Ein paar Projekte wüßte ich schon zu nennen, von denen ich zu Beginn meiner Laufbahn nie zu träumen gewagt hätte. Zum Talent und zur Tüchtigkeit muß immer auch etwas Glück dazukommen, um etwa Grandhotels mit planen und einrichten zu dürfen. Dafür bin ich dankbar. Dennoch gibt es natürlich auch Träume, die nie in Erfüllung gehen. Oft handelt es sich um solche, die im Lauf der Zeit entstanden sind oder womöglich erst heute Gestalt gewinnen.
Wäre das nicht eine reizvolle Aufgabe, fragte ich mich beispielsweise, als ich vom jüngsten Ferienhaus-Trend in Schottland erfuhr. Dort stehen sich neuerdings der alte Adel und die neuen Superreichen als Geschäftspartner gegenüber. Die einen stellen ihre alten Schlösser und Landsitze zur Verfügung – aufwendig renoviert, versteht sich, mit Luxussuiten ausgestattet und durch raffinierte Lifestyle-Attribute veredelt. Die anderen nutzen das Angebot, um eine Woche lang gemeinsam mit Freunden oder Geschäftspartnern ihrem Reichtum den Anstrich der Tradition zu geben. So um die 60 000 Pfund darf das kosten – umgerechnet etwas mehr als 66 000 Euro.

Aldourie Castle am Ufer von Loch Ness, für 10 Mio. Pfund renoviert

Ackergill Tower in Wick, zu mieten für 60 000 Pfund/Woche
Zu den reinen Mietkosten kommt natürlich einiges dazu, wenn man seinen Gästen was bieten will. Immerhin scheinen einige Extras im Preis schon enthalten zu sein; das Schloß Ackergill Tower zum Beispiel bietet seinen Gästen statt eines profanen Weckdienstes einen Dudelsackbläser, der vor der Zimmertür aufspielt, während ein heiße Tasse Tee direkt ans Bett serviert sind. Wie das funktioniert, wenn die einen um sechs aufstehen und die anderen bis neun schlafen wollen, weiß ich auch nicht so recht.
Es sind übrigens – und das hat mich am meisten gewundert – keineswegs nur jahrhundertealte Gemäuer, die auf diese Weise eine neue Zukunft gewinnen. Corrour Lodge etwa liegt mitten in der Einsamkeit der schottischen Highlands – und ist ein ultramodernes, von Moshe Safdie entworfenes Bauwerk. Zu haben ist es ab 30 000 Pfund die Woche; ein wahres Schnäppchen, würde ich meinen:

Corrour Lodge; Architekt: Moshe Safdie; für größere Ansicht ins Bild klicken
Und der Markt wächst weiter. Für Dutzende von Anwesen werden Investoren gesucht. Und diese Investoren suchen dann vermutlich nach Innenarchitekten. Ich glaube, ich muß mich korrigieren. Man soll niemals nie sagen – schon gar nicht, wenn es um Träume geht. Ich hätte noch nicht mal was dagegen, wenn mir bei der Arbeit das Schloßgespenst über die Schulter guckt…








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