2. August 2011

Die Lesbarkeit der Welt (1)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Lassen Sie sich von dem Techtelmechtel, das Typographie und Möbeldesign in der Libreria ABC aus dem letzen Beitrag eingegangen sind, bloß nicht irritieren. Man kann die Dinge nämlich viel weiter treiben. Bei dem in England geborenen, in Los Angeles lehrenden Schriftentwerfer Andrew Byrom geht die Typographie bruchlos über ins Möbel- und ins Licht-Design, in die Innenarchitektur oder in die Land Art. Umgekehrt ist die ganze Welt, hat man sich eine Zeitlang mit Byroms Arbeit beschäftigt, plötzlich voll mit Buchstaben, Wörtern und verborgenen Botschaften. Oder jedenfalls Anregungen. Und man ist gar nicht mehr überrascht, wenn man in einem Hotel das Bad betritt und in der Dusche Haltegriffe vorfindet, bei denen die Form nicht der Funktion folgt, sondern die Funktion der Bedeutung. Oder so ähnlich. Aber dazu hat Andrew Byrom in seinem TED Talk von Mitte Juli viel mehr zu sagen – und das auf unnachahmlich unterhaltsame Weise:


[Kudos: I Love Typography]
 

Als experimentelle, dreidimensionale Typographie bezeichnet Andrew Byrom selbst seine Tätigkeit. Nicht alles, was dabei entsteht, ist ein großer Wurf; das wäre auch ein bißchen viel verlangt. Aber ich mag seine Art, Brücken zwischen getrennten Welten zu schlagen, und ich freue mich, daß es Verrückte wie ihn, daß es die »crazy ones« immer noch gibt. Das macht Mut, auch selber weiter gegen den Strich zu denken und nach unkonventionellen Lösungen zu suchen.