Intro

 

Da sind also diese beiden Grünschnäbel von Fischen – so beginnt der Schriftsteller David Foster Wallace seine Rede vor der Graduiertenklasse des Kenyon Colleges – zwei blutjunge Fische also, die eines frühen Morgens frohgemut ihre Bahn ziehen, als ein älterer Fisch ihren Weg kreuzt. »Na Jungs, tolles Wasser heute, oder?« – bemerkt er im Vorüberschwimmen. Nach einer kleinen Weile wendet sich der eine Jungfisch an den anderen und fragt zaghaft: du, sag mal, was ist das eigentlich für ein Zeugs – Wasser?

Das ist natürlich furchtbar vereinfacht. Denn die alten Fische wissen es auch nicht besser. Sie haben nur das Fragen verlernt. Das Offensichtliche ist so offensichtlich, daß es gar nicht mehr in den Blick kommt, und je älter wir werden, desto weniger fällt uns auf, daß wir das, was wir für selbstverständlich halten, am wenigsten verstehen.

Deswegen habe ich mich entschlossen, übers Wasser zu sprechen.

Das Wasser besteht zum einen aus den zahllosen Nachrichten, Informationen, Klischees, vorgefertigten Meinungen, Denkmustern und Wahrnehmungen, die täglich neu auf uns eindringen und von denen wir immer schon umgeben sind. Wir sagen auch Realität dazu. Das Wasser ist aber auch das Element des Lebens. Die Fische brauchen das Wasser wie wie wir die Luft zum Atmen. Wer übers Wasser spricht, muß folglich auf die Unterschiede achten. Es geht darum, beide Seiten zu sehen – das Wichtige vom Belanglosen zu trennen, das Nützliche vom Nutzlosen, das Rückwärtsgewandte vom Zukunftsweisenden. Es sind solche Unterscheidungen, die uns die Freiheit der Wahl eröffnen. Diese Freiheit ist die Quelle jeder Kreativität. Sie ist der Ursprung jener unkonventionellen Lösungen – auch und gerade bei der Planung von Hotels –, die im Nachhinein auf der Hand zu liegen schienen, wären wir nicht im Netz unserer Selbstverständlichkeiten gefangen gewesen. Wir sagen auch Realitätssinn dazu.

Dieser Blog ist also ein Gespräch übers Wasser.

Genauer gesagt: er ist eine Einladung zu einem solchen Gespräch. Denn das Reden für sich genommen bleibt unfruchtbar. Erst aus Rede und Gegenrede entsteht das Neue, das das Denken verändert und in der Wirklichkeit Wellen schlägt. Zu diesem Abenteuer möchte ich Sie einladen – dem Experiment, neue Wege zu erproben und die Dinge mit anderen Augen zu sehen, mag im Einzelfall die Veränderung noch so minimal erscheinen. Es genügt nicht, über das Wasser zu sprechen – man muß auch den Mut haben, hineinzuspringen und sich am Schwimmen zu versuchen.

In diesem Sinne wünsche ich mir, daß möglichst viele von Ihnen den Feedback-Link unter jedem Blogeintrag nutzen. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

C. Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Chr. Aichner: die Serendipity Suite

[Mehr Gedanken über diesen Blog – die Motive, die ihm zugrundeliegen, die Ziele, die er verfolgt und die Wünsche, die sich mit ihm verknüpfen, finden Sie z.B. hier und hier.]