Einträge des Jahrs 2011

31. Dezember 2011

Für die Stunden vor Mitternacht

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Während wir drauf warten, daß dieses vermaledeite Jahr, das spätestens seit Weihnachten seine Schuldigkeit getan hat, nun endlich wirklich zu Ende geht, können wir ebensogut zwischendurch ein wenig in Erinnerungen schwelgen – und dabei gleichzeitig den Silvesterball schon vorweg nehmen. Ich rede von dem Film »When Harry Met Sally«, wo das Happy-end mit selbigem, dem Silvesterball nämlich, zusammenfällt. Der findet vermutlich, so genau ist das dem Film nicht zu entnehmen, in einem Hotel statt – aber so wichtig ist das nun auch wieder nicht. Jedenfalls ist der Film ein gutes Gegenmittel gegen den Frust der letzten Stunden und die nervtötende Unendlichkeit des Wartens. Eine der eher raren Liebeskomödien, die mit unseren Gefühlen spielen, ohne die Intelligenz zu beleidigen. Schon während ich darüber rede, hellt sich meine Stimmung so auf, daß ich bereit bin, über die verdammte Langsamkeit hinwegzusehen, mit der 2011 seinem Ende entgegentrödelt. Insgesamt war es weder ein gutes noch ein schlechtes Jahr, sondern durchwachsen wie jedes. Für unser Büro allerdings ein überdurchschnittlich erfolgreiches. Und da will ich am Ende nicht undankbar sein und 2012 gleich mit einem Mißklang beginnen. In diesem Sinn wünsche ich auch Ihnen, daß Sie das Happy-end von »Harry und Sally« einstimmt auf einen erwartungsvollen neuen Anfang.

30. Dezember 2011

Bill Marriott geht – ein bißchen…

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Bill Marriotts Rücktritt als CEO gehört für mich zu den denkwürdigeren Ereignissen des vergangenen Jahres. Kurz vor seinem 80. Geburtstag im März nächsten Jahres – und nachdem er 60 Jahre lang für das Unternehmen tätig war –, schien ihm der Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen. Bill war erst der zweite CEO in der Geschichte des 1927 gegründeten Konzerns; der erste – sein Vater J.Willard Marriott – war gleichzeitig der Unternehmensgründer. Das sind ziemlich große Fußstapfen, in die sein Nachfolger Arne Sorensen da treten muß. Aber es war Bill Marriott selbst, der ihn als neuen CEO vorschlug, nachdem er 20 Jahre mit ihm zusammengearbeitet hatte.

Ein Abschied ist das dennoch nicht, höchstens ein halber. Denn Bill Marriott gibt zwar die operative Führung des Unternehmens ab, wird dafür aber in den Aufsichtsrat wechseln und als Executive Chairman weiterhin ein Wörtchen mitreden. Dafür, jetzt einfach in den Ruhestand zu treten, fühlt er sich mit seinen nicht einmal 80 Jahren doch noch zu jung… (Und auch seinen Blog wird er selbstverständlich weiterführen.)

Hier das Video der »offiziellen Staffelübergabe« beim Marriott Headquarter’s Rally am 14. Dezember:

[Kudos: Bill Marriott]

30. Dezember 2011

Raubtierfütterung

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Elf Tiger sind es, die sich hier auf die Fütterungszeit freuen. Insgesamt gibt es ca. 800 davon im Siberian Tiger Park in Harbin, Heilongjiang. Welcher Hotelier, und möge er noch so sehr über die Ansprüchlichkeit seiner Gäste klagen, möchte gern tauschen? Ob ich mit dem Bild sonst noch eine symbolische Bedeutung verbinde? Keine Ahnung. Mir schien es ganz gut zum nahezu abgelaufenen Jahr zu passen…

[Kudos: Alexis Madrigal, The Atlantic]

29. Dezember 2011

Trends in der Hotellerie: Tagungshotels

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Aus Sicht der Marketingspezialistin hat Gabriele Schulze die Ent­wick­lungen in der Tagungshotellerie herausgearbeitet, die ihrer Einschätzung nach im Moment die stärkste Innovationsdynamik zeigen und dabei sind, die Hotellandschaft zu verändern. Im Unterschied zu vielen anderen »Marketingvisionen« hält sich ihre Analyse eng an die Praxis und an reale Anforderungen. Die Punkte, die sie nennt, sind deshalb fast durchgängig auch für Architekten und Innenarchitekten interessant. Was die Planung von Hotels mit dem Schwerpunkt im MICE*-Bereich angeht, handelt es sich um einige der zentralen Herausforderungen an das Hoteldesign der kommenden Jahre.

Ich lasse am besten Gabriele Schulze selbst zu Wort kommen und ergänze ihre Ausführungen da, wo es mir sinnvoll erscheint:

»1. Aus Sicht der Veranstaltungsplaner erfreulich: (Viele )Tagungshotels werden immer mehr zum Full Service Tagungsdienstleister, die deutlich mehr tun, als Zimmer und Räume zu vermieten. Professionelle, MICE-spezifische Rahmenprogramme werden immer häufiger angeboten. Immer mehr Hotels (und auch Kongresshallen) bieten quasi (Event)-Agenturdienstleistungen und beschaffen Trainer, Sportanimateure, Künstler und andere Dienstleister oder die besondere Location für die Abendveranstaltung. Oft sogar als Generalunternehmer.«

Daraus ergeben sich neue Anforderungen insbesondere an die öffentlichen Bereiche des Hotels. An die Stelle einer fest vorgegebenen Zuweisung von Funktionen treten variable, vielfältig nutzbare Raumkonzepte, die sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand an unterschiedliche Aufgaben anpassen lassen. Die Grenzen zwischen Tagungs- und Ver­an­staltungs­bereich und den übrigen öffentlichen Bereichen werden noch durchlässiger werden, als sie es in den vergangenen Jahren schon geworden sind. Dasselbe gilt für Fitness-, Spa-und sonstige Bereiche, die sich immer stärker in ein Gesamtkonzept integrieren und das Hotel zu einem facet­ten­reichen, in sich stimmigen »Erfahrungsraum« machen.

Weitere Herausforderungen und Chance ergeben sich da, wo Hotels von vornherein als integraler Bestandteil von Veranstaltungszentren geplant werden. Auch hier sehe ich eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken könnte.

»2. Insbesondere bei neuen Hotels ist erkennbar, dass der Arbeitsbereich „Tagungsraum“ immer mehr zum „Livingbereich“ (schönes Beispiel ist das Marriott Livingroomkonzept) gestaltet wird. Die Pausenbereiche erlauben Entspannung, moderne Bar- und Loungekonzepte vor den Tagungsräumen ermöglichen ein entspanntes miteinander arbeiten, auch außerhalb des eigentlichen Tagungs- oder Seminarraumes. Die Kaffeepause auf dem 1,5 Meter breiten Gang gehört hoffentlich bald in allen Tagungshotels der Vergangenheit an.«

Darauf bin ich im vorigen Punkt schon eingegangen; ich glaube aber, daß die Veränderungen auch die eigentlichen Tagungsräume selbst mit einbeziehen werden. Unsere Vorstellungen von »Arbeit«, von »Meeting« und von »Lernen« entfernen sich immer weiter von dem runden oder viereckigen Tisch, um den herum in graue Anzüge gekleidete Herren sich ihrer eigenen Wichtigkeit vergewissern. Auch bei Vorträgen und ähnlichen Anlässen wird die klassische »Frontalsituation« mit Podium und wohlgeordneten Stuhlreihen immer häufiger durchbrochen. Diese Entwicklung steckt erst in ihren Anfängen und bietet noch zahlreiche unausgeschöpfte Möglichkeiten. Ich würde mir wünschen, daß sie weiter anhält.

»3. Veranstaltungen lernen vom Social Web. Das Event 2.0 oder sogar 3.0 ist endlich angekommen. Veranstalter erkennen, das Wissen steht nicht nur auf der Bühne, es sitzt auch davor. Barcamps und andere Veranstaltungsformate nehmen deutlich zu. Locations wissen wissen noch nicht genau, was auf sie zukommt und welche neuen Anforderungen aus den geänderten Veranstaltungsformaten resultieren. Müssen es aber lernen…«

Oder sie müssen lernen – das ist mir dabei durch den Kopf gegangen – nicht mehr in klassischen Anforderungsprofilen zu denken. Dann ginge es, im Hoteldesign beispielsweise, nicht um Räume, die vorab definierten Anforderungsprofilen gerecht werden. Wichtiger wäre, sich überraschen zu lassen, wie die Menschen die Räume nutzen, und der Ehrgeiz des Architekten oder des Innenarchitekten ginge dahin, Räume zu kreieren, die solche Überraschungen ermöglichen (darin läge erneut eine Parallele zum Web 2.0, das ja, anders als herkömmliche »Produkte«, ebenfalls von den Nutzern nicht nur mitgeprägt, sondern in vieler Hinsicht überhaupt erst geschaffen wird).  weiterlesen…

28. Dezember 2011

Zimmer mit Aussicht auf Nachruhm

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wer das Glück hat, während seines Aufenthalts in London im Savoy Hotel zu logieren – womöglich in Zimmer 618 –, der kommt zusätzlich in den Genuß eines besonderen Déjà vu-Erlebnisses. In dem Zimmer hat nämlich vor mehr als hundert Jahren auch schon Claude Monet gewohnt – und den Ausblick auf die Themse in seinem Skizzenblock festgehalten. Daraus entstand dann die »Waterloo-Brücke«, eins seiner berühmtesten Gemälde. Dem, der die Welt mit Monets Augen sieht, zeigt sich London noch heute fast genauso wie auf dem Bild. Und Monet war nicht der einzige, der dieses Panorama zu schätzen wußte. Auch Picasso, Whistler und einige andere waren zu Gast in den Bankside lodgings – so heißt dieser Trakt des Savoy Hotels.

Ich kenne und schätze zwar Monets Bild seit Jahrzehnten, das aber habe ich auch nicht gewußt. Und dafür liebe ich diese Zeit zwischen den Jahren: ich stolpere über Dinge und Zusammenhänge, die ich nicht kannte und die auch niemand kennen muß. Und die ich dennoch als Bereicherung empfinde.

[Kudos: HotelChatter]

26. Dezember 2011

Terry Gilliams Viktorianische Weihnachtsgrüße

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wir schreiben das Jahr 1968, der Name Monty Python ist noch nicht erfunden, und der junge amerikanische Cartoonist Terry Gilliam schlägt sich in London mit Zeitschriftenaufträgen durchs Leben, von denen er mehr schlecht als recht leben kann. Da vermittelt ihm sein Freund (und spätere Mit-Python) John Cleese die Bekanntschaft Humphrey Barclays. Der produziert zu jener Zeit eine schräge, leicht subversive und ziemlich erfolgreiche Kindersendung für die BBC – »Do Not Adjust Your Set«, mit dem Untertitel »A Fairly Pointless Show«.

Zwischen Gilliam und Barclay stimmt die Chemie, und Gilliam erhält den Auftrag, einen Beitrag für die Weihnachtssendung 1968 zu realisieren. Eine Riesenchance, und Gilliam ist entschlossen, sie am Schopf zu packen – nur daß ihm für diese Art von Arbeit jede Erfahrung fehlt. Was macht ein etwas verzweifelter Kreativer in so einem Fall? Er geht erst mal ins Museum, genauer gesagt in die Tate Gallery. In der Autobiographie »The Pythons Autobiography of the Pythons« erinnert sich Gilliam:

»I went down to the Tate and they’ve got a huge collection of Victorian Christmas cards so I went through the collection and photocopied things and started moving them around. So the style just developed out of that rather than any planning being involved. I never analysed the stuff, I just did it the quickest, easiest way. And I could use images I really loved.«

Was auf diese Weise entsteht, ist ein aberwitziger, das Absurde und Surreale streifender Fluß freier Assoziationen, an denen jeder Psychoanlytiker seine Freude hätte. Um es einfacher, aber nicht bescheidener zu sagen: ein frühes Meisterwerk von Terry Gilliam. Und damit möchte ich das diesjährige Weihnachten hier in der Serendipity Suite ausklingen lassen:


[Kudos: Open Culture]

26. Dezember 2011

Ein Christbaum aus Lotosblüten

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Offiziell gibt es keinen Schönheitswettbewerb für Weihnachtsbäume; HotelChatter hat sich dennoch auf die Suche nach dem schönsten und einfallsreichsten Christbaum des Jahres begeben – und ist in Siem Reap, im Raffles Grand Hotel d’Angkor fündig geworden. Kreiert hat das Objekt der Modedesigner Eric Raisina, der schon vor einigen Jahren Angkor zu seinem festen Wohnsitz erkoren hat. Und ich sage absichtlich »Objekt«, weil der Baum aus lauter Lotosblüten besteht, die aus kambodschanischer Seide genäht sind und sämtliche Lebensphasen der Blume von der Knospe bis zum Verwelken repräsentieren.

Ein seltsames Motiv für einen Christbaum? Nur nach europäischen Maßstäben. Das Grand Hotel d’Angkor aber liegt nur wenige Gehminuten von der weltberühmten, ursprünglich hinduistischen, später buddhistischen Tempelanlage von Angkor Wat entfernt – und da hat wohl auch dieser Baum seine Stimmigkeit. Ebenso wie das Christentum haben schließlich sowohl der Hinduismus als auch der Buddhismus eine staunenswerte Fertigkeit darin entwickelt, sich kulturelle Einflüsse anderer Kulturen anzuverwandeln:

25. Dezember 2011

Pa-ram-pam-pam-pam

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Gerade eben hat sich Georg Diez im SPIEGEL seinen Weihnachtsunmut von der Seele geschrieben, und das hatte was Erfrischendes nach vier Wochen Advent und Andacht und Was-könnte-ich-denn-schenken-Wahn allenthalben. Schimpfen tut gut, aber natürlich bin ich auch für die andere Seite des Weihnachtsfests nicht unempfänglich – Kitsch inklusive. Die Amerikaner, so zynisch sie manchmal sein mögen, haben uns in dieser Hinsicht noch einiges voraus. Wenn sie der Sentimentalität die Zügel schießen lassen, dann richtig. Daß sie dafür richtige Weltstars aufbieten können, erleichtert die Sache natürlich ungemein.

Ein besonderer Leckerbissen ist der folgende gemeinsame Auftritt von David Bowie und Bing Crosbie aus dem Jahr 1977, bei dem sie dem Hit »The Little Drummer Boy« von 1957 einen neuen, weihnachtlichen Text verpaßt haben. Zuhören und genießen, kann ich da nur sagen. Ein bißchen Schmunzeln ist dennoch erlaubt:

24. Dezember 2011

Weihnachten!

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Ein wunderschönes Fest wünsche ich Ihnen, ein paar geruhsame Stunden im Kreis Ihrer Familie oder mit Freunden, anregende Gespräche – und alles, was Sie sonst noch mit Weihnachten verbinden. Charlie Brown schließt sich meinen Wünschen an, und hat selbst so seine Sehnsüchte:

24. Dezember 2011

Thomas Pritzker und Frank Gehry im Gespräch

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Anfang November fand in Goa der THINK 2011 Kongreß statt – eine Veranstaltung, die führende Köpfe aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammen- und miteinander ins Gespräch brachte. Es kam zu vielen anregenden Begegnungen; für mich besonders interessant war das Gespräch, das Thomas Pritzker mit Frank Gehry führte. Thomas Pritzker ist zum einen Executive Chairman of the Board bei Hyatt, darüber hinaus aber auch Präsident der der Pritzker Foundation, die seit vielen Jahren den renommiertesten Architekturpreis überhaupt verleiht – die letzten beiden Preisträger, Eduardo Souto de Moura (auch hier) sowie das japanische Büro SANAA habe ich Ihnen in der Serendipity Suite ausführlich vorgestellt. Über Pritzkers Gesprächspartner Frank Gehry muß ich weiter keine Worte machen; daß er ebenfalls den Pritzker Preis erhalten hat, haben Sie vermutlich schon gewußt.

Auch das Gespräch bedarf keines Vorab-Kommentars von meiner Seite, dazu haben sich die beiden gegenseitig genug zu sagen. Ich fand es schön – soviel als persönliche Anmerkung – wie in diesem öffentlichen Gespräch die freundschaftliche Beziehung zwischen Gehry und Pritzker spürbar wird. Und nicht nur ich war wahrscheinlich überrascht, aus dem Munde Gehrys zu hören, daß er seine Gebäude von innen nach außen entwickelt…


[Kudos: Arch Daily]

24. Dezember 2011

Merry Christmas from Google

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wahrscheinlich hätte auch ohne Google niemand darauf vergessen, daß heute Weihnachten* ist. Aber schön ist ist das Doodle trotzdem, das uns Google zum Fest beschert. Und irgendwie hätte uns was gefehlt, hätte sich die Suchmaschine heute schmucklos und schlicht nur als Suchmaschine gegeben. Aber so hübsch das Bildchen auch anzusehen ist – vergessen Sie nicht, auf jedes der sechs Festtagssymbole zu klicken, sonst entgeht Ihnen das Beste. Und jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Tag voller Vorfreude. Ich verspreche Ihnen: auch heute wird irgendwann Abend… :-)
 

* Um ganz penibel zu sein: eigentlich nur der heilige Vorabend des eigentlichen Weihnachtsfests. Aber so genau nimmt es heute keiner mehr.

20. Dezember 2011

Writers’ Corner

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Eine kleine Unterbrechung der Pause, weil ich den Satz richtig gut finde:


[Kudos: Olaf P. Beck]

20. Dezember 2011

Pause

Für zwei oder drei, vielleicht sogar vier Tage wird es hier in der Serendipity Suite nicht das gewohnte reichhaltige Programm geben – wir gönnen uns eine kleine, aber hochverdiente Pause. Gäste sind allerdings weiterhin herzlich willkommen – es gibt ja mehr als genug zu sehen, zu lesen und zu hören. Beim Stöbern in den Archiven stoße sogar ich immer wieder auf Kostbarkeiten, die ich fast vergessen hatte; kein Wunder nach nahezu zweieinhalb Jahren und fast 1 500 Artikeln. Bevor Sie damit halbwegs an ein Ende kommen, sind wir längst schon wieder zurück und feiern mit Ihnen gemeinsam Weihnachten. Fühlen Sie sich bis dahin wie zuhause.

18. Dezember 2011

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Bluebeard’s Eighth Wife« (»Blaubarts achte Frau«), 1938, von Ernst Lubitsch, mit Claudette Colbert, Gary Cooper, David Niven, Drehbuch von Charles Brackett und Billy Wilder, Musik von Friedrich Hollaender

Man muß kein Millionär sein, um im Kaufhaus einen Pyjama zu erstehen. Wenn der Millionär aber darauf besteht, nur die Jacke ohne die dazugehörige Hose zu kaufen, dann ist er offenbar nicht nur exzentrisch, sondern auch geizig. Manchmal – eigentlich aber nur in Filmen von Ernst Lubitsch – greift dann das Schicksal ein in Gestalt einer weiteren Kundin, die sich spontan bereit erklärt, ihrerseits nur die Hose zu erwerben. Dabei ist Nicole de Loiselle selbst nicht mit Reichtümern gesegnet – sie entstammt einem alten, im Lauf der Jahrhunderte allerdings völlig verarmten Adelsgeschlecht. Das sind so die Konstellationen, aus denen heraus Lubitsch seine Komödien entwickelt. In diesem Fall, ebenso wie im nachfolgenden Film »Ninotchka«, hatte er überdies das Glück, mit Charles Brackett und Billy Wilder kongeniale Drehbuchautoren an seiner Seite zu haben.

Aber zur Liebeskomödie gehören auch die Komplikationen, die einem allzuschnellen Happy-end in die Quere kommen. Eine davon besteht darin, daß Michael Brandon, der Millionär, vorher schon verheiratet war – und zwar nicht einmal, sondern wie der Käpt’n Blaubart des Märchens, gleich siebenmal. Das hat er Nicole verschwiegen, als er um sie warb. Sieben Frauen, und siebenmal geschieden? Aber nein, erklärt er treuherzig, als die Wahrheit ans Licht kommt – nur sechsmal. Eine ist gestorben. Nicoles Illusionen sind dahin; dennoch gibt sie Michael das Jawort.

Zur Revanche und als Strafe für sein zügelloses Vorleben weigert sie sich jedoch anschließend, die Ehe zu vollziehen und tritt in einen unbefristeten Sexstreik, wobei sie zu allem Überfluß Michael in dem Glauben wiegt, ihn mit anderen Männern zu betrügen.

Als wäre das nicht schon Komplikation genug, sorgt Nicoles Vater für weitere Verwicklungen. Ihm kommt der reiche Schnösel, der um die Hand seiner Tochter anhält, gerade recht. Skrupellos und für teures Geld bietet er ihm eine alte Badewanne zum Kauf an, die angeblich aus dem Besitz Ludwigs IVX stammt. Natürlich durchschaut Michael den Schwindel. Doch gleichzeitig entdeckt er im Hotelzimmer seines künftigen Schwiegervaters die Pyjamahose, von der ihm Nicole versichert hatte, sie habe sie einem ihrer Liebhaber verehrt. Erleichtert beschließt Michael, dem alten Herrn aus der finanziellen Klemme zu helfen und ihm die Badewanne abzukaufen.

Als Nicole davon erfährt, glaubt sie an ein durchsichtiges Manöver Brandons, mit Geld den Vater auf seine Seite zu ziehen. Sie besteht darauf, daß dieser den Scheck zurückgibt. Brandon dagegen ist mittlerweile zur Überzeugung gekommen, bei Nicole keine Chance zu haben und hat beschlossen, die Badewanne zurückzugeben. Von solchen Mißverständnissen lebt die Komödie; die Komik aber entsteht aus den Situationen, zu denen die Mißverständnisse führen. In diesem Fall also einer Badewanne vom Trödelmarkt oder aus der Rumpelkammer, die auf der Suche nach ihrem wahren Besitzer über die Flure und Treppen des Luxushotels wandert, bis sie endlich—aber mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Das hieße ja, einen der Höhepunkte des heutigen Filmausschnitts vorwegzunehmen:


(Sollten Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sein – den Film in voller Länge gibt es hier zu sehen.

18. Dezember 2011

Der vierte Adventssonntag

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Das Adventssingen ist ein wenig aus der Mode gekommen in den letzten Jahrzehnten, aber vielleicht gelingt es diesen vier Nachwuchskünstlern trotz ihres zarten Alters, neue Fans für den Brauch zu gewinnen. Ob die vier diesen Ehrgeiz überhaupt haben, darf allerdings bezweifelt werden. Es ist ja noch nicht einmal sicher, daß sie wirklich fromme Lieder schmettern. Womöglich warten sie nur darauf, daß ihnen endlich mal jemand den Schnabel stopft. Wovon wir uns aber beileibe nicht die Adventsstimmung verderben lassen sollten. Schließlich gibt es auf dem Weihnachtsmarkt auch für uns gebrannte Mandeln und Lebkuchenherzen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.


[Kudos: Laurent Jean Philippe]

17. Dezember 2011

Locker, flockig, googlig

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Weil’s so schön zum vorigen Artikel paßt – und weil Google-Entwickler Matt Cutts grad aus der Schule geplaudert hat, hier noch ein besonderer Tip: geben Sie in die Google-Suche »let it snow« ein (ohne Anführungs­striche) – und lassen Sie sich überraschen, was passiert… :-)

Nur zur Ergänzung: »Easter Eggs« nennen Eingeweihte Überraschungen dieser Art – und wie das nun wieder ausgerechnet zu Weihnachten paßt, wissen die Götter, und wahrscheinlich nicht mal die.

17. Dezember 2011

Locker, flockig, schön

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Eine Woche vor Weihnachten sieht es so aus, als hätten wir das erste richtige Winterwochenende in Deutschland. Was mich betrifft – ich mag die Kälte nicht, ich habe was gegen Schneematsch, und den kurzen Tagen kann ich erst recht wenig abgewinnen. Kurz: mein Verhältnis zum Winter ist gespalten. Aber natürlich hat er auch schöne Seiten. Man muß sie nur zu entdecken wissen. Mit dem Mikroskop beispielsweise, und mit einer Kamera. Damit gelang es 1885 Wilson A. Bentley, einem Farmer aus Vermont, die ersten Bilder von Schneeflocken – oder Schneekristallen, wie er lieber sagte – auf die Fotoplatte zu bannen.

Um ehrlich zu sein: mir war der Name bisher unbekannt. Aber mikroskopische Aufnahmen von Schneeflocken faszinieren mich schon lange. Eine fast grenzenlose Vielfalt – keine Flocke ist mit der anderen identisch –, kombiniert mit einer prägnanten, auf Anhieb erkennbaren Formensprache: jede Flocke ist auf Anhieb als solche zu identifizieren. Eine kleine Zahl von einfachen Gestaltungsprinzipien, die unendliche Variationen ermöglichen. In der Architektur, der Innenarchitektur und der Kunst überhaupt sagen wir Stil dazu. Aber der stilistische Reichtum, den die Natur in jedem Schneegestöber hervorbringt, schwebt uns nur als kaum erreichbares Ideal vor.

Schon das bloße Streben danach halte ich allerdings für hundertmal erstrebenswerter als die uniforme Wiederholung des Immergleichen, die in der Unternehmenskommunikation ebenso wie im Hoteldesign so oft als Corporate Identity, Corporate Design oder gar Corporate Culture angepriesen wird.

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17. Dezember 2011

Writers’ Corner:
More Choice = Less Business

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Sheena Iyengar, professor at the Columbia Business School, comes to the same conclusions as Barry Schwartz regarding the negative consequences of too much choice. As a rule, more choice leads to less business. But she notes an additional fact that at first sight seems to contradict this finding: More choice also increases traffic. However, the more the potential customers have to choose from, the less they will actually buy. And this seems to be universally true, even when people will actually loose money by refusing to make a choice. I leave it up to you to figure out what this means for business in general and for the hospitality industry in particular. Hint: it’s not what the social media evangelists want to make us believe… ;-)

Here is Sheena Iyengar in her own words:

»We either put out 6 different flavors of jam or 24 different flavors of jam and we looked at 2 things. First, in what case were people more likely to buy a jar of jam? The first thing we looked at, in what case were people more likely to be attracted to the jar or jam, so in which case are people more likely to stop when they saw the display of jams and what we found was that more people stopped when there were 24 jams. About 60% of the people stopped when we had 24 jams on display and then at the times when we had 6 different flavors of jam out on display only 40% of the people actually stopped, so more people were clearly attracted to the larger varieties of options, but then when it came down to buying, so the second thing we looked at is in what case were people more likely to buy a jar of jam. What we found was that of the people who stopped when there were 24 different flavors of jam out on display only 3% of them actually bought a jar of jam whereas of the people who stopped when there were 6 different flavors of jam 30% of them actually bought a jar of jam. So, if you do the math, people were actually 6 times more likely to buy a jar of jam if they had encountered 6 than if they encountered 24, so what we learned from this study was that while people were more attracted to having more options, that’s what sort of got them in the door or got them to think about jam, when it came to choosing time they were actually less likely to make a choice if they had more to choose from than if they had fewer to choose from.«

Sheena Iyengar

You can watch the entire interview in the following video. You’ll notice (and she’s also talking about) that Sheena Iyengar is blind. Already as a schoolgirs she came to know that she’d gradually loose her sight. And that certainty played a key role in determining her field of research. Reminds us of how valuable limitations can be…


[Kudos: big think]

16. Dezember 2011

Von der Freiheit, nicht wählen zu müssen

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wenn Weihnachten ein Fest der Freude ist, dann läuft in der Vorweihnachtszeit einiges schief. Aus dem, was schiefläuft, läßt sich eine Menge lernen – nicht zuletzt im Hinblick auf verbreitete Denkfehler. In der Hotellerie? Auch in der Hotellerie.

Wenn ich mich in diesen Tagen in der Innenstadt aufhalte – was ich zu vermeiden suche, je näher Weihnachten rückt –, dann beschleicht mich ein seltsam irreales Gefühl. Ich stelle mir vor, wie ein Besucher vom Mars diesen Vorweihnachtstrubel beschreiben würde. Wahrscheinlich käme er zu dem Schluß, bei uns sei plötzlich und völlig unerwartet der Mangel ausgebrochen, und verzweifelt versuche jeder, noch irgendetwas von den übriggebliebenen Vorräten zu ergattern.

Das Gegenteil ist der Fall, wie wir wissen. Das ganze übrige Jahr ist in den Geschäften kein so großes Angebot vorhanden wie jetzt. Und eigentlich müßte das den gegenteiligen Effekt zur Folge haben. Die Wahlmöglichkeit zwischen zahllosen Alternativen bedeutet Freiheit, und Freiheit ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Glücks. Mehr Auswahl = mehr Freiheit = mehr Zufriedenheit – so lautet die klassische Formel, von der die freie Marktwirtschaft ihre Existenzberechtigung ableitet. Diese Formel ist falsch, behauptet der amerikanische Psychologe Barry Schwartz. Jedenfalls dann, wenn wir sie verabsolutieren.

Zwar ist die Freiheit der Wahl sicher erstrebenswerter, als keine Wahl zu haben. Ab einer gewissen Grenze allerdings bewirkt die Vermehrung der Optionen das Gegenteil. Sie paralysiert uns, führt zu Ängsten, Unsicherheit und im schlimmsten Fall zu Depressionen statt zu größerer Zufriedenheit. In seinem TED-Talk im Jahr 2005 hat Schwartz das auf ebenso überzeugende wie unterhaltsame Art erläutert.

Die Freudlosigkeit des Weihnachtstrubels, von der ich gesprochen habe, gibt ihm recht. Ich frage mich aber darüber hinaus, ob seine Thesen nicht auch wichtige Lehren für die Hotellerie und die Innenarchitektur bzw. das Hoteldesign enthalten könnten. Im wesentlichen gingen mir – es gibt sicher mehr – erst mal drei Themenkreise durch den Kopf.

Erstens. Immer wieder ist von den Möglichkeiten die Rede, die Bewertungsportale und OTAs den Gästen verschafft haben. Ich zweifle schon länger daran, ob das wirklich ein Segen ist. Wer stundenlang die Erfahrungsberichte anderer gelesen hat, ist danach nicht unbedingt klüger, im schlimmsten Fall erst recht verunsichert. Aus Sicht der Hotels könnte das dafür sprechen, der eigenen Kommunikation wieder höhere Bedeutung beizumessen als Online-Rankings und »Sozialen Graphen«. Die Chancen des unterscheidungsstarken Auftritts (von der Website bis hin zu Flyern und der Geschäftsausstattung) sowie einer einfachen, klaren und unverwechselbaren Botschaft werden gegenwärtig womöglich unterschätzt. Sie könnten den Ausschlag geben, wenn potentielle Gäste mit einer Fülle von Pros und Contras im Detail konfrontiert sind.

Zweitens. Hotelbetreiber wie Innenarchitekten tun sich oft viel auf die Möglichkeiten zugute, die sie den Gästen bieten – frei nach dem Motto: bei uns kannst du alles haben, du brauchst nur zu wählen. Wahrscheinlich ist das ein Fehlschluß, und auch hier gilt: weniger ist mehr; in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. Es geht darum, den Gästen die Qual der Wahl abzunehmen. Nicht möglichst viel zu bieten, sondern eine sorgfältige Auswahl des Besten. Ein gutes Beispiel dafür, wenngleich in einer ganz anderen Branche, sind die Apple Stores, die mit einem äußerst reduzierten Produktangebot zur erfolgreichsten und umsatzstärksen Ladenkette der Welt avancierten. Schon das Unternehmen selbst ist mit gutem Beispiel vorangegangen und erzielt mit der reduziertesten Modellpalette des Marktes die mit Abstand höchsten Gewinne. Ich sehe hier große Herausforderungen und Chancen auch für das Hoteldesign. Nicht zufällig treibt Apple bei der Architektur und Innenarchitektur seiner Stores einen höheren Aufwand als sämtliche Mitbewerber.

Drittens – und gewissermaßen als logische Schlußfolgerung aus dem zweiten Punkt: wir Hoteldesigner und Innenarchitekten sollten uns weniger ausschließlich daran orientieren, welche Wünsche und Briefings die Auftraggeber an uns herantragen. Unsere Aufgabe liegt auch darin, uns unabhängig von konkreten Aufträgen Gedanken über die Hotels von morgen zu machen, dafür Konzepte, Modelle und Vorschläge zu entwickeln und mit dem Markt darüber zu kommunizieren. Wir sind dafür in einer privilegierten Position, und diese Chance sollten wir nutzen. Unser Ziel sollte es sein, Orientierung zu bieten, statt einfach nur zu sagen: wir können alles, du mußt uns nur sagen, was du haben möchtest.

Soviel zu den Überlegungen, auf die mich das Weihnachtsgeschäft gebracht hat. Ein ziemlich gewager Brückenschlag, könnten Sie sagen. Das liegt aber nicht an mir, sondern an Barry Schwartz. Nachdem Sie ihn gesehen und gehört haben, kommen Sie selbst womöglich noch auf ganz andere Ideen:

15. Dezember 2011

Oscar Niemeyer zum 104.

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Architektur Oscar Niemeyer

Daß der Architekt Oscar Niemeyer überdies ein talentierter Schreiber ist, der außer scharfsinnigen Essays leidenschaftlich gern Gedichte verfaßt, weiß ich schon seit einiger Zeit. Eins dieser Gedichte habe ich, in einer nicht sehr inspirierten deutschen Übersetzung, hier bereits veröffentlicht. Daß er aber 104 Jahre alt werden mußte, bis ich erfuhr, daß er sich außerdem als Komponist betätigt, das hat mich dann doch erstaunt.

Immerhin erleichtert es mir die Aufgabe, einen passenden musikalischen Geburtstagsgruß für ihn zu finden. Was soll man zu Oscar Niemeyers 104. Geburtstag anderes spielen als ein Lied von Oscar Niemeyer:

Tranquilo com a vida (komponiert von Oscar Niemeyer) by welcom, Kudos: Arch Daily

15. Dezember 2011

Writers’ Corner
Bajoom!—it became architecture!

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

I’ve said it before, and I’ll repeat it over and over: architecture and interior design are about practical skills and craftmanship much more than they are about ideas. To make it perfectly clear: creativity itself, and thus »ideas«, are about skills and craftmanship. I’m not alone, of course, and I’m especially glad that one of the brightest and most brilliant among today’s young architects and designers shares this belief:

»I knew I was interested in building, but the architectural world at the time just didn’t feel right, it felt very theoretical. It was like it was its own art-form, whereas I saw it as an extension of design, designing things that do jobs and also have many dimensions—environmental, material, craft, aesthetic, sculptural, a smell dimension. And then suddenly I discovered there was this threshold, bajoom…!«—he does his finest Harpo upward gaze of wonder—»where it became something else, architecture!«

Thomas Heatherwick

14. Dezember 2011

Die Stars und die Gäste

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Dienstboteneingänge kenne ich, wenngleich sie nach meiner Einschätzung ein wenig aus der Mode kommen. Auch Sonderbehandlungen für VIPs sind nichts Neues. Hotels dagegen, die normale und prominente Gäste zu unterschiedlichen Eingängen dirigieren, sind mir bisher noch nicht untergekommen. Aber wer ist ein Star – und wer nur Hinz oder Kunz? Dazwischen liegen Welten, wenn ich mir die Richtung der Pfeile ansehe. Und Einchecken muß auch nur das Fußvolk. Da brauche ich gar nicht erst zu fragen, nach welcher Seite sich die Masse der Halb- und Dreiviertel-Prominenten wenden wird:

14. Dezember 2011

Alle Wege führen ins Hotel

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wer hier grade auf der Suche nach dem Campingplatz war, sollte jetzt schleunigst wenden und auf seine 25-Prozent-Chance hoffen… ;-)


[Kudos: Oddly Specific]

13. Dezember 2011

Writers’ Corner

»We are living in the United States of Alzheimer’s. A whole country has lost its memory. When it can’t remember yesterday, a country forgets what it once wanted to be.«

Studs Terkel

13. Dezember 2011

Ein Hoch auf die Zukunft

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Da entdeckt ein erfolgreicher Rapper von heute, daß Ray und Charles Eames das Prinzip des Mash-ups zu einer Zeit perfektioniert haben, als es das Wort Mash-up noch gar nicht gab – und plötzlich erscheinen sowohl der Rap als auch die Eames’ in einem anderen Licht. So wird Geschichte zur lebendigen Gegenwart, habe ich vor einigen Tagen sinngemäß geschrieben. Doch die wichtigere Frage, die mich schon lange und in letzter Zeit verstärkt beschäftigt, bleibt dabei unbeantwortet. Warum überhaupt Geschichte? Was liegt uns an Menschen, die lange tot sind; Ereignissen, die so weit zurückliegen, daß niemand mehr eine persönliche Erinnerung daran hat; Dingen, die wir heute, so meinen wir, anders und besser machen können? Warum messen wir manchmal Traditionen so großen, viele würden sagen: übertriebenen Wert bei? Ist das nicht Ballast, der uns daran hindert, die Möglichkeiten von heute frei, unbeschwert und unbefangen zu nutzen? Jedesmal einen neuen Anfang zu machen? Zu planen, zu gestalten und zu bauen, als wäre es das erste Mal—

Das alles sind berechtigte Fragen, und ich glaube nicht, daß es eine einfache Antwort darauf gibt. Alles Unbekannte macht Angst, das wäre die naheliegendste Erklärung. Das Alte ist demgegenüber das Vertraute, das wir kennen und das uns ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Hier liegt sicher ein Grund für die Wertschätzung der Geschichte, gerade in einer Zeit, in der die technischen Errungenschaften schneller veralten, als wir brauchen, sie zu begreifen, und in der auch sonst kaum mehr auf etwas Verlaß zu sein scheint. Alles ist vergänglich, nichts hat Bestand, schallt es uns von überallher entgegen. Und dann sitzen wir eines Tages auf der Piazza einer kleinen italienischen Stadt, betrachten die jahrhundertealten Fassaden und die Laubengänge ringsum, erinnern uns an die engen, verwinkelten Gassen, durch die wir gerade geschlendert sind, und denken: so ein Unsinn. Warum lassen wir uns von dieser ganzen Hektik und den Pseudo-Revolutionen nur so kirre machen? »Un altro espresso«, rufen wir dem Kellner zu, der grade auf dem Weg zurück zur Bar ist. »E un’altra bottiglietta d’acqua minerale. Gassata, per favore.« Am liebsten würden wir gar nicht mehr aufstehen.

In solchen Momenten strecken selbst die avantgardistischsten Bilderstürmer und leidenschaftlichsten Verfechter des Fortschritts die Waffen und erliegen dem Zauber des Augenblicks. Das Innere alter Häuser, die eine Geschichte mit Höhen, Tiefen und unerwarteten Wendungen zu erzählen haben, bewirkt oft ähnliche Empfindungen. Allein dieser Wirkung willen würde es sich lohnen, der Vergangenheit Ehre zu erweisen. Nur funktioniert das fast nie, weil die Ehre, die man erweist, umschlägt in Verehrung, die wir erweisen sollen. Die Zeugnisse der Vergangenheit werden heiliggesprochen und zu Denkmälern erklärt – Denkmäler aber schaffen Distanz statt der Nähe, die wir empfinden, wo uns das Alte als scheinbar selbstverständicher Teil der Gegenwart und ihres Alltags begegnet.

Ich persönlich halte die Glorifizierung der Geschichte um ihrer selbst willen für einen Fehler und einen Irrweg. Die Welt ist kein Museum und sollte es nicht werden. Das Alte verdient Wertschätzung nicht weil es alt ist, sondern weil es uns anspricht. Das klingt trivial, ist aber zum Staunen. Wie kommt es, daß wir uns in Felsmalereien, die vor 30 000 Jahren entstanden, heute noch wiederfinden? Wie ist es zu erklären, daß uns Musik aus dem 18. Jahrhundert weiterhin in die Beine geht oder zu Tränen rührt? Wieso haben uns Odysseus, Hamlet, Effie Briest oder der Mann ohne Eigenschaften immer noch etwas zu sagen und verraten uns Dinge über uns, von denen wir vorher nichts wußten? In Wahrheit sind es freilich gar nicht die Bilder, Töne oder Worte allein, die diese Wirkung entfalten – es sind ihre längst verstorbenen und zu Staub zerfallenen Schöpfer, die uns dabei gegenübertreten. Das sind magische Begegnungen an einem unmöglichen Ort jenseits von Raum und Zeit, und gleichzeitig Momente höchster Intensität.  weiterlesen…