7. Juli 2010

Yes, we can

Was der Deutsche Hotelimmobilien-Kongress in Bonn mit der Fußball-WM gemein hatte. Oder wenigstens mit der deutschen Nationalmannschaft.

Ich gebe zu: ganz kalt läßt mich das Fußballfieber denn doch nicht. Zwar bin ich bekennender Nicht-Fan, aber ich habe auch nicht grundsätzlich was gegen Fußball. Und bei Europa- oder Weltmeisterschaften begebe ich mich nicht krampfhaft auf die Suche nach fußballfreien Zonen. Allerdings bin ich wohl schwerer zu begeistern als der durchschnittliche Fußball-Deutsche. Da braucht es schon Spiele wie die unserer Nationalmannschaft gegen England oder Argentinien. Nicht, daß ich mir zutrauen würde, im Anschluß mit Delling, Netzer und dem Rest der Fußballnation darüber zu fachsimpeln. Ich habe eher den Blick des Outsiders; es sind die nicht- oder nicht-nur-sportlichen Aspekte, die mir auffallen und Eindruck machen.

Zuallererst natürlich die sichtbare Freude am Spiel, die die elf Akteure auf dem Rasen miteinander verbindet. Und »verbindet« meine ich wörtlich: ich habe schon lange keine Mannschaft mehr erlebt – und das nicht nur im Fußball –, die ein so überzeugendes, nahezu ansteckendes Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Und das rührt daher, daß sie tatsächlich was gemeinsam haben. Sie sind nicht auf dem Feld, um eine Niederlage zu vermeiden. Sie trauen sich was zu und wollen zeigen, was sie können. Sie lassen sich von ihrem Selbstbewußtsein und ihrer eigenen Begeisterung mitreißen, und wenn die Gegner dabei manchmal ziemlich alt aussehen – umso besser. Auf Nummer Sicher sollen andere spielen. Es ist eine Lust, ihnen dabei zuzusehen.

Und es ist das totale Kontrastprogramm zu dem, was uns Politik und Medien hierzulande sonst so bieten. Dem täglichen Klein-klein und allgegenwärtigen Besitzstandsdenken. Den kindischen Intrigen und unsäglichen Neid-Debatten. Der Angst, sich zu exponieren und Verantwortung zu übernehmen. Lieber bleibt man ungreifbar und gesichtslos als Profil zu zeigen und sich angreifbar zu machen. Bloß nicht auffallen, nur keine Fehler machen scheint zur ersten Bürgerpflicht zu avancieren. Wer sich was zutraut, verhält sich anders. Und wie wollen wir in der gegenwärtigen Situation bestehen, wenn wir uns nicht was zutrauen und entschlossen sind, zu zeigen, was wir können? Manchmal möchte ich an diesem Land verzweifeln.

Dann war ich vor etwa einer Woche auf dem Deutschen Hotelimmobilien-Kongress in Bonn. Und da empfing mich eine Stimmung, die ich nicht erwartet hatte.  Das unvermeidliche Jammern über die schlechten Zeiten hielt sich in erstaunlich engen Grenzen; die wenigsten sprachen von Krise. Bei der großen Mehrheit aber herrschte – ich kann es nicht anders sagen – echte und ansteckende Aufbruchstimmung. Markt-Chancen wurden erörtert, Expansionspläne vorgestellt, neue Hotelkonzepte diskutiert. Das alles nicht abstrakt und allgemein, im Sinne eines Wohlfühl-Programms, sondern untermauert durch sehr konkrete, zukunftsträchtige Projekte: das Schwabinger Tor in München; »Harry’s Home« in Österreich und demnächst auch in Deutschland; das »rocksresort« in Laax – um nur exemplarisch drei Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anzuführen.

Als ich nach den zwei Tagen wieder abreiste, waren alle pessimistischen Anwandlungen verflogen. Sieh an, dachte ich, wir können’s ja doch. Und nicht nur auf dem Fußballfeld.

Ich wünsche der deutschen Nationalmannschaft viel Erfolg beim heutigen Spiel gegen die Spanier. Mit den Holländern werden »wir« anschließend dann auch noch fertig…