Einträge des Monats Juni 2011

30. Juni 2011

Hausgeist inklusive?

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Ein paar Projekte wüßte ich schon zu nennen, von denen ich zu Beginn meiner Laufbahn nie zu träumen gewagt hätte. Zum Talent und zur Tüchtigkeit muß immer auch etwas Glück dazukommen, um etwa Grandhotels mit planen und einrichten zu dürfen. Dafür bin ich dankbar. Dennoch gibt es natürlich auch Träume, die nie in Erfüllung gehen. Oft handelt es sich um solche, die im Lauf der Zeit entstanden sind oder womöglich erst heute Gestalt gewinnen.

Wäre das nicht eine reizvolle Aufgabe, fragte ich mich beispielsweise, als ich vom jüngsten Ferienhaus-Trend in Schottland erfuhr. Dort stehen sich neuerdings der alte Adel und die neuen Superreichen als Geschäftspartner gegenüber. Die einen stellen ihre alten Schlösser und Landsitze zur Verfügung – aufwendig renoviert, versteht sich, mit Luxussuiten ausgestattet und durch raffinierte Lifestyle-Attribute veredelt. Die anderen nutzen das Angebot, um eine Woche lang gemeinsam mit Freunden oder Geschäftspartnern ihrem Reichtum den Anstrich der Tradition zu geben. So um die 60 000 Pfund darf das kosten – umgerechnet etwas mehr als 66 000 Euro.


Aldourie Castle am Ufer von Loch Ness, für 10 Mio. Pfund renoviert


Ackergill Tower in Wick, zu mieten für 60 000 Pfund/Woche

Zu den reinen Mietkosten kommt natürlich einiges dazu, wenn man seinen Gästen was bieten will. Immerhin scheinen einige Extras im Preis schon enthalten zu sein; das Schloß Ackergill Tower zum Beispiel bietet seinen Gästen statt eines profanen Weckdienstes einen Dudelsackbläser, der vor der Zimmertür aufspielt, während ein heiße Tasse Tee direkt ans Bett serviert sind. Wie das funktioniert, wenn die einen um sechs aufstehen und die anderen bis neun schlafen wollen, weiß ich auch nicht so recht.

Es sind übrigens – und das hat mich am meisten gewundert – keineswegs nur jahrhundertealte Gemäuer, die auf diese Weise eine neue Zukunft gewinnen. Corrour Lodge etwa liegt mitten in der Einsamkeit der schottischen Highlands – und ist ein ultramodernes, von Moshe Safdie entworfenes Bauwerk. Zu haben ist es ab 30 000 Pfund die Woche; ein wahres Schnäppchen, würde ich meinen:


Corrour Lodge; Architekt: Moshe Safdie; für größere Ansicht ins Bild klicken

Und der Markt wächst weiter. Für Dutzende von Anwesen werden Investoren gesucht. Und diese Investoren suchen dann vermutlich nach Innenarchitekten. Ich glaube, ich muß mich korrigieren. Man soll niemals nie sagen – schon gar nicht, wenn es um Träume geht. Ich hätte noch nicht mal was dagegen, wenn mir bei der Arbeit das Schloßgespenst über die Schulter guckt… ;-)

30. Juni 2011

Laßt die Keime leben

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Man mag mich schlampig nennen oder chaotisch – manchmal zurecht –, aber ich bin ein reinlicher Mensch. Sauberkeit und Hygiene sind mir wichtig, zuhause ebenso wie unterwegs und nicht zuletzt in Restaurants und Hotels. Vor manchen Zimmern, die man mir zumuten wollte, habe ich mich schlicht geekelt. In so einem Fall wechsle ich lieber das Hotel.

Trotzdem ist mir der Hygienewahn und Sauberkeitsfimmel, der seit einigen Jahren um sich greift, suspekt. Müssen ausgerechnet Lebensmittel wirklich hundertprozentig steril sein, wie viele es wünschen und lautstark fordern? Was haben diese Leute bloß für Vorstellungen von Natürlichkeit und Natur, so frage ich mich. Dann diese grotesken Plastikdinger, die sich die Verkäufer beim Bäcker, beim Obsthändler und beim Metzger neuerdings überziehen. Wahrscheinlich ist das nur eine Vorstufe zu den garantiert aseptischen Robotern, die bald schon an ihre Stelle getreten sein werden. Ob diese Fingerkondome nicht eher dazu führen, daß die Verkäufer ihre persönliche Hygiene vernachlässigen, ist ohnehin noch die Frage. Mir ist die letztere erheblich wichtiger. Finde ich einen Verkäufer ungepflegt, ist mir schon sein Aussehen zuwider, dann können mir die ganzen Plastikvorkehrungen gestohlen bleiben.

Aber eigentlich komme ich auf das Thema nur, weil im Moment grade so ein Gedöns um die neueste Innovation in der Hotellerie gemacht wird. Keimfreie Fernbedienungen hat eine amerikanische Firma angekündigt; in einigen Hotels bestehen sie grade ihren Praxistest. Und worauf die Amerikaner abfahren, ist sicher bald schon auch bei uns der letzte Schrei. Muß das sein? Moderne Fernbedienungen kommen ohne mechanische Teile aus und bestehen nur noch aus glatten Flächen. Die lassen sich genauso problemlos reinigen wie der Tisch, auf dem sie liegen. Steril sind sie dann wahrscheinlich nicht, aber mir reicht’s.

Und die antibakteriellen Fernbedienungen sind nur der letzte Auswuchs eines Trends, der den Hotels immer mehr Zwänge auferlegt. Farbige Bettwäsche, ein gemusterter Überwurf? Igitt – da sieht man ja den Schmutz nicht, der sich drauf befinden könnte. Textile Kopfteile bei Betten, die ich mag und gerne verwende? Sind beim besten Willen nicht steril zu halten. Das gilt übrigens auch für Blumen, die in vielen Hotelzimmern deshalb ebenfalls nicht mehr geduldet werden.

Wollen wir wirklich eine keimfreie Welt? Ich fürchte nur, in der werden auch die Menschen keinen Platz mehr finden, die sich seit Jahrmillionen in fruchtbarer Symbioses mit Mikroorganismen aller Art entwickelt haben. Von denen werden dann nur noch die bösartigsten übrigbleiben, die sich gegen alle Vernichtungsfeldzüge resistent erwiesen haben. Die Killerkeime also…

Aber was rege ich mich auf. Wahrscheinlich beauftragt man demnächst ohnehin Hygieniker und Krankenhausplaner mit der Hotelgestaltung. Und Innenarchitekten nur noch, wenn sie eine entsprechende Zusatzqualifikation nachweisen können. Ich möchte dann bitte schon in den Ruhestand getreten sein… ;-)

29. Juni 2011

Writers’ Corner

Stimmen zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen:

»Das ist ungefähr der Stand, auf dem wir gerade sind. Männerpamphlete sind irgendwie komisch und verkrampft, aber Frauenfußball zum Beispiel ist es auch.

Wie bitte?

Ach so, wir leben ja in einem gesellschaftlichen Stillstandsabkommen. Also werden die Männer so tun, als sei das Spielfeld nicht zu groß, wenn am 26. Juni die Frauen-WM losgeht. Sie werden nicht sagen, dass das Spiel langsam ist und unbeholfen, dass die Torfrauen fast jeden Ball durchlassen, der aufs Tor geht, dass es einfach nicht richtig aussieht, was die Frauen dort machen, und es sogar seltsam klingt, wenn sie schießen, ›klonk‹ und nicht ›puck‹.

Und sie werden hoffen, dass sie dafür wenigstens die Pornografie und die Prostitution behalten dürfen, wenn sie jetzt sogar schon den Fußball verloren haben.«

Georg Diez
Der Spiegel
 

»Jetzt beginnt die Fußball-WM der Frauen. Ich stelle fest: Ich interessiere mich nicht dafür. Nun gibt es vieles, für das ich mich nicht interessiere: Autorennen, Briefmarkensammeln, die Zellstruktur von Porree, der Eurovision Song Contest … Aber, Leute, ich spüre, dass hier im Raum die Frage steht: Hat sein Desinteresse damit zu tun, dass es eine Fußball-WM ›der Frauen‹ ist?

Und ich sage: Ja, damit hat es zu tun. Ich bin damit aufgewachsen, dass Fußball Männersache ist. Ich finde gut, dass es so geblieben ist. […]

Wobei ich überhaupt nichts gegen eine Fußball-WM der Frauen habe, wieso das denn? Ich finde es sogar gut, dass sie in Deutschland stattfindet. Ich werde nur die Spiele nicht sehen. Ich habe genug zu tun, mich auf das Kicker-Sonderheft für die nächste Bundesligasaison zu freuen, mit all den Männern darin.«

Axel Hacke
Süddeutsche Zeitung magazin

Natürlich gibt es üblere Beispiele. Aber ich darf mir wohl auch zum Streiten Männer aussuchen, die ich mag. Beide geben sich redlich Mühe, beim Schimpfen nicht allzu merklich zu zwinkern. Wenn die Herren mal eine anständige Innenarchitektin brauchen…

29. Juni 2011

WM oder
Frauenfußball – nein danke

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

WM stehe für Werbe-Masche – oder für Wahren Murks, hat mir neulich mal jemand verraten. Anderswo habe ich für die Sportart, um die es dabei geht, grammatikalisch falsch aber entlarvend, die Bezeichnung Weibsen-Kicken gehört. Sogar die Edelfedern des deutschen Feuilletons pfeifen mal ausnahmsweise auf die Weisheit der Political Correctness und machen ihrem Macho-Herzen unbekümmert Luft.

Ein bißchen neben der Kappe, wie ich finde. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern – im Denken, im Fühlen, im Handeln, in der körperlichen Leistungsfähigkeit und so weiter. Aber mache ich mich deswegen über Männer lustig, die sich als Innenarchitekten versuchen?!

29. Juni 2011

Architektonische Balanceakte

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Daß einer sein eigenes Museum baut, kommt nicht alle Tage vor, aber das Museu Oscar Niemeyer in der brasilianischen Stadt Curitiba stammt tatsächlich von Niemeyer selbst – die Einheimischen nennen es kurz und prägnant »das Auge«. Es gehört in die Reihe jener Bauwerke, die scheinbar der Schwerkraft trotzen und denen ich vor einiger Zeit schon einen eigenen Beitrag gewidmet habe – auch das Bella Sky Hotel zählt dazu und der Balancing Barn, den das holländische Büro MVRDV zu Alain de Bottons Living-Architecture-Projekt beigesteuert hat. Eins ist allen diesen äquilibristischen Kunststücke gemeinsam: als Betrachter glaubt man kaum, daß sie überhaupt möglich sind – und zweifelt dennoch keinen Augenblick lang an ihrer Stabilität.

Wahrscheinlich ist es das, was mich an dieser Art Architektur fasziniert, denn wir Innenarchitekten stehen jedesmal vor einer ähnlichen Herausforderung. Einerseits soll ein Raum Solidität und Verläßlichkeit ausstrahlen, Geborgenheit und Vertrauen vermitteln. Andererseits soll er seinen Bewohnern oder Benutzern »Raum geben« und ein Gefühl der Weite evozieren. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Innenarchitektur, und wo die Spannung zwischen den beiden Polen nicht mehr zu spüren ist, ist sie gelungen.

Was beim Museu Oscar Niemeyer wohl nur wenige bezweifeln werden:

95 Jahre war Oscar Niemeyer alt, als das Museum 2002 fertiggestellt wurde; aktiv ist er, wie man hört, noch immer. Beneidenswert, wie lange die schöpferische Kraft bei Architekten erhalten bleibt. Ob das für Innen­architekten ebenfalls gilt?! ;-)

28. Juni 2011

Kennen Sie WOBO?

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Manche Leute finden ja Werbung und Marketing der Firma Heineken besser als ihr Bier – und haben mir das deutlich zu verstehen gegeben, als ich neulich ein paar Werbe-Beispiele vorstellte. Um über das Bier zu urteilen, fehlt mir die Kennerschaft. Dafür bin ich aus reinem Zufall über ein anderes Kuriosum gestolpert, das mir schon wieder imponiert hat. Alfred Henry (Freddy) Heineken, der von 1941 bis 1989 das Unternehmen leitete und es zum Weltkonzern machte, interessierte sich für mehr als nur Bier. Und in dem, was ihn sonst noch so umtrieb, war er offenbar seiner Zeit ein ganzes Stück voraus.

Das gilt jedenfalls für Heinekens WOBO. Geduld bitte, ich wußte erst auch nicht, was das ist. Die Idee entstand auf einer Reise durch die Karibik. Alfred Heineken staunte über die Unmengen leerer Bierflaschen, die sich nicht nur auf den Müllhalden sammelten, sondern das Stadtbild beherrschten und die Landschaft verschandelten. Gleichzeitig wunderte er sich über die miserable Bauqualität der Häuser einschließlich der Neubauten. Baumaterial sei schwer zu bekommen, sagte man ihm, und Qualitätsware kaum zu bezahlen. Ja, wenn das so ist, dachte Heineken – den Leuten kann geholfen werden.

Wieder zurück in Holland, beauftragte er den Architekten John Habraken damit, das, was ihm durch den Kopf gegangen war, in die Tat umzusetzen. Wenig später präsentierte dieser den Entwurf einer Flasche, die gleichzeitig als Glasziegel dienen konnte. Der Flaschenhals paßte exakt in die konkave Wölbung des Bodens; Noppen auf den beiden ebenen Seitenflächen verhinderten ein Verrutschen; als Bindemittel diente ein spezieller Mörtel:

Heineken war fest vom Potential und der Nützlichkeit seiner Idee überzeugt und ließ gleich zwei aufeinander abgestimmte Flaschengrößen in Produktion gehen. Und er dachte in großen Maßstäben: WorldBottle – kurz WOBO – hieß die neue Flasche. Um die Praxistauglichkeit der Idee unter Beweis zu stellen, wurden auf dem Heineken-Brauereigelände eine Lagerhalle und eine Mauer aus WOBOs errichtet.

Das blieben, soweit man weiß, die einzigen »Flaschenbauten«. Der Markt war skeptisch, und auch innerhalb des Unternehmens hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Nicht einmal das legendäre Heineken-Marketing stellte sich in den Dienst der Sache, und die starb eines langsamen Todes. Wenige Jahre später wurde die Produktion eingestellt. Wie gesagt: Heineken war seiner Zeit voraus und die Welt noch nicht reif für seine Idee.

Mittlerweile sind Nachhaltigkeit, Recycling und Wiederverwertung, Schonung der Ressourcen und ökologisches Bauen in aller Munde. Heute könnte WOBO möglicherweise zum Renner werden. Aber ich will hier gar nicht für die Wiederverwertung einer alten Idee plädieren. Ich sehe darin eher ein Beispiel, welch kreative Lösungen in diesem Feld möglich sind, wenn man die gewohnten Bahnen verläßt und ein bißchen Einfallsreichtum beweist.

Anders herum gesagt: auch das sogenannte ökologische Bauen ist längst schon wieder dabei, in langweiliger, öder Routine zu erstarren. Viel zu wenige machen sich die Mühe, nach Alternativen zu den mittlerweile etablierten Alternativen zu suchen und die Chance unkonventioneller Lösungen zu nutzen. Ein wenig mehr frischer Wind täte gut.

Wie sich das fördern ließe? Man könnte ja vielleicht einen Alfred H. Heineken Preis ins Leben rufen – oder einen WOBO Award…

28. Juni 2011

Besser spät als nie

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Der SPIEGEL tut sich viel auf seine Aktualität zugute, aber beim Yotel hat sich selbst die Online-Redaktion des Nachrichtenmagazins ziemlich viel Zeit gelassen. Für die Gäste der Serendipity Suite ist dieser Artikel deshalb old news. Ich weise dennoch darauf hin, weil er eine, wenngleich kleine Fotostrecke präsentiert – eine Ergänzung zu dem computergenerierten Film, den ich Ihnen gezeigt habe.

Ganz verstanden hat der SPIEGEL das Konzept des Yotels freilich nicht. Da die Gäste selbst elektronisch einchecken, meinen die Reporter, die dennoch vorhandene »Rezeption« sei eine Art letzte Zuflucht für die Ewig-Gestrigen, die mit der Technik nicht zurechtkämen. Schon der Name hätte sie eines besseren belehren können: was sie »Rezeption« nennen, heißt im Yotel »Mission Control« und übernimmt eine zentrale Funktion für das Hotel. Hier stehen Mitarbeiter den Gästen 24 Stunden am Tag zur Verfügung, um mit Rat und Tat zu helfen. Nicht nur beim Einchecken, sondern vor allem danach, und wenn das Gespräch etwas länger dauert, gibt’s auf Wunsch auch noch einen Snack und was zu trinken.

Eine abgespeckte Rezeption? Ganz im Gegenteil: die Entlastung von Routineaufgaben macht die »Mission Control« erst zu dem, was sie ist, und genau darin liegt ihr eigentlicher Reiz. Aber das wissen Sie ja bereits:-)

27. Juni 2011

Hotelzimmer buchen? There’s an App for that…

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Mobiles Internet und Cloud Computing sind unter den aktuellen Schlagworten wohl diejenigen, die die größte Zukunft haben. Schon davon, was wir heute selbstverständlich finden, haben wir vor drei, vier Jahren noch nicht einmal geträumt. Und das ist erst der Anfang. Damit meine ich nicht kühne Visionen und utopische Schwärmereien, sondern kleine Annehmlichkeiten, die den Alltag umso stärker verändern.

Ein kleines Beispiel: grade erst hatten wir uns daran gewöhnt (und davon geschwärmt) Hotelzimmer online am Computer buchen zu können – schon ist absehbar, wie umständlich und unbequem uns das bald schon scheinen wird. Wer die Wahl hat, macht das mittlerweile viel lieber mit dem Handy oder dem iPad. Zu dieser Erkenntnis ist man bei der International Hotel Group (IHG) schon gekommen, nachdem man nur wenige Monate lang Erfahrungen mit einer eigenen App gesammelt hat. Die generiert jetzt bereits zehn Millionen Dollar Umsatz, obwohl sie nicht sehr benutzerfreundlich und nur für Priority-Club-Rewards-Mitglieder bestimmt ist.

Das Unternehmen hat auf diesen Erfolg schnell reagiert: seit ca. Mitte Juni verfügt jetzt jede der Marken des Konzerns – InterConti, Crowne Plaza, Holidy Inn etc. – über eine eigene App, mit der sich schnell und unkompliziert freie Zimmer abfragen und buchen lassen. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, daß damit die mobilen Buchungen erst recht nach oben schnellen werden. Auch für diese Erwartung haben sie einen Erfahrungswert parat: 65 Prozent derjenigen, die eine App herunterladen, buchen innerhalb der nächsten 24 Stunden auch ein Zimmer.

Und das war die Zahl, die mich an dem Bericht am meisten beeindruckt hat. Sie bedeutet nämlich: die Mehrzahl der Nutzer wissen bereits, was sie wollen. Aber bevor sie sich an den PC begeben, um online zu buchen, laden sie sich lieber die App aufs Handy. Das ist beinahe schon eine Volksabstimmung. Und die ergibt eine absolute Mehrheit für die These, die Steve Jobs kürzlich geäußert hat: die Post-PC-Ära hat längst begonnen.

Darüber, was daraus folgt, habe ich höchstens ein paar vage Vermutungen. Genau weiß es ohnehin keiner. Aber es ist ein Gedanke, mit dem wir uns anfreunden sollten – und ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird.

27. Juni 2011

Fünf Sterne und ein Wasserspiel

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Das Connaught Hotel wurde 1897 eröffnet; in den 114 Jahren seither hatte es ganze sechs Direktoren. Eins der Londoner Fünf-Sterne-Häuser, in denen Tradition großgeschrieben und hochgehalten wird. Das ist ihm anzusehen – von außen und mehr noch von innen. Aber das ist nur die eine Seite. Denn das Connaught hat gleichzeitig den Anspruch, Maßstäbe für ein Luxushotel des 21. Jahrhunderts zu setzen. Dafür steht auch das jüngste Projekt des Hauses: ab Juli wird ein Brunnen den Platz vor dem Hotel zieren. Aber das Wort Brunnen weckt vielleicht falsche Vorstellungen – die Verantwortlichen des Connaught sprechen von einer Installation. Mit der haben sie den japanischen Avantgarde-Architekten und Pritzker-Preisträger Tadao Andō beauftragt, der ja bereits mit dem Westin Awaji Island Hotel für Aufsehen gesorgt hat.

Und auch die Installation vor dem Connaught Hotel wird schon bald alle Augen auf sich ziehen. Feine Sprühnebel; Glaslinsen knapp unter der Wasseroberfläche, die für faszinierende Effekte sorgen; dazu zwei große alte Bäume als integraler Bestandteil des »Brunnens« – das Ganze gilt schon jetzt als kommende Attraktion von Mayfair und als Bereicherung des Stadtteils.

Und ich stelle mir einmal mehr die Frage, warum Hotels nur so selten den Mut aufbringen, mit profilierten modernen Architekten zusammen­zuarbeiten und auch architektonisch Zeichen zu setzen. Hier Tadao Andōs Installation im »Probebetrieb«:


[Kudos: bdonline]

Übrigens: in seiner Jugend war Andō Profiboxer; als Architekt ist er Autodidakt, genauso wie Zumthor und Koolhaas. Ich weiß immer noch nicht recht, was ich daraus für Schlüsse ziehen soll… ;-)

27. Juni 2011

Vorsicht, Werbung (23)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben, heißt es. Nicht immer ist das Erlebnis erfreulich. Dafür gibt es dann Versicherungen. Die werben damit, daß ihre Kunden in guten Händen sind, was immer ihnen zustößt. Und zustoßen kann ihnen so einiges, wenn die Werber ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen. Wer sich da nicht umgehend eine European Health Insurance Card zulegt… ;-)


[Kudos: Andrew Sullivan]

(Mehr aus der Rubrik »Vorsicht, Werbung« finden Sie hier)

26. Juni 2011

Keep Smiling

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Curb Your Enthusiasm« ist berühmt für ihren boshaften Witz – eine jener Fernsehserien, um die wir Amerika nur beneiden können. Aber die Amerikaner wissen selbst, was sie daran haben: schon mehrmals sollte unwiderruflich Schluß sein, und dann erzwangen die Zuschauer doch noch eine neue Staffel. Dieses Problem kannte übrigens auch Sir Arthur Conan Doyle, der schließlich, um nicht noch einmal in Versuchung zu geraten, Sherlock Holmes kurzerhand ums Leben kommen ließ. Radikal und wirksam, sollte man meinen. Nur konnte sich Doyle anschließend vor empörten, verstörten oder abgrundtief traurigen Leserzuschriften nicht mehr retten. So durfte Holmes wiederauferstehen, und der scheinbare Tod entpuppte sich als Trick, um anschließend erst recht über seinen genialen Widersacher zu triumphieren.

James-Bond-Fans erinnern sich da vielleicht an ein anderes Wieder­aufer­stehungs­wunder – nur handelte es sich in diesem Fall um den Bösewicht. Aber ich schweife ab.

Zurück zu »Curb Your Enthusiasm«. Da gibt es in einer der Folgen eine Hotelszene, die mir wieder einfiel, als ich jetzt »Frantic« ein zweites Mal sah. Es geht um jenen Moment, als der Hotelboy, nachdem er sie auf sein Zimmer gebracht hat, den Protagonisten das Zimmer präsentiert: Hier ist das Badezimmer; hier der Lichtschalter; hier bitte, falls Sie frisches Obst mögen; das Telefon; der Fernseher; die Fernbedienung. Alles mit dem leicht erkennbaren Ziel, sich ein Trinkgeld zu sichern. In »Frantic« kriegt er trotzdem keins (im Unterschied zum Pagen, der die Koffer bringt).

Die angesprochene Szene in »Curb Your Enthusiasm« hat exakt dasselbe Thema. Und auch Larry, der Held der Serie, merkt natürlich schnell, worum es geht. Nur begnügt er sich nicht damit, das Getue über sich ergehen zu lassen und die Absicht dahinter zu ignorieren. Er läßt sich eine Antwort einfallen. Und mit der lasse ich Sie jetzt einfach allein – viel Vergnügen:

26. Juni 2011

Hotel Hollywood Sunday Special

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

»Frantic«, 1988, von Roman Polanski, mit Harrison Ford, Betty Buckley und Emmanuelle Seigner, Musik: Ennio Morricone

Mehrmals habe ich zwischendurch an Silvia Allegrini gedacht, als ich mir für das heutige Sunday Special Polanskis Film nochmals ansah. Sie erinnern sich: Silvia Allegrini hat ein Reisekit entwickelt, das in eine Handtasche paßt und einem die Erfahrung ersparen soll, nach der Landung des Flugzeugs möglicherweise vergeblich auf sein Reisegepäck zu warten. Zu all den Verwicklungen in »Frantic« wäre es dann gar nicht gekommen.

Ich habe mir aber auch überlegt, was wohl häufiger passiert: daß Gepäckstücke im falschen Flieger landen, oder daß ihre Besitzer sie am Förderband wegen allzugroßer Ähnlichkeit miteinander verwechseln. Schwer zu sagen, was unangenehmer ist und die größeren Komplikationen nach sich zieht. Wenn aber alles zusammenkommt: Koffer verwechselt werden, verloren gehen und dabei auch noch die Ehefrau verschwindet – dann sind wir im Film, und dann ist das erst der Anfang…

Die allererste Panne passiert in »Frantic« allerdings schon vorher, nämlich auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, das im Film Hotel Le Grand heißt, diesem Namen aber nur sehr bedingt Ehre macht. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Von einer »Fortsetzung Hitchcocks mit Polanskis Mitteln« hat der SPIEGEL seinerzeit geschrieben. Und das will was heißen, ist doch jeder der beiden schon für sich allein in der Lage, uns einen Schauer nach dem anderen den Rücken hinunterzujagen… Sollten Sie den Film noch nicht kennen, sind Sie nach den folgenden Ausschnitten sicher gespannt, wie es weitergeht. Genauso hat sich Polanski das auch vorgestellt. Und deshalb werde ich den Teufel tun und das hier vorschnell verraten… ;-)

24. Juni 2011

Aus 5 mach 25

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Welchem Vielflieger wäre das noch nicht zugestoßen: da steht man nach der Landung am Gepäckförderband, guckt auf die Uhr – und wartet. Und wartet. Und wartet. Um sich dann im kleinen Kreis derjenigen wiederzufinden, deren Gepäck ebenfalls nicht angekommen ist. Mit etwas Glück kriegt man es dann ein oder zwei Tage später. Vielleicht auch eine Woche. Und manchmal gar nicht. Ärgerlich ist es auf jeden Fall. In der Zwischenzeit behilft man sich mit Provisorien, die aber trotzdem Geld kosten, das man lieber für anderes investiert hätte. Besser gar nicht erst aufregen.

Das dachte sich auch Silvia Allegrini, als ihr genau das passierte. Im Unterschied zu den meisten anderen Reisenden allerdings ist Silvia Allegrini Modedesignerin und machte deshalb in Gedanken gleich auch den nächsten Schritt: nur Gepäck, das man aufgegeben hat, kann verlorengehen. Wie läßt sich also das, was frau für eine mehrtägige Reise braucht, locker und bequem im Handgepäck verstauen? – natürlich zusätzlich zu dem Kleinkram, den sie sonst noch benötigt. Ihre Antwort darauf heißt »Chick to go« und ist bestechend. In gewisser Weise erinnert sie mich an das Tangram-Prinzip, über das ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Aber wo der Designer Kormos Balint aus einem Tangram sieben Stühle zauberte, sind es bei Silvia Allegrini gleich 25 unterschiedliche Outfits, eins reizvoller als das andere. Das alles aus fünf Einzelteilen und zwei Accessoires, die zusammengenommen dennoch nicht mehr als 199 Dollar kosten.  weiterlesen…

23. Juni 2011

Fronleichnam 3
(Vorsicht, Suchtgefahr)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Brot und Wein, schön und gut. Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Geheimnisse des Glaubens, die uns an einem Tag wie heute durchaus beschäftigen dürfen. Aber den Rest des Jahres über und im Alltag zählen auch andere Dinge. Wo blieben wir beispielsweise – hier in der Serendipity Suite und im Büro Markus-Diedenhofen – ohne den Kaffee, unser bitteres, schwarzes Lebenselixier. Also nutze ich den arbeitsfreien Tag, um auch ihm drei Minuten zu widmen, der von der Medizin so lange verteufelt und in den letzten Jahren so glänzend rehabilitiert wurde. Wie wär’s mit einem schönen starken Espresso zum folgenden Video?


[Kudos: Daring Fireball / John Gruber]

23. Juni 2011

Fronleichnam 2
(Vorsicht, Blasphemie)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Woran denkt man bei der Liedzeile: »Always look on the bright side of life«? Klar, an Monthy Python. Und natürlich an die folgende unvergeßliche Sequenz aus dem »Leben des Bryan«:

Bevor Sie mir jetzt entrüstete Emails schreiben: ich weiß schon, daß Fleisch und Blut Christi, denen der heutige Tag geweiht ist, auf gut katholisch nicht so wörtlich gemeint sind. Monthy Pythons Film allerdings auch nicht. Und überhaupt: wer weiß schon so genau, was unter »Transsubstantiation« wirklich zu verstehen ist… ,-)

23. Juni 2011

Fronleichnam 1
(Keep Smiling)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Das ist ein Feiertag, bei dem ich unweigerlich an Prozession denken muß. Seit meiner Kindheit ist das Wort Fronleichnam untrennbar damit verbunden. Wobei sich, jedenfalls meiner Erinnerung nach, die Teilnehmer an Fronleichnamsprozessionen nicht unbedingt im Gänsemarsch bewegten. Aber vielleicht ist das in Belgien ja anders:

23. Juni 2011

Writers’ Corner

»Dieses haben unsere Vorfahren aus gutem Grunde so geordnet, und wir stellen es aus gutem Grunde nun wieder ab.«

Georg Christoph Lichtenberg
zum vorangegangenen Beitrag

23. Juni 2011

Vom großen Wert der kleinen Dinge

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Über eine »historische Neuerung«, eine Revolution gar im Innen­raum­design von Flugzeugen haben Zeitungen in den letzten Tagen berichtet. Geht’s auch eine Nummer kleiner? – dachte ich zunächst, als ich las, worum es sich handelte: in Boings Bestsellermodell 737 sollen künftig die beiden Druckknöpfe für die Leselampe und für den Ruf nach dem Bordservice – die bisher, wie anscheinend auch bei allen Konkurrenzmodellen, direkt nebeneinander lagen –, räumlich getrennt und unterschiedlich gestaltet werden. Klingt vernünftig, aber nicht weiter aufregend. Eine gedankenlos akzeptierte Konvention, deren Korrektur längst überfällig war. Ist das eine Schlagzeile wert – außer man hätte ein Sommerloch zu füllen?

Dann las ich den Artikel und dachte ein zweites Mal darüber nach. Denn die höhere Benutzerfreundlichkeit hat Konsequenzen, die sich nicht im individuellen Nutzen für die Passagiere erschöpfen. Mindestens ebenso wichtig ist die Entlastung des Bordpersonals, die daraus resultiert:

»The dreaded button causes flight attendants to make countless pointless trips down the aisles every day, only to hear embarrassed passengers say they were just trying to switch on the light.«

Unter diesem Gesichtspunkt: eine minimale Designänderung, aber mit großen Wirkungen. Nichts, worüber man sich lustig machen müßte. Vielleicht ganz im Gegenteil: ein Lehrstück dafür, worauf es wirklich ankommt. Nicht nur beim Interior Design von Flugzeugen, sondern in der Innenarchitektur überhaupt – und noch weit darüber hinaus.  weiterlesen…

22. Juni 2011

Writers’ Corner
(Eine Lektüreempfehlung)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Daß uns Sachbuchautoren mit Vorschlägen für eine bessere Welt beglücken, kommt öfters vor. Seltener sind Autoren, die persönlich die Konsequenzen aus ihren Schlußfolgerungen ziehen und versuchen, ihre Vorstellungen in die Wirklichkeit umzusetzen. Zu letzteren gehört Alain de Botton; auf sein Buch über Architektur, das den Anstoß zur Gründung von Living Architecture gab, habe ich im vorangegangenen Beitrag hingewiesen. Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel »Glück und Architektur« erschienen und auch für Nicht-Architekten eine anregende Lektüre. Leider ist die Hardcover-Ausgabe vergriffen; die broschierte Version finden Sie hier.

Der Autor über sein Buch:

»One of the great, but often unmentioned, causes of both happiness and misery is the quality of our environment: the kind of walls, chairs, buildings and streets we’re surrounded by.

And yet a concern for architecture and design is too often described as frivolous, even self-indulgent. The Architecture of Happiness starts from the idea that where we are heavily influences who we can be – and argues that it is architecture’s task to stand as an eloquent reminder of our full potential.

Whereas many architects are wary of openly discussing the word beauty, the book has at its centre the large and naïve question: ‘What is a beautiful building?’ It amounts to a tour through the philosophy and psychology of architecture, which aims to change the way we think about our homes, streets and ourselves.«

Alain de Botton

22. Juni 2011

Hotel oder Heiligtum

Bauherren haben, wie im letzten Beitrag dezent angedeutet, nicht immer ihre helle Freude an Peter Zumthor. Gut so, kann ich als Kollegin nur sagen. Einerseits. Dann sehe ich so etwas wie das folgende Video – und kann mir das Lachen nicht verkneifen. Den Mut, den Peter Zumthor da beweist, habe ich nicht – und hätte ich ihn, wäre unser Oeuvre wohl ähnlich schmal wie seines… Dabei geht es bei diesem Projekt sogar ausdrücklich um die Hotellerie – oder das, was Alain de Botton darunter versteht.

Alain de Botton – selbst gebürtiger Schweizer, aber schon lange in London zuhause – hat sich als Schriftsteller und Philosoph einen Namen gemacht. Bei der Arbeit an einem Buch zur modernen Architektur erschrak er über deren mangelnde Wertschätzung allgemein, ganz besonders aber darüber, was Hotelgästen und Urlaubern architektonisch zugemutet wird. Also beschloß er, Abhilfe zu schaffen. Das von ihm ins Leben gerufene Unternehmen Living Architecture baut und betreibt Ferienhäuser in ganz England. Diese zeichnen sich aus durch zwei Besonderheiten: sie befinden sich an Standorten von hohem landschaftlichen oder historischen Reiz – und jedes von ihnen ist ein architektonisches Statement, geplant von einem speziell für das jeweilige Projekt ausgewählten Architekten oder Architekturbüro. Einem dieser Ferienhäuser – dem »Balancing Barn« des holländischen Büros MVRDV – sind wir hier schon begegnet. Das mittlerweile sechste Haus in der Reihe wird Peter Zumthor bauen. Und er scheint entschlossen, der archaischen Landschaft Devons mit ihrer bis in die Steinzeit zurückreichenden Besiedlung und ihren erdgeschichtlichen Assoziationen seine Reverenz zu erweisen.

Ich drücke mich hier absichtlich etwas vage aus. Wenn Sie sich die sechs Minuten Zeit für das Video nehmen, worin Alain de Botton das Projekt erstmals der Öffentlichkeit »präsentiert«, werden Sie verstehen, warum:

Große Anerkennung übrigens auch für Alain de Botton. Es dürfte wenige Bauherren geben, die ihren Architekten so großes Vertrauen entgegenbringen – und als ihre öffentlichen Fürsprecher soviel Humor beweisen.

Vielleicht sollte ich in diesem Zusammenhang aber auch daran erinnern, daß das Bauwerk, das wahrscheinlich am stärksten zum internationalen Ruf Zumthors beigetragen hat, ebenfalls aus dem Bereich der Hotellerie stammt.  weiterlesen…

22. Juni 2011

Open Air für Anspruchsvolle

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Weil ich grade vom Sommer gesprochen habe, von der Sehnsucht aufzubrechen und dem Traum von Nächten unter freiem Himmel: dazu braucht es im Grunde weder das Meer noch den Strand noch südliche Lebensfreude. New York tut’s auch. Das AKA Central Park bietet ausgewählten Gästen die Möglichkeit, in warmen Sommernächten auf der Terasse ihrer Suite im Freien zu schlafen – und untertags auch da zu wohnen:

Aber – Sie ahnen es – nichts ist umsonst, der (freie) Himmel am wenigsten. 3 000 Dollar pro Nacht muß einem das Vergnügen schon wert sein. Für diesen Preis bekommt man dann immerhin noch eine Flasche Champagner, einen Tablet-Computer und Erdbeeren mit Schokoglasur »kostenlos« dazu; auch Taschenlampen werden gestellt, und für Sternfreunde ein leistungsstarkes Teleskop*. Wer sein Geld dann doch lieber für andere Dinge ausgibt, kann immer noch ins Yotel ausweichen. Das verfügt schließlich, zur heimlichen Erbitterung seiner Mitbewerber, gegenwärtig über die größte Dachterasse aller New Yorker Hotels. Zum Schlafen muß man sich dann freilich doch in sein Zimmer zurückziehen.

Aber nur zum Schlafen…
 

* Das Himmelsfernrohr paßt natürlich perfekt zum romantischen Charakter des Angebots; wer es sinnvoll nutzen möchte, wird wohl überdies auf einen Stromausfall in New York hoffen müssen…

22. Juni 2011

Writers’ Corner, drittens

»I design for the use of a building and the place and for the people who use it… the reputation for arrogance comes because when work is offered to me I look whether I can find a genuine interest in quality. If I only find an interest in using my name for economic reasons, or if I can see that this is a project that only deals with image and facade, of course I say no.«

Peter Zumthor
 

(Was Zumthor hier äußert, ist nicht sonderlich originell und sollte sich im Grunde von selbst verstehen. Nur – und davon wissen viele, unter anderem auch Berliner Bauherren ein Lied zu singen: Zumthor handelt auch danach. Rem Koolhaas, den wir vor wenigen Tagen hier in der Serendipity Suite zu Gast hatten, ist zwar um der Sache willen zu mehr Kompromissen bereit, in Wirklichkeit aber ein ebensolcher Sturkopf wie Zumthor. Und das bringt mich zu einer weiteren Gemeinsamkeit dieser beiden bemerkenswerten Architekten, die mir zu denken gibt: beide sind am Studium gescheitert bzw. haben es vorzeitig abgebrochen. Was lassen sich daraus für Schlüsse ziehen?)

22. Juni 2011

Writers’ Corner, zweitens

»Letzten Sommer habe ich zwei amerikanischen Teenagern Paris gezeigt. Die wollten natürlich in den Louvre. Dort hängen so tolle Sachen wie Rembrandts und Vermeers! Aber das interessiert niemanden, denn zur Mona Lisa geht es nach rechts. Der Weg ist ausgeschildert wie auf der Autobahn. Als wir ankamen, standen Besucher in zwanzig Reihen dicht gedrängt hintereinander vor dem Bild. Alle haben ihre Handys hochgehalten und letztendlich nur die Handys der Menschen vor ihnen fotografiert. Das ist Tourismus: Leute machen Bilder von anderen Leuten, die ein Bild von einem Bild machen wollen.«

Wim Wenders

22. Juni 2011

Writers’ Corner, erstens

»Wenn man sieht, wie man … empfangen wird, in Hotels etwa, liegen mir schnell drei, vier boshafte Sätze auf der Zunge, ich lasse sie gerinnen und schreibe es auf. Ich behellige niemanden direkt. Obwohl junge Damen in Hotels, die mich nicht kennen, haben oft Texte parat und plappern sie vor sich hin, ohne jemanden zu meinen. Es fängt mit ›Was kann ich für Sie tun?‹ an. Ich würde sagen: ›Gehen Sie mir vom Leib, schicken Sie mir jemanden, der mich anschaut‹.«

Dieter Hildebrandt

21. Juni 2011

Wohnsitz Hotel

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Wo wohnt Riccardo Chailly, der Chefdirigent des Gewandhausorchesters, wenn er in Leipzig ist? Wenn ich so frage, kennen Sie auch schon die Antwort: im Grandhotel Handelshof. Dort ist eine Suite für ihn reserviert, die ihm bei jedem seiner Aufenthalte zur Verfügung steht. Natürlich haben das Hotel und Steigenberger als Betreiber dabei auf persönliche Wünsche Chaillys Rücksicht genommen – und wir unser Bestes getan, sie entsprechend umzusetzen.

Eigentlich hatten wir vereinbart, Stillschweigen darüber zu bewahren, und ich kann das Bedürfnis Chaillys nach Diskretion gut nachvollziehen. Der Mann steht so sehr im Rampenlicht, daß er zumindest die wenigen freien Stunden, die ihm bleiben, für sich haben will. Mittlerweile aber ging die Nachricht von Chaillys neuem Leipziger Domizil ohnehin durch die Presse, da kann ich auch hier drüber erzählen. Immerhin tritt Chailly damit in die Fußstapfen seines musikalischen Idols Gustav Mahler, der ebenfalls die längste Zeit seines Lebens in Hotels wohnte (statt sich, wie viele andere in seiner Lage, eine Wohnung samt Dienstboten zu mieten).

Und auch Mahlers Wunsch nach Diskretion* blieb unerfüllt. Im New Yorker Hotel Majestic standen die Autogrammjäger Schlange, und jedesmal, wenn es einem von ihnen trotz aller Vorkehrungen gelang, zum Meister vorzudringen, kriegte der Hoteldirektor Otto Wantuch einen Rüffel…
 

* Im Falle Gustav Mahlers ist der Wunsch nach Diskretion freilich cum grano salis zu nehmen. Der Drang nach Anerkennung hielt seiner persönlichen Schüchternheit mindestens die Waage, und noch schlimmer als ein paar allzu zudringliche Autogrammjäger wäre es wahrscheinlich gewesen, hätten sich gar keine Fans im Majestic (und später im Savoy) eingefunden… ;-)