" target="_self">vorigen Beitrag</a> ist zwar eine historische Rarität – abgesehen vom intimen Kreis und den dem daraus folgenden Fehlen von PR-Effekten: wo haben Sie sonst schon Steve Jobs in Shorts gesehen? –, leider läßt aber auch die Bildqualität zu wünschen übrig. Die Werbekampagne, die Jobs als Konsequenz seiner Überlegungen zu Apples Kernkompetenz vorstellt, kommt deshalb zu kurz. Wer sie nicht schon kennt, erhält nur einen unzureichenden Eindruck. Das ist schade, denn sie zeigt beispielhaft, welches Potential in der Kernkompetenz steckt, wenn man sie (wie Jobs und ich) als menschlich nachvollziehbares Wozu begreift. Steht die Kernkompetenz in einem menschlichen (gesellschaftlichen, kulturellen, historischen, politischen) Sinnzusammenhang, ergibt sich die Werbebotschaft beinahe von selbst und bedarf keiner zusätzlichen Mätzchen oder eigens hinzuerfundener »Erlebniswelten«, um glaubwürdig rüberzukommen. Sie kann sogar – wie im Fall von Apples <em>Think-different</em>-Kampagne – völlig darauf verzichten, irgendwelche Produkte zu zeigen oder Leistungen zu visualisieren; selbst der Unternehmensname erscheint erst ganz zum Schluß und nur wenige Sekunden lang.</p>
<p>Ich zeige Ihnen deshalb den allerersten, von Steve Jobs im vorangegangenen Video vorgestellten <em>Think-different</em>-Spot von 1997 noch einmal in etwas besserer Bildqualität. Außer aus Filmspots bestand die Kampagne im wesentlichen aus Anzeigen und Plakaten, mit denselben historischen Persönlichkeiten in der Hauptrolle, die auch im folgenden Video auftreten. Über die Qualitäten dieses Werbe-Auftritts muß ich weiter nicht viel sagen; es handelt sich um eine der mit Abstand erfolgreichsten Kampagnen der letzten Jahrzehnte.</p>
<p>Um auch noch die Brücke zu unseren »eigentlichen« Themen zu schlagen – und damit Sie nicht denken, ich schweife ab: natürlich ist auch dieser Blog in erster Linie eine breit angelegte Suche nach Sinnzusammenhängen, in denen Hotels, Hotel-Dienstleistungen und mit der Hotellerie zusammenhängende Themen stehen – ein Forschungsprojekt als <em>work in progress</em> also, das sich für Kernkompetenzen interessiert. Um die geht es nämlich nicht erst in der Kommunikation bzw. Werbung, sondern schon bei der Planung, Gestaltung und dem Betrieb eines Hotels.</p>
<p><em>Think different</em> – das ist auch hier das Thema. Und in diesem Sinn ist das folgende Video viel mehr als »nur Computerwerbung«.</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/WyGT2F74p_A?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/WyGT2F74p_A?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7065</link>
			</item>
	<item>
		<title>Wie man eine Kernkompetenz kommuniziert</title>
        <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 13:03:19 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Nicht nur Hotels haben eine Geschichte und eine Botschaft, sondern auch Unternehmen. Marketingleute nennen das die Kernkompetenz – und haben meist keine Ahnung, worauf es dabei ankommt. Denn es geht nicht um Marketing – auch nicht um einen technologischen Vorsprung oder ein »Alleinstellungsmerkmal«. Es geht tatsächlich um eine Botschaft und eine Geschichte. Die handeln davon, was das Unternehmen der Welt zu geben hat und womit es die Menschen bereichert. Das ist sein eigentliches Thema – und im nächsten Schritt geht es dann darum, mit diesem besonderen Thema, also der Kernkompetenz, Gewinne zu erzielen. </p>
<p>Am Anfang aber steht immer die Geschichte. Der elementare Rückbezug auf den Menschen und seine Welt. Schon Vision klingt dafür zu hochgestochen. In der Regel ist es ganz einfach und selbstverständlich. <em>Allzu</em> einfach und selbstverständlich nach dem Geschmack von Marketingexperten:<a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-admin/post.php?action=edit&#038;post=7032" target="_self">. »People Meet in Architecture«</a>. Fast schon banal, würden sie sagen. Aber das ist der Ausgangspunkt, um glaubwürdig Visionen zu entwickeln, die das Gegenüber begeistern. Modische Etiketten, Werbeslogans oder architektursoziologische Diskurse eignen sich dafür nicht. </p>
<p>Leider haben wir es weitgehend verlernt, in dieser Hinsicht unseren besseren Instinkten zu vertrauen – abgesehen davon, daß einem diese Einfachheit und Klarheit auch nicht in den Schoß fällt. Deswegen bin ich immer dankbar für Beispiele, von denen ich lernen kann. <a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-admin/post.php?action=edit&#038;post=7032" target="_self">Kazuyo Sejimas Biennalemotto</a> ist ein solches Beispiel. <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6565" target="_self">Burkhard Schwenkers Abschieds-Mail</a> war ein anderes. Und wie der Zufall es will, bin ich grade gestern <a href="http://bits.blogs.nytimes.com/2010/08/27/steve-jobs-circa-1997-reintroducing-apple/" target="_blank">in der New York Times</a> über ein drittes gestolpert. Es handelt sich um eine Rede Steve Jobs’ im Jahr 1997 vor Apple-Mtarbeitern – wenige Monate, nachdem er ins Unternehmen zurückgekehrt war, und kurz bevor das Unternehmen mit einer neuen Werbekampagne auch öffentlich seinen Relaunch einleitete. Es war die Zeit, in der Apple am Abgrund stand: der Computerhersteller hatte die Orientierung verloren, der Marktanteil sank seit Jahren kontinuierlich, und selbst die eigenen Mitarbeiter hatten das Vertrauen in die Marke verloren.</p>
<p>In dieser Situation hing alles davon ab, daß es dem Unternehmen gelang, sich auf seine eigentliche Stärke, seine Botschaft und seine Geschichte zurückzubesinnen – und Apple das Vertrauen in sich selbst wiedererlangte. Es zeichnet Steve Jobs aus, daß er das verstand – und die Herausforderung annahm. <em>Wie</em> er das tat, mit welchem Ernst und mit welcher Leidenschaft er die Kernkompetenz des Unternehmens auf ihren <em>menschlichen Kern</em> zurückführte, in unprätentiösen starken Worten und nicht ohne Humor: das ist wirklich sehenswert. In gewisser Weise ist in dieser kurzen Ansprache bereits die Erfolgsgeschichte der folgenden 13 Jahre vorgezeichnet. Obgleich zu diesem Zeitpunkt davon keiner träumte, Steve Jobs womöglich ausgenommen. Wirklich, man kann einiges daraus lernen. Aber urteilen Sie selbst:</p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/vmG9jzCHtSQ" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7034</link>
			</item>
	<item>
		<title>Raum für Menschen</title>
        <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 12:16:44 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Am Sonntag hat in Venedig die 12. Internationale Architekturbiennale eröffnet; leider ohne mich – aber wenn es irgend geht, möchte ich mir in den nächsten Wochen schon mal ein oder zwei Tage Zeit dafür nehmen. Darüber werde ich dann sicher ausführlicher berichten; vorerst nur ein paar Anmerkungen zu Punkten, die mir auch »aus der Ferne« aufgefallen sind.</p>
<p>Bei allem Neuen und Anregenden, was die Ausstellung zu bieten haben dürfte, ist sie zumindest in zweierlei Hinsicht selbst eine Premiere. Zunächst: zum ersten Mal seit 1980 – also den 30 Jahren, in denen die Biennale mehr oder weniger regelmäßig stattgefunden hat – wurde mit Kazuyo Sejima eine Frau als Kuratorin berufen. Ich habe sie und ihre Arbeit hier in der Serendipity Suite <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=2951" target="_self">ausführlich vorgestellt</a>, als sie dieses Jahr zusammen mit ihrem Partner Ryue Nishizawa den Pritzker-Preis erhielt; aber immerhin gab es da in der sonst recht männerlastigen Reihe der Preisträger auch schon vorher eine Frau, <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=1116" target="_self">nämlich Zaha Hadid</a>. Besser spät als nie, liegt es mir auf der Zunge zu sagen – besonders angesichts des Themas, unter das Sejima die diesjährige Biennale gestellt hat.</p>
<p>Denn das ist die zweite Premiere: zum ersten Mal überhaupt hat es einer der Kuratoren – in diesem Fall also die Kuratorin – gewagt, das Selbstverständliche beim Namen zu nennen.&nbsp; <span id="more-7032"></span> Nie zuvor kam in einem Biennale-Motto das Wort Mensch vor. Man mag es im Nachhinein gar nicht glauben, noch weniger, daß es niemandem aufgefallen ist. Man hätte auch denken können, Architektur habe vor allem den Zweck, daß Architekten sich selbst verwirklichen und Investoren möglichst große Gewinne erzielen können. Und nun kommt diese Japanerin und stellt fest:</p>
<p>»People Meet in Architecture«</p>
<p>Menschen begegnen sich in Architektur. Oder – im Deutschen vielleicht noch treffender: Menschen treffen sich in gestalteten Räumen. Einfacher kann man es nicht sagen. Vielleicht braucht es tatsächlich Mut, solche elementaren Wahrheiten auszusprechen (die Motti der Vergangenheit klangen respektheischender). Wenn ja, dann wurde der Mut belohnt, sofern ich den Berichten glaube, die ich gelesen habe. Das Motto habe auch die Teilnehmer angeregt, so <a href="http://www.guardian.co.uk/artanddesign/2010/aug/30/venice-biennale" "target="_blank">schreibt Jonathan Glancey</a> im <em>Guardian</em>, sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen. Es sei, als hätten die vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde, Luft – die Schutzherrschaft über die Biennale übernommen. Im Mittelpunkt stünden – <a href="http://www.guardian.co.uk/artanddesign/2010/aug/31/venice-architecture-biennale" "target="_blank">so Justin McGuirk</a> ebenfalls im <em>Guardian</em> – nicht großmäulige Thesen und akademisches Imponiergehabe, sondern »die reine Erfahrung des Raums«. Wer darin ein Bedürfnis nach Reduktion, Einfachheit, vielleicht sogar Kargheit wahrnimmt, hat vermutlich recht. Aber nur deshalb, so Susanne Beyer im SPIEGEL dieser Woche, weil »aus Kargheit Freiheit entsteht. Freiheit für diejenigen, die Architektur nutzen«. </p>
<p>Soweit meine Anmerkungen, die vielleicht auch verraten, warum es mich in diesem Jahr besonders nach Venedig zieht. Denn was da anklingt, entspricht in wesentlichen Punkten meiner <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=2741" target="_self">eigenen Auffassung</a>. Es mag viele und kontroverse Definitionen von Architektur und Innenarchitektur geben – für mich haben beide nur ein einziges Ziel: menschliche Lebensräume zu gestalten. Der gestaltete Raum ist ein Ort des Menschen. Er vermag uns anzusprechen, weil er von Menschen gestaltet wurde, und weil er von Menschen gestaltet wurde, hat er uns etwas zu sagen. Architektur ist eine Art von Sprache, und sie ist umso besser, je mehr Mitspracherecht sie den Menschen läßt, die sie bewohnen und nutzen. Das ist <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6757" target="_self">so bescheiden</a> wie anspruchsvoll. Auch Hotels sind in erster Linie Lebensräume. Orte, an denen sich Menschen begegnen, Orte mit ihrer ganz eigenen Botschaft, Orte, die uns was zu sagen haben – aber auch kalt lassen können. Deswegen kämpfe ich bei jedem Projekt so um die Vision, die Idee, die Geschichte, die dem Betreiber vorschwebt. Denn es geht nicht darum, ein Hotel zu gestalten – es geht darum, was das Hotel zu sagen hat – und ob es das seinen Gästen vermittelt.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7032</link>
			</item>
	<item>
		<title>Das Energiesparlampen-Paradox – Forts.</title>
        <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 05:41:55 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Der Artikel des <em>Economist</em>, an den mein <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6998" target="_self">gestriger Beitrag</a> anknüpfte, scheint einen Nerv getroffen zu haben. Gestern hat auch die New York Times in ihrer Rubrik »Idea of the Day« die Thesen des <em>Economist</em> <a href="http://ideas.blogs.nytimes.com/2010/08/31/are-better-bulbs-a-bright-idea/" target="_blank">aufgegriffen</a>. Das ist begrüßenswert. Denn ungeachtet der vollendeten Tatsachen, die die EU leider geschaffen hat, verdient das Thema sicher eine breitere Diskussion als die Glaubenskriege, in denen es sich häufig erschöpft.</p>
<p>Erstaunt haben mich allerdings die Leserkommentare. Kaum jemand hat die Argumention des Artikels nachvollzogen und seine Pointe verstanden. Die einen unterstellten, der Economist empfehle eine Rückkehr zu den Pechfackeln der Höhlenbewohner (das erinnert mich an das Niveau der Atomstrom-Debatten hierzulande), die anderen meinten, die Verfasser des Artikels und der zugrundeliegenden Studie verlängerten einfach die Entwicklung von 1750 bis heute 20 Jahre in die Zukunft. Aber die Zunahme des »Lichtkonsums« in den letzten 250 Jahren diente nur der Veranschaulichung, nicht als Argument oder gar Beweis – ebenso übrigens wie die Analogie zum überproportional wachsenden Verkehrsaufkommen bei einem Ausbau des Straßennetzes.</p>
<p>Wer sich ein Urteil bilden möchte, wie fundiert oder fehlerhaft ihre Ergebnisse sind, sollte sich dabei schon auf die Studie selbst beziehen; sie ist online verfügbar – wenn Sie Interesse haben, <a href="http://iopscience.iop.org/0022-3727/43/35/354001/pdf/0022-3727_43_35_354001.pdf" target="_blank">klicken Sie hier</a>.<br />
&nbsp;</p>
<p>Update:<br />
Auch <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/2/148291" target="_blank">deutsche Medien</a> sind jetzt auf die Studie Prof. Jeff Tsaos von den Sandia National Laboratories aufmerksam geworden. Das Bedürfnis nach ernsthafter Diskussion ist wohl doch weiter verbreitet als die EU-Bürokraten denken, die offenbar überzeugt sind, »das Volk, den großen Lümmel« (H. Heine) nur mit Verboten zur Räson bringen zu können.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7027</link>
			</item>
	<item>
		<title>Vorsicht, Werbung – 10 (Mehr Licht)</title>
        <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 01:40:54 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/es-werde-licht.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/09/es-werde-licht-500x318.jpg" alt="es werde licht" title="es werde licht" width="500" height="318" class="alignnone size-large wp-image-7021" /></a></p>
<p>Ich bin das Licht, die Wahrheit und das Leben*. So hell kann es gar nicht sein, daß es noch heller nicht schöner wäre. Wer will noch <em>Glüh</em>birnen, wenn es <em>Leucht</em>stoff-Energiesparlampen gibt. Das ist doch ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht, zwischen Sonne und Mond. Scheint diese Anzeige sagen zu wollen. Damit liefert sie den perfekten Kommentar zum <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6998" target="_self">gestrigen Beitrag</a> – und gleichzeitig eine unfreiwillige Bestätigung von dessen These.</p>
<p>Obwohl – so unfreiwillig wohl auch wieder nicht. In Wirklichkeit ist das genau die Botschaft, die Leuchtenhersteller unter die Leute bringen wollen. Schließlich geht es ihnen um bessere Geschäfte, nicht schlechtere. Um höhere Nachfrage, nicht geringere. Und also um mehr Licht, nicht um weniger.</p>
<p>Man kann es den Herrschaften noch nicht mal verdenken. Das sind sie ihren Unternehmen und deren Aktionären einfach schuldig. Deshalb werden sie alles tun, die leuchtende Vision des <em>Economist</em> noch strahlendere Wirklichkeit werden zu lassen.<br />
&nbsp;</p>
<p>* Ja, ich weiß, in der Bibel steht es anders. Aber es gibt immer mehrere Wege, die frohe Botschaft zu verkünden. Fragen Sie eine Werbeagentur.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7018</link>
			</item>
	<item>
		<title>Writers’ Corner</title>
        <pubDate>Tue, 31 Aug 2010 12:27:55 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><em>Zum <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6998" target="_self">Energiesparlampen-Planungswahnsinn</a></em>:</p>
<p>»Planung heißt, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen.«</p>
<p><em>Sir Peter Ustinov</em></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=7008</link>
			</item>
	<item>
		<title>Das Energiesparlampen-Paradox</title>
        <pubDate>Tue, 31 Aug 2010 12:22:05 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Über Sinn und Unsinn des Glühlampenverbots haben wir hier bereits des öfteren gesprochen; der Unsinn überwiegt natürlich, wie bei den meisten Segnungen, die wir der Bürokratie verdanken. Dabei hat sich meine Kritik auf zwei praktische Gesichtspunkte konzentriert: der vorgeschlagene Ersatz – unter dem Namen Energiesparlampe im Handel – produziert minderwertiges, im Vergleich zur Glühlampe indiskutables Licht; die wirklich interessanten Alternativen, die LED- und vor allem <a href="http://www.serendipity-suite.de/?s=oled&#038;x=0&#038;y=0" target="_self">die OLED-Leuchten</a>, brauchen noch ein paar Jahre, bis sie die Glühbirne im großen Maßstab ersetzen können und sich ihr Einsatz auch ökonomisch rechnet. Vor diesem Hintergrund ist das Verbot der Glühbirne jedenfalls verfrüht, wahrscheinlich aber generell überflüssig. Sobald es überlegene Lösungen zu kaufen gibt, werden sie der Glühlampe sowieso den Rang ablaufen. Wo aber – aus welchen Gründen immer – die Glühbirne weiterhin das Beleuchtungsmittel der Wahl darstellt, da soll sie auch weiter existieren dürfen. Die Brüsseler Bürokraten hätten getrost etwas mehr Vertrauen in die Marktwirtschaft setzen dürfen…</p>
<p>So weit, so gut, und außer in Brüssel dürfte dieser Schlußfolgerung heute kaum noch jemand widersprechen.</p>
<p>Das einzige Argument, das den Befürwortern des Verbots bleibt, ist die Notwendigkeit, Energie zu sparen – lieber heute als morgen, und jedenfalls nicht erst dann, wenn die Kräfte des Marktes effizienteren und sparsameren Lösungen zum Durchbruch verhelfen. Angesichts des dramatischen Klimawandels müsse die Politik dem Markt Rahmenbedingungen setzen, so heißt es. Immerhin macht die Beleuchtung 6,5 Prozent des Welt-Energieverbrauchs aus. </p>
<p>Der <em>Economist</em> freilich stellt jetzt sogar <a href="http://www.economist.com/node/16886228?story_id=16886228&#038;fsrc=rss" target="_blank">dieses Argument in Frage</a> und prognostiziert, daß das Verbot der Glühlampe im Gegenteil nicht nur zu einer Erhöhung, sondern sogar <em>zu einer Vervielfachung des Energieverbrauchs führen wird</em>.&nbsp; <span id="more-6998"></span> Für diese Prognose spricht zum einen die historische Erfahrung: <em>Der technische Fortschritt hat noch immer zu einem gesteigerten Bedarf und in der Folge zu einer Befriedigung dieses Bedarfs geführt</em>. In Großbritannien betrug der »Lichtkonsum« pro Einwohner im Jahr 1750 durchschnittlich 580 Lumenstunden auf der Basis von Kerzen, Holzfackeln und Öllampen. Heute liegt er bei 46 Megalumen-Stunden – also fast dem Hunderttausendfachen. Als im 19. Jahrhundert das Gaslicht Kerzen und Öllampen ersetzte, schwärmten alle von seiner gleißenden Helligkeit. Wir würde heute von einer Schummerbeleuchtung reden. Aber auch unsere Vorstellung von »Helligkeit« ist relativ. Sie begnügt sich in Wohnräumen und am Arbeitsplatz mit durchschnittlich etwa einem Zehntel des normalen Tageslichts an einem bewölkten Tag.</p>
<p>Es steht also zu erwarten, daß noch effizientere Lichtquellen auch zum Bedürfnis nach mehr Licht führen werden. Mit den Möglichkeiten wachsen die Ansprüche und Erwartungen. Das ist auch – und darauf stützt sich die Prognose des <em>Economist</em> in der Hauptsache – das Ergebnis einer Studie, die jüngst im renommierten <em>Journal of Physics</em> veröffentlicht wurde. Angenommen, bis zum Jahr 2030 würde sich die Effizienz von LED- und OLED-Leuchten verdreifachen, die übrigen Rahmenbedingungen dagegen (vor allem der reale Energiepreis) blieben ungefähr auf dem heutigen Stand, dann – so die Studie – <em>würde sich der »Lichtkonsum« verzehnfachen</em>, was in Anbetracht der höheren Effizienz der Lampen immerhin noch  einer <em>Verdoppelung des Energieverbrauchs</em> gleichkäme. Erst bei einer Verdreifachung des Energiepreises würde ab 2030 der Energieverbrauch zurückgehen. </p>
<p>Ein Verbot der Glühlampe wäre bei letzterer Annahme allerdings erst recht überflüssig. Hätten die Menschen eine dreimal so hohen Stromrechnung zu gewärtigen, würden sie wohl heute schon ihren Energieverbrauch gehörig reduzieren.</p>
<p>Auf den ersten Blick mögen die Resultate der Studie spekulativ und weit hergeholt scheinen. Ich halte sie dennoch für mehr als plausibel, wenn ich an einen naheliegenden Präzedenzfall denke. In den letzten Jahrzehnten haben fast alle Industrienationen intensiv am Ausbau ihres Straßennetzes gearbeitet, um die Mobilität der Bürger zu erhöhen und einen reibungslosen Transport von Gütern zu gewährleisten. Die Folge war ein überproportionales Wachstum des Verkehrsaufkommens. Auch hier war es das Angebot, das die Nachfrage stimulierte. Wir haben heute erheblich mehr Staus auf den Straßen als noch vor 50 Jahren. Wer sich also um den Klimawandel sorgt, der sollte – so die ironische Schlußfolgerung des <em>Economist</em> – das Gegenteil eines Glühlampenverbots ins Auge fassen:</p>
<blockquote><p>»For those who truly wish to reduce the amount of energy expended on lighting the answer may not be to ban old-fashioned incandescent bulbs, as is the current trend, but to make them compulsory.«</p></blockquote>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6998</link>
			</item>
	<item>
		<title>Die zwei Gesichter des Social Web</title>
        <pubDate>Tue, 31 Aug 2010 06:14:40 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Stephanie Marcus <a href="http://mashable.com/2010/08/30/social-media-attacks-brand/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+Mashable+%28Mashable%29" target="_blank">in <em>Mashable</em></a>:</p>
<blockquote><p>»For all the praise that brand advertisers have for social media, they must be aware that it’s very much a double-edged sword. And for all the free marketing, advertising and brand promotion via Facebook, Twitter, Foursquare, and other platforms used to help build an identity and relationship with your customers, it can just as quickly turn on you and your brand.«</p></blockquote>
<p>Das ist einer der Gründe, warum ich <a href="http://www.serendipity-suite.de/?s=social+web&#038;x=0&#038;y=0" target="_self">so beharrlich</a> zur Vorsicht im Umgang mit Social Media rate. Was das Social Web <em>für</em> Sie tut, kann es auch <em>gegen</em> sie tun; so sehr es nutzt, so sehr vermag es zu schaden. Wenn ein potentieller Gast zwei Dutzend Hotelbewertungen bei einem Online-Portal liest – was meinen Sie, welche er in Erinnerung behält? Klar doch: die schlimmste. Und das ist keine böswillige Unterstellung meinerseits, sondern der Erfahrungswert von TUI, nachzulesen <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/epaper/SP/2010/35/84.html" target="_blank">im aktuellen SPIEGEL</a> (Link nur für Abonnenten). </p>
<p>Und wozu lädt das ein? auf welche Idee könnte da einer kommen, der Ihnen schaden möchte? Auch hier will ich niemandem Böses unterstellen. Aber es sind schließlich schon haarsträubende Dinge vorgekommen. Und das ist nur die naheliegendste der Gefahren, die vom Social Web drohen können.</p>
<p>Keine dieser Gefahren <em>muß</em> sich materialisieren. Aber man sollte sie kennen – und gegen sie gerüstet sein. Deshalb rate ich weiterhin zu konstruktiver Skepsis und viel Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand. Im Grunde ist es wie bei den abenteuerlichen und »todsicheren« Finanzmarkt-Konstrukten, die bis vor kurzem so in Mode waren: wenn Ihnen Ihr Bankberater das Blaue vom Himmel verspricht und Sie verstehen trotzdem nicht, wie genau das funktionieren soll – dann weiß er’s aller Wahrscheinlichkeit nach selbst nicht (und möglicherweise auch sonst keiner).</p>
<p>Die Folgen für die Finanzmärkte haben wir erlebt. Im Social Web sind die Auswirkungen nicht ganz so gravierend und treffen eher den Einzelnen. Das ist freilich ein schwacher Trost, wenn es sich bei dem Einzelnen ausgerechnet um Sie handelt.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6993</link>
			</item>
	<item>
		<title>Kreuzfahrt-Vergnügen – Forts. (Hotel Hollywood)</title>
        <pubDate>Mon, 30 Aug 2010 23:53:24 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Marx Brothers, »A Night At The Opera«, 1935: </p>
<p>Mit Hotelzimmern hatten Schiffskabinen vor 75 Jahren ersichtlich weniger gemein als heute. Dafür ging es entschieden turbulenter in ihnen zu – und strapaziöser für die Lachmuskeln der Kinobesucher. Jedenfalls dann, wenn Groucho Marx als regulärer Passagier entdeckt, daß sich in seinem Koffer mit Chico und Harpo zwei blinde Passagiere versteckt hatten. Das ist aber erst der Anfang. Im Lauf der nächsten Minuten drängen sich immer mehr Menschen in den engen Raum: zwei Zimmermädchen, der Schiffs-Ingenieur und sein Gehilfe, eine Reinemache-Frau, ein Kosmetiker für die Maniküre, vier Kellner – insgesamt 15 Personen sind es zum Schluß – eindeutig ein wenig voll, wie Groucho nonchalant anmerkt – und als sich die Tür das nächste Mal öffnet, speit die Kabine ihren menschlichen Inhalt in hohem Bogen wieder aus…</p>
<p>Die Szene genießt unter Filmfreunden nicht zufällig einen legendären Ruf; sehen Sie selbst:</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/8ZvugebaT6Q?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/8ZvugebaT6Q?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6983</link>
			</item>
	<item>
		<title>Fairness</title>
        <pubDate>Mon, 30 Aug 2010 15:56:02 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Erfolg hat ein Hotel auf lange Sicht dann, wenn sich die Gäste drin wohlfühlen, und die Gäste fühlen sich wohl, wenn ihnen die Atmosphäre behagt. Doch worin liegt das Geheimnis einer freundlichen, entspannten, gastfreundlichen Atmosphäre? Äußerlichkeiten wie ein großzügiges Raumgefühl, die Einrichtung, das Licht, die Farben vermögen dazu beizutragen. Entscheidend aber ist der menschliche Faktor: Umgangston und Umgangsformen – Freundlichkeit, Gelassenheit, Hilfsbereitschaft. Funktioniert blendend, solange sich alle an die Regeln halten. Das ist natürlich niemals der Fall. Und von seiten des Hotels nur zu beeinflussen, soweit es die eigenen Mitarbeiter betrifft – und das ist schwer genug. Aber was ist mit den Gästen? Die fühlen sich als Könige und wollen entsprechend behandelt werden. Das ist ihr gutes Recht. Allerdings verhalten sich auch Könige bisweilen wie Rüpel. Und ein einziger Querulant kann im schlimmsten Fall allen anderen Gästen die Stimmung verleiden (ein arroganter Concierge, ein mürrischer Kellner oder schlampiger Küchenchef natürlich ebenso).</p>
<p>Kurz: so toll kann eine Atmosphäre gar nicht sein, daß nicht ein Einzelner sie vergiften könnte. Ich bin wohl nicht die einzige, die diese Erfahrung schon zu wiederholten Malen gemacht hat. Patentrezepte gegen die notorischen Nörgler, Moralapostel, Weltverbesserungs-Aspiranten, Möchtegern-Diktatoren und sonstigen zu kurz gekommenen Egomanen gibt es selbstverständlich keine. Umso mehr hat mir eine Geschichte zu denken gegeben, die ich gestern <a href="http://www.guardian.co.uk/lifeandstyle/2010/aug/28/change-your-life-politeness-enforcement" target="_blank">gelesen habe</a>.&nbsp; <span id="more-6976"></span></p>
<p>Hauptperson und gleichzeitig Erzähler dieser Geschichte – die sich übrigens schon 2007 abspielte – ist der englische Journalist Gareth Edwards. Der wartete eines Tages an der Londoner Victoria Station zusammen mit einer großen Zahl anderer Pendler geduldig auf einen Bus, als sich ein gutgekleideter Geschäftsmann direkt hinter ihm in die Schlange einreihte. Wohlgemerkt: <em>hinter</em> ihm, aber noch <em>vor </em>den vielen anderen, die ebenfalls schon lange gewartet hatten. Vorhaltungen von seiten Edwards’ und anderer aus der Schlange ignorierte der Mann ebenso wie die Aufforderung, sich doch bitte ebenfalls hinten anzustellen. Edwards war nahe daran, seine gute Kinderstube zu vergessen und sich mit dem Kerl anzulegen. Das hätte aber nur zu einer Eskalation der Situation geführt, ohne zu einer konstruktiven Lösung des Konflikts beizutragen. Da kam Edward ganz spontan, wie er berichtet, eine verrückte Idee, und ohne lange drüber nachzudenken fragte er das alte Mütterchen, das vorher hinter ihm gestanden hatte, nun aber von dem Eindringling verdrängt worden war, ob es sich nicht lieber vor ihm einreihen wolle. Die alte Frau nahm die Einladung gern an – und Edwards stellte umgehend ihrem bisherigen Hintermann dieselbe Frage. So ging es dann Schlag auf Schlag weiter, und als nach wenigen Minuten der Bus kam, hatten sich fast 60 Leute vor Gareth Edwards eingereiht; er selbst stand fast am Ende der Schlange – ebenso freilich der Geschäftsmann hinter ihm, der es eben noch so eilig gehabt hatte.</p>
<p>Kurz bevor der Bus zum Stehen kam, drehte sich dann allerdings das alte Mütterchen um, wandte sich über die Köpfe der anderen hinweg an Edwards und fragte: »Junger Mann, hätten Sie bitte die Freundlichkeit, vor mir in den Bus zu steigen?« – was sich Edwards nicht zweimal sagen ließ.</p>
<p>Dieses Ende ist natürlich das i-Tüpfelchen auf einer auch so schon bemerkenswerten Geschichte. Damit wird sie zum vollendeten Triumph von Kooperation und Fairness über den unfairen Regelverstoß eines Einzelnen. Weil alle übrigen sich einig sind, können sie den, der sie mit unfairen Mitteln übervorteilen will, <em>mit seinen eigenen Waffen schlagen</em>. Ich war hingerissen und hätte beim Lesen beinahe laut losgelacht. Funktioniert so etwas eigentlich nur in England – oder wäre es auch anderswo denkbar, fragte ich mich. Das bezieht sich aber nur auf diese besondere Situation an der Bushaltestelle. Das Prinzip als solches gilt universell. Es handelt sich um eine Art Guerillataktik gegen Regelverstöße, gegen Foul- und Falschspieler und unfaire Egomanen jedweder Art.</p>
<p>Allein der Genuß, mit dem wir Geschichten wie die von Gareth Edwards hören, beweist: eine solche Guerillataktik hat fast immer Erfolg. Das liegt zum einen an der hohen Sensibilität in Gesellschaften und Gruppen gegenüber Ungerechtigkeit und Unfairness, zum anderen an der ausgeprägten Bereitschaft, sich gegenüber Unfairness zu solidarisieren. Dabei handelt es sich um tiefverwurzelte, instinktive Reaktionsweisen. Sie gelten nicht erst für menschliche Gesellschaften, sondern lassen sich schon bei Primaten nachweisen. Deshalb ist es auch so wichtig, auf unfaires Verhalten adäquate Antworten zu finden. Soziologen wissen, daß nichts den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärker gefährdet als ein zu großes, für den Durchschnittsbürger nicht nachvollziehbares Maß an Ungleichheit. Ähnliches gilt für die Atmosphäre in einem Hotel. Wenn sich Einzelne ungerechtfertigte Vorteile verschaffen oder durch ihr Verhalten übertriebene Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist es um die Harmonie und den inneren Frieden geschehen.</p>
<p>In solchen Fällen ist es die Aufgabe des Hotels, unter allen Umständen der Fairness zum Sieg zu verhelfen. Das gehört zu den Führungsqualitäten, über die wir uns in der letzten Zeit mehrfach Gedanken gemacht haben (z.B <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6565" target="_self">hier</a>, <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6610" target="_self">hier</a> und <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6676" target="_self">hier</a>). Die oft beschworene Toleranz hilft da gar nicht weiter – sie belohnt den, der unfair spielt. Sanktionen dagegen schaffen Unfrieden und kommen höchstens als allerletztes Mittel in Betracht. Leider fallen uns zu Toleranz oder Strafe selten vernünftige Alternativen ein. Das ist schade, weil Foulspiel in Wirklichkeit nur da funktioniert, wo man ihm seinen Lauf läßt oder sogar Vorschub leistet. Haben sie die Möglichkeit dazu, sind die übrigen Spieler nur zu gern bereit, den Foulspieler über sein eigenes Foulspiel stolpern zu lassen. Und wenn Unfairness an der Fairness der anderen scheitert, <em>hebt das Stimmung statt sie zu stören.</em></p>
<p>Das ist die Lehre, die man aus Gareth Edwards’ Geschichte ziehen kann. Sie ist auf keine simple Formel zu bringen, sondern erfordert in jedem Einzelfall Geistesgegenwart und Kreativität. Aber man lernt auch jedes Mal dazu. Der Lohn ist eine Atmosphäre, die sich durch Störenfriede nicht gefährden läßt, sondern im Gegenteil an ihnen bewährt. Keine einfache Aufgabe, ich weiß. Aber es lohnt sich, wie ich meine, darüber nachzudenken. Auch ich fange grade erst damit an.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6976</link>
			</item>
	<item>
		<title>Das wohlkonfektionierte Kreuzfahrt-Vergnügen</title>
        <pubDate>Mon, 30 Aug 2010 08:37:24 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Der Monat August verbindet sich in meiner Vorstellungswelt mit Hochsommer – aber Hochsommer spielt dieses Jahr wohl anderswo. Bei dem Novemberwetter draußen ist es jedenfalls kein Wunder, wenn wenigstens die Gedanken auf Wanderschaft gehen – aber was heißt Wanderschaft: eine Südsee-Kreuzfahrt – das wär’s doch eigentlich. Und passenderweise stoße ich auch gleich <a href="http://www.hotelchatter.com/story/2010/8/26/12053/3790/hotels/Cruise_Ships_are_Trying_Harder_and_Harder_to_Mimic_Modern_Hotels" target="_blank">auf einen Artikel</a>, der mir verrät, welche Fortschritte Kreuzfahrtschiffe in Sachen Unterbringung und Wohnkomfort mittlerweile gemacht haben. So eine Schiffskabine unterscheide sich kaum mehr von einem halbwegs anständigen Hotelzimmer, heißt es – und die investigativen Kollegen von HotelChatter belegen das gleich mit einem selbstgedrehten Video:</p>
<p><embed src="http://c.brightcove.com/services/viewer/federated_f8/1321361467" bgcolor="#FFFFFF" flashVars="videoId=596049395001&#038;playerId=1321361467&#038;viewerSecureGatewayURL=https://console.brightcove.com/services/amfgateway&#038;servicesURL=http://services.brightcove.com/services&#038;cdnURL=http://admin.brightcove.com&#038;domain=embed&#038;autoStart=false&#038;" base="http://admin.brightcove.com" name="flashObj" width="486" height="412" seamlesstabbing="false" type="application/x-shockwave-flash" swLiveConnect="true" pluginspage="http://www.macromedia.com/shockwave/download/index.cgi?P1_Prod_Version=ShockwaveFlash"></embed></p>
<p>Es handelt sich um Zimmer 1214 an Bord der <em>Carnival Glory</em>, also eine durchschnittliche Kabine auf einem durchschnittlichen Schiff, wie der Beitrag versichert. Auf den Luxuslinern der allerneuesten Generation, heißt das wohl, dürfen wir uns auf noch komfortablere, noch »hotelähnlichere« Verhältnisse freuen. Toll, nicht wahr. Warum mangelt es mir dennoch an der pflichtschuldigen Begeisterung? Die Kabine sieht ja wirklich aus, wie Hotelzimmer überall auf der Welt eben aussehen. Aber hätte letzteres nicht schon gereicht, frage ich Sie. Genügt es nicht, wenn uns das Hotelzimmer nicht mehr verrät, ob wir grade in Wattenscheid oder in Washington übernachten? Müssen wir jetzt auch noch rätseln, ob wir bei einem Schritt aus dem Haus überhaupt festen Boden unter den Füßen haben – oder vielleicht auf hoher See zum Schnäppchenpreis über die Weltmeere dümpeln?</p>
<p>Muß wohl am Novemberwetter liegen, daß mir keine sonnigeren Kommentare dazu einfallen. (Aber ich zweifle auch ganz ernsthaft daran, ob »hotelähnlichere Kabinen« David Foster Wallace beispielsweise zu einem <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6551" target="_self">positiveren Fazit</a> über das moderne Kreuzfahrt-Vergnügen bewogen hätten; vgl. auch <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6557" target="_self">hier</a>.)</p>
<p>Sollten Sie aber diesen Beitrag zufällig an Bord eines Schiffes in der Südsee lesen, dann freuen Sie sich doch bitte des herrlichen Sonnenscheins – und lassen Sie sich nicht die Stimmung vermiesen vom Gedanken an das Winterwetter, das Sie zuhause erwartet… <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6966</link>
			</item>
	<item>
		<title>One More Take (»Goldfinger«)</title>
        <pubDate>Sun, 29 Aug 2010 12:29:03 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Wie könnte ich Ihnen <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6920" target="_self">den Film zeigen</a> – und den ebenso berühmten Titelsong vorenthalten? Der wurde gleich im Anschluß an die Premiere zum Nummer-Eins-Hit – und gilt unter Kennern als Anwärter auf den besten Bond-Song aller Zeiten.</p>
<p>Hier ist Shirley Bassey mit »Goldfinger« – zunächst in der Version des Film-Soundtracks, danach in einem Live-Mitschnitt aus der Royal Albert Hall in London:</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/WgN50uAp4pg?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/WgN50uAp4pg?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
<p><iframe class="youtube-player" type="text/html" width="500" height="400" src="http://www.youtube.com/embed/51Wg6k9cWhM" frameborder="0"></iframe></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6949</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotel Hollywood Sunday Special</title>
        <pubDate>Sun, 29 Aug 2010 09:44:26 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Irgendwie häufen sich grade die Jubiläen und Jahrestage. Aber der Mann, dessen Geburtstag wir heute nachfeiern, verdient einen besonderen Ehrenplatz. Solche wie ihn gibt es wenige; vielleicht gibt es sie heute gar nicht mehr. 1999 wurde er von den Lesern des <em>People Magazine</em> zum Sexiest Man of the Century gewählt. Da war er 69. Vor wenigen Tagen, am 25. August, wurde er 80 Jahre alt: Sean Connery. Unvergessen die Filme, in denen er die Hauptrolle spielte: Mark Rutland in Hitchcocks »Marnie«; William von Baskerville in der Verfilmung von Umberto Ecos »Der Name der Rose«; Jim Malone in »Die Unbestechlichen« und viele andere; als Verleger sind wir ihm ja bereits in »Das Rußlandhaus« <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=4367" target="_self">begegnet</a>.</p>
<p>Alle diese Leistungen verblassen freilich (so ungerecht das sein mag) neben der Rolle, der er seinen Durchbruch verdankte – und die er umgekehrt zu einem Welterfolg machte: James Bond, den Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät. Schon mit dem ersten Film der Reihe – »James Bond jagt Dr. No« – und erst recht mit den Nachfolgefilmen »Liebesgrüße aus Moskau« und »Goldfinger« setzte das ein, was als <em>Bondmania</em> bis heute anhält. Sean Connery aber war der Ur-Bond und ist bis heute für viele <em>der</em> Bond schlechthin geblieben. Er selbst hingegen empfand die Einengung auf die Agentenrolle zunehmend als Last. Schon nach »Goldfinger« hatte er eigentlich die Nase voll von 007. Zu den beiden folgenden Filmen ließ er sich nur mehr mit Mühe überreden. Aber nach seinem fünften Auftritt als James Bond war endgültig Schluß. Der Film hieß ironischerweise »Sag niemals nie«. Connery hat den Titel Lügen gestraft. Sein Austritt aus dem Dienst ihrer Majestät war unwiderruflich.</p>
<p>Was bleibt, ist zum Glück nicht nur die Erinnerung, sondern die Möglichkeit, uns die alten Filme immer wieder anzusehen. Ich zeige Ihnen zur Feier des Tages eine der berühmtesten Szenen aller James-Bond-Filme. Sie spielt in einer Suite des Hotels Fontaineblau in Miami Beach und beginnt als zweideutiges Liebesspiel zwischen James Bond und einer Agentin seines Gegners Auric Goldfinger (aber wen verrät sie dabei?). Am Ende der Szene jedenfalls ist die Frau tot und ihr Körper zur Gänze mit Gold überzogen. Seither hält sich in der populären Vorstellung hartnäckig der Irrtum, eine komplette Unterbrechung der Hautatmung würde zum Tod führen – da sind die Produzenten und Autoren des Films allerdings selbst einer pseudowissenschaftlichen Legende aufgesessen. Sie hätten aber wohl auf den Effekt in jedem Fall ungern verzichtet – schon deshalb, weil die Szene auf filmisch überzeugende Weise das eigentliche Thema des Films anklingen läßt: Goldspekulation in großem Maßstab zur Aushebelung des internationalen Währungssystems.</p>
<p>Im folgenden Ausschnitt steht die beschriebene Szene ganz am Anfang und endet ungefähr nach dem ersten Drittel; Sie dürfen den Ausschnitt danach aber gern zu Ende gucken – und wenn Sie wollen, sich auch <a href="http://www.amazon.de/James-Bond-Goldfinger-Gert-Fröbe/dp/B001F97B9I/ref=sr_1_2?s=dvd&#038;ie=UTF8&#038;qid=1283043444&#038;sr=1-2" target="_blank">den ganzen Film besorgen</a>…</p>
<p><object style='width:500px;height:297px;' width='500' height='297'><param name='movie' value='http://www.myvideo.de/movie/6264713'></param><param name='AllowFullscreen' value='true'></param><param name='AllowScriptAccess' value='always'></param><embed src='http://www.myvideo.de/movie/6264713' width='470' height='285' type='application/x-shockwave-flash' allowscriptaccess='always' allowfullscreen='true'></embed></object><br/><a href='http://www.myvideo.de/watch/6264713/James_Bond_Goldfinger_2_9' title='James Bond: Goldfinger 2/9 - MyVideo'>James Bond: Goldfinger 2/9 &#8211; MyVideo</a></p>
<p>Noch eine hübsche kleine Randnote zum Titel des Films und des gleichnamigen Romans von Ian Fleming, der ihm zugrundeliegt. Der Name »Goldfinger« scheint sich zwar durch die Handlung gradezu aufzudrängen – auch die Anspielung auf König Midas ist unüberhörbar –, dennoch hat es damit noch eine ganz andere Bewandtnis. Einer der Nachbarn Flemings in der Londoner Willow Road war nämlich der namhafte Architekt  Ernő Goldfinger, für dessen Baustil Fleming nur Verachtung übrig hatte. Auch öffentlich hielt er mit Spott nicht zurück. Wohl nicht ohne Grund fühlte sich deshalb  Ernő Goldfinger im Titel des Romans persönlich gemeint und drohte Fleming mit gerichtlichen Schritten. Man einigte sich schließlich auf einen Vergleich; welche Summe dabei floß, ist nicht bekannt.</p>
<p>[Frühere Folgen der Reihe »Hotel Hollywood Sunday Special« finden Sie <a href="http://www.serendipity-suite.de/?s=hotel+hollywood+sunday+special&#038;x=0&#038;y=0" target="_self">hier</a>.]</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6920</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotelier.de berichtet über das Acom Hotel in Nürnberg</title>
        <pubDate>Sun, 29 Aug 2010 02:47:34 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Das Web-Portal Hotelier.de hat soeben <a href="http://www.hotelier.de/news/2010/28907/Markus-Diedenhofen-Innenarchitektur-gestaltet-das-zweite-Budgethotel-von-acom" target="_blank">einen ausführlichen Bericht</a> über eins unserer jüngsten Projekte, das Acom Hotel in Nürnberg, veröffentlicht. Ich bin natürlich befangen – aber ich würde sagen: reinlesen lohnt sich.</p>
<p>Hier in der Serendipity Suite bin ich auf das Hotel und das zugrundeliegende Gestaltungskonzept schon vor einigen Monaten eingegangen – insbesondere <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=2627" target="_self">hier</a> und <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=3166" target="_self">hier</a>; auch in diesem Fall lohnt sich das Nachlesen.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6954</link>
			</item>
	<item>
		<title>One More Take</title>
        <pubDate>Sat, 28 Aug 2010 20:59:34 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Weil wir schon bei Jahrestagen sind: das Album »Bitches Brew« feiert dieser Tage seinen 40. Geburtstag, und das ist ein Jubiläum, das ich zwar sang-, keinesfalls aber klanglos verstreichen lassen kann. Mit »Bitches Brew« hat Miles Davis nicht das erste und nicht das einzige Mal Jazzgeschichte geschrieben; das Album markierte aber auch den Beginn eines überaus fruchtbaren Austauschs zwischen dem Jazz auf der einen, Rock und Pop auf der anderen Seite, und es hat bis heute zahllose Musiker und Komponisten bis hinein in die Reihen der sogenannten E-Musik inspiriert und beeinflußt. </p>
<p>Das folgende Video präsentiert den Titelsong des Albums in einem Live-Mitschnitt von 1969 – also ein Jahr, bevor das Album selbst veröffentlicht wurde. Die Band bestand aus Miles Davis, Trompete; Chick Corea, Keyboards; Wayne Shorter, Saxophon; Dave Holland, Bass und Jack DeJohnette, Drums. Für heutige Ohren eine All-Star-Besetzung, von denen einige damals freilich erst am Beginn ihrer Karriere standen und nur Eingeweihten ein Begriff waren. (Zu den weiteren Stars, die in den Jahren 1969/70 bei »Bitches Brew« mitwirkten, zählten u.a. Keith Jarrett, John McLaughlin und Gary Bartz.)</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/fytOvlJ0MrY?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/fytOvlJ0MrY?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6912</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotel Hollywood (D’Angleterre, Kopenhagen)</title>
        <pubDate>Sat, 28 Aug 2010 19:37:18 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Alfred Hitchcocks »Torn Curtain« (dt. »Der zerissene Vorhang«) spielt eigentlich in (Ost-)Berlin – daher sind viele überrascht, daß große Teile des Films im <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6887" target="_self">Hotel D’Angleterre in Kopenhagen</a> gedreht wurden (und das Hotel ist viel zu vornehm, damit zu werben oder Kapital daraus zu schlagen; es hat so etwas auch nicht nötig).</p>
<p>Aus dem Hotel D’Angleterre stammt auch die Szene, in der Hitchcock seinen eigenen Auftritt hatte; diese sogenannten Cameo-Auftritte des Regisseurs waren ja ein Markenzeichen seiner Filme; bei jeder Premiere achteten die Fans fieberhaft darauf, den Moment nicht zu verpassen, da Hitchcock selbst flüchtig ins Bild kam. In »Torn Curtain« war das in der Eingangshalle des D’Angleterre; Hitchcock saß mit dem Rücken zur Kamera in einem grünen Samtstuhl, auf seinen Knien ein Baby. Letzteres habe in diesem Moment gerade in die Windeln gemacht, behaupten die Kommentatoren, was sie aus dessen Bewegungen schließen zu können meinen. Ich frage mich allerdings, ob da nicht mit einem von ihnen die Phantasie durchgegangen ist – und alle anderen haben dann bei ihm abgeschrieben. Ich jedenfalls vermag am Verhalten des Babys nichts Auffälliges zu erkennen; nur bei Hitchcock wird deutlich, daß der Umgang mit kleinen Kindern nicht eben zu seinen alltäglichen Erfahrungen zählte&#8230;</p>
<p>Das Baby hatte übrigens auch einen Namen: es hieß Emma Kate und war die Tochter von Julie Andrews, neben Paul Newman Hauptdarstellerin des Films. </p>
<p>Im folgenden Ausschnitt sehen Sie zunächst die Fassade des Hotels D’Angleterre und gleich im Anschluß den Cameo-Auftritt, der kaum eine halbe Minute dauert. Hitchcock selbst hätte man vermutlich öfter (wenngleich ohne Baby) an diesem Ort treffen können; er zählte – ebenso wie <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6151" target="_self">Greta Garbo</a> und viele andere Berühmtheiten – zu den Stammgästen des Hotels.</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/nu6jLeGdEBo?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/nu6jLeGdEBo?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
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		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6916</link>
			</item>
	<item>
		<title>Seiner Zeit voraus – Fortsetzung</title>
        <pubDate>Sat, 28 Aug 2010 04:19:07 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>50 Jahre wurde <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6835" target="_self">Arne Jacobsens SAS Royal Hotel</a> in Kopenhagen heuer alt – und der Ruhm als erstes Designhotel der Welt ist ihm wohl nicht zu nehmen. Aber was heißt das schon? Betrachten wir beispielsweise Kopenhagens zweite Erste Adresse – das Hotel D&#8217;Angleterre, im Zentrum der Stadt am Kongens Nytorv gelegen; zum Schloß Charlottenborg, dem königlichen Theater und dem berühmten Kaufhaus Magasin du Nord sind es jeweils nur ein paar Schritte. 200 Jahre hat das ehrwürdige Haus mittlerweile auf dem Buckel, viermal mehr als das SAS Royal, und das sieht man ihm auch an:</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-Facade.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-Facade-380x484.jpg" alt="lowrez-dangleterre-Facade" title="lowrez-dangleterre-Facade" width="380" height="484" class="alignnone size-medium wp-image-6888" /></a></p>
<p>Es gibt aber noch einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden First-Class-Häusern.&nbsp; <span id="more-6887"></span> Im Vergleich zum D’Angleterre wirkt Jacobsens Schöpfung fast ein wenig angestaubt und in die Jahre gekommen. Nicht daß sie älter aussähe – nur ein wenig abgelebter. Sie zeigt mehr Runzeln im Gesicht. Das D’Angleterre strotzt dagegen vor Vitalität und Lebensfreude in seiner barockisierenden Pracht. Es hat den Test der Zeit deutlich besser bestanden:</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-Reception.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-Reception-500x500.jpg" alt="lowrez-dangleterre-Reception" title="lowrez-dangleterre-Reception" width="500" height="500" class="alignnone size-large wp-image-6889" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Restaurant1.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Restaurant1-500x751.jpg" alt="lowrez-Restaurant1" title="lowrez-Restaurant1" width="500" height="751" class="alignnone size-large wp-image-6890" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-vaerelser418-018207.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-vaerelser418-018207-500x375.jpg" alt="lowrez-dangleterre-vaerelser418-018207" title="lowrez-dangleterre-vaerelser418-018207" width="500" height="375" class="alignnone size-large wp-image-6892" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-vaerelser111-018287.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-vaerelser111-018287-500x375.jpg" alt="lowrez-dangleterre-vaerelser111-018287" title="lowrez-dangleterre-vaerelser111-018287" width="500" height="375" class="alignnone size-large wp-image-6893" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Royalsuite2.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Royalsuite2-500x500.jpg" alt="lowrez-Royalsuite2" title="lowrez-Royalsuite2" width="500" height="500" class="alignnone size-large wp-image-6894" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Royalsuite.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-Royalsuite-500x397.jpg" alt="lowrez-Royalsuite" title="lowrez-Royalsuite" width="500" height="397" class="alignnone size-large wp-image-6896" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-PalmCourt.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-dangleterre-PalmCourt-500x342.jpg" alt="lowrez-dangleterre-PalmCourt" title="lowrez-dangleterre-PalmCourt" width="500" height="342" class="alignnone size-large wp-image-6897" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-pool_m_spa.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lowrez-pool_m_spa-380x481.jpg" alt="lowrez-pool_m_spa" title="lowrez-pool_m_spa" width="380" height="481" class="alignnone size-medium wp-image-6898" /></a><br />
(Bilder: Hotel D’Angleterre, Copenhagen)</p>
<p>Ich glaube kaum, daß sich das SAS Royal in weiteren 150 Jahren noch ähnlich selbstbewußt präsentieren wird können – und das bringt mich ein bißchen in Verlegenheit. Denn ich selbst liebe klare und einfache Formen. Meine Welt ist die der Moderne. Hotels, die heute so tun, als seien sie für den Sonnenkönig oder Kaiser Wilhelm entworfen, sind mir ein Greuel. Ich denke, wir brauchen Lebensräume, die unser eigenes Lebensgefühl widerspiegeln. Und viele der avantgardistischen Gebäude aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben ihre Zeit ja ebenfalls glänzend überdauert – viel besser als das SAS Royal Hotel. In diesem Sinn beweist das D’Angleterre beileibe nicht die Über&shy;legen&shy;heit der guten alten Zeit über die Zumutungen der Gegenwart.</p>
<p>Eins aber ist nicht zu bestreiten: es ist heute schwerer als je zuvor, in der Vielfalt von Richtungen und Stilen zu unterscheiden, was nur modische Effekthascherei ist – und was im Gegenteil das Potential hat zu überdauern. Deswegen bin ich so mißtrauisch gegen das grassierende Schlagwort-Marketing. Wenn plötzlich alles nach Designhotels schreit, heißt das noch lange nicht, daß Designhotels automatisch gut sind. Natürlich sind auch unsere Entwürfe zeitgemäß und liegen im Trend. Vielleicht gibt es sogar Leute, die das <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=3483" target="_self">Mövenpick Hotel Wasserturm</a> in Hamburg oder das <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=5642" target="_self">Steigenberger Grandhotel Handelshof</a> in Leipzig als Designhotels bezeichnen würden. Oder auch als Themenhotels, um ein weiteres Lieblingswort des Schlagwort-Marketings aufzugreifen.</p>
<p>Aber in Wirklichkeit ist das nebensächlich. Viel wichtiger ist die zweite Frage, die wir uns stellen, nämlich: wie wird dieses Haus, wie wird dieser Raum in zehn Jahren aussehen? oder in zwanzig? Effekte für die laufende Saison zu produzieren ist freilich einfacher.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6887</link>
			</item>
	<item>
		<title>Writers’ Corner</title>
        <pubDate>Sat, 28 Aug 2010 00:43:38 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Es gibt einen Satz, den ich mir seit vielen Jahren gemerkt habe, nämlich die Antwort Sir Edmund Hillarys auf die Frage, warum um alles in der Welt er den Mount Everest bezwingen wolle. Hillarys Auskunft lautete:</p>
<p>» Because it&#8217;s there. – Weil es ihn gibt.«</p>
<p>So einfach und so wahr. Und dennoch eine Legende oder ein Plagiat, wie ich <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2010/aug/27/george-mallory-everest-new-film" target="_blank">jetzt erfahre</a>. Der Satz stammt nämlich nicht von dem Neuseeländer Hillary, sondern vom Briten George Mallory, der sich schon in den 20er Jahren am Everest versuchte, dabei aber tödlich verunglückte – und bis heute streiten sich die Historiker (aber auch eine erstaunliche Anzahl von Laien) darüber, ob er schon beim Aufstieg abstürzte – oder auf dem Weg zurück vom Gipfel. Kürzlich lief in den USA mit großem Erfolg ein Dokudrama zu der Geschichte an – »The Wildest Dream« –; ob der Film auch bei uns in die Kinos kommt, weiß ich nicht; das Rätsel um den wahren Erstbesteiger des Mount Everest wird wohl ohnehin auf ewig ungelöst bleiben.</p>
<p>So halte ich mich denn weiterhin an den Satz, den uns Mallory, wie ich jetzt weiß, hinterlassen hat: »because it’s there«. Es ist die knappste Antwort auf eine der schwierigsten Fragen, die es gibt: warum stellen wir uns immer wieder den verrücktesten Herausforderungen? Warum halten wir manchen Träumen ein Leben lang die Treue? Aus Ehrgeiz? – aus Pflichtgefühl? – aus Langeweile? – des Ruhmes und des Geldes wegen? – als Kompensation für uneingestandene Wünsche?</p>
<p>Alles Quatsch. Weil sie da sind und uns locken.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6882</link>
			</item>
	<item>
		<title>Sex &amp; the City: The Munich »Wies’n«</title>
        <pubDate>Fri, 27 Aug 2010 21:21:55 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/wiesn-Foto-Bernhard-J.-Scheuvens-Creative-Commons-Wikimedia.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/wiesn-Foto-Bernhard-J.-Scheuvens-Creative-Commons-Wikimedia-500x144.jpg" alt="wies&#039;n Foto Bernhard J. Scheuvens, Creative Commons, Wikimedia" title="wies&#039;n Foto Bernhard J. Scheuvens, Creative Commons, Wikimedia" width="500" height="144" class="alignnone size-large wp-image-6876" /></a></p>
<p>Drei Wochen noch, dann ist München wieder fest in ausländischer Hand. Für etwas mehr als zwei Wochen mutiert Bayerisch zur inländischen Fremdsprache in der Stadt, viele Münchner begeben sich in die innere Emigration und meiden die Innenstadt, wo sie nur können. Zur Feier des 200-jährigen Bestehens zieht es womöglich noch mehr Besucher auf die Wies’n als sonst. Und worauf freuen sich die Heerscharen ausländischer Gäste, wenn sie ans Oktoberfest denken? aufs überteuerte Bier, ausgeschenkt in dreiviertelvollen Maßkrügen?</p>
<p>Das vielleicht auch. Mehr noch aber, wenn ich unseren <a href="http://www.hotelchatter.com/story/2010/8/27/23332/6168/hotels/A_Room_for_the_Night_and_a_Dirndl_for_Oktoberfest_at_Munich_s_Charles_Hotel" target="_blank">amerikanischen Hotel- und Reise-Experten</a> Glauben schenke, auf den erfrischenden Anblick der bayerischen Dirndlkleider, und mehr noch als auf den Anblick auf die reizvollen Einblicke, die dieselben angeblich bieten. Das ist das eine; das andere ist die Münchner Gastfreundschaft. Die New Yorker Experten empfehlen ihren Landsleuten diesbezüglich das Rocco Forte Collection Hotel Charles in der Sophienstraße, ziemlich genau zwischen Hauptbahnhof und Königsplatz.</p>
<p>Das freut mich natürlich, schließlich habe ich zum Charles durchaus eine <a href="http://www.markus-diedenhofen.de/de/20,0,1,0.html" target="_blank">persönliche Beziehung</a>. Es ist zwar auch schon wieder ein paar Jahre her, daß wir das Hotel geplant und eingerichtet haben (unglaublich, wie die Zeit vergeht), aber ich denke immer noch gerne daran zurück. Schon deshalb will ich dem Tip unserer amerikanischen Freunde nicht widersprechen; eigentlich sollte ich im Rahmen von »<a href="http://www.serendipity-suite.de/?s=25+Jahre+made+by+markus-diedenhofen&#038;x=0&#038;y=0" target="_self">25 Jahre made by markus-diedenhofen</a>« demnächst ausführlicher über die Entstehungsgeschichte des Hotels berichten. (Was ich hiermit feierlich verspreche.)</p>
<p>Nur was die erwähnten »Einblicke« und anderen erotischen Reize betrifft, möchte ich die Erwartungen ein wenig dämpfen. In dieser Hinsicht hat Rio de Janeiro definitiv mehr zu bieten. Wer darüber enttäuscht ist, tröstet sich dann eben mit einer Maß Bier. Oder zwei, oder drei, oder vier… <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6871</link>
			</item>
	<item>
		<title>Seiner Zeit voraus</title>
        <pubDate>Fri, 27 Aug 2010 16:00:01 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Geplant war es als ein Hotel der Superlative: Kopenhagens erster Wolkenkratzer, das höchste Gebäude Dänemarks, entworfen von dem dänischen Architekturstar Arne Jacobsen, dessen Name schon damals in einem Atemzug mit Gropius oder Mies van der Rohe genannte wurde. Nicht weniger als das »Wahrzeichen einer neuen Zeit« schwebte der skandinavischen Fluglinie SAS vor, die wenige Jahre zuvor den Linienverkehr zwischen Kopenhagen und Los Angeles auf der attraktiven Polarroute, dem SAS Polar Short Cut aufgenommen hatte; das Hotel sollte gleichzeitig als Terminal für die neue Flugroute dienen.</p>
<p>Doch als das SAS Royal Hotel im Jahr 1960 eröffnet wurde, stieß es auf wenig Gegenliebe. Insbesondere Architekten und Architekturkritiker fanden mehr zu lästern als zu loben. Sie sahen in dem Haus eine Zerstörung des Kopenhagener Stadtbilds und verspotteten es als dreidimensionale Lochkarte oder gläserne Zigarrenkiste; auf Philip Johnson, den wortmächtigen Vertreter des International Style, wirkte es wie ein »Stück Löschpapier mit einer Rechnung drauf«. Jacobsen, an eine kontroverse Aufnahme seiner Entwürfe gewohnt, nahm die Kritik gelassen. Immerhin, so merkte er an, könne das Hotel ja vielleicht auf den Superlativ als häßlichstes Gebäude Kopenhagens Anspruch erheben.</p>
<p>Heute, genau 50 Jahre später, ist dieser Streit längst vergessen – meine Begeisterung für den gläsernen Quader hält sich allerdings immer noch in Grenzen. Als besonders gelungenes oder gar wegweisendes Beispiel der Architektur des 20. Jahrhunderts würde ich das Hotel nicht bezeichnen.</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-judith-Creative-Commons.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-judith-Creative-Commons-500x375.jpg" alt="foto judith, Creative Commons" title="foto judith, Creative Commons" width="500" height="375" class="alignnone size-large wp-image-6836" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-seier+seier-Wikimedia-Commons1.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-seier+seier-Wikimedia-Commons1-380x513.jpg" alt="foto seier+seier, Wikimedia Commons" title="foto seier+seier, Wikimedia Commons" width="380" height="513" class="alignnone size-medium wp-image-6840" /></a></p>
<p>Der Grund, warum ich darauf zu sprechen komme, ist denn auch ein anderer. Denn wichtiger als eine neue Architektursprache war Jacobsen eine Erweiterung des traditionellen Architekturbegriffs. Schon sein allererstes Projekt von 1929, das mit Flemming Lassen gemeinsam konzipierte »Haus der Zukunft« war inspiriert von der Idee einer Architektur als »Gesamt&shy;kunst&shy;werk«; Jacobsen plante nicht nur das Haus, sondern entwarf auch gleich die passenden Möbel dazu. An diesem Ideal hielt er sein Leben lang fest und versuchte immer wieder, als Architekt auch Einfluß auf die Innenarchitektur zu nehmen. Mit wechselndem Erfolg, aber nicht ohne Überzeugungskraft: Per Kampmann, der damalige Direktor der SAS, war von Jacobsens Vision so angetan, daß er ihm 1956 den Auftrag für die integrale Gesamtplanung des neuen Hotels erteilte. Ein weiteres und auch das letzte Mal in seiner Karriere bekam Jacobsen Gelegenheit, seine Vorstellung von einem architektonischen Gesamtkunstwerk in die Tat umzusetzen. Nie zuvor und wohl auch nie mehr seither ist ein Hotel dieser Größenordnung so konsequent »aus einer Hand« gestaltet worden.&nbsp; <span id="more-6835"></span> Der für seinen Perfektionismus und seine Arbeitswut berüchtigte Jacobsen setzte seinen Ehrgeiz daran, jedes Detail selbst zu entwerfen – vom Gebäude über die Möbel, Leuchten und Textilien sowie die verwendeten Farben und Materialien bis hin zum Besteck im Nobelrestaurant Alberto K. Einige der Sitzmöbel, die er für das Hotel entwarf – das »Ei«, der »Schwan«, die »Serie 3300«– wurden zu Klassikern und erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit, sowohl im Original wie in einer Vielzahl von Kopien. Man kann das SAS Royal (heute Radisson SAS Royal) also mit Fug als das erste und lange Zeit einzige Designhotel der Welt bezeichnen. Schon deshalb lohnt sich der Rückblick:</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/entrance.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/entrance-500x336.jpg" alt="entrance" title="entrance" width="500" height="336" class="alignnone size-large wp-image-6843" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/hall.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/hall-500x335.jpg" alt="hall" title="hall" width="500" height="335" class="alignnone size-large wp-image-6844" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lamp.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lamp-500x335.jpg" alt="lamp" title="lamp" width="500" height="335" class="alignnone size-large wp-image-6845" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room-500x336.jpg" alt="room" title="room" width="500" height="336" class="alignnone size-large wp-image-6847" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room-6061.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room-6061-500x336.jpg" alt="room 606" title="room 606" width="500" height="336" class="alignnone size-large wp-image-6848" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room-606-detail.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/room-606-detail-380x578.jpg" alt="room 606, detail" title="room 606, detail" width="380" height="578" class="alignnone size-medium wp-image-6849" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-1.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-1-380x564.jpg" alt="alberto k 1" title="alberto k 1" width="380" height="564" class="alignnone size-medium wp-image-6850" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-2.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-2-500x335.jpg" alt="alberto k 2" title="alberto k 2" width="500" height="335" class="alignnone size-large wp-image-6851" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-Hansjorn-GNU-license.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/foto-Hansjorn-GNU-license-500x336.jpg" alt="foto Hansjorn, GNU license" title="foto Hansjorn, GNU license" width="500" height="336" class="alignnone size-large wp-image-6852" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-3.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/alberto-k-3-500x239.jpg" alt="alberto k 3" title="alberto k 3" width="500" height="239" class="alignnone size-large wp-image-6853" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lounge.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/lounge-500x336.jpg" alt="lounge" title="lounge" width="500" height="336" class="alignnone size-large wp-image-6854" /></a></p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/finale.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/finale-500x158.jpg" alt="finale" title="finale" width="500" height="158" class="alignnone size-large wp-image-6855" /></a><br />
(Fotos, wo nicht anders angegeben: Radisson Royal Hotel, Copenhagen)</p>
<p>Es fällt mir schwer, als Fazit so etwas wie ein abschließendes Urteil zu fällen – schon deshalb, weil vom ursprünglichen Geist Jacobsens heute wohl kaum noch was zu spüren ist. Lange Jahre wußten die Betreiber weder mit Jacobsens ästhetischer Konzeption noch mit der Idee eines Gesamtkunstwerks sonderlich viel anzufangen. Die einzelnen Teile des Hauses, von den Zimmern bis zu den öffentlichen Bereichen wurden, jedes für sich und zum Teil ohne erkennbaren Zusammenhang, gnadenlos modernisiert. Erst mit dem Siegeszug der heutigen Designhotels besann man sich wieder auf die Zugkraft des Namens Arne Jacobsen, versetzte das Zimmer 606 weitgehend zurück in seinen Originalzustand, führte das schon 1963(!) ausgemusterte Jacobsen-Besteck wieder ein etc. Das Ergebnis hat freilich überwiegend musealen Charakter; es handelt sich um Reminiszenzen statt um eine aktualisierte, kongeniale Weiterentwicklung der Ideen Jacobsens. Angesichts dieses Mangels an historischer Kontinuität läßt sich nur schwer sagen, wie tragfähig Jacobsens Gedanke eines Gesamtkunstwerks wirklich gewesen wäre.</p>
<p>Persönlich habe ich meine Zweifel, ob der Begriff des Gesamtkunstwerks hier überhaupt jemals angemessen war. Architektur und Innenarchitektur sind zwar aus einer Hand, aber es fehlt ihnen die gemeinsame Handschrift. Ich erkenne keine übergreifende Idee, die dann in jedem einzelnen Element ihre je besondere Ausprägung gefunden hätte. Es erscheint mir deshalb legitim und notwendig, die einzelnen Aspekte von Jacobsens Arbeit getrennt zu beurteilen. Man darf einige der Möbel genial finden und die Architektur für mißlungen halten. Stühle, Sofas und Lampen sind deutlich besser gealtert als der Rest der Inneneinrichtung – und würden noch heute vielen Designhotels zur Zierde gereichen. </p>
<p>Vielleicht ist aber die modische Rede vom Designhotel ebenso irreführend wie die vom Gesamtkunstwerk. Viel wichtiger finde ich, damals wie heute, das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, ob sie nun von einem Designer stammen oder von mehreren, ob sie einen einzigen Stil repräsentieren oder ihren Reiz dem Dialog zwischen unterschiedlichen Stilen verdanken. Das übergreifende Konzept, die Geschichte, die ein Haus zu erzählen hat, muß sich nicht als Gesamtkunstwerk manifestieren – es kann auch der Idee der Polyphonie, der Vielfalt und des Austauschs verpflichtet sein. Dahinter sollte dann die individuelle Handschrift des Designers oder Planers zurücktreten.</p>
<p>Das scheint mir, ohne ein Dogma daraus machen zu wollen, für Hotels <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6757" target="_self">die bescheidenere</a>, aber auch zeitgemäßere und interessantere Vision.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6835</link>
			</item>
	<item>
		<title>Dornröschen in New York</title>
        <pubDate>Thu, 26 Aug 2010 03:47:06 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Nicht nur das Hotel – die ganze Welt ist eine Bühne, finden alle, die gern schauspielern oder Regie führen. Dazu gehört die Gruppe ImprovEverywhere, die wir zu meinem Vergnügen <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=133" target="_self">schon einmal</a> hier zu Gast hatten. ImprovEverywhere hat ein Faible, aber auch eine besondere Begabung dafür, durch Verfremdung, Übertreibung oder Irritation alltägliche Situationen in bühnenreife Szenen zu verwandeln. In jeder ihrer Improvisationen blitzt eine Ahnung davon auf, wieviel an Inszenierung, damit aber auch an dramaturgischem Potential und Möglichkeiten kreativer Einflußnahme in dem steckt, was wir etwas phantasielos Wirklichkeit nennen. Immer wieder inspirierend für jemanden, der <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6757" target="_self">selbst Bühnen und Bühnenbilder entwirft</a>. Und vergnüglich obendrein.</p>
<p>Auch die folgende Aktion beruht auf einer einfachen Idee. Mehrere hundert Freiwillige mischen sich an einem belebten öffentlichen Ort – etwa der New Yorker Central Station – unter die Menge. Auf ein Signal hin halten alle gleichzeitig in dem inne, was sie grade tun, wie wir das aus dem Märchen von »Dornröschen« kennen. Diese eingefrorenen Bewegungen haben die Qualität von Szenenfotos – oder auch von »lebenden Bildern«, wie sie als Kunstform eine Zeitlang in Mode waren. Jeder kann sich seine eigene Geschichte oder ein Drama dazu ausdenken. Eine Einladung, der viele mit Begeisterung Folge leisten: mehr als 20 Millionen Mal wurde das Video bei YouTube bisher aufgerufen; gerade werden es wieder ein paar mehr…</p>
<p>Achten Sie beim Anschauen auch darauf, wie die Passanten auf diese »Theatralisierung« ihres Tagesablaufs reagieren. Ich wünsche viel Vergnügen.</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/jwMj3PJDxuo?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/jwMj3PJDxuo?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6781</link>
			</item>
	<item>
		<title>Vorsicht, Werbung – 9 (Bescheidenheit)</title>
        <pubDate>Wed, 25 Aug 2010 19:39:11 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Heiratsanzeige in einer südfranzösischen Tageszeitung:</p>
<blockquote><p>»Gescheiterte Existenz, viermal geschieden, zweimal Konkurs, Plattfüße, Vollglatze, Säbelbeine, Asthma und Rheuma, möchte heiraten, möglichst Miß Europa oder Miß Frankreich, eventuell auch andere Schönheitskönigin, sofern der Vater Millionär ist. Zuschriften unter: <strong>„Bescheidenheit“</strong> an die Administration der Zeitung.«</p></blockquote>
<p>Die Resonanz: 83 Zuschriften, darunter sechs mit beigelegtem Bankauszug. Scheint so, als könne man es mit <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6757" target="_self">Bescheidenheit</a> doch zu was bringen. Jedenfalls in Frankreich.</p>
<p>(Lange habe ich überlegt, ob eine Heiratsannonce wirklich unter die Kategorie Werbung fällt… Ich denke aber schon: Brautwerbung, manchmal auch Balz genannt, ist sogar die Urform der Werbung überhaupt.)</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6808</link>
			</item>
	<item>
		<title>Writers’ Corner</title>
        <pubDate>Wed, 25 Aug 2010 13:03:31 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>»Wir trachten nach anderen Lebensformen, weil wir die unsere nicht zu nutzen verstehen. Wir wollen über uns hinaus, weil wir nicht erkennen, was in uns ist. Doch wir mögen auf noch so hohe Stelzen steigen &#8211; auch auf ihnen müssen wir mit unseren Beinen gehen. Und auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir nur auf unserem Arsch.«</p>
<p><em>Michel de Montaigne</em></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6803</link>
			</item>
	<item>
		<title>Bescheidenheit</title>
        <pubDate>Wed, 25 Aug 2010 10:37:06 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Schreiben heiße, sich täglich in Demut zu üben, hat der Dichter Roberto Bolano einmal erklärt. Daran habe ich gedacht, als ich neulich <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6590" target="_self">das Interview mit Alessandro Mendini</a> las, von dem ich einen Ausschnitt auch hier zitiert habe. Sie erinnern sich: Mendini wandte sich gegen das, was er als die zwei fundamentalen Fehlentwicklungen des Gegenwarts-Designs betrachtet: Design, das sich am Marketing orientiert und in erster Linie auf den Effekt zielt; und Design, das Kunst sein möchte und sich als Selbstzweck betrachtet. Beiden Tendenzen gemeinsam ist, daß sie das Design zu wichtig nehmen, und in diesem Sinn hätte Mendini auch einfach sagen können, die Designer hätten verlernt, sich täglich in Demut zu üben. Es fehle ihnen an der Bescheidenheit – und folglich auch an der Neugier, die für diesen Beruf unerläßlich ist.</p>
<p>Mendini spricht mir aus der Seele, und ich hatte mich selbst schon mehrfach ähnlich geäußert. Aber man machte sich die Sache zu einfach, ließe man es dabei bewenden. Denn dann stehen wir vor der Frage: was bleibt eigentlich noch übrig, wenn man von den beiden Tendenzen absieht, die Mendini (und ich mit ihm) als Fehlentwicklungen betrachtet? Die pure Nützlichkeit vielleicht, die vielbeschworene Funktionalität? Das wäre freilich eine trübselige, freudlose Welt, die den Nutzen absolut setzt und worin Emotionen beispielsweise weder einen Platz hätten noch öffentliche Wertschätzung genössen. Der dogmatisch verfochtene Funktionalismus mancher Adepten des Bauhauses oder der Ulmer Schule ist ja nicht zufällig in Mißkredit geraten. Gerade im Hotel erwarten die Gäste mehr als daß die Dinge bloß funktionieren; das setzen sie ohnehin voraus. Schon Begriffe wie Gastlichkeit und Gastfreundschaft entstammen einer ganz anderen Sphäre als der des reinen Nutzen-Denkens.</p>
<p>Geht es im Design also doch darum, zum einen die Dinge aus ihrer Alltäglichkeit herauszuheben und ihnen Aufmerksamkeit zu verschaffen, und sie zum anderen mit einem ästhetischen Mehrwert zu versehen – Kunst und Effekte also? Wären die sogenannten Fehlentwicklungen dann womöglich gar keine, sondern im Gegenteil Wesensmerkmale guten oder jedenfalls erfolgreichen Designs? So argumentieren heute viele – doch darin liegt ein Denkfehler.&nbsp; <span id="more-6757"></span> Weder Mendini noch ich plädieren für ein Design, das sich nur am Nutzen orientiert. Die Entgegensetzung Kunst plus Effekte hier, trostloser Funktionalismus da führt in die Irre; es handelt sich um eine falsche Alternative. In Wirklichkeit hat Design eine Funktion und Aufgabe, die weder den künstlerischen Wert noch eine effektvolle Gestaltung und schon gar nicht einen konkreten Nutzen ausschließt, sich aber nicht darin erschöpft. Was aber wäre dieses ominöse Mehr, wodurch sich Design auszeichnet?</p>
<p>Ich will versuchen, darauf für meinen eigenen Bereich, den der Hotelplanung, eine vorläufige Antwort zu geben. Sie fällt erstaunlich einfach aus; allerdings sind es grade die einfachen Dinge, die am leichtesten aus dem Blick geraten. Die Antwort lautet: <em>Design ist nicht das Stück, das gespielt wird</em> – für das Stück, das gespielt wird, bilden Design und Innenarchitektur nur die Bühne und den Hintergrund. Dieses »nur« ist gleichzeitig bescheiden und anspruchsvoll. Kein Mensch geht ins Theater, bloß um das Bühnenbild zu sehen, und auch ein Film mag vor der großartigsten Kulisse spielen – wenn der Plot nichts taugt oder Regie und schauspielerische Leistung zu wünschen übrig lassen, hilft das gar nichts. Umgekehrt freilich vermag ein kongeniales Bühnenbild erheblich dazu beizutragen, die Botschaft des Stückes und die Absichten des Regisseurs ins rechte Licht zu rücken. Nur darf der Bühnenbildner dann nicht dem Größenwahn erliegen, selbst Autor und Regisseur sein zu wollen. Auch Design und Innenarchitektur sind eine tägliche Übung in Demut. Sie sind umso besser, je stärker sie sich in den Dienst des Stücks stellen und selbst zugunsten des Stücks in den Hintergrund treten. Souveräne Bescheidenheit ist das höchste Lob, das man einem Gestalter zollen kann. Wer dagegen das Design zum eigentlichen Verkaufsargument macht oder zum künstlerischen Selbstzweck verklärt, verwechselt die Bühne mit dem Stück. Designer, die sich selbst verwirklichen wollen, haben ihren Beruf verfehlt, und Design, das angebetet werden will, ist eigentlich keins sondern eine Aufforderung zum Götzendienst.</p>
<p>Deshalb ist es uns so wichtig, mit unseren Auftraggebern ins Gespräch zu kommen und die Idee bzw. Geschichte zu erfahren, die ihnen zu ihrem Haus vorschwebt – oder sie im Gespräch gemeinsam mit ihnen zu entwickeln. Nur wer das Stück kennt, kann dazu das passende Bühnenbild kreieren. Wo das Stück und die Geschichte fehlen, reduziert sich die Innenarchitektur darauf, die allgemeine Idee eines Hotels zu realisieren. Auch das kann man besser oder schlechter machen. Aber ein einzigartiger, unverwechselbarer Entwurf, ein Haus mit Entwicklungspotential entsteht so schwerlich.</p>
<p>Und nichts spricht dafür, daß das zugrundeliegende Stück besonders großartig, originell oder ausgefallen sein muß. Ich sage das, um eine gewisse Scheu auszuräumen, die viele daran hindert, über ihre eigenen Ideen überhaupt zu reden; sie scheinen ihnen zu gewöhnlich und unspektakulär. Das muß kein Fehler sein; auch in dieser Hinsicht ist Bescheidenheit nicht nur erlaubt, sondern öfter eine Tugend als ein Mangel. Einige der entzückendsten italienischen Pensionen, die ich kenne, spielen beispielsweise das banalste Stück, das sich denken läßt. Es heißt »Großfamilie« und läßt sich mit einfachsten Mitteln realisieren. Das Bühnenbild ist zum Teil bereits vorhanden und muß nur noch ein wenig erweitert werden. Wenn das gelingt – und in Italien gelingt es häufig – ist das Ergebnis nicht selten bezaubernd. Vielleicht liegt es daran, daß die Italiener eine besondere, in ihrer Geschichte verwurzelte Begabung dafür haben, das Private öffentlich zu inszenieren. Und wenn Stück und Bühnenbild zusammenpassen, stört mich nicht einmal das gewisse Maß an Kitsch, das meistens dazugehört.</p>
<p>Umgekehrt allerdings läßt sich auch die einfachste Idee auf nahezu unendlich viele Weisen umsetzen. Es gibt in der ganzen Literatur- und Theatergeschichte nur eine Handvoll Themen und Motive, die immer wiederkehren. Meisterwerke entstehen da, wo in einer einfachen Geschichte eine ganze Zeit und die ganze Komplexität der menschlichen Existenz lebendig werden. Wenn das Hotel eine Bühne ist und die Gäste die Hauptdarsteller – dann ist auf dieser Bühne Platz für alles, was Menschen heute bewegt und beschäftigt. Ein Innenarchitekt oder Designer, der sich ausschließlich für Innenarchitektur und Design sowie die jeweils angesagten Trends interessiert, wird kaum etwas dazu beitragen, diese Bühne mit Leben zu füllen. Das ist auch der Grund dafür, warum sich dieser Blog nicht nur mit »hotels and hospitality« sondern auch mit »seemingly unrelated issues« beschäftigt. Es sind Gedanken über Hotels und über das Hotel hinaus. Letztere – die scheinbar abseitigen Themen, die Streifzüge, die am weitesten abschweifen – sind möglicherweise die Hauptsache. Ein Designer, der nichts vom Wein versteht, ist ein schlechter Designer.</p>
<p>Letzteres muß ich erklären. Es bezieht sich auf eine Geschichte, die ich ebenfalls irgendwo gelesen habe. Jahrhundertelang waren Kelche oder Trinkpokale Prestigeobjekte und Statussymbole. Sie wurden aus den kostbarsten Materialien, Gold oder Kristall, gefertigt und auf alle nur erdenkliche Weise verziert – mit Edelsteinen versehen, kunstvoll geschliffen etc. Aristokraten, geistliche Würdenträger und wohlhabende Bürger überboten sich wechselseitig in dem Aufwand für Gefäße, die letzlich einem einzigen Zweck dienten: Wein daraus zu trinken. Und die diesem Zweck den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen; jeder Kenner und Genießer wendet sich mit Grausen. Er erwartet das genaue Gegenteil: ein Trinkgefäß, das den Wein – seine Farbe, sein Leuchten, sein Bouquet – bestmöglich zur Geltung bringt. Nichts sonst. Kein »Design« soll zwischen ihn und den Genuß treten. Soweit das Glas nicht dem Genuß dient, soll es verschwinden. Ein perfektes Weinglas zu entwerfen ist daher eine nahezu zen-buddhistische Übung in Demut. Der Designer muß seine ganze Kunst daran wenden, unsichtbar zu werden. In den Hintergrund zu treten. Dem Wein als Hauptdarsteller die Bühne zu überlassen.</p>
<p>Und dazu muß er verdammt viel vom Wein verstehen. Nicht zufällig zeigen Weingläser eine Formenvielfalt, die Laien oft übertrieben erscheint. Aber in Wahrheit und im Idealfall verlangt jeder Tropfen sein eigenes Glas, um seine besondere Geschichte zu erzählen. Gestaltungsprinzipien mögen einfach und puristisch sein – die gestalterische Demut gegenüber dem Wein jedoch erfordert mehr als die Treue zu den eigenen Prinzipien. Im Hotel ist es ähnlich. Innenarchitekten und Designer interessieren sich für kulturelle, künstlerische, gesellschaftliche, politische oder technologische Themen nicht deshalb, um sich selbst damit zu profilieren. Sondern weil diese Themen im Stück, dem das Hotel eine Bühne bietet, weil sie im Leben und der Erfahrung der Gäste eine Rolle spielen. Weil sie zu dem Repertoire an Rollen gehören, die das Hotel seinen Gästen anbietet. Und das ist das Entscheidende: es geht ums Hotel, nicht ums Design; ums Stück, nicht ums Bühnenbild.</p>
<p>Oder – um noch einmal auf das Beispiel des Weins und der Weingläser zurückzukommen: es schadet natürlich nichts, auf die Flasche mit dem edlen Tropfen auch noch ein hübsches Stück Papier zu pappen. Doch was am Ende und auf lange Sicht zählt, ist der Inhalt, nicht das Etikett.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6757</link>
			</item>
	<item>
		<title>Vorsicht, Werbung (8)</title>
        <pubDate>Tue, 24 Aug 2010 00:56:38 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Nicht nur <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6664" target="_self">eine Stadt namens Paris</a> gibt es in Texas, sondern auch Warnschilder wie dieses. Makaber ist es auf jeden Fall; noch makabrer dürfte es finden, wer auch den Film kennt, auf den die Headline anspielt. Aber da hilft wohl <a href="http://www.serendipity-suite.de/?s=vorsicht%2C+werbung&#038;x=0&#038;y=0" target="_self">alle Vorsicht</a> nichts – solcher »Werbung« entkommen wir nicht&#8230;</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/dead-man-talking.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/dead-man-talking-500x507.jpg" alt="dead man talking" title="dead man talking" width="500" height="507" class="alignnone size-large wp-image-6753" /></a><br />
Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/vikis/4570067386/sizes/z/in/photostream/" target="_blank">vikisuzan</a></p>
<p>Der Fairness halber sollte man vielleicht dazusagen, daß in Amerika noch viel mehr am Steuer telefoniert, gesimst und getwittert wird als hierzulande.</p>
<p>[Kudos: <a href="http://www.theatlantic.com/science/archive/2010/08/how-mobile-devices-could-lead-to-more-city-living/61931/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+AlexisMadrigalTheAtlantic+%28Alexis+Madrigal+%3A%3A+The+Atlantic%29" target="_blank">Alexis Madrigal, the Atlantic</a>]</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6752</link>
			</item>
	<item>
		<title>Paris, Texas. Berlin, Connecticut</title>
        <pubDate>Mon, 23 Aug 2010 18:57:13 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Waren Sie <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6664" target="_self">wirklich erstaunt</a>, daß es sich bei Paris allen Ernstes um eine Stadt in Texas handelt? Dann sollten Sie sich mal <a href="http://www.postcardsfromberlin.com/" target="_blank">diese Website</a> ansehen. Die sammelt Postkarten aus Berlin, von waschechten amerikanischen Berlinern. Mittlerweile findet sich dort Post aus 31 amerikanischen Städten dieses Namens, unter anderem aus Berlin, Connecticut. Und es werden vermutlich noch mehr werden.</p>
<p>Wie sagte schon John F. Kennedy: »Ick bin oin Börliner.« <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/8873352?byline=0&amp;portrait=0&amp;color=00cccc" width="500" height="281" frameborder="0"></iframe>
<p><a href="http://vimeo.com/8873352">Postcards from Berlin Episode 1: Our Story</a> from <a href="http://vimeo.com/ks12">KS12</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6746</link>
			</item>
	<item>
		<title>Kommt jetzt der Sex auf den Hund?</title>
        <pubDate>Mon, 23 Aug 2010 16:58:57 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Seit ich den Film und die Bilder des <em>Chateau Poochie</em> in Florida gesehen (und <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6658" target="_self">hier veröffentlicht</a>) habe, höre ich nicht auf, mich zu wundern. Gäbe es Bilder, die nur das Haus und nicht seine Bewohner zeigen, würde schwerlich jemand erraten, worum es sich handelt. Die Architektur, das kostbare Interieur und die technische Ausstattung liefern nicht den mindesten Hinweis darauf, daß es sich hier um ein Luxus-Domizil für Hunde und Katzen handelt.</p>
<p>Entwickeln die Menschen also eine Affenliebe zu ihren Hunden und Katzen (vielleicht auch noch zu Eisbären <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=5909" target="_self">und Kraken</a>)? Machen sie keinen Unterschied mehr zwischen sich und ihren Haustieren? Verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Tier? Eine gefährliche Frage, wie ich festgestellt habe, denn jetzt finde ich überall Bestätigungen dieser These. Eine davon möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Auf den ersten Blick mag es zwar abwegig scheinen – aber vielleicht ist auch Ihnen bereits aufgefallen, welch verblüffende Ähnlichkeiten oft zwischen Sex-Artikeln und Hundspielzeug besteht. Wenn nicht, dann versuchen Sie mal, die folgenden Gegenstände richtig zuzuordnen:</p>
<p>1. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_1.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_1.jpg" alt="spielzeug_1" title="spielzeug_1" width="400" height="400" class="alignnone size-full wp-image-6732" /></a></p>
<p>2. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_2.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_2.jpg" alt="spielzeug_2" title="spielzeug_2" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6733" /></a></p>
<p>3. Sex-Zubehör oder Hundezubehör?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_3.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_3.jpg" alt="spielzeug_3" title="spielzeug_3" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6734" /></a></p>
<p>4. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_4.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_4.jpg" alt="spielzeug_4" title="spielzeug_4" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6735" /></a></p>
<p>5. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_5.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_5.jpg" alt="spielzeug_5" title="spielzeug_5" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6736" /></a></p>
<p>6. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_6.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_6.jpg" alt="spielzeug_6" title="spielzeug_6" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6737" /></a></p>
<p>7. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_7.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_7.jpg" alt="spielzeug_7" title="spielzeug_7" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6740" /></a></p>
<p>8. Sex-Spielzeug oder Hundespielzeug?</p>
<p><a href="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_8.jpg"><img src="http://www.serendipity-suite.de/wp-content/uploads/2010/08/spielzeug_8.jpg" alt="spielzeug_8" title="spielzeug_8" width="300" height="300" class="alignnone size-full wp-image-6741" /></a></p>
<p>Das soll für den Anfang genügen. Haben Sie den Verwendungszweck der Sachen richtig erkannt? Gratulation! Falls Sie hingegen Zweifel hegen, sollten Sie einfach&nbsp; <span id="more-6731"></span>weiterlesen.</p>
<p>Und hier die richtigen Antworten:</p>
<p>1. Hundespielzeug<br />
2. Sex-Spielzeug<br />
3. Sex-Spielzeug<br />
4. Hundspielzeug<br />
5. Sex-Spielzeug<br />
6. Sex-Spielzeug<br />
7. Hundespielzeug<br />
8. Hundespielzeug</p>
<p>Aber natürlich haben Sie recht, und ich entschuldige mich gleich schon im voraus: mit dem eigentlichen Thema dieses Blogs hat dieser Eintrag wirklich rein gar nichts zu tun. Hundespielzeug ist bekanntlich in Luxushotels heutzutage sowas von fehl am Platz… <img src='http://www.serendipity-suite.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>[Kudos: <a href="http://www.thesmokingjacket.com/getting-some/sex-toy-or-dog-toy" target="_blank">theSMOKINGJACKET</a>]</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6731</link>
			</item>
	<item>
		<title>Bettenmach-Ungemach</title>
        <pubDate>Sun, 22 Aug 2010 16:36:26 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Was bringt manche Menschen dazu, selbst im Hotel zwanghaft ihr Bett selbst zu machen – wohl wissend, daß kurz darauf das Zimmermädchen die Arbeit von vorn beginnen und auf ihre Art zu Ende bringen wird. Die Frage <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/08/17/wie-man-nach-dem-schlafen-bettet.aspx" target="_blank">stellt Don Alphonso</a> in einem der lesenswerten Essays, aus denen sein Blog »Stützen der Gesellschaft« besteht. Ist es die kleinbürgerliche Fassade, die gewahrt werden muß? Oder handelt es sich um die Reminiszenz an eine längst vergangene Etikette, sinniert Don Alphonso in seinem traditionsbewußten Hotel in der Kurstadt Meran, wo die Erinnerung an bessere Tage in der k&#038;k Monarchie noch nicht ganz verblaßt ist; »Sommerfrische« nannte man solche Aufenthalte seinerzeit.</p>
<p>Aber <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/08/17/wie-man-nach-dem-schlafen-bettet.aspx" target="_blank">lesen Sie am besten selbst</a>, was Don Alphonso dazu alles einfällt – und das ist einiges.</p>
<p>Ich kenne die strengen Regeln der großbürgerlichen Etikette wahrscheinlich ebenso gut wie Don Alphonso, ebenso die zwanghafte kleinbürgerliche Enge, und auch die stillose Barbarei vieler heutiger Touristenhorden ist mir nicht ganz fremd. Aber vielleicht ist die Antwort viel einfacher. Vielleicht sind die Leute, je weniger sie sich des eigenen gesellschaftlichen Status sicher sind, desto mehr bemüht, wenigstens den Schein und die äußere Form zu wahren. Sogar gegenüber dem Zimmermädchen oder dem Kellner. (Und wie viele mögen sich nicht, angesichts der Vielzahl dienstbarer Geister, die im Hotel bemüht sind, ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, insgeheim als Hochstapler fühlen?)</p>
<p>Wie denken Sie darüber?</p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6722</link>
			</item>
	<item>
		<title>Hotel Hollywood Sunday Special</title>
        <pubDate>Sun, 22 Aug 2010 11:52:03 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><em>»Paris, Texas«. Roadmovie von Wim Wenders, 1984; mit Harry Dean Stanton und Nastassja Kinski<br />
Ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes und mit vielen weiteren Preisen.</em></p>
<p>Ein klassisches Roadmovie, das in einem Motel beginnt und in einem Hotel endet. Dazwischen: ein Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Eine wiedergefundene Ehefrau, die in der Zwischenzeit in einer Peepshow arbeitet. Eine Mutter, die nach vielen Jahren zum ersten Mal ihren Sohn wiedersieht und ihn in die Arme schließt. Und der Mann, der sich – nunmehr mit dem Wissen um seine Vergangenheit und sein Scheitern – wieder auf den Weg macht, weil ihm klar geworden ist, daß sich ein zerstörter Traum nicht weiterträumen läßt. Für den Traum steht die Stadt Paris in Texas, wo der Mann, einer fragwürdigen Familienlegende zufolge, einst gezeugt wurde. Er selbst hat sie nie gesehen, besitzt nur ein zerknittertes Foto von ihr, hält ihr aber die Treue. In der Zwischenzeit bleibt ihm die Hoffnung, immer wieder, auch an den entlegensten Stationen seiner Lebensreise ein Dach über dem Kopf zu finden, einen Ort der Gastlichkeit, ein unstetes Zuhause, eine Ahnung von Bleibe. Flüchtige Glücksmomente. Heimat, so hat Ernst Bloch einmal geschrieben, ist ein Ort, an dem noch nie jemand gewesen ist.</p>
<p>So ist das in Roadmovies. Wenn sie gut sind – und »Paris, Texas« gehört zu den besten –, dann finden wir uns selbst wieder unter der endlosen Weite des Himmels über der texanischen Wüste, konfrontiert mit den paar elementaren Dingen, auf die es im Leben ankommt. Filme wie dieser, und Kunstwerke überhaupt, reißen uns heraus aus dem, was uns im Hier und Jetzt, in der rastlosen Geschäftigkeit des Alltags, so wichtig und unaufschiebbar erscheint. Sie öffnen uns die Augen für das, worum es auch noch gehen könnte. Oder müßte. Sie sind das wirksamste Antidot gegen die scheinbaren Sachzwänge, denen wir uns blind und willenlos unterwerfen.</p>
<p>Ich habe vorher nicht wirklich drüber nachgedacht – aber wahrscheinlich ist es kein Zufall, daß ich Ihnen diesen Film grade heute vorstelle, nachdem ich mich in den letzten Tagen so eingehend mit der Machtblindheit <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6676" target="_self">beschäftigt habe</a>, die uns ja grade dran hindert, die Welt mit anderen Augen und aus neuen Blickwinkeln zu sehen. </p>
<p>Der folgende Ausschnitt (gleichzeitig die Schlußszene des Films) zeigt die Wiedervereinigung von Mutter und Sohn in einem Hotelzimmer in Houston, genauer gesagt, im Le Meridien, Zimmer 1520. Travis (so heißt der Mann) beobachtet vom Parkplatz des Hotels aus durch das hellerleuchtete Fenster, wie sich die beiden umarmen. So grün war die Nacht noch nie. Travis steigt in sein Auto, in seinem Gesicht spiegelt sich der Abschiedsschmerz, dann ist er wieder <em>on the road</em>. Die Reise geht weiter.</p>
<p><object width="500" height="277"><param name="movie" value="http://www.dailymotion.com/swf/video/x2fynj?additionalInfos=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowScriptAccess" value="always"></param><embed type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.dailymotion.com/swf/video/x2fynj?additionalInfos=0" width="500" height="277" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object><br /><a href="http://www.dailymotion.com/video/x2fynj_paris-texas-final_shortfilms"></p>
]]></description>
		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6664</link>
			</item>
	<item>
		<title>Mehr zur Machtblindheit</title>
        <pubDate>Sun, 22 Aug 2010 05:36:28 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Ich möchte vorbeugend ein Mißverständnis ausräumen, das mir im Gespräch begegnet ist. Interessant und wichtig finde ich an den aktuellen <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6676" target="_self">Forschungen zur »Machtblindheit«</a> weniger deren konkrete Auswirkungen, als vielmehr die Tatsache, daß niemand immun ist gegen die Verdummung, die mit der Übernahme von Machtpositionen einhergeht. <em>Die Machtblindheit ereilt jeden, der von der Macht auch nur gestreift wird</em> – egal, ob er real eine Machtposition innehat, an sie denkt oder nur von ihr träumt. Deshalb ist es falsch, das Problem des »Machtmißbrauchs« ausschließlich unter moralischen Gesichtspunkten zu betrachten, wie das leider immer noch üblich ist. Gegen Machtblindheit hilft keine noch so hehre Moral. Mit guten Absichten oder Vorsätzen ist es nicht getan. Und noch weniger wäre damit getan, »die Macht« generell zu verteufeln. Wir brauchen Macht und wollen nicht auf sie verzichten. Macht ist das Vermögen, etwas zu bewirken. Genau aus diesem Grund halte ich es für eine vordringliche gesellschaftliche Aufgabe, das Wissen um die destruktiven Wirkungen von Macht ebenso wie geeignete Gegenmaßnahmen von früher Jugend an zu vermitteln. Wir brauchen »Machtexperten« in Führungspositionen. Auch für eine gesunde, entwicklungsfähige Unternehmenskultur ist ein konstruktiver Umgang mit Macht unerläßlich.</p>
<p>Was die konkreten Folgen und Symptome von Machtblindheit angeht, verraten uns die von mir angeführten Experimente in der Tat wenig Neues. Die Ignoranz der Mächtigen, die sich mit ihrer Macht identifizieren und gleichzeitig um sie fürchten, die daraus resultierende emotionale wie kognitive Verarmung – all das kennt man seit Jahrtausenden. Zahllose Epen, Romane, Theaterstücke und Filme haben das Thema variiert. Den Stoff dazu nehmen sie, mehr oder weniger verschlüsselt, manchmal auch in dokumentarischer Treue, stets aus dem »wirklichen Leben«. Bertolt Brecht war darin ein Meister. In seinem »Leben des Galilei« etwa zeigt er in brillanter dramaturgischer Verdichtung, wie sich ein etabliertes Herrschafts- und Machtgefüge gegen jede Infragestellung, jede Zumutung einer Veränderung abschottet und immunisiert. Selbst das, was vor aller Augen liegt und fast mit Händen zu greifen ist, wird im Munde derer, die das Sagen haben, zum bloßen Gespött und im schlimmsten Fall zur Blasphemie. Eins der zeitloseren Dramen von Bert Brecht, der sich selbst als Zeitdichter sah. Heute so aktuell wie vor 400 Jahren. Genießen Sie in diesem Sinn die folgende zentrale Szene aus dem Stück:</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Szp5Y84EGX8?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Szp5Y84EGX8?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object> </p>
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	<item>
		<title>One More Take</title>
        <pubDate>Sat, 21 Aug 2010 14:11:39 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p><em>Crosby, Stills, Nash &#038; Young, »Chicago/We can change the world«, 1968</em></p>
<p>Dieser Song ist untrennbar verknüpft mit dem Beginn und gleichzeitig einem der Höhepunkte des amerikanischen Studentenprotests gegen den Vietnamkrieg – dem 28. August 1968 in Chicago, der als »Bloody Wednesday« in die Geschichte einging. Auf dieses unrühmliche Datum, wo Polizei und Nationalgarde mit brutaler Gewalt gegen friedliche Demonstranten vorgingen, bezieht sich der Text des Liedes.</p>
<p>Ca. 40 Jahre später macht der Weltkonzern Siemens die zentrale Zeile »we can change the world« zum <a href="http://siemens.discoveryeducation.com/" target="_blank">Motto eines Wettbewerbs</a>, der junge Menschen dafür begeistern will, selbst zum Thema Umwelt und Ökologie zu forschen. Und ebenfalls 40 Jahre später greift auch ein amerikanischer Präsident&shy;schafts&shy;kandidat aus Chicago die Liedzeile auf und formt daraus gleich zwei Slogans, die erneut weltweit eine ungeheure Identifikationskraft entfalten: »Change!« und »Yes, we can«. Wenn das keinen Wechsel der Perspektive bedeutet. Und die Fähigkeit, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen und die Dinge von mehreren Seiten zu sehen, hilft eben nicht nur, <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6676" target="_self">wie wir sahen</a>, gegen die Machtblindheit – diese Fähigkeit ist auch die Voraussetzung für jede Art von Innovation und Veränderung: we can change the world.</p>
<p>Aber Sie dürfen das alles beim Zuhören auch getrost wieder vergessen. Genießen Sie einfach das Lied, das bis heute nichts von seiner mitreißenden Kraft verloren hat. Es spricht ohnehin für sich selbst.</p>
<p><object width="500" height="400"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/eaBwgsZhZJA?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/eaBwgsZhZJA?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="500" height="400"></embed></object></p>
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		<title>Was Macht mit uns macht (2)</title>
        <pubDate>Sat, 21 Aug 2010 09:12:37 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Die Mächtigen ticken anders als die Ohnmächtigen, und das nicht immer zu ihrem Vorteil. <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6610" target="_self">Vor einigen Tagen</a> habe ich über neuere Forschungsergebnisse berichtet, die diesen Befund empirisch untermauern. Schon die bloße Vorstellung von Macht und das damit verbundene (illusionäre) Machtgefühl genügt, die »Machtblindheit (myopia of power)« auszulösen. Dahinter steht kein böser Wille, sondern ein tiefverwurzelter psycho-physischer Reflex, der einen festen Bestandteil unseres evolutionären Erbes bildet. Den schädlichen, am Ende oft desaströsen Folgen der Machtblindheit entgeht höchstens, wer sein Leben in absoluter Ohnmacht und subalterner Bedeutungslosigkeit verbringt – und auch dann nur, wenn er sich nicht gerade durch den Verzicht auf Macht und Einfluß das Gefühl moralischer Überlegenheit verschafft. Es lohnt sich also, auf das Thema zurückzukommen. Denn Machtblindheit ist – abgesehen von der rein subjektiven Dimension – auch ein ernstzunehmender, häufig unterschätzter Wirtschaftsfaktor: sie schadet nicht nur dem, der von ihr befallen ist, sondern ebenso seiner Umwelt und damit, beispielsweise, auch dem Unternehmen, in dem und für das er Verantwortung trägt.</p>
<p>Ich erinnere noch einmal an das eindrucksvolle Experiment, worin die Probanden gebeten wurden, den Buchstaben E auf ihre Stirn zu malen. Die »Mächtigen« unter ihnen lösten die Aufgabe »aus ihrer Perspektive« – für das Gegenüber erschien das E spiegelverkehrt. Im Unterschied dazu schrieben diejenigen, die sich ohnmächtig und hilfsbedürftig fühlten, das E so, daß es für Außenstehende problemlos, nämlich seitenrichtig zu lesen war. In diesem Ergebnis zeigt sich plastisch ein wichtiges, vielleicht das entscheidende Wesensmerkmal der Machtblindheit: eine drastische Verengung der Wahrnehmung, die Unfähigkeit, die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln, aus einer anderen als der eigenen Perspektive wahrzunehmen. Und selbst dafür fehlt die Wahrnehmung; zu den interessantesten Begleiterscheinungen der Machtblindheit zählt die Tatsache, daß die Mächtigen sich genau das Gegenteil attestieren und davon überzeugt sind, Sachverhalte und Probleme schärfer und umfassender zu durchdringen als ihre Umwelt.&nbsp; <span id="more-6676"></span></p>
<p>Die verengte Wahrnehmung hat eine Reihe weiterer schädlicher Folgen, die ich hier nur kurz referiere; im Grunde handelt es sich um Phänomene, die jeder kennt – wer sich ausführlicher über die Studien und Forschungsprojekte informieren möchte, die sie empirisch bestätigen, sei noch einmal auf den <a href="http://www.wired.com/wiredscience/2010/08/the-psychology-of-power/" target="_blank">Artikel Jonah Lehrers</a> in <em>Wired</em> verwiesen. </p>
<p>Zum ersten geht ein Zuwachs an Macht regelmäßig mit Defiziten in der Informationsverarbeitung einher. Die verengte Wahrnehmung wird zur selektiven Wahrnehmung; der Mächtige nimmt zunehmend nur mehr Informationen zur Kenntnis, die seine Sicht der Dinge bestätigen und blendet aus, was dem widerspricht. Dieses Defizit wird noch potenziert, wenn Mitarbeiter bzw. Untergebene, um eventuellen Konflikten aus dem Weg zu gehen, dem »Boss« von vornherein nur noch das berichten, was dieser hören will oder wovon sie meinen, daß es seine Zustimmung findet.</p>
<p>Zweitens begünstigen Machtpositionen das Entstehen einer Doppelmoral. Je mächtiger sich einer fühlt, desto schärfer verurteilt er selbst kleine Fehler und Vergehen der »Normalsterblichen« (z.B. frisierte Spesenabrechnungen). Gleichzeitig wird er immer großzügiger in der Beurteilung der Privilegien, die er sich selbst aufgrund seiner Bedeutung und Wichtigkeit zugesteht – auch dann, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt. Beipiele für diese Doppelmoral muß ich keine anführen; sie begegnen uns fast täglich in den Schlagzeilen oder in einer von vielen Talkshows. </p>
<p>Drittens schließlich führt das Machtgefühl nicht selten zu Kontrollverlusten, die von unberechenbaren emotionalen Ausbrüchen bis hin zu sexuellen Übergriffen reichen. Häufig sind es gerade solche scheinbaren Lappalien, über die Mächtige stolpern und die zu ihrem Sturz führen. Wie konnte er nur, fragt sich dann hinterher jeder. Er mußte doch wissen, daß er damit ohne Not Kopf und Kragen riskiert. Und Menschen, die den Mächtigen von früher kannten, zeigen sich meist fassungslos: das hätten sie ihm niemals zugetraut, sagen sie, ein solches Verhalten entspreche so gar nicht seinem Charakter. Das klingt naiv und blauäugig – in der Regel stimmt es aber, und darin verbirgt sich eine wichtige Erkenntnis, auf die ich gleich zurückkommen werde.</p>
<p>Vorher aber die naheliegende Frage: wenn Machtblindheit so schädlich, gleichzeitig aber so verbreitet und unvermeidlich ist – was können wir dagegen tun? Das beste Gegengewicht gegen Machtblindheit, so hat sich gezeigt, bilden Institutionen und Mechanismen, die die Mächtigen kontrollieren und ihr Handeln ebenso wie dessen Resultate überprüfbar machen. Das klingt gut und liegt im Zug der Zeit. Transparenz ist heute das Gebot der Stunde. Leider gibt es ein Problem dabei. Wie ich bereits erwähnt habe, gehört es zum Wesen der Machtblindheit, daß die Mächtigen von ihrer moralischen Unfehlbarkeit und ihrem überlegenen Urteilsvermögen fest überzeugt sind. Kontrollen erleben sie als Zumutung und als Schikane, als Versuch mißgünstiger Elemente, ihrem erfolgreichen Handeln Steine in den Weg zu legen. Zum Glück – aus ihrer Sicht – verschafft ihnen ihre Position aber auch sonst einigen Einfluß. Den nutzen sie dann, um Aufsichtsräte und andere Kontrollgremien mit Personen ihres Vertrauens zu besetzen. Ins Große übertragen ensteht auf diese Weise über kurz oder lang ein korporatistisches System wechselseitigen Schutzes und gegenseitiger Begünstigung, wie es hierzulande einige Jahrzehnte lang als »Deutschland AG« bekannt war. Solche in sich geschlossenen, gegen Kritik und Kontrolle von außen immunisierten Systeme aber – so Lehrer – sind auf lange Sicht noch gefährlicher als die Machtblindheit selbst.</p>
<p>Eine Kontrolle der Mächtigen gegen deren Willen durchzusetzen ist folglich ein schwieriges, in vielen Fällen zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Der logische Schluß daraus lautet: Machtblindheit läßt sich erfolgreich nur dann bekämpfen, wenn die Mächtigen dabei aktiv kooperieren. Das ist glücklicherweise nicht so aussichtslos, wie es sich im ersten Moment anhört. Anders als die Stammtische meinen, kommen nämlich nicht ausschließlich die an die Macht, die von vornherein besonders selbstbezogen, rücksichtslos und »machtgeil« sind. Das Gegenteil ist wahr – und das ist der zweite Aspekt, den ich an den von Lehrer referierten aktuellen Forschungen besonders aufschlußreich fand. Man überträgt Macht und Verantwortung an die, die sich durch Teamgeist, Klugheit, Offenheit gegenüber anderen Sichtweisen, Hilfsbereitschaft und Tatkraft auszeichnen. <em>A cool head, a warm heart and working hands</em>, um es in den <a href="http://www.serendipity-suite.de/?p=6565" target="_self">Worten Burkhard Schwenkers</a>, des langjährigen CEOs von Roland Berger zu sagen. Anders ausgedrückt: die Eigenschaften, die jemanden »an die Macht bringen«, stehen in vollkommenem Widerspruch zu den Eigenschaften, die die Macht selbst hervorkitzelt und die ich hier unter dem Begriff »Machtblindheit« zusammengefaßt habe. Das ist der Grund für das wiederkehrende Muster so vieler »Erfolgsgeschichten«, in denen auf einen glänzenden, scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg ein plötzlicher Absturz aus vordergründig nichtigem Anlaß folgt; »Hochmut kommt vor dem Fall« hat der Volksmund dieses Phänomen umschrieben.</p>
<p>Führungspersönlichkeiten sind schon deshalb durchaus für dieses Thema zu sensibilisieren. Wäre dem anders, hätte ich – die ich mich als Inhaberin eines Büros für Innenarchitektur ebenfalls dazu zählen muß – kaum diesen Beitrag verfaßt. Da es sich bei der Machtblindheit nicht um einen angeborenen Charaktermangel, sondern um eine erworbene Eigenschaft handelt, die überdies häufig mit dem übrigen Charakter in Konflikt steht, ist sie auch der Reflexion zugänglich. Die Mächtigen können die Machtblindheit vielleicht nie ganz verhindern, aber sie müssen sich nicht mit ihr identifizieren. Diejenigen, die die Verantwortung ernstnehmen, der sie ihre Macht verdanken und die ihre Macht mit sich bringt, haben ein eminentes eigenes Interesse daran, die schädlichen Auswirkungen von Machtblindheit einzudämmen und zu konterkarieren – nicht davon zu reden, daß schon ihr Selbsterhaltungstrieb sie dazu motiviert.</p>
<p>Das führt mich zu zwei Thesen, die ich gern zur Diskussion stellen möchte. Erstens scheint mir, daß (in der Öffentlichkeit ebenso wie innerhalb der Führungs-Eliten) viel zu wenig und vor allem viel zu wenig ernsthaft und intensiv über die Probleme der Macht und der Machtblindheit gesprochen wird – und wenn, dann in einer Art und mit einem moralischen Unterton, der konstruktive Vorschläge und Lösungen eher erschwert als fördert. Wer einen »natürlichen Gegensatz«, gar eine Gegnerschaft zwischen »denen da oben« und »uns da unten« postuliert, der darf sich nicht wundern, wenn »die da oben« das Ansinnen einer Kontrolle ihres Tuns als feindseligen Akt empfinden und entsprechend reagieren; die Machtblindheit legt ihnen das, wie schon gesagt, ohnehin nahe.</p>
<p>Und zweitens: wenn man die Mächtigen eigens für die Folgen der Machtblindheit sensibilisieren muß – so wichtig das sein mag –, dann ist man in jedem Fall reichlich spät dran. Da ist vorher schon einiges versäumt worden. Müßte es nicht, so frage ich, zu den Essentials jeder Erziehung und Ausbildung gehören, Menschen darauf vorzubereiten, Verantwortung und Führungspositionen zu übernehmen? Sollten sie deshalb die Gefahren der Machtblindheit und den Umgang mit ihr nicht schon lernen, bevor sie »an die Macht kommen«? Fehlt da in unseren Lehrplänen und Curricula nicht eine entscheidende Dimension der »Erziehung zum mündigen Bürger«?</p>
<p>Viel Stoff zum Nachdenken? – das meine ich nach wie vor. Vieles freilich – das haben die vorangegangenen Überlegungen gezeigt – <em>wissen wir bereits</em>. Wäre es nicht an der Zeit, daraus die Konsequenzen zu ziehen?</p>
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		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6676</link>
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		<title>Hotel zur tierischen Liebe</title>
        <pubDate>Fri, 20 Aug 2010 03:01:36 +0000</pubDate>
		<description><![CDATA[<p>Für die süßen Kleinen ist das Beste grade gut genug, und was uns lieb ist, darf auch teuer sein. Nein, ich rede nicht von den Kindern – denen hat, wie man weiß, ein wenig Zucht und Strenge noch nie geschadet. Tiere aber, Hunde oder Katzen, sind uns in all ihrer tierischen Unschuld und Hilflosigkeit gewissermaßen vom lieben Gott persönlich anvertraut. Da soll es ihnen an nichts fehlen, was menschenmöglich und tiergerecht ist. Oder was manche Leute für tiergerecht halten. Das ist schon lange so und wurde in den letzten Jahren immer schlimmer, pardon: besser. Nur an einem Fünf-Sterne-Hotel für unsere tierischen Lieblinge hat es bisher noch gefehlt, aber auch das gibt es jetzt. Das Chateau Poochie in Florida läßt in puncto Luxus nach oben hin nur wenig Spielraum. Vom Flatscreen-TV im Einzelzimmer über den Personal Trainer bis hin zu buddhistischen Massagebehandlungen ist alles geboten, was das Haustierherz begehrt. Und wenn Herrchen oder Frauchen zwischendurch mal Sehnsucht nach ihren vierbeinigen Lebensgefährten verspüren – auch kein Problem. Wozu gibt es Video-Telefonie.</p>
<p>Meine Katze freilich würde mir da was husten. Die findet schon ein normales Telefon die totale Verarsche. Was soll denn das, maunzt sie gelangweilt, ist in Wirklichkeit doch eh keiner da. Wahrscheinlich habe ich das Tier nicht richtig erzogen.</p>
<p>Aber zurück zum Chateau Poochie. Vielleicht bringt das folgende Video ja den einen oder anderen auf eine Idee, womit er Bello oder Minouche zum Geburtstag überraschen könnte. Vergessen Sie in dem Fall bitte nicht, sofern Sie hinterher noch Geld auf dem Konto haben, auch ein bißchen was für die Flutopfer in Pakistan lockerzumachen. Ein paar Euro reichen schon – mit Luxus können die ohnehin nicht wirklich was anfangen…</p>
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<p>Eine zusätzliche Bildstrecke zum Chateau Poochie finden Sie <a href="http://www.zeit.de/reisen/2010-08/fs-hundehotel-chateau-poochie?page=1" target="_blank">hier</a>; um mehr Einträge aus der Kategorie Beyond Imagination zu sehen, klicken Sie bitte auf <a href="http://www.serendipity-suite.de/?cat=38" target="_self">diesen Link</a>.</p>
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		<link>http://www.serendipity-suite.de/?p=6658</link>
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