25. Juli 2010

Hotel Hollywood Sunday Special

Nomen est omen, und schon der Titel verpflichtet: »Grand Hotel« (Regie: Edmund Goulding) gehört sicher zu den berühmtesten Hotelfilmen aller Zeiten. Das liegt nicht allein an Greta Garbo, die hier in einer ihrer Glanzrollen zu sehen ist (der ewige Wettstreit mit der großen Rivalin Marlene Dietrich blieb dennoch unentschieden, denn die begeisterte das Publikum im selben Jahr (1932) im gleichermaßen legendären Klassiker »Shanghai Express«, dem ich das Sunday Special von letzter Woche gewidmet habe). Ebenso großen Anteil am Erfolg des Films wie Garbos schauspielerische Leistung hatte aber wohl die Romanvorlage »Menschen im Hotel« der österreichisch-jüdischen Schriftstellerin Vicki Baum, die selbst eine Zeitlang als Zimmermädchen in einem Berliner Grandhotel gearbeitet hatte.

In Baums Roman erscheint das Hotel als Mikrokosmos des gesellschaftlichen Lebens der Zeit, worin Dekadenz und höchste Verfeinerung, Fortschrittseuphorie und Niedergangsängste eine unentwirrbare Mischung eingegangen waren. Nirgends trat dies deutlicher zutage als in Berlin, das sämtliche Extreme der Epoche wie unter einem Brennglas versammelte; als »Tanz auf dem Vulkan« hat man diese wilden Berliner Jahre später bezeichnet. Die scheinbare Unerschütterlichkeit des Grand Hotels mit seinen vordergründig zeitlosen, immer gleichen Ritualen steht in denkbar schärfstem Kontrast zu den menschlichen Dramen, die sich in seinen Mauern abspielen. Unübertreffbar lapidar formuliert der Film selbst diese Diskrepanz in dem (schon zu Beginn geäußerten und am Ende noch einmal wiederholten Satz): »Grand Hotel. People come and go. Nothing ever happens«, der schon aus diesem Grund Filmgeschichte geschrieben hat; Sie werden ihn in dem ersten der beiden Ausschnitte, die ich Ihnen zeige, gleich selbst hören – aber auch das bloße Sehen lohnt sich: Goulding zeigt die Hotel-Lobby in einer 360-Grad-Perspektive, die die Idee des Mikrokosmos perfekt ins Bild setzt. Eine filmische Innovation, die in der Folge unzählige Male adaptiert wurde.

Das zweite, nicht minder berühmte Zitat des Films ist ein Satz Greta Garbos, die eine russische Ballerina verkörpert, deren Laufbahn sich dem Ende zuzuneigen scheint. Der Satz lautet (wiederum ganz kurz und scheinbar banal): »I want to be alone« – und sie äußert ihn mit allen Anzeichen der Verzweiflung und des Lebensüberdrusses gegenüber ihrer Entourage, als sie von einer abgebrochenen Vorstellung vorzeitig ins Hotel zurückkehrt. Kurz darauf entdeckt sie – allein im Zimmer, wie sie glaubt – einen Einbrecher, der von ihrer verfrühten Rückkehr überrascht nicht mehr rechtzeitig das Weite suchen konnte. Aus dem Gespräch, das sich im Anschluß entspinnt, entwickelt sich – vorhersehbar – eine zarte Liebesgeschichte, die aber – für einen Hollywood-Film weniger vorhersehbar – nicht zu einem Happy-end findet; oder jedenfalls nicht zu dem, mit dem man rechnen würde. Mehr will ich nicht verraten; vielleicht bekommen Sie ja Lust, sich den ganzen Film anzusehen, lohnen würde es sich allemal.

Das Zitat aber will ich Ihnen dennoch nicht vorenthalten; es steht im Zentrum des zweiten Ausschnitts, gefolgt von der Szene mit dem Dieb, die ich grade geschildert habe: