Einträge des Monats April 2010

29. April 2010

Beyond Imagination

Zuerst kam es immer wieder zu Verzögerungen bei der Fertigstellung – dann machte Flugasche den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Jetzt ist es endlich soweit: vorgestern wurde das Armani-Hotel in Dubais Burj Khalifa eröffnet. Auch das Rätsel um die Innenarchitektur der neuen Luxusherberge ist damit gelüftet – jedenfalls ein bißchen. Die (wenigen) Bilder aus dem Inneren des Hotels gingen um die Welt und sind beispielsweise hier und hier zu bewundern. Ich widme diesen Beitrag deshalb einer anderen Attraktion. Dem Schauspiel, das ein Blick aus dem Fenster einigen der Gäste bietet –nämlich den Dubai Fountain, der direkt an den Burj Khalifa grenzt. Lassen Sie sich verzaubern:

(Und fragen Sie mich bitte nicht andauernd, was ich von Giorgio Armani als Innenarchitekt halte. Das verrate ich Ihnen erst, sobald die erste Casual Wear Collection made by markus-diedenhofen auf dem Markt ist. :-) )

29. April 2010

Gäste bestehen auf W-LAN

Die Website HotelChatter – ein Tochterunternehmen des Condé Nast Verlags – hat soeben die sechste Ausgabe des jährlich erscheinenden hotel wifi reports veröffentlicht. Im letzten Jahr hatten die Autoren prognostiziert, nach dem Boom zu Beginn des Jahrtausends werde im zweiten Jahrzehnt des Millenniums die Bedeutung von W-LANs wieder abnehmen, da die Gäste zunehmend über eigene, mobilfunkgestützte Netzzugänge verfügten (Netbooks, SIM-Karten für den Laptop etc.). Die aktuelle Studie straft diese Prognose Lügen: W-LAN im Hotel ist wichtiger denn je. Immer mehr Gäste machen mittlerweile ihre Entscheidung für oder gegen ein Hotel davon abhängig, ob dieses einen drahtlosen Internetzugang bietet. Darüber hinaus betrachten sie das W-LAN nicht mehr als extra zu bezahlenden »Luxus«, sondern als Standardleistung, die im Zimmerpreis inbegriffen sein sollte.

Die Experten von HotelChatter halten das nicht für ein »Zwischenhoch«, sondern einen längerfristigen Trend – und revidieren damit ihre eigene Einschätzung vom letzten Jahr. Als Grund nennen sie die veränderte Nutzung des Internets mit dem Schwerpunkt auf »Cloud-Applikationen« und multimedialen Inhalten sowie das Erscheinen eigens darauf ausgelegter Geräte (z.B. Apples iPad). Dafür böten W-LANs auf absehbare Zeit mehr Komfort als das mobile Internet.

Die Studie bezieht sich zwar auf die Vereinigten Staaten – für Deutschland oder Westeuropa wären die Ergebnisse aber wohl kaum grundlegend anders ausgefallen. Umso wichtiger erscheint mir die Rechtssicherheit: Hotels als Betreiber von W-LANs sollten nicht für die Online-Aktivitäten der Gäste haften und diesbezüglich potentiell ruinöse finanzielle Risiken in Kauf nehmen müssen. Das ist gegenwärtig in Deutschland nicht gewährleistet.

Über die anstehende Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu diesem Thema am 12. Mai werde ich berichten.

28. April 2010

Erfolgsgeschichten gleich Bettgeschichten?

Gute Betten seine der wichtigste Erfolgsfaktor für ein Hotel – lese ich in der WELT –, dicht gefolgt von sauberen Bädern. Und all die hübschen Ideen und Zusatzleistungen, mit denen Hoteliers sonst noch versuchen, ihre Häuser attraktiver zu machen? Die seien allenfalls das Tüpfelchen auf dem i – ein nettes Bonbon für den Gast, im Grunde aber von sekundärer Bedeutung.

Die WELT stützt diese abenteuerliche These immerhin auf eine empirische Untersuchung, die das Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit dem Hotelportal HRS durchgeführt hat; zugrunde liegt der Studie die Befragung von ca. 3000 Hotelgästen. Das Ergebnis will ich nicht in Frage stellen – es entspricht eigentlich dem, worauf ich ohnehin gewettet hätte. Aber die Schlüsse, die die WELT daraus zieht, beruhen gleich auf zwei elementaren Denkfehlern:   weiterlesen…

27. April 2010

One More Take

Mal die Expo ganz beiseite – und die Frage nach der tieferen symbolischen Bedeutung des Kopfstehens erst recht: haben Sie sich mal überlegt, warum der gemeine deutsche Gartenzwerg (Nanus vulgus) fast ausschließlich männlichen Geschlechts ist? Nein? Dann hören Sie mal in das folgende Lied rein; und danach erörtern wir gemeinsam, wie diese Kerle sich so massenhaft vermehren konnten. ;-)

[Ich widme diesen Beitrag – Ehre, wem Ehre gebührt – Sigrid Neudecker von der ZEIT, die mit diesem Blogeintrag ein angemessenes Gegengewicht zur Gartenzwergwelt schafft.]

27. April 2010

Deutsche Gartenzwerge erobern chinesische Herzen

Es gab Zeiten, da galt die Expo als Ereignis und als einzigartige Gelegenheit, der Welt die neuesten Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu präsentieren. Espressomaschine, Eiffelturm, Reißverschluß, Lippenstift, Telefon, Rolltreppe, die erste elektrische Schreibmaschine, der Farbfernseher, das Atomium und und und – lauter Expo-Premieren, die unsere Zivilisation geprägt haben.

Und 2010? Was erwartet uns dieses Mal? Auf der Expo in Shanghai?

Der deutsche Pavillon, so lese ich auf CRI-Online, präsentiere unter dem Leitmotiv »balancity« »verschiedene Facetten deutscher Wirklichkeit unserer Tage«. Eine eigene Halle widmet sich ausschließlich dem Thema Gartengestaltung und Gartenleben. Und was darf in einem echten deutschen Garten nicht fehlen? Richtig. Der Gartenzwerg. Die chinesischen Gäste sind hellauf begeistert – zumal sie die putzigen Kerlchen dem Vernehmen nach wohl auch noch anfassen – oder sich auf einer Parkbank sitzend vor der Kulisse der Wartburg zusammen mit einem bunten Zwerg fotografieren lassen dürfen.

Wie bitte? Gartenzwerge auf einer Weltausstellung? Da sollte ich mein Verhältnis zum Gartenzwerg vielleicht noch einmal gründlich überdenken.

Dabei fällt mir ein, wie ich vor Jahren von Niederbayern nach Tschechien fuhr. Kaum hatte ich die Grenze überquert, erstreckte sich vor mir eine schier unüberschaubare Phalanx von Gartenzwergen. Gartenzwerge auf allen Straßen und Plätzen des kleinen Ortes. Als hätte eine wahre Völkerwanderung dieser kleinen Männchen stattgefunden. Und dazwischen immer wieder deutsche Touristen, die ihre soeben erstandenen Zwerge unter die Arme packten und glücklich und froh zu ihren Autos eilten.

Ein Bild, das ich nie vergessen werde.

Immerhin aber sollen in Shanghai die Gartenzwerge auf dem Kopf stehen. Geht es dabei möglicherweise gar nicht wirklich um die Zwerge, sondern um eine – sei’s ehrfürchtige, sei’s ironische oder sei’s kritische – Hommage an Georg Baselitz? Oder handelt es sich einfach nur um zeitgenössisches Design? Vielleicht sollte ich also nicht so sehr mein Verhältnis zu Gartenzwergen überdenken, sondern das zum Design. Aber das habe ich ja – hier und hier – eben erst getan… ;-)

(Und noch etwas geht mir durch den Kopf: habe ich nicht vor einiger Zeit gelesen, aus Helmut Kohls Garten sei der dazugehörige Zwerg entwendet worden? Woher, frage ich mich da, stammen eigentlich die Gartenzwerg-Stars in Shanghai? Aus Tschechien? Oder aus dem Vorgarten eines Einfamilienhauses in Oggersheim?!)

27. April 2010

Der BDK und die Nazi-Manier

Schon gestern habe ich mich mit meinem Kommentar zum Verbot von Flugasche auf juristisch heikles Gebiet begeben. Hier ist der nächste Anlaß, dem ich nicht widerstehen kann. Anläßlich einer Protestaktion des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der beim FDP-Parteitag für die Wiederaufnahme der Vorratsdatenspeicherung demonstrierte, twitterte der bekannte IT-Unternehmer Tobias Huch:

»BDK fordert Gestapo 2.0.«

Dagegen erstattete der BDK umgehend Strafanzeige. Dessen Vorsitzender Klaus Jansen wörtlich:

»Sich dafür beschimpfen zu lassen, dass der BDK in Nazi-Manier Gestapo-Forderungen stellt, ist weit unterhalb der politischen Anstandsgürtellinie

Man kann die Empörung verstehen. Da stellt der BDK offenbar ganz harmlos und ohne böse Absicht »in Nazi-Manier Gestapo-Forderungen« – und muß sich von einem dahergelaufenen Unternehmer mit FDP-Parteibuch dafür beschimpfen lassen. Sowas ist in einem Rechtsstaat einfach inakzeptabel. Oder sollte ich da was mißverstanden haben? :-)

(Und ich bitte um Nachsicht, daß ich hier in der Serendipity Suite zwischendurch – und selten genug – auch der wachsenden Zahl von Analphabeten Gastrecht gewähre. Irgendwer muß sich dieser armen Sprach-Berserker schließlich annehmen.)

27. April 2010

Woran Design sich messen muß

Es ist leichter zu sagen, was Design nicht sein soll, als was gutes Design eigentlich ausmacht. Das wurde mir einmal mehr klar, als ich kürzlich die Philippika las, die Mateo Kries – seines Zeichens Chefkurator des Vitra Design Museums – gegen die Auswüchse des gegenwärtigen Design-Wahns in der WELT veröffentlicht hatte. Seine Ablehnung von Design als Selbstzweck teile ich voll und ganz – aber was dagegen setzen? Gutes oder gar »richtiges« Design definieren kann und will ich sowenig wie Mateo Kries. Gleichwohl nutze ich die Gelegenheit, leicht modifiziert drei Leitgedanken zu wiederholen, an denen sich nach meiner Überzeugung Architektur, Innenarchitektur und Design gleichermaßen orientieren sollten:

1.
Denk nicht an die Eigenschaften, die formale Raffinesse und die tollen Ausstattungsmerkmale dessen, was du machst. Hör überhaupt auf, »dein Ding zu machen«. Das Design und die Technik sind nicht dazu da, bewundert, sondern vergessen zu werden.

2.
Denk ausschließlich daran, was dein Gegenüber – Kunde, Klient, Gast – tun oder erreichen will. Könnte er das noch besser, einfacher, lustvoller, verbunden mit größerer persönlicher Bereicherung erreichen? Wenn ja, arbeite dran.

3.
Wenn es nichts mehr zu verbessern gibt, gibt es immer noch was zu verbessern: laß’ alles weg, was nicht zum eigentlichen Zweck gehört oder davon ablenkt. Wenn du meinst, damit fertig zu sein – fang noch mal von vorn an.

Ein Großteil dessen, was sich heute mit dem Ehrentitel Design schmückt, genügt diesen Anforderungen nicht.

26. April 2010

Keep Smiling

Wie hat Spiegel Online gestern getitelt:

Asche-Flugverbot – »Das ist ein absurder Vorgang«

Ich kann dem Spiegel nur recht geben: Bevor man der Asche das Fliegen verbietet, sollte man doch lieber dem Berg untersagen, überhaupt Asche zu spucken… ;-)

26. April 2010

Hey, ya fergot La Yogurt

Die Aschewolken haben sich verzogen, die Flugzeuge fliegen wieder – und dennoch soll der Berg das letzte Wort haben. Eine ganze Woche Chaos war nicht genug, um den Nachrichtensprechern in aller Welt die richtige Aussprache des feuerspeienden Ungeheuers näher zu bringen. Und auch ich habe mich zu Unrecht gefreut, als ich nach halbstündigem Üben dachte: Mein Gott, jetzt hab’ ich’s. Wie man sich täuschen kann. Aber hören Sie selbst:

25. April 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

»Shining« von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1980: Ein »Horrorfilm« – und eigentlich mag ich Horrorfilme nicht so gerne. Gleichzeitig aber auch eins von Kubricks Meisterwerken – und von Kubrick möchte ich nicht einmal die schwächeren Werke missen. Bei »Shining« kommt dazu, daß ein Hotel darin die Hauptrolle spielt, zusammen mit einem Jungen, der von einer Wahnvorstellung, einem Dämon, oder wie auch immer Sie es nennen mögen, besessen ist. Oder handelt es sich doch um eine besondere Art von Hellsichtigkeit? Auch wenn Sie den ganzen Film gesehen haben, bleibt die Frage offen. Im Folgenden nur ein kurzer Ausschnitt, worin zu sehen ist, wie Danny (so heißt der Junge) sein »zweiter Zustand« überkommt. Viel Vergnügen.

Im Film liegt das »Overlook Hotel«, worin die Handlung spielt, in Colorado. Gedreht wurde in einem Haus, das selbst eine berühmte Vergangenheit hat. Das »Timberline Lodge« am Mount Hood in Oregon wurde während der Großen Depression im Rahmen der »Works Progress Administration« erbaut und 1937 von Präsident Franklin D. Roosevelt persönlich eröffnet.

Timberline Lodge, Oregon (Foto: Kelvin Kay, Wikimedia Commons)

25. April 2010

Hotels in History

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Mit ziemlicher Sicherheit das größte Hotel, das nie bewohnt wurde – und auch als Ruine noch eindrucksvoll: das Ryugyong Hotel in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Geschichte geschrieben hat es naturgemäß nicht – und paradoxerweise könnte es gerade deshalb in die Geschichtsbücher eingehen: als Symbol für die gescheiterten Ambitionen des Inselstaats und den Größenwahn seiner Herrscher. Nach der Grundsteinlegung 1987 wurden die Bauarbeiten 1992 eingestellt. Seither überragt der 330 Meter hohe Rohbau mit 3 000 Zimmern alle anderen Gebäude der Stadt. Regelmäßig gab es Gerüchte über einen möglichen Weiterbau – aber bei Gerüchten ist es bisher auch geblieben. Und die Finanzsituation Nordkoreas hat sich in den vergangenen 20 Jahren wohl ebenfalls nicht zum Besseren gewandelt.   weiterlesen…

24. April 2010

Hotelbettwäsche in Gefahr

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Lassen Sie mich noch ein paar Worte zu Henri Poincaré sagen, dem wir im letzten Beitrag begegnet sind. Der Franzose – er lebte von 1854 bis 1912 – war eins der letzten »Universalgenies« der Mathematik. Fast alle mathematischen Disziplinen verdanken ihm entscheidende Impulse und Beiträge; einige davon – darunter das wichtige Gebiet der mathematischen Topologie – hat er begründet oder mitbegründet. Ebenso bedeutsam sind seine Beiträge zur theoretischen Physik, und als Autor bemühte er sich erfolgreich, die schwierigsten Fragen der Wissenschaft auch einem größeren Publikum nahezubringen. Damit erwarb er sich einen solchen Ruf, daß ihn die elitäre Sektion Literatur des Institut Français zu ihrem Mitglied machte.

Im normalen Leben allerdings entsprach der kurzsichtige und unbeholfene Poincaré auf fast schon übertriebene Weise dem Bild, das man sich vom weltfremden Wissenschaftler macht. Boshafte Zeitgenossen spotteten, er sei als Beidhänder zur Welt gekommen – mit der rechten Hand nicht weniger ungeschickt als mit der linken. Der Wissenschaftshistoriker Ian Stewart schreibt:

»Es gibt eine überkommene Karikatur für einen Mathematiker: geistesabwesend, mit Vollbart und einer Brille, die er ständig sucht, obwohl sie sich auf seiner Nase befindet. Nur wenige der großen (und weniger großen) Mathematiker entsprechen diesem Stereotyp. Auf Poincaré paßte es voll. Mehr als einmal hat er gedankenverloren die Bettwäsche im Hotel eingepackt, wenn er abreiste

Aus Versehen die Bettwäsche mitgehen zu lassen – auch damit kann man sich einen Namen machen. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt; wenn nicht, ist sie gut erfunden. Und jedenfalls ein Grund, Henri Poincaré einen Ehrenplatz in der Serendipity Suite einzuräumen… :-)

24. April 2010

Das Dreikörperproblem

Wer bei der Planung eines Hotels und seiner Erfolgsstrategie auf wissenschaftliche Methoden und empirisch untermauerte Analysen bauen möchte, sollte vielleicht umdenken. In der Realität der Markts liefert Intuition oft die exakteren Ergebnisse als die Mathematik.

Seit Galilei, Kepler und vor allem Newton die Gesetze der Himmelsmechanik formulierten, betrachten wir das Universum als Uhrwerk, das keine Geheimnisse mehr birgt. Wie bewegt sich der Mond um die Erde, die Erde um die Sonne, die Sonne um das Zentrum der Milchstraße? Auf jede dieser Fragen gibt es eine Antwort – und eine einfache mathematische Formel, mit der wir sie berechnen können. Solange wir alles andere außer acht lassen. Alles andere – das wären etwa die Einflüsse sämtlicher anderen Himmelskörper. Oder auch nur eines einzigen. 1889 bewies der französische Mathematiker Henri Poincaré, daß schon für ein System aus nur drei Körpern die klassischen Bewegungsgleichungen versagen. Nicht etwa, weil unsere Rechenkünste nicht ausreichten. Die Gleichungen sind vielmehr prinzipiell unlösbar – auch für die stärksten Supercomputer der Jetztzeit. Bis heute behelfen sich die Physiker daher mit Näherungsgleichungen – und die Natur tut ihnen den Gefallen, sich daran zu halten. Die Physiker wissen allerdings auch (und bemühen sich, das nicht allzu laut zu sagen), daß dabei eine Portion glücklicher Zufall im Spiel ist. Sie vertrauen einfach darauf – und wir mit ihnen –, daß die Sonne auch morgen wieder aufgeht. Was bleibt uns anderes übrig.

Im Grunde steht die Wissenschaft damit da, wo auch wir Normalsterblichen stehen – und wo unsere Vorfahren vor 10 000 Jahren schon standen. Das mag Sie überraschen, weil die Naturwissenschaft seit Jahrhunderten den Mythos ihrer Unfehlbarkeit nährt und durch großartige technische Errungenschaften untermauert. In Wirklichkeit beweist das nur, welche Möglichkeiten schon die Kenntnis ganz elementarer und vergleichsweise oberflächlicher Gesetzmäßigkeiten eröffnet. Wo die Verhältnisse komplexer werden – etwa beim Entenhasen – ist es dann mit der angeblichen Präzision nicht mehr weit her. Sogar etwas so Simples wie eine hundertprozentig exakte Wettervorhersage ist zum Scheitern verurteilt – und zwar aus ähnlich prinzipiellen Gründen wie Poincarés Dreikörperproblem.

In anderen Bereichen ist der Befund noch desillusionierender.   weiterlesen…

23. April 2010

Hotel Hollywood

Über Agostino Ramellis Lesemaschine sprachen wir gerade. Daß sie auch das Zeug dazu hat, den geneigten Leser zu erschlagen, haben wir dabei freilich unerwähnt gelassen:

aus: Richard Lester, »Die drei Musketiere«, 1973. Die relevante Szene sehen Sie gleich eingangs nach 20 Sekunden.

23. April 2010

Keep Smiling

Und hier als weiterer Beitrag zum heutigen Tag des Buchs eine Erfindung des italienischen Ingenieurs Agostino Ramelli. Bedenkt man das Gewicht der damaligen Folianten, handelt es sich zweifellos um eine leserfreundliche Innovation. Ramelli selbst beschrieb sein »drehbares Lesepult« als »ansehnliche und sinnreiche Maschine, … die sehr nützlich für jeden ist, der gern studiert, besonders aber für jene, die unter Gicht oder körperlichen Gebrechen leiden, denn mit dieser Maschine kann man eine große Anzahl von Büchern lesen, ohne sich von der Stelle zu bewegen.«

Agostino Ramelli, »Lesemaschine« (1588)

Wer Richard Lesters Film »Die drei Musketiere« gesehen hat, kann sich an das Monstrum vielleicht erinnern – der Regisseur ließ es für den Film originalgetreu nachbauen.

Aber bei allem Respekt vor der handwerklich-technischen Leistung: die heutigen Ebooks – heißen sie nun Kindle, Nook oder iPad – sind vielleicht doch ein wenig handlicher… :-)
 

(Und weil ein Tag des Buchs ohne Buchtip eine halbe Sache wäre, hier meine Empfehlung: »Eine Geschichte des Lesens« von Alberto Manguel, auch als Taschenbuch erhältlich.)

23. April 2010

Writers’ Corner (Welttag des Buchs)

Zwei aktuelle, 200 Jahre alte Anmerkungen zum heutigen Welttag des Buches für alle, die Bücher als Ballast von gestern betrachten:

»Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?«

»Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraus sehen.«

Georg Christoph Lichtenberg
 

(Das gilt natürlich alles auch für Blogs, weshalb sie von vielen Leuten gar nicht erst gelesen werden.)

23. April 2010

Writers’ Corner (Design)

»Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen. – Vor wem man glänzt, den läßt man gerne als Licht gelten.«

Friedrich Nietzsche
 

»Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne – und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Pygmäen ist.«

Novalis

23. April 2010

Design als Ersatzdroge

Mateo Kries ist Chefkurator des Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Wahrscheinlich kennen Sie den Namen Vitra. Die Firma und ihr »Chairman Rolf Fehlbaum« haben ja nun wahrlich Design-Geschichte geschrieben. Auch das Vitra Design Museum ist Ihnen möglicherweise ein Begriff – ob wegen seiner großartigen Sammlung oder wegen Frank Gehrys Architektur, sei dahingestellt. Denn das ganze Vitra Firmengelände ist seit Jahrzehnten ein Mekka der Design- und Architektur-Freaks auf der ganzen Welt. Hier steht das erste Haus, das Zaha Hadid – deren Entwürfe schon vorher legendär waren, aber weithin als unrealisierbar galten – auch wirklich gebaut hat. Hier stehen Gebäude von Nicholas Grimshaw, Tadao Ando, Jean Prouvé, Richard Buckminster Fuller, Alvaro Siza, Jasper Morrison und Herzog und de Meuron. Eine zusätzliche Produktionshalle – geplant von den diesjährigen Pritzker-Preisträgern Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (Sanaa) – steht kurz vor der Fertigstellung. Und die Stühle-Sammlung des Vitra Design Museums gilt als weltweit einzigartig.

Wenn sich dessen Chefkurator also zum Thema Design äußert, haben diese Worte Gewicht. Wer wäre mehr dazu prädestiniert, eine Lanze für das zeitgenössische Design zu brechen? Mateo Kries tut das Gegenteil. Er spricht eher vom Sündenfall des Designs – und von unserem Sündenfall vor dem Design. Sündenfall vor dem Design heißt: Kapitulation des denkenden Individuums als Wesen mit eigenem Geschmack und eigenen Wertvorstellungen. »Das Ornament ist ein Verbrechen«, hat Adolf Loos zu Beginn des letzten Jahrhunderts dekretiert, und damit die Hoffnung auf eine schönere Welt durch klares, schnörkelloses Design verbunden. Wir stehen am Ende dieser Epoche, die Designer haben die Welt verändert, und Mateo Kries gibt zu verstehen, daß er die absolute Herrschaft des Designs über alle Lebensbereiche, die unsere Zeit charakterisiert, für ein Verbrechen an der Menschheit hält.   weiterlesen…

22. April 2010

Writers’ Corner

»Das Hotelleben ist das einzige, das sich wirklich für die Phantasien der Menschen eignet.«

Leon-Paul Fargue
 

»Erinnerung ist eine Form der Begegnung.«

Khalil Gibran

21. April 2010

25 Jahre made by markus-diedenhofen (2)

Das Mövenpick Hotel Wasserturm in Hamburg

Aufmacher

Was sind 25 Jahre gegen ein ganzes Jahrhundert? Im Jahr 1910 wurde der neue, auf seinem Hügel die Umgebung überragende Wasserturm im Hamburger Sternschanzenpark seiner Bestimmung übergeben. Die Hansestadt und insbesondere das eher proletarische Schanzenviertel waren um ein Wahrzeichen reicher. »Bodenverhaftet, norddeutsch, wehrhaft«, beschrieb der Kunsthistoriker Hermann Hipp das Bauwerk. So überdauerte es die Jahrzehnte bis 1957. Da wurde es nicht mehr gebraucht, für die Trinkwasserversorgung gab es modernere Lösungen, und der Wasserturm begann zu verfallen. Über alternative Nutzungsmöglichkeiten wurde viel geredet, aber diesen Reden folgten keine Taten. Um die Jahrtausendwende wirkte der Turm äußerlich immer noch bodenverhaftet und wehrhaft – die Substanz hinter der Fassade aber war längst marode. Mauerwerk bröckelte; Eisenträger waren teilweise nahezu durchgerostet. Weitere 10 oder 15 Jahre, und der Turm wäre in sich zusammengefallen, stellten Sachverständige im Nachhinein fest.

Es ist also wohl der Patrizia Projektentwicklung und der Schweizer Hotelkette Mövenpick zu verdanken, daß Hamburg sein Wahrzeichen erhalten blieb. Sie hatten die Energie und das Durchhaltevermögen, gegen alle Widerstände ihren Traum von einem Hotel im Wasserturm in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Wellen schlugen hoch in der Bürgerschaft und im Schanzenviertel. Von heute aus betrachtet und vor dem geschilderten Hintergrund darf man von Stürmen im Wasserglas sprechen. Im Jahr 2003 begannen die Bauarbeiten. Von oben her wure der Bau entkernt; von oben her wurde das Hotel gewissermaßen in den Turm hineingewuchtet. Die Herausforderung war immens, und zwar für alle Beteiligten: Architekten, Bauleute, Innenarchitekten.

Hier kommen wir ins Spiel, das Büro Markus-Diedenhofen Innenarchitektur. Es gab eine Reihe konkurrierender Entwürfe für die innenarchitektonische Gestaltung, doch unser Entwurf erwies sich als der überzeugendste, und wir erhielten den Zuschlag für eine der schwierigsten und lohnendsten Aufgaben in der Geschichte unseres Büros.    weiterlesen…

21. April 2010

One More Take

Das Internet gab es noch gar nicht, als Frank Zappa den folgenden Song schrieb, und von unseren Problemen mit dem W-LAN hatte er erst recht keine Ahnung. Erstaunlich, wie aktuell der »Central Scrutinizer« dennoch in unseren Ohren klingt. Aber auch sonst ist das Stück hörenswert:

20. April 2010

Kein W-LAN mehr im Hotel?

Sind in Deutschland W-LANs in Hotels bald ebenso Vergangenheit wie Hotspots, Internetcafes oder W-LAN in Flugzeug und Eisenbahn? Darum geht es in einem Fall, der gegenwärtig vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt wird.

Ich würde dramatisieren und möglicherweise allzu weitgehende Schlüsse ziehen, haben mir einige Gäste der Serendipity Suite anläßlich dieses Beitrags vorgehalten. Ein Gesetz, das Hotels zur Online-Überwachung ihrer Gäste verpflichten würde, sei in einem Rechtsstaat undenkbar. Im Licht der jüngsten Ver­fassungs­ge­richts­ur­teile zur Vorratsdatenspeicherung und zum Schutz der Privatsphäre stimmt das wahrscheinlich. Ein Grund zur Entwarnung ist es nicht. Denn die Konsequenz daraus könnte lauten, daß Hotels ihren Gästen überhaupt kein W-LAN mehr anbieten dürfen.

Das mag in niemandes Absicht liegen. Aber da im Internet alles mit allem vernetzt ist, hat jeder Einzelfall – als Kollateralschaden gewissermaßen – potentiell Folgen in ganz anderen Bereichen, an die keiner gedacht hat. So auch in dem Grundsatzfall zur sogenannten Störerhaftung, der kürzlich vor dem BGH verhandelt wurde; die Entscheidung des Höchstgerichts ist für den 12. Mai angekündigt. Hoteliers tun gut daran, sich dieses Datum jetzt schon vorzumerken.   weiterlesen…

19. April 2010

Vorsicht, Werbung (2)

Am Ende gleicht sich alles wieder aus. Manchmal ist das ein tröstlicher Gedanke. Beispielsweise drängt sich mir oft der Verdacht auf, viele Kreative in Werbeagenturen seien zwar schnell zur Hand mit Begriffen wie Zielgruppe, Zielgruppenaffinität und Erlebniswelt – ohne allerdings einen blassen Schimmer von den Menschen zu haben, mit denen sie sprechen, geschweige denn eine Ahnung davon, was sie ihnen mitteilen wollen. Im Gegenzug freilich – und darin liegt fast schon wieder eine Art höherer Gerechtigkeit – rätseln die angeblich angesprochenen Zielgruppen dann nicht selten vergeblich, was etwa eine Anzeige ihnen sagen möchte und was für Handlungen daraus zu folgen hätten.

Klingt etwas überspitzt? Dann frage ich Sie, wofür die folgende Headline wirbt:

indien 2

Eine Fern-Universität? Ein Motivations-Seminar für Manager? Einen Investment-Fonds? Einen Arbeitsplatz bei McDonalds? Alles voll daneben. Aber auch unfair, könnten Sie einwenden. Schließlich weiß man, daß Anzeigen-Headlines immer erst in Kombination mit dem Bildmotiv funktionieren – dem »Key Visual«, um auch Fachleuten verständlich zu bleiben. Recht haben Sie. Hier also das Bild zum Text:

indien 3

Hilft Ihnen immer noch nicht weiter? Mir auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Scheint wohl irgendwas mit Zielen zu tun zu haben, die man sich steckt – und je höher einer zielt, desto weiter wird er kommen. Aber vielleicht ist ja die Comic-Figur links unten der Schlüssel zum Geheimnis?

indien 4

Auch nicht wirklich, oder? Außer daß sie mich vage an eine Bausparkasse erinnert. Aber nein, das war ja ein Fuchs. Da bleibt uns wohl doch nichts anderes übrig, als einen Blick auf den Absender der Anzeige zu werfen:   weiterlesen…

19. April 2010

Der Unaussprechliche (Keep Smiling)

Der Berg ist stärker. Erst mal noch einen weiteren Tag – bis Dienstag morgen um 02 Uhr – bleibt der Luftraum über weiten Teilen Europas gesperrt. Die Politik beugt sich der höheren Gewalt – und die Fluggesellschaften beugen sich mit, wenngleich mit knirschenden Zähnen und nicht ohne, wie etwa Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, lautstark gegen unverantwortliche und rückgratlose Politiker zu wettern. Was soll er auch anderes tun? gegen den Berg kann er schlecht wettern. Dazu müßte er ihn erst mal beim Namen nennen. Nach Möglichkeit ohne zu stocken oder zu stottern. Bitteschön, zum Nachsprechen:

Eyjafjallajökulls.

Der Eierdingsda, wie er deutschlandweit wohl heißen dürfte. Aber was heißt deutschlandweit. Sogar die New York Times macht sich Gedanken über die korrekte Aussprache des Gletschervulkans, dieses konsonanten- und vokalespeienden Ungeheuers. Und geht der Sache auf den Grund, wie es sich eine Zeitung ihres Rangs schuldig ist. Recherchen beim isländischen Konsulat ergeben – und ich transkribiere die lautmalerische Aussprache vom Englischen ins Deutsche:    weiterlesen…

18. April 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

Sonntag ist’s, und Sonntag ist Movie Time in der Serendipity Suite. Heute: »Leoparden küßt man nicht (Bringing Up Baby)«, eine Screwball-Komödie aus dem Jahr 1938 von Howard Hawks mit Cary Grant und Katherine Hepburn. Die nachfolgende, zurecht berühmt gewordene Szene spielt im Ritz Plaza Hotel in New York – aber der Rest des Films ist genauso amüsant.

Bringing Up Baby: 4-6

Howard Hawks | MySpace Video