Einträge des Monats Juni 2010

30. Juni 2010

Buckminster Fullers Traumauto

Das ist eins der wenigen Filmdokumente, die Fullers »Dymaxion Car« in Aktion zeigen; was auf Fotos eher skurril aussieht, wirkt hier durchaus elegant und komfortabel; beachten Sie vor allem auch die effektvolle Demonstration des kleinen Wendekreises gleich zu Anfang des Films. Man könnte meinen, es handle sich um eine Konzeptstudie aus den 50er Jahren – Fuller baute das Gefährt aber schon 1933. Als Antrieb diente ein Ford V8-Motor mit 83 PS; der Verbrauch betrug dank der aerodynamischen Konstruktion 7,8 Liter pro 100 Kilometer, was selbst heute noch ein respektabler Wert ist – ebenso wie die Höchstgeschwindigkeit, die laut Buckminster Fuller bei 190 km/h liegen sollte. Den praktischen Beweis dafür mußte er schuldig bleiben: die vorhandenen Prototypen wurden nie schneller als mit ca. 140 km/h bewegt, und zur angestrebten und eigentlich schon beschlossenen Serienfertigung kam es dann doch nicht. Vielleicht will ja Sir Norman Foster, der bekanntlich ein Faible für schnelle Fortbewegungsmittel aller Art hat, mit seinem restaurierten »Dymaxion Car« die Behauptung seines Freundes nun nachträglich unter Beweis stellen.

30. Juni 2010

Sir Norman Foster zum 75.

Reichstagkuppel_kasselgalerie_de, foto Malte Ruhnke, Wikimedia Commons_mod

Zum Glück bin ich nicht die einzige, die Geburtstage vergißt; auch der Guardian ist erst jetzt, beinahe mit einem Monat Verspätung, dazu gekommen, seinem Landsmann Norman Foster zum 75. Geburtstag zu gratulieren. Der war nämlich schon am 1. Juni. Aber besser spät als gar nicht, hat sich die Redaktion des Guardian wohl gedacht – und dem will ich mich anschließen. Foster, Pritzker-Preisträger des Jahrs 1999, ist zweifellos einer der großen Architekten unserer Zeit, aber auch einer derjenigen, die am stärksten polarisiert haben. Auch bei mir hat sich oft Bewunderung mit Widerspruch und Kritik gemischt – aber von beidem habe ich profitiert. Foster gehört zu den Menschen, mit denen zu streiten sich lohnt; das ist vielleicht die höchste Anerkennung, die man ihm zollen kann. Ich möchte Ihnen daher, wenn Sie grad etwas Zeit und Muße haben, die Lektüre des Guardian-Artikels wärmstens empfehlen; sie werden einen Architekten kennenlernen, der sich auch nach der Erhebung in den Adelsstand stets zur Arbeiterklasse bekannte, der er entstammt – und dennoch Luxus-Marotten pflegt, bei denen wir Normalsterblichen nur große Augen machen… :-)

Im folgenden statt einer Laudatio ein Zitat, das mir Fosters Denk- und Arbeitsweise besonders deutlich widerzuspiegeln scheint, sowie ein paar kurze Bemerkungen zu seinem jüngsten Projekt. Zunächst das Zitat:

»There’s a snobbery at work in architecture. The subject is too often treated as a fine art, delicately wrapped in mumbo-jumbo. In reality, it’s an all-embracing discipline taking in science, art, maths, engineering, climate, nature, politics, economics. Every time I’ve flown an aircraft, or visited a steelworks, or watched a panel-beater at work, I’ve learned something new that can be applied to buildings. Disciplines connect, from locomotive engineering to the design of a bridge, or from a study of the way raptors and gliders soar. The most amazing lesson in aerodynamics I ever had was the day I climbed a thermal in a glider at the same time as an eagle. I witnessed, close up, effortlessness and lightness combined with strength, precision and determination.«

Vor diesem Hintergrund dürfte sein gegenwärtiges Projekt, die Öko-Stadt Masdar City in Abu Dhabi, wohl die Herausforderung seines Lebens darstellen. Gleichzeitig schlägt es den Bogen zurück zu einer Freundschaft, die Foster tief geprägt hat und für das Verständnis seines Werks essentiell ist. Die Konzeption von Masdar City basiert, so Foster, in wesentlichen Teilen auf Gesprächen, die er in den 70er Jahren und bis zum Tod des Freundes 1983 mit Buckminster Fuller führte. Dazu paßt, daß er sich zum 75. Geburtstag selbst ein aufwendig restauriertes (und auch sonst sündteures) Exemplar von Fullers legendärem »Dymaxion Car« geschenkt hat.

Eine Idee allerdings, die in Masdar City zum Tragen kommen wird, stammt weder von Fuller noch von Foster. Es handelt sich um Kühltürme für die Klimatisierung nach demselben Prinzip, das schon vor 500 Jahren in Haiderabad Sindh Verwendung fand. Ich hätte auch nicht gedacht, daß ich so schnell ein zweites Mal auf sie zu sprechen kommen und damit den Bogen zurück zum vor-vorigen Eintrag schlagen würde… :-)

Dymaxion_car_photo_mod

Fullers »Dymaxion Car«; Foto: saschapohlflepp, Wikimedia Commons

30. Juni 2010

One More Take

Würden Sie mich nach dem unterschiedlichen Stellenwert von Tradition bei Thomas Rau und Gerhard Matzig fragen, wäre meine Antwort vielleicht: sie verhalten sich zueinander wie Hubert von Goiserns Alpinkatzen zum Musikantenstadl. Das eine ist Musik, das andere noch nicht mal Brauchtumspflege. Aber selbstverständlich kann man sich bei Hubert von Goisern auch wunderbar entspannen. Viel Vergnügen.

29. Juni 2010

Öko als Masche

»Probleme kann man niemals mit
derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind

Albert Einstein

Anläßlich des »Tages der Architektur« am vergangenen Wochenende hat Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung »Neun Thesen« zur Gegenwartsarchitektur publiziert (leider noch nicht online). Das klingt nach Martin Luther und läßt auf provozierende Denkanstöße hoffen. Leider wird die Hoffnung enttäuscht. Unter wechselnden Gesichtspunkten wiederholt Matzig stets ein und dasselbe Mantra: die Zeit der Experimente ist vorbei; dem Bewährten gebührt der Vorzug, schon weil es sich bewährt hat. Dieser Zirkelschluß wird dadurch nicht besser, daß er zu den altbewährten Mitteln zählt, das gesunde Volksempfinden gegen die Zumutungen des Neuen und Ungewohnten zu mobilisieren. Daß letzteres damit nicht einmal die Chance bekommt, sich seinerseits zu bewähren, zählt zu den Kollateralschäden dieser Haltung. Von Matzig hätte ich mehr erwartet.

Ein klein wenig rehabilitiert er sich dann mit seiner These 3. Da geht es um das Thema Ökologie, und was Matzig dazu zu sagen hat, ist tatsächlich bedenkenswert, jedenfalls was die Diagnose angeht. Mit seinem Therapievorschlag fällt er dann freilich alsbald wieder in die intellektschonende Wiederholung seines Mantras zurück. Ich zitiere wörtlich:

»Wie schon beim Autobau hat Deutschland beim Hausbau lange Jahre die wichtigste Herausforderung verschlafen: Energieeffizienz. Das war dumm. Inzwischen ist man aufgewacht. Aber das war auch dumm – denn in einer Art kollektiver Hysterie wurden Häuser nun mit einem Öko-Tuning versehen. Es entwickelte sich die Apparatemedizin der Architektur: Häuser mit Öko-Ornamentik. Inzwischen aber, auch das zeigt der Tag der Architektur, beruhigt man sich wieder und kehrt zu einer alten Einsicht zurück: Richtig und schön gebaute Häuser sind auch nachhaltig wirksame Häuser. Energieeffizienz ist nichts, was man neu erfinden müßte am Bau.«

Da hat Matzig einen wunden Punkt getroffen. Das Thema Ökologie hat sich längst verselbständigt und ist von einer intellektuellen Herausforderung zum werbewirksamen Schlagwort verkommen. Das gilt freilich nicht nur für Deutschland. Öko-Labels sind das Placebo einer Gesellschaft, die auch sonst die unerwünschten Folgen ihrer Lebensweise am liebsten mit Tabletten bekämpft. Technische Superlative sollen ein neues Denken ersetzen. Aber ökologisch hochgerüstete Häuser sind noch lange keine ökologischen Häuser.  weiterlesen…

28. Juni 2010

Schicksalsfragen

Es ist geschafft, »wir« stehen in der nächsten Runde. Im Viertelfinale – so heißt das wohl. Ich hätte mir ja eine Binde über die Augen streifen und Wachs in die Ohren schmieren müssen, um das nicht mitzukriegen. Das Schicksals-Spiel. Die schwerste Stunde für die deutsche Mannschaft. Versager oder Helden – anders konnten sie nicht vom Platz gehen. Helden also. Und das gegen den traditionellen Angstgegner. Angstgegner? Ganz so klar war es ja wohl nicht, wer da Angst vor wem haben mußte und wessen Trauma tiefer saß.

Auf der Insel, so war zu hören, hatte man in den Tagen davor wieder mal den Kriegszustand ausgerufen. Vergeltung für Dünkirchen und Satisfaktion für die Bomben auf London – das war das mindeste, was die Lions ihrer Nation schuldig waren. Nachtragend und vergangenheitsorientiert. Einfach nicht auf der Höhe der Zeit, diese Briten. Dabei ging es um etwas viel Wichtigeres. Nämlich um Revanche für Wembley. Das Tor, das keines war. Das ist wirklich aktuell und steht seit 1966 immer wieder auf der Tagesordnung. Jedenfalls hierzulande. Und seither haben die Engländer auch keinen Stich mehr gegen »uns« gemacht. Rache ist süß, und man kann nie genug davon kriegen. Dafür saß der Stachel einfach zu tief. Bis gestern. Da kam es zu einer Wiederholung der Ereignisse mit umgekehrtem Vorzeichen. Anders als in Wembley gab es diesmal nicht den geringsten Zweifel: der Ball war drin, es war ein Tor – und wurde dennoch nicht gegeben. Ausgleichende Gerechtigkeit, wie die Kommentatoren versöhnlich bemerkten, und der Anflug von Häme in ihren Mienen war sicher nur eine optische Täuschung.

Damit sollte die Sache jetzt aber endgültig vom Tisch sein, ebenso wie Dünkirchen und die Luftschlacht um England. Das Gute hat gesiegt. Die Frage bleibt: wird »uns« das helfen, auch gegen die Argentinier zu bestehen?

PS
Wir sollten über den kommenden Herausforderungen aber auch die Engländer nicht ganz vergessen und den armen Rooney, dessen potentiell so wichtiges Tor nicht zählte. Aber verloren ist verloren. Das Einzige, was die Engländer jetzt noch trösten könnte, wäre der Weltmeistertitel für Deutschland. Gegen den Weltmeister verloren zu haben, ist zwar ebenfalls bitter, aber wenigstens keine Schande. Wollen wir ihnen den Gefallen wirklich tun?! ;-) ;-) ;-)

PPS
Was ich zugeben muß und nicht verschweigen möchte: Jogi Löw hat eine richtig gute Figur gemacht, nicht zuletzt in modischer Hinsicht. Da sind wir in Deutschland Schlimmeres gewöhnt. Ich erinnere nur an Berti Vogts und seinen unsäglichen Trainingsanzug. Wenn das Spiel dann endlich vorbei war, atmete jeder erleichtert auf, wenn die Kamera den Trainer nicht beim Nasepopeln erwischt hatte. Das ist die Zuwendung der Fans, die der Mannschaft dann fehlte. Andererseits: ist Jogi Löw nicht möglicherweise zu adrett? Ginge es nicht auch etwas weniger untadelig? Der Jürgen Klinsmann hatte ebenfalls Stil und war trotzdem legerer. Von Beckenbauer 1994 gar nicht zu reden (und Kaiser Franz hatte immerhin die Schmach von Wembley noch persönlich in Erinnerung). Dagegen wirkt der Jogi vielleicht allzu geschniegelt und zwanghaft. Wenn’s am Ende doch nicht für den Pokal langen sollte, werde ich sagen: das war der entscheidende Unterschied. Denken Sie an meine Worte…

PPS
Das klingt doch alles ziemlich interessant und nachdenkenswert, oder? Ich frage mich schon, warum mich Fußball sowas von kalt läßt… :-)

27. Juni 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

Sind Affären vererblich? In Hollywood schon, und wenn Billy Wilder Regie führt, sind sie auch noch vergnüglich. Pikant schon die Umstände. Eigentlich war der amerikanische Industrielle Wendell Armbruster, treusorgender Ehemann und Familienvater, nach Italien gereist, um die Leiche seines Vaters zur bevorstehenden Beerdigung zurück in die USA zu überführen. Welch ein Schock, als er erfährt, daß die Frau, die mit seinem Vater bei dem Autounfall ums Leben kam, mit diesem seit Jahren ein »Urlaubsverhältnis« pflegte. Und es kommt noch schlimmer: die in seinen Augen entsetzlich gewöhnliche Verkäuferin Pamela Piggott, der er schon auf der Reise mehrmals begegnet war, entpuppt sich als die Tochter eben dieser Geliebten, die zu demselben Zweck nach Italien gereist ist wie er. Jedem erfahrenen Kinogänger ist klar, wohin sowas führen muß, und so kommt es dann auch – freilich nicht ohne die tatkräftige Mithilfe des Hotels, in dem beide abgestiegen sind. Das gesamte Personal hatte schon die Eltern der beiden ins Herz geschlossen und setzt jetzt alles daran, auch Wendell und Pamela miteinander zu verkuppeln. Und am Ende beschließen die beiden tatsächlich, die elterliche »Tradition« weiterzuführen und von nun an jeden Sommer das Hotel zu ihrem Liebesnest zu machen.

In der folgenden Szene haben es die Hotelangestellten – anläßlich eines Mordes, der für reichlich Aufregung und Durcheinander sorgt – gerade geschafft, Pamela in Wendells Suite einzuquartieren. Aus ihrer Sicht ist das »die halbe Miete«; wie die beiden unmittelbar Betroffenen mit der Situation umgehen, sollten Sie sich selbst ansehen.

[»Avanti! (dt: Avanti, Avanti)« von Billy Wilder, 1972, mit Jack Lemmon und Juliet Mills]

27. Juni 2010

Déjà-vue: check out the oil…

Sage hinterher keiner, er habe es nicht gewußt: eine ganz aktuelle Illustration aus dem Jahr 1971 – Zeichnerin oder Zeichner leider unbekannt. Erinnert sich noch jemand, um welches Ereignis es damals ging?

[Kudos: Mondorama 2000 via Design Observer]

26. Juni 2010

Writers’ Corner

»Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält, verdient oft am meisten untersucht zu werden.«

Georg Christoph Lichtenberg

26. Juni 2010

Noch mehr vergebene Chancen

Hotels, die alles versuchen, ihren Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, Irritationen von ihnen fernzuhalten und Fremdheitsgefühle gar nicht erst aufkommen zu lassen, verfehlen möglicherweise genau damit das wichtigste Bedürfnis ihrer Gäste. Mit dieser ketzerischen Hypothese – und aktuellen empirischen Befunden, die sie stützen – habe ich mich erst vor wenigen Tagen beschäftigt. Nun tun Hotels ja nicht absichtlich das Falsche; schon aus Eigeninteresse orientieren sie sich vorrangig am Wohl ihrer Gäste. Nur ein zufriedener Gast ist ein guter Gast. Wenn ihre Bemühungen dennoch ins Leere laufen und häufig das Gegenteil dessen bewirken, was sie sich zum Ziel setzen, dann stellt sich die Frage: wie läßt sich diese Energie sinnvoller einsetzen – ohne erneut populären Irrtümern und Vorurteilen aufzusitzen?

Wie der Zufall es will (aber in Wirklichkeit handelt es sich natürlich eher um Serendipity), stolpere ich heute über einen Artikel im »Boston Globe«, der unter dem Titel »The best vacation ever« einige Ergebnisse der empirischen Urlaubsforschung referiert. Empirische Urlaubsforschung? Sie haben recht – dieser Forschungszweig fristet bisher eher ein Schattendasein – erst recht gemessen an den zahllosen Untersuchungen, die sich mit der Arbeitswelt und der Effizienz von Arbeitsplätzen und Arbeitsformen beschäftigen. Im Unterschied zur Markt- und Meinungsforschung geht es der Urlaubsforschung allerdings nicht um subjektive Überzeugungen, Wünsche und Träume, sondern um die reale, empirisch nachprüfbare Wirkung des Urlaubs: was trägt dazu bei, das Urlaubserlebnis positiv zu verstärken; was ist im Gegenteil geeignet, es zu beeinträchtigen.  weiterlesen…

25. Juni 2010

Check out the oil

Bekanntlich ist die Küste Floridas bislang, Winden und Meeresströmungen sei Dank, von der Ölpest weitgehend verschont geblieben. Die Betonung liegt auf »weitgehend« – es wurden keine massiven, zusammenhängenden Ölteppiche an Land gespült. Das Öl kommt eher tröpfchenweise. Das reicht aber schon; man muß nur etwas genauer hingucken. Einige Amateurfilmer haben die Aufforderung von spirit airlines – to check out the oil on our beaches – ernstgenommen; das folgende Video zeigt eine dieser Explorationen am Destin Beach im »Urlaubs-Paradies« Pensacola Bay. Es handelt sich um einen Strand, der von der Tourismusbehörde offiziell als »frei von Verschmutzungen« bezeichnet wird; sollten dennoch einzelne Ölfetzen angeschwemmt werden, stünden überall Einsatzkräfte bereit, um sie umgehend zu beseitigen. Vielleicht widmen Sie beim Betrachten des Videos den Aktivitäten dieser überall bereitstehenden Einsatz-Trupps ihre besondere Aufmerksamkeit… ;-)

Andernorts geht’s noch übler zu – beachten Sie nicht nur das aktuelle Aussehen dieses »weißesten Strands der Welt«, sondern auch den Aggregat-Zustand des Wassers, das brodelt, als würde es kochen oder als würde Säure darin gelöst:

25. Juni 2010

Vorsicht, Werbung (4)

Die amerikanische Fluggesellschaft spirit airlines hat schon öfter mit provokativen, meist sexistischen Anzeigen Aufsehen und Anstoß erregt. Jetzt haben sie sich der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko angenommen – die aktuelle Kampagne läuft unter dem Motto: »Check Out The Oil On Our Beaches«. Damit hat die Fluglinie wohl endgültig den Vogel abgeschossen; vermutlich handelt es sich bei selbigem um eine Möwe oder einen Pelikan mit ölverschmiertem Gefieder.

[Update:]

Man beachte im übrigen die Liebe zum Detail, mit der die Anzeigen die Unternehmensfarben des Ölkonzerns – Gelb und Grün – aufnehmen und das Firmenkürzel BP als »Best Protection« interpretieren. Man müßte den Hut ziehen vor so viel »Professionalität«, würde einem nicht gleichzeitig – gelb und grün – die Galle hochkommen dabei…

spirit_bp_oil_on_our_beaches

spirit3

24. Juni 2010

Service-Idee des Tages: der Guckloch-Blocker

Ein Türspion, durch den man rausgucken kann, erlaubt auch Blicke in umgekehrter Richtung. Das will Marriott seinen Gästen nicht zumuten. Deshalb gehört in den Hotels der Kette neuerdings eine Türspion-Sichtblende zur Zimmerausstattung. Jedenfalls in den Häusern, die über Türspione verfügen. Ob diese Innovation schon zum Patent angemeldet ist, entzieht sich meiner Kenntnis… ;-)

[Kudos: HotelChatter]

24. Juni 2010

Vergebene Chancen

Reisen bildet und erweitert den Horizont, hat man uns immer erzählt. Jetzt haben Untersuchungen ergeben: Reisen macht auch kreativer, schärft die Wahrnehmung und beseitigt Denkblockaden. Hotels könnten zu dieser Wirkung einiges beitragen. Leider tun sie in der Regel genau das Gegenteil.

Früher war Fliegen ein Abenteuer, später ein Luxus. Heute ist es ein Vergnügen für Masochisten. Vom ungenießbaren Kaffee am Flughafen über lange Schlangen beim Check-in, Sicherheitsschleusen und Body-Scanner bis hin zum konfiszierten Deo-Roller reicht die Liste der Unannehmlichkeiten, die der Flugreisende geduldig auf sich nimmt, bevor er erfährt, daß sein Flug anulliert wurde, und wegen des verpaßten Anschluß-Flugs die Zwischenlandung sechs Stunden dauern wird statt der vorgesehenen 50 Minuten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat er den Gemütszustand erreicht, wo ihn auch das völlige Fehlen von Beinfreiheit, die gummiartige Konsistenz des Boeuf Stroganoff oder die verstopfte Bordtoilette nicht mehr zu erschüttern vermögen. Flugreisen – damit haben wir uns abzufinden – sind zu einer Zumutung geworden. Wer trotzdem ein Ticket löst, tut das auf eigene Gefahr.

Das sind wohl nur noch die wenigsten, sollte man eigentlich vermuten. Außer den unverbesserlichen Masochisten im wesentlichen diejenigen, die aus beruflichen Gründen auf das Fliegen nicht verzichten können. Doch dem ist nicht so. Nur 30% der Flugreisenden sind geschäftlich unterwegs. 70% fliegen aus freien Stücken. Offenbar erwarten sie sich vom Reisen Vorteile, die die Zumutungen des Fliegens aufwiegen oder sogar in den Schatten stellen. Handelt es sich dabei um bloße Illusionen – Träume, von denen nur die Tourismus-Industrie profitiert? Oder steckt mehr dahinter?  weiterlesen…

23. Juni 2010

Schneebälle im Handgepäck?

Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde TSA scheint das jedenfalls zu fürchten. Wäre ja auch ein cleverer Weg, das Verbot eines Mitbringens von Flüssigkeiten an Bord zu umgehen – denkt die TSA. Also muß man die Reisenden ausdrücklich darauf hinweisen, daß auch Schneebälle unter dieses Verbot fallen. Vielleicht versteht die Behörde das aber auch als besondere Service-Leistung – als Hilfestellung für Reisende, die längst schon nicht mehr durchblicken, was erlaubt ist und was nicht. Die haben es hier Schwarz auf Weiß:

no_snowballs_please

Da stellen sich zwei Fragen für mich.

Erstens: die Kosten-Nutzen-Relation. Was kostet es, dieses Schild zu produzieren und auf sämtlichen Flughäfen zu installieren? und wieviele illegale Schneebälle an Bord werden pro Jahr dadurch verhindert? Falls Ihre Antwort so lautet wie meine, dann kann man der TSA nur Hochachtung dafür zollen, was sie sich diesen Service kosten läßt… ;-)

Und zweitens würde mich interessieren: wie ist das eigentlich mit Eiswürfeln, die jemand mitbringt, um den Whisky an Bord on the rocks zu genießen?! Da Schneebälle eigens genannt sind, Eiswürfel aber nicht, folgt daraus eigentlich… oder doch nicht? Nach so vielen Denksportaufgaben sollte es der TSA eine Verpflichtung und eine Ehre sein, uns wenigstens einen guten Flug zu wünschen.

Ein diesbezügliches Schild ist mir freilich auf US-Flughäfen bislang noch nicht untergekommen.

[Kudos: Seth Godin]

22. Juni 2010

Na endlich!

Kaum ist der Sommer einen Tag alt, läßt sich sogar die Sonne an einem Himmel blicken, der in ungewohntem Blau erstrahlt. Da will ich mich nicht lumpen lassen und ohne Scheu – und ohne Angst, das Schicksal in Versuchung zu führen – die Sommerbilder zeigen, von denen wir in den zurückliegenden Wochen so sehnsüchtig wie vergeblich geträumt haben. Viel Vergnügen!

SERFOMAY 2010 from zweizwei on Vimeo.

22. Juni 2010

Momentaufnahmen aus 25 Jahren (2)

Natürlich gab es auch Pannen in diesen 25 Jahren – Momente, in denen ich am liebsten im Erdboden versunken wäre. Ein paar dieser Mißgeschicke aus den allerersten Jahren des Büros Markus-Diedenhofen Innenarchitektur sind mir besonders lebhaft in Erinnerung, fast so, als wäre es gestern gewesen. Das liegt wohl daran, daß ich damals relativ neu im Geschäft war und etwas grüner hinter den Ohren als heute – folglich stand auch mein Selbstbewußtsein auf eher wackligen Beinen. Was ich jetzt Panne nenne, erschien mir damals als Katastrophe. Als Ende der Welt. Als Sintflut vielleicht. Ja, doch – Sintflut paßt ganz gut zu der Geschichte, die ich erzählen möchte.

Sie spielt in einer kleinen bis mittelgroßen Stadt von ca. 60 000 Einwohnern. Eine Stadt, in der die Eröffnung eines neuen, luxuriösen Hotels einer renommierten internationalen Kette ein Ereignis war. Zur Eröffnungsfeier waren nicht nur die Honoratioren der Stadt gekommen, sondern auch Pressevertreter sowie der Rundfunk, der überdies live übertrug. Und ich sollte eine Rede halten; schließlich hatte mein Büro die Innenausstattung geplant und gestaltet. Darin hatte ich auch entschieden mehr Übung als im Reden. Vor allen Dingen hatte mir keiner gesagt, wie man sich verhält, wenn hinter einem die Hölle losbricht.  weiterlesen…

21. Juni 2010

Writers’ Corner

21. Juni, Sommerbeginn:

»Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.«

Heinrich Heine

21. Juni 2010

»Summertime« (One More Take)

Allen Kapriolen zum Trotz, die der Wettergott heuer schlägt, will ich doch den Sommer, der heute beginnt, standesgemäß begrüßen. Hier ist »Summertime« aus George Gershwins »Porgy and Bess«, interpretiert von Janis Joplin.

Das war 1969. Ein Jahr später stürmten dann Mungo Jerry die Charts mit ihrem Song »In the Summertime«. Der gilt bis heute als der erfolgreichste Sommerhit aller Zeiten. Darum erweisen wir ihm, 40 Jahre später, zur Feier des heutigen Tages auch hier in der Serendipity Suite noch einmal die Ehre:

Und nach so vielen sommerlichen Klängen warten wir – jedenfalls hier im süddeutschen Raum – weiter sehnsüchtig darauf, daß wir zum Sommer auch noch etwas Sonne kriegen, und Temperaturen, die die Jahreszeit nicht Lügen strafen… :-)

20. Juni 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

Vom »koboldhaften Charme« Audrey Hepburn schwärmten Kritiker nach der Erstaufführung dieses Films; ich frage mich, woher Kritiker diese intime Kenntnis von Kobolden nehmen – aber von »lolitahaftem Charme« zu sprechen hätten sie wahrscheinlich als zu gewagt empfunden. Jedenfalls hatten sie recht damit, Hepburn einen wesentlichen Anteil am Erfolg von »Love in the Afternoon (Ariane – Liebe am Nachmittag)« zuzuschreiben, obwohl auch Maurice Chevalier eine glänzende Probe seines Könnens darin gab. Nicht unter den Tisch fallen sollte bei alledem die Leistung des Regie-Altmeisters Billy Wilder – und nicht zuletzt die Rolle des legendären »Ritz« in Paris. In dessen mondäner Atmosphäre spielt fast der gesamte Film, darunter auch die folgende Szene, worin Audrey Hepburn erfolgreich verhindert, daß ein gehörnter Ehemann seine Gattin auf frischer Tat beim Liebesspiel mit Gary Cooper ertappt. Ob der windige Halodri und schwerreiche Lebemann diese gute Tat verdiente, ist eine andere Frage – aber wie sonst hätte Hepburn später in ihm, den ungeschriebenen Gesetzen der Hollywood-Komödie gemäß, die Liebe ihres Lebens entdecken sollen?

Daß dieselben Kritiker, die dem knabenhaften Charme Audrey Hepburns erlegen waren (ja doch, knabenhaft wäre auch gegangen…), Gary Cooper zur krassen Fehlbesetzung stempelten, will ich in diesem Zusammenhang großzügig mit Schweigen übergehen.

20. Juni 2010

OLED-Perspektiven

meharris

Nach allem, was mir Fachleute erzählen, heißt die Lichtquelle der Zukunft OLED. Gegenüber den LEDs als der einzigen ernsthaften und überdies schon marktreifen Alternative zeichnen sich OLEDs durch größere Flexibilität und das voraussichtlich bessere Preis-Leistungsverhältnis aus. Leider ist bislang – von gelegentlichen Pressemeldungen und sporadischen Prototypen abgesehen – nur wenig Konkretes über OLEDs zu erfahren. Viele Fragen, die ihren praktischen Einsatz betreffen, bleiben offen. Mit großem Interesse habe ich daher gelesen, welche Ziele die EU in ihrem beziehungsreich so genannten Programm »OLED 100« für die OLED-Entwicklung vorgibt:

• 100 Lumen pro Watt
• eine Lebensdauer von 100.000 Stunden
• 100 mal 100 Zentimeter große Flächen
• Kosten von 100 Euro pro Quadratmeter

Dazu ein paar Vergleichsdaten, um diese Zahlen besser einordnen zu können. Herkömmliche Glühlampen sind auf eine Betriebsdauer von ca. 1.000 Stunden ausgelegt; 100.000 Stunden entsprechen einem Dauerbetrieb von 4.167 Tagen bzw. 11,4 Jahren. Die Lichtausbeute beträgt bei heutigen Glühlampen etwa 14 lm/W, bei Halogenstrahlern 24 lm/W und bei Energiesparlampen 65 bis 85 lm/W. Der von der EU genannte Zielwert liegt also deutlich über den heute meist eingesetzten Alternativen; angesichts der realen Leistung von ca. 20 lm/W bei heute erhältlichen OLEDs könnte er allerdings unrealistisch scheinen. Doch das Steigerungspotential scheint durchaus vorhanden; 2009 hat die TU Dresden einen Flächenstrahler vorgestellt, der rein weißes Licht erzeugt und mit 90 lm/W dem Ziel schon ziemlich nahe kommt.

Während die Technologie in jüngster Zeit eine rasante Weiterentwicklung erfahren hat, steckt die Großserienfertigung noch in den Kinderschuhen. Auf einen genauen Zeitrahmen mag sich keiner festlegen, aber fünf Jahre werden allgemein für eine realistische Schätzung gehalten.

Ich wollte, es ginge schneller.. :-)

[Vorangegangene Beiträge zum Thema OLEDs hier, hier und hier]

20. Juni 2010

»Schickes Design, nicht zu Ende gedacht«

Fehlt es an Mut? Nimmt die Angst überhand? Oder warum sonst gibt es in der Hotel- und Touristikbranche soviel »Innovation« – und so wenig Bewegung? Und was hat das alles mit dem Reptiliengehirn zu tun?

In den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts brauchte Mut, wer sich in Jeans in die Oper oder in ein schickes Restaurant wagte. Oder gar: Jeans im Büro, in der Vorstandsetage? Das emblematische Kleidungsstück der Rocker und der Halbstarken?! Undenkbar. Dann avancierte die blaue Röhrenhose zum Erkennungszeichen der Nonkonformisten. Noch ein paar Jahre, und jeder trug sie, immer und überall. Alle waren Nonkonformisten, und keiner wollte aus der Reihe tanzen. Ein weiteres Beispiel: das schwarze Outfit, mit dem sich die Pariser »Existenzialisten« nach dem zweiten Weltkrieg demonstrativ vom Rest der Gesellschaft distanzierten. Heute genügt ein Blick, um auf einer Messe oder Vernissage die Architekten, Designer, Künstler zu erkennen. Die kreative Klasse trägt Schwarz. Ausnahmen? – würden die Regel bestätigen, aber man findet sie kaum. Der demonstrative Protest ist zur Attitüde erstarrt. Ein neuer Konformismus hat sich breitgemacht, der seinen Trägern das angenehme Gefühl vermittelt, zu den Nonkonformisten zu gehören. Zu den Unangepaßten, den Querdenkern, der Avantgarde. Zur Elite eben.

Ungefähr so verhält es sich heute mit dem »Design«. Jeder schmückt sich gern damit, jeder findet es irgendwie schick, jeder meint, mit dem Design über ein todsicheres Differenzierungs- und Alleinstellungsmerkmal zu verfügen. Die Absurdität einer »massenhaften Alleinstellung« fällt schon gar keinem mehr auf. Erst recht nicht, wie sehr sich dabei der Designbegriff unter der Hand entleert, in sein Gegenteil verkehrt, pervertiert hat. Wenn etwas nicht funktioniert, wenn es den Benutzer vor Rätsel stellt oder überhaupt keine erkennbare Existenzberechtigung hat, dann ist es: Design. Und damit ein Wert an sich, mit profenen Maßstäben nicht zu messen. Wer fragt, wozu das gut sein soll, entlarvt sich als Banause. Kandinsky oder Picasso oder Mondrian haben schließlich auch keine Sonnenuntergänge und röhrenden Hirschen gemalt.

Lassen wir die Selbstüberschätzung beiseite, die sich darin äußert. Wenn Design Kunst ist, dann allenfalls Kunst, die sich nützlich macht – und genau an der Nützlichkeit läßt sie es fehlen. Irgendwann bemerken sogar die Autoritätshörigsten unter ihren Bewunderern, daß es dem Kaiser an Kleidern gebricht. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß der Begriff Design mittlerweile ins Negative zu kippen droht und auf dem besten Wege ist, zum Schimpfwort zu werden. In der aktuellen Ausgabe von »Hospitality Inside« (Abonnement erforderlich) finde ich diese These bestätigt. Ein Artikel darin beschäftigt sich mit dem ersten Hotel einer neuen Kette, das kürzlich in der Türkei eröffnet wurde. Zu den »Markenzeichen« der neuen Kette zählt auch das Design. Und das sind die Details, an denen laut »Hospitality Inside« die anwesenden Journalisten den »Designanspruch« erkennen:

»Im Bad lassen sich die aalglatten, runden Wasserhähne mit nassen Händen nicht mehr zudrehen, Schmink- bzw. Vergrösserungsspiegel fehlen, ein Papierkorb steht nur im WC, im Schrank hängen die unsäglichen, nicht ganz herausnehmbaren Kleiderbügel, etliche Haken und viel Ablagefläche fehlen.«

»Ein schickes Design, aber nicht zu Ende gedacht«, lautet danach das Fazit. Nicht zu Ende gedacht – immerhin. Das impliziert zumindest, es habe sich dabei überhaupt jemand was gedacht. Das darf bezweifelt werden. Denn in derselben Ausgabe von »Hospitality Inside« kommt dasselbe Hotel ein zweites Mal vor – diesmal als Vergleichsobjekt für ein Haus einer anderen Kette mit ähnlichem Anspruch.  weiterlesen…

18. Juni 2010

Der Ehrenrettung zweiter Teil

Früher als ich dachte und zu hoffen wagte, ist nun auch der zweite Teil der fünfteiligen BBC-Serie zum modernen Design verfügbar. Und wenn ich »Ehrenrettung« sage, meine ich keineswegs einen undifferenzierten Lobgesang. Es fehlen weder die Zwischentöne, noch kritische Anmerkungen oder die Darstellung unterschiedlicher, miteinander konkurrierender oder einander sogar bekämpfender Auffassungen und Leitbilder. Das alles bildet den Horizont, vor dem auch die Auswüchse und Deformationen des Gegenwarts-Designs im rechten Licht erscheinen. Und vor diesem Horizont wird erst recht deutlich, warum die kritische Auseinandersetzung mit diesen Irrwegen wichtig ist: Wir brauchen das Design – und wir brauchen den Streit darüber, was wir vom Design erwarten, welche Art von Design wir wollen – und auf welche Art wir pfeifen.

Andernfalls kriegen wir das Design, das wir verdienen… ;-)

18. Juni 2010

One More Take

Solarzellen, denen es egal ist, ob die Sonne scheint oder nicht, die auch bei diffusem Licht noch Strom erzeugen – mir imponiert das schon. Ich würde mir gern ein Beispiel dran nehmen. Aber es fällt mir schwer, sehr schwer sogar. Hiermit bekenne ich öffentlich: mir fehlt die Sonne. Das diffuse Licht regenverhangener Tage mag der Grätzel-Zelle reichen – ich bin da weniger genügsam. Ich kriege einen Regen-Koller. Und wenn ich dann aus dem Fenster gucke, erscheinen vor meinem inneren Auge Wahnbilder einer riesengroßen roten Sonne, die bei Capri im Meer versinkt. Aber bereits ein stinknormaler süddeutscher Sonnenaufgang würde mir reichen.

Dann würde ich zu Ehren unseres Zentralgestirns die folgende CD in den Recorder schieben und den Lautstärke-Regler bis zum Anschlag nach rechts drehen. So wie’s grade aussieht, muß ich darauf noch lange warten – aber warum sollte ich? Wenn ich mir schon das Wetter nicht aussuchen kann, dann doch wenigstens die Musik, die ich höre. Hier also: ein Hymnus an die Sonne. Nennen Sie’s Ersatzbefriedigung, wenn Sie wollen. Von mir aus auch Voodoo-Zauber. Ich dagegen sage gar nichts, schließe die Augen, sperre die Ohren weit auf und nehme ein inneres Sonnenbad.

17. Juni 2010

Zustechen – ausstechen?

Sehr groß ist das Vertrauen der Brasilianer in ihr Nationalteam bei dieser Fußball-WM wohl nicht, wie sich aus diesem SPIEGEL-Bericht schließen läßt. Danach sind Voodoo-Puppen-Sets der konkurrierenden Mannschaften – speziell der argentinischen – im Moment der große Renner überall im Land und verkaufen sich wie warme Semmeln. Passende Nadeln liegen sinnvollerweise bei. Werden die Puppen damit durchbohrt, widerfährt auch ihren lebenden Ebenbildern Übles, meint der Volksaberglaube.

Jetzt weiß ich endlich, was es heißt, seine Gegner »auszustechen«… :-)

[Damit Sie mich nicht einer drastischen Abirrung von den zentralen Themen dieses Blogs bezichtigen: wie wäre es denn, in Hotels Voodoo-Puppen sämtlicher Mitarbeiter samt Nadeln öffentlich zu plazieren – und die Gäste schon beim Einchecken über deren Bedeutung aufzuklären? Die Zahl schriftlicher Beschwerden könnte drastisch zurückgehen, und vielleicht würde sogar die Moral der eigenen Truppe gestärkt. Möglicherweise aber auch nicht… ;-) ]

17. Juni 2010

Design – Eine Ehrenrettung (updated)

[Ursprünglich hat dieser Eintrag auf ein Video bei Vimeo verwiesen; von dort wurde es aber entfernt, ohne daß Vimeo selbst den Grund dafür kennt. Wir haben jetzt ein anderes Videoportal eruiert, das die erste Folge der BBC-Dokumentation anbietet und hoffen, daß wir damit alle entschädigen, die ein paar Stunden lang nur die Nicht-Verfügbarkeitsmeldung von Vimeo zu sehen kriegten...]

Wir sollten uns hüten, das Kind mit dem Bade auszuschütten, habe ich geschrieben. Wenn ich hier immer wider die Verstiegenheiten des aktuellen Design-Markts anprangere, dann deshalb, weil mir am Design liegt, und weil ich es zu wichtig finde, um es ausschließlich Scharlatanen und Marketingstrategen zu überlassen. Allerdings bin auch ich längst nicht mehr imstande, in diesem überhitzten Wachstums-Markt den Überblick zu behalten und in jedem Einzelfall zwischen beifallheischenden Gags und zukunftsweisenden Innovationen zu unterscheiden. Es ist der BBC gar nicht hoch genug anzurechnen, diese Unübersichtlichkeit als Herausforderung verstanden und zum Anlaß für eine ehrgeizige, fünfteilige Bestandsaufnahme genommen zu haben. »The Genius of Design« heißt die Serie – und sie gehört zum Besten, was ich seit vielen Jahren zum Thema Design gesehen habe.

Der erste Teil ist jetzt in voller Länge bei Vimeo Youku abrufbar (auch dafür große Anerkennung!), und wenn Sie sich für das Thema interessieren oder sich beruflich damit beschäftigen, dann kann ich Ihnen nur ans Herz legen, sich die Zeit für das folgende Video zu nehmen. Es lohnt sich.

[Sobald (und sofern) die nächsten Folgen auf Vimeo Youku abrufbar sind, werde ich hier in der Serendipity Suite selbstverständlich ebenfalls darauf verlinken]