In Hotels wird geklaut, was das Zeug hält. Manchmal von den eigenen Mitarbeitern, öfter aber von den Gästen. Je vornehmer ein Haus, desto unverfrorener die Souvenirjäger und desto wertvoller ihre Beute. So jedenfalls lautet das populäre Vorurteil, das Insider nur bestätigen können. Neu ist das alles freilich nicht, und irgendwann kennt man auch die wildesten Geschichten beinahe auswendig. Mittlerweile bringt mich das ganze Thema nur noch zum Gähnen.
Meine Neugier hielt sich daher in Grenzen, als die WELT kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, worin sie Direktoren von Luxushotels nach den kecksten Diebstählen in ihrem Haus befragt hatte. Eine Sommerloch-Geschichte, dachte ich. Und die meisten Stories blieben denn auch auf dem Niveau meiner tiefgespannten Erwartungen – oder lagen darunter. Bis auf drei, die den Rahmen sprengten und mich spontan zum Lachen brachten.
Die erste spielt in einem Wellness-Hotel in der Region Edersee und wirkt im ersten Moment gar nicht spektakulär. Aus der Lobby hatte jemand zwei hochwertige, hoteleigene Computer mitgehen lassen. Kein Grund zur Aufregung bei der Hotel-Leitung, und auch die herbeigerufene Polizei nahm’s gelassen. Für solche Fälle hatte man vorgesorgt; sämtliche öffentlichen Bereiche des Hotels waren video-überwacht. Der Dieb oder die Diebe würden lange Gesichter machen, dachte man – und machte dann selber welche. Denn man hatte zwar an fast alles gedacht. Nur nicht daran, daß ausgerechnet die Computer abhanden kommen könnten, auf denen die Überwachungsvideos gespeichert waren.
Die Diebe dürften sich beim Angucken noch tagelang amüsiert haben…
Die zweite Geschichte spielt in einem Hamburger Luxus-Hotel. Dort hatte ein Gast – dem Auftreten nach Geschäftsmann – den Concierge gebeten, ihm ein paar kleinere Umzugskartons zu besorgen; es hätten sich eine Masse an Geschäftsunterlagen angesammelt, die anders nicht vernünftig zu tranportieren seien. Anschließend ließ er die sorgfältig verpackten Kartons von Hotelangestellten zu seinem Auto transportieren und vergalt ihnen die Mühe durch ein großzügiges Trinkgeld. Ein anständiger Gast, dachten diese – bis ein paar Stunden später rauskam, daß sie mitgeholfen hatten, das Hotel um eine Reihe von Wertgegenständen zu erleichtern: im Zimmer des Gastes fehlten Fernseher, Stereo-Anlage und noch einiges andere. Ein großartiges Hotel, wird sich der Gast gedacht haben. Und was für ein Service.
Zwei Fälle, in denen die Hotels im Umgang mit cleveren Dieben keine sehr glückliche Figur machten. Aber es geht auch andersrum, wie diese Geschichte aus einer Londoner Edel-Herberge beweist. Dort flankierten nicht ganz billige chinesische Bodenvasen den Lift – jedenfalls so lange, bis sie mal wieder verschwunden waren und durch neue ersetzt werden mußten. Auf Dauer eine ziemlich kostspielige Übung. Die Direktorin ließ deshalb die Vasen bis oben hin mit Sand füllen und diesen ausgiebig wässern. Darüber hinaus installierte das Hotel eine Videokamera im Aufzugsbereich. Maßnahmen, die von Erfolg gekrönt waren: regelmäßig können die Verantwortlichen seither auf den Überwachungsmonitoren beobachten, wie Gäste sich an den Vasen zu schaffen machen – um dann ganz schnell frustriert davon abzulassen.
Das bringt mich zu einer weiteren, eher konventionellen Geschichte ohne besondere Pointe. In dem schon erwähnten Wellness-Hotel im Ederseer Land wurde nämlich auch ein Zigarettenautomat entwendet. Am hellichten Tag. Eins dieser großen, schweren Standgeräte, die es gewichtsmäßig mit einem Klavier aufnehmen können. Er stand in einem Hotelflur im Küchenbereich, sodaß acht Kellner und fünf Köche – einige davon selbst Raucher – ständig in der Nähe waren oder den Automaten regelmäßig passierten. Bis heute weiß keiner, wie die Diebe es angestellt haben, das Ding unbemerkt aus dem Hotel zu kriegen. Eine ziemlich banale Geschichte, wie gesagt. Aber ich würde dennoch was drum geben, davon ein Video zu sehen…
