Es gab Zeiten, da galt die Expo als Ereignis und als einzigartige Gelegenheit, der Welt die neuesten Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu präsentieren. Espressomaschine, Eiffelturm, Reißverschluß, Lippenstift, Telefon, Rolltreppe, die erste elektrische Schreibmaschine, der Farbfernseher, das Atomium und und und – lauter Expo-Premieren, die unsere Zivilisation geprägt haben.
Und 2010? Was erwartet uns dieses Mal? Auf der Expo in Shanghai?
Der deutsche Pavillon, so lese ich auf CRI-Online, präsentiere unter dem Leitmotiv »balancity« »verschiedene Facetten deutscher Wirklichkeit unserer Tage«. Eine eigene Halle widmet sich ausschließlich dem Thema Gartengestaltung und Gartenleben. Und was darf in einem echten deutschen Garten nicht fehlen? Richtig. Der Gartenzwerg. Die chinesischen Gäste sind hellauf begeistert – zumal sie die putzigen Kerlchen dem Vernehmen nach wohl auch noch anfassen – oder sich auf einer Parkbank sitzend vor der Kulisse der Wartburg zusammen mit einem bunten Zwerg fotografieren lassen dürfen.
Wie bitte? Gartenzwerge auf einer Weltausstellung? Da sollte ich mein Verhältnis zum Gartenzwerg vielleicht noch einmal gründlich überdenken.
Dabei fällt mir ein, wie ich vor Jahren von Niederbayern nach Tschechien fuhr. Kaum hatte ich die Grenze überquert, erstreckte sich vor mir eine schier unüberschaubare Phalanx von Gartenzwergen. Gartenzwerge auf allen Straßen und Plätzen des kleinen Ortes. Als hätte eine wahre Völkerwanderung dieser kleinen Männchen stattgefunden. Und dazwischen immer wieder deutsche Touristen, die ihre soeben erstandenen Zwerge unter die Arme packten und glücklich und froh zu ihren Autos eilten.
Ein Bild, das ich nie vergessen werde.
Immerhin aber sollen in Shanghai die Gartenzwerge auf dem Kopf stehen. Geht es dabei möglicherweise gar nicht wirklich um die Zwerge, sondern um eine – sei’s ehrfürchtige, sei’s ironische oder sei’s kritische – Hommage an Georg Baselitz? Oder handelt es sich einfach nur um zeitgenössisches Design? Vielleicht sollte ich also nicht so sehr mein Verhältnis zu Gartenzwergen überdenken, sondern das zum Design. Aber das habe ich ja – hier und hier – eben erst getan…
(Und noch etwas geht mir durch den Kopf: habe ich nicht vor einiger Zeit gelesen, aus Helmut Kohls Garten sei der dazugehörige Zwerg entwendet worden? Woher, frage ich mich da, stammen eigentlich die Gartenzwerg-Stars in Shanghai? Aus Tschechien? Oder aus dem Vorgarten eines Einfamilienhauses in Oggersheim?!)