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18. September 2011

Ein Zimmer für London:
Interview mit der Künstlerin

von Cornelia Markus-Diedenhofen, AK Aichner, Christian Aichner

»A Room for London« heißt der Beitrag von Alain de Bottons Unternehmen »Living Architecture« zum olympischen Jahr 2012 in London. Ein »Hotel« in Form eines Boots hoch über den Dächern der Stadt mit Platz für gerade mal zwei Gäste, die überdies nur eine Nacht bleiben dürfen; ich habe ausführlich darüber berichtet.

Jetzt hat ZEIT online ein lesenswertes Interview mit der Künstlerin Fiona Banner veröffentlicht, die das Projekt konzipiert hat. Bei einer Antwort Fiona Banners bin ich hängengeblieben und ins Nachdenken gekommen.

»Wir wollen ja genau das: dass die Menschen Teil der Kunst werden und Teil der gesamten Erfahrung. So wird es auch eine Erzählung geben, die aus den Eindrücken entsteht, die Besucher und Schriftsteller in einem Logbuch hinterlassen. Diese Erzählung wird vor Ort geschrieben und erst nach einem Jahr abgeschlossen sein. Es ist quasi eine Kooperation zwischen dem Hotel und seinen Gästen.«

»Eine Kooperation zwischen dem Hotel und seinen Gästen«: wäre das nicht eine Alternative zu dem öden Wettstreit um die Größe der Facebook-Gemeinde und der Zahl der Twitter-Follower, worin sich die »soziale Komponente« heute allzuoft erschöpft? Wie könnte so eine Kooperation im »normalen« Hotelbetrieb aussehen? Und welche Perspektiven würden sich eröffnen, wenn die Gäste aktiv zur gesamten Erfahrung des Hotels beitrügen – und mit ihrem Beitrag einen bleibenden Eindruck im Hotel hinterließen (normalerweise geht es Hotels ja ausschließlich um das Gegenteil: einen bleibenden Eindruck beim Gast zu hinterlassen)? Würde sich damit die »Erfahrung des Hotels« nicht ständig verändern und weiterentwickeln – reicher, differenzierter, vielfältiger werden? Und läge darin nicht die Chance, sich aus der unerfreulichen Jagd nach den jeweils letzten Trends und Features auszuklinken und etwas Besseres, Einzigartiges und Unwiederholbares an ihre Stelle zu setzen?

Es ist ein faszinierender Denkanstoß, den Fiona Banner uns da liefert, finde ich. Einer, den im Hinterkopf zu behalten sich lohnen könnte. Vielleicht liegt darin der Keim zur nächsten großen Revolution in der Hotellerie.

7. September 2011

Die Funktion des Designs

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Der jüngste Beitrag im Hotel Design Blog beschäftigt sich mit der Frage: »Form follows function… or maybe not?« Den Inhalt können Sie selbst nachlesen; von mir hier nur zwei Anmerkungen.

Erstens: endlich weiß die Welt, woher der Quadratarsch kommt. Ich meine nicht das Wort, sondern die Sache beziehungsweise die anatomische Besonderheit, die das Wort bezeichnet. Hier kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. »Built for squared backsides«, wie es in dem Text anspielungsreich heißt.

Zweitens aber, ernsthafter: eine der Thesen des Beitrags lautet, seit die goldene Regel des »Form follows function« ihre Autorität verloren habe, gebe es in der Innenarchitektur keine verbindlichen Qualitätskriterien mehr, so daß im Grunde jeder »mitgestalten« könne:

»Most people would believe that interior design decisions are made by a hotel’s vice president of architecture and design, or maybe the managing director… but they are not. It is the investor’s wife, a highly ambitious amateur designer (since she once chose a beautiful color to paint her living room – a shade, of course, that is very similar to that in a photo of Brad Pitt’s house that was just published in the latest edition of Vogue) who, together with the head of housekeeping, has customarily provided the brief to the designer.«

Also die Ehefrau des Investors gemeinsam mit der Putzfrau. Wer sich immer wieder über Geschmacksverirrungen im Hoteldesign ärgert, hört es mit Vergnügen. Manchmal mag es sogar stimmen. Aber liegt das wirklich daran, daß wir dem rein funktionalen, nur an form folllows function orientierten Design den Laufpaß gegeben haben? Keine Spur. »Form follows function« war ja von Anfang an keine durchdachte, noch weniger eine in sich schlüssige Theorie. Es war eine polemische Formel gegen die sinnentleerte, nur dekorative Ästhetik des Historismus und auch noch gegen den ornamentalen Überschwang des Jugendstils. Als form follows function dann selbst zum Dogma erstarrte, diente es hauptsächlich als Rechtfertigung für Einfallslosigkeit und billiges, schlechtes Design.

Den Designern, die sich dagegen wandten, ging es folglich in der Regel um besseres Design, nicht um eine Rückkehr zu den schlechten alten Zeiten, zur Beliebigkeit des bloß Dekorativen. Sie widersprachen der Fiktion, die Funktion sei etwas Vorgegebenes, dem das Design nur zu folgen brauche und die dem Designer (oder auch dem Innenarchitekten) die Gestaltung gewissermaßen vorgebe. In Wirklichkeit ist es das Design, das die Funktionen zugänglich macht, neue Möglichkeiten erschließt, Erfahrungen vermittelt. Das Design schafft Funktion.

Und selbst das ist noch zu kurz gegriffen. Denn kaum ein Ding auf der Welt hat nur eine Funktion. Sogar mit einem simplen Hammer kann man mehr machen, als nur Nägel einzuschlagen. Und über die Vielzahl ihrer praktischen Funktionen hinaus sollen die Dinge auch noch Vergnügen bereiten, unseren Schönheitssinn ansprechen oder das Prestigebedürfnis befriedigen. Design folgt nicht der Funktion, sondern es dient vielen Zielen – und vielen Zielen auf einmal. Gutes Design ist eine Synthese aus allen diesen Anforderungen. Und die höchste dieser Anforderungen besteht darin, daß es die Welt bereichert – also vielseitiger, schöner oder nützlicher ist als alle die Dinge, die es bisher gegeben hat.

Das sind viel strengere Regeln und höhere Ansprüche, als sie der Slogan »Form follows function« zu erfüllen vorgab. Und es läßt sich sehr klar und – ja: objektiv – beurteilen, ob Design diese Ansprüche einlöst. Wo die Synthese wirklich gelingt, da beschert sie dem Betrachter oder Benutzer ein Erlebnis, das einer Offenbarung ähnelt: davon habe ich eigentlich lange schon geträumt. Nur daß er gar nicht davon geträumt hat, denn dafür, daß nie geträumte Träume in Erfüllung gehen, gibt es die Designer.

Und genau das – die Erfüllung nie geträumter Träume – ist es, was Hotels ihren Gästen bieten wollen – und bieten müssen, wenn sie sich einen festen Platz in ihrer Erinnerung sichern wollen.

21. Juli 2011

Ein Zimmer für London

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Für das olympische Jahr 2012 und das damit verbundene London-Festival hat sich Living Architecture in Kooperation mit der Kulturorganisation Artangel eine Attraktion eigener Art ausgedacht – ein Hausboot hoch auf dem Dach der Queen Elizabeth Hall, ausgelegt für zwei Personen und zu mieten jeweils für eine Nacht.

Für Aufsehen gesorgt hat das Hospitality-Unternehmen Living Architecture allerdings schon früher. Nichts geringeres hatte sich sein Gründer, der Philosoph, Schriftsteller und Architekturkritiker Alain de Botton vor­ge­nommen, als im »architektonischen Entwicklungsland England« Projekt für Projekt bauliche Akzente zu setzen. So entstanden und entstehen, quer über England verstreut und jeweils als Unikat, Ferien­häuser, die von renommierten internationalen Architekten speziell für diesen Ort entworfen wurden. Zwei dieser Häuser sind uns hier in der Serendipity Suite schon begegnet – Peter Zumthors Secular Retreat und der Balancing Barn des holländischen Büros MVRDV.

Ein Unikat, dazu eins von begrenzter zeitlicher Dauer, ist auch A Room for London. Ein Boot an einem Ort, wo Boote eigentlich nicht hingehören. Als sei es vorübergehend auf dem Dach der Queen Elizabeth Hall gestrandet oder von einem Themse-Hochwasser dort abgesetzt worden. Etwas in dieser Art hat dem jungen Londoner Architekturbüro David Kohn Architects und der Künstlerin Fiona Banner wohl vorgeschwebt, als sie die Idee zu diesem Gästehaus entwickelten.


Renderings: David Kohn Architects / Living Architecture

Gebucht werden kann das »Boot« (für die erste Phase des Projekts von Januar bis Juni 2012) ab dem 8. September. Zusätzlich zu den »normalen« Gästen sind an speziellen Tagen Schriftsteller, Künstler und andere Kulturschaffende eingeladen, einen Tag lang als artists in residence ihre Eindrücke festzuhalten und eventuell künstlerisch umzusetzen. Die Ergebnisse werden zum Teil live zu sehen sein, zu einem anderen Teil fließen sie ein in nachfolgende Dokumentationen. Über den kulturellen Aspekt hinaus wird das Projekt zweifellos auch eine riesige Werbewirkung für Living Architecture, Kohn Architects und Fiona Banner entfalten, ohne daß das eine dem anderen irgendwie Abbruch täte.

Läge darin nicht auch eine Anregung für andere Hotels oder Hotelketten, sich zu besonderen Anlässen mit »ausgelagerten Projekten« zu profilieren? Temporäre Gästehäuser sind sicher nicht die einzige Idee, die sich da anbietet.

2. Juli 2011

Ein Secular Retreat im Herzen Londons

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Auch in diesem Jahr werden wieder fast eine Million Besucher dem Pavillon der Serpentine Gallery einen Besuch abstatten. Damit zählt er zu den größten Architekturattraktionen der Welt, denn es gibt dort nichts zu sehen oder zu erleben als den Pavillon selbst. Und auch den nur einen Sommer lang. Im folgenden Jahr wird ein anderer Pavillon an seine Stelle getreten sein. Das Schöne ist vergänglich – und darin liegt in diesem Fall sein besonderer Reiz.

Seit dem Jahr 2000 beauftragt die Serpentine Gallery international erfolgreiche Architekten damit, »ihren« Pavillion im Kensington Garden zu gestalten. Dabei handelt es sich jedesmal gleichzeitig um eine Premiere, denn – so die Bedingung – die Architekten dürfen vorher noch kein Gebäude in England errichtet haben. Da hat man Peter Zumthor grade noch rechtzeitig gefragt, denn wie wir gehört haben, plant er mit dem »Secular Retreat« gerade ein Ferienhaus für Living Architecture in Devon. Und zu einem Secular Retreat, einer Art innerweltlich heiligem Ort, ist auch der diesjährige Pavillon geraten.

Was Zumthor vorschwebte, war eine Insel der Medition, des Rückzugs von der Welt und zu sich selbst Kommens mitten in der pulsierenden Metropole London. Ein umfriedeter (und befriedeter) Ort, um diesen Ausdruck wörtlich zu nehmen. Nach außen hin präsentiert sich der Pavillon dagegen – was keinen Widerspruch darstellt – buchstäblich als Black Box. Die wirkt zwar ein wenig trutzig, aber dank ihrer Materialität bei näherem Hinsehen keineswegs abweisend: für die Wände hat Zumthor eine mit speziell behandelten Textilien bespannte Leichtholzkonstruktion gewählt, die dem Schwarz Struktur gibt und gewissermaßen Leben einhaucht.

Der Besucher, der die Black Box betritt, durchquert erst noch einen verschatteten Gang, bevor er das lichtüberflutete Herzstück des Retreats erreicht. Es handelt sich um einen kleinen Innenhof, der an einen Kreuzgang erinnert – rundum Bänke und andere Sitzgelegenheiten. Für die eigentliche »Innenarchitektur« hat sich Peter Zumthor mit dem holländischen Gartenarchitekten Piet Oudolf zusammengetan, der dafür bekannt ist, mit höchster Raffinesse die Illusion wilder, frei wuchernder Natur zu erzeugen. Es ist eine mystische, vielleicht auch sakrale Erfahrung, die Zumthor hier vermittelt, ohne daß diese an eine bestimmte Religion gebunden wäre.

Die Besucher sind dankbar dafür; das läßt sich an ihrer schieren Zahl ablesen. Ein kleines Paradox liegt darin schon: wie der Pavillon bei diesem Andrang je zu einem Ort der Ruhe und inneren Sammlung werden soll, bleibt ein Geheimnis.

Das soll Sie nicht daran hindern, sich von der Magie des Serpentine Pavillons in ihren Bann ziehen zu lassen, soweit ein Video das eben vermag:

(Hier finden Sie ein weiteres Video des Guardian, worin Zumthor etwas ausführlicher zu Wort kommt; leider läßt es sich nicht einbetten.)

29. Juni 2011

Architektonische Balanceakte

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Daß einer sein eigenes Museum baut, kommt nicht alle Tage vor, aber das Museu Oscar Niemeyer in der brasilianischen Stadt Curitiba stammt tatsächlich von Niemeyer selbst – die Einheimischen nennen es kurz und prägnant »das Auge«. Es gehört in die Reihe jener Bauwerke, die scheinbar der Schwerkraft trotzen und denen ich vor einiger Zeit schon einen eigenen Beitrag gewidmet habe – auch das Bella Sky Hotel zählt dazu und der Balancing Barn, den das holländische Büro MVRDV zu Alain de Bottons Living-Architecture-Projekt beigesteuert hat. Eins ist allen diesen äquilibristischen Kunststücke gemeinsam: als Betrachter glaubt man kaum, daß sie überhaupt möglich sind – und zweifelt dennoch keinen Augenblick lang an ihrer Stabilität.

Wahrscheinlich ist es das, was mich an dieser Art Architektur fasziniert, denn wir Innenarchitekten stehen jedesmal vor einer ähnlichen Herausforderung. Einerseits soll ein Raum Solidität und Verläßlichkeit ausstrahlen, Geborgenheit und Vertrauen vermitteln. Andererseits soll er seinen Bewohnern oder Benutzern »Raum geben« und ein Gefühl der Weite evozieren. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Innenarchitektur, und wo die Spannung zwischen den beiden Polen nicht mehr zu spüren ist, ist sie gelungen.

Was beim Museu Oscar Niemeyer wohl nur wenige bezweifeln werden:

95 Jahre war Oscar Niemeyer alt, als das Museum 2002 fertiggestellt wurde; aktiv ist er, wie man hört, noch immer. Beneidenswert, wie lange die schöpferische Kraft bei Architekten erhalten bleibt. Ob das für Innen­architekten ebenfalls gilt?! ;-)

22. Juni 2011

Writers’ Corner
(Eine Lektüreempfehlung)

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Daß uns Sachbuchautoren mit Vorschlägen für eine bessere Welt beglücken, kommt öfters vor. Seltener sind Autoren, die persönlich die Konsequenzen aus ihren Schlußfolgerungen ziehen und versuchen, ihre Vorstellungen in die Wirklichkeit umzusetzen. Zu letzteren gehört Alain de Botton; auf sein Buch über Architektur, das den Anstoß zur Gründung von Living Architecture gab, habe ich im vorangegangenen Beitrag hingewiesen. Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel »Glück und Architektur« erschienen und auch für Nicht-Architekten eine anregende Lektüre. Leider ist die Hardcover-Ausgabe vergriffen; die broschierte Version finden Sie hier.

Der Autor über sein Buch:

»One of the great, but often unmentioned, causes of both happiness and misery is the quality of our environment: the kind of walls, chairs, buildings and streets we’re surrounded by.

And yet a concern for architecture and design is too often described as frivolous, even self-indulgent. The Architecture of Happiness starts from the idea that where we are heavily influences who we can be – and argues that it is architecture’s task to stand as an eloquent reminder of our full potential.

Whereas many architects are wary of openly discussing the word beauty, the book has at its centre the large and naïve question: ‘What is a beautiful building?’ It amounts to a tour through the philosophy and psychology of architecture, which aims to change the way we think about our homes, streets and ourselves.«

Alain de Botton

22. Juni 2011

Hotel oder Heiligtum

Bauherren haben, wie im letzten Beitrag dezent angedeutet, nicht immer ihre helle Freude an Peter Zumthor. Gut so, kann ich als Kollegin nur sagen. Einerseits. Dann sehe ich so etwas wie das folgende Video – und kann mir das Lachen nicht verkneifen. Den Mut, den Peter Zumthor da beweist, habe ich nicht – und hätte ich ihn, wäre unser Oeuvre wohl ähnlich schmal wie seines… Dabei geht es bei diesem Projekt sogar ausdrücklich um die Hotellerie – oder das, was Alain de Botton darunter versteht.

Alain de Botton – selbst gebürtiger Schweizer, aber schon lange in London zuhause – hat sich als Schriftsteller und Philosoph einen Namen gemacht. Bei der Arbeit an einem Buch zur modernen Architektur erschrak er über deren mangelnde Wertschätzung allgemein, ganz besonders aber darüber, was Hotelgästen und Urlaubern architektonisch zugemutet wird. Also beschloß er, Abhilfe zu schaffen. Das von ihm ins Leben gerufene Unternehmen Living Architecture baut und betreibt Ferienhäuser in ganz England. Diese zeichnen sich aus durch zwei Besonderheiten: sie befinden sich an Standorten von hohem landschaftlichen oder historischen Reiz – und jedes von ihnen ist ein architektonisches Statement, geplant von einem speziell für das jeweilige Projekt ausgewählten Architekten oder Architekturbüro. Einem dieser Ferienhäuser – dem »Balancing Barn« des holländischen Büros MVRDV – sind wir hier schon begegnet. Das mittlerweile sechste Haus in der Reihe wird Peter Zumthor bauen. Und er scheint entschlossen, der archaischen Landschaft Devons mit ihrer bis in die Steinzeit zurückreichenden Besiedlung und ihren erdgeschichtlichen Assoziationen seine Reverenz zu erweisen.

Ich drücke mich hier absichtlich etwas vage aus. Wenn Sie sich die sechs Minuten Zeit für das Video nehmen, worin Alain de Botton das Projekt erstmals der Öffentlichkeit »präsentiert«, werden Sie verstehen, warum:

Große Anerkennung übrigens auch für Alain de Botton. Es dürfte wenige Bauherren geben, die ihren Architekten so großes Vertrauen entgegenbringen – und als ihre öffentlichen Fürsprecher soviel Humor beweisen.

Vielleicht sollte ich in diesem Zusammenhang aber auch daran erinnern, daß das Bauwerk, das wahrscheinlich am stärksten zum internationalen Ruf Zumthors beigetragen hat, ebenfalls aus dem Bereich der Hotellerie stammt.  weiterlesen…

30. Mai 2011

Beyond Imagination

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Die zwei ebenso halsbrecherisch wie geometrisch exakt ausgetüftelt gegeneinander geneigten Türme des Bella Sky Hotels stellen das Vorstellungsvermögen auf eine harte Probe: schon beim bloßen Anschauen wird mir schwindlig. Dabei zählt der (scheinbare) Sieg über die Gesetze der Gravitation zu den ältesten Themen der Architektur überhaupt. Auch in der Innenarchitektur geht es letztlich darum, den »erlebten Raum« um Dimensionen zu bereichern, die er »real« gar nicht zu haben schien.

Das hat mich auf die Idee gebracht, nach weiteren mehr oder weniger zeitgenössischen Bauwerken – nicht unbedingt Hotels – zu forschen, die jedenfalls dem Anschein nach der Schwerkraft spotten. Das »Urbild«, das einem da sofort einfällt und das seither so viele Visionen einer »modularen Architektur« inspiriert hat, ist natürlich das Habitat-Konzept, das auf der Expo 1967 in Montreal vorgestellt wurde und sofort weltweite Aufmerksamkeit fand:


 

Aber wo steht geschrieben, daß sich die Module so brav an der Horizontalen und Vertikalen auszurichten hätten? Daß es auch anders geht, beweist der Architekt Piet Blom mit seinen Kubuswoningen in Rotterdam:


 

So mancher mag das für Auswüchse der modernen Architektur halten. Aber damit würde er nur unter Beweis stellen, daß er – was immer man sonst von moderner Architektur halten mag – jedenfalls von Auswüchsen nichts versteht. Wie die aussehen, zeigen MVRDV architects in ihren »Wozoco Apartments« in Amsterdam. Ob man in Deutschland dafür eine Baugenehmigung bekäme?


 

Ein ganz anderes Vorbild – nämlich die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon – könnten ucx architects vor Augen gehabt haben. Der Name allerdings – Cactus House – spielt eher auf Hausform sowie die ökologischen Vorteile der Bauweise an. Das Haus, das seinen Bewohnern ein Höchstmaß an nutzbarer Terassenfläche und Sonnenlicht im Inneren verspricht, steht übrigens in Rotterdam; schon komisch, wie viele der bisherigen Beispiele aus Holland stammen…  weiterlesen…

29. März 2011

Pritzker-Preis an Eduardo Souto de Moura

von Cornelia Markus-Diedenhofen, A K Aichner, Christian Aichner

Nach der Preisverleihung an Alvaro Siza im Jahr 1992 geht in diesem Jahr der Pritzker-Preis zum zweiten Mal an einen Portugiesen – den Schüler Alvaro Sizas Eduardo Souto de Moura. Experten hatten ihn schon länger zum engeren Kreis der Favoriten gezählt. Dennoch hielten viele seine Wahl für unwahrscheinlich; zu groß schien ihnen der Unterschied zum Stil und zur architektonischen Haltung der letztjährigen Preisträger Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (SANAA). Ich finde, es spricht für den Rang des Preises und den Horizont der Jury, so unterschiedliche Auffassungen nicht nur zuzulassen, sondern sogar zu fördern, statt einen bestimmten Stil zu promoten. Homogenität und Gesichtslosigkeit gibt es in der heutigen Architektur auch so schon genug.

(Und ich gratuliere außerdem dem Blog A Daily Dose of Architecture zu seinen Lesern – und natürlich den Lesern selbst, die in einer informellen Abstimmung unter Kandidaten wie Santiago Calatrava, David Chipperfield, Peter Eisenman, Steven Holl, Toyo Ito u.a. auf Souto de Moura als Preisträger getippt hatten.)

Diejenigen unter Ihnen, die den Namen Souto de Moura zum ersten Mal hören, haben fast sicher schon einmal wenigstens ein seiner Schöpfungen gesehen – nämlich das Stadion in Braga, einen der schönsten Austragungsorte der Fußball-EM 2004. Mehr will ich im Moment zu Souto de Mouras Werk gar nicht sagen – Worte versagen ja schon vor Bildern, wie viel mehr vor den drei Dimensionen der Architektur. Lieber möchte ich Ihnen in einem kommenden Beitrag einige Bauten des Preisträgers im Bild vorstellen. An dieser Stelle stattdessen leicht gekürzt die offizielle, erst wenige Stunden alte Pressemitteilung des Preiskomitees sowie ein Auszug aus der Begründung der Jury; der Pressemitteilung können Sie darüber hinaus entnehmen, daß der Pritzker-Preis eine zwar selten gewürdigte, dennoch aber weit mehr als oberflächliche Beziehung zur Welt der Hotellerie unterhält):  weiterlesen…

30. März 2010

Mehr zum Pritzker-Preis

 
Pmedal

Die höchst selten auch nur erwähnten historischen Hintergründe des Pritzker-Preises hätten größere Beachtung verdient, habe ich geschrieben – insbesondere bei denen, die mit dem Entwurf, der Planung und Realisierung von Hotels zu tun haben. Das mag vielen, denen der Name Jay Pritzker nicht nur wegen des Preises ein Begriff ist, auf Anhieb eingeleuchtet haben. Immerhin hat der Mann die Hyatt-Hotelkette begründet und daraus zusammen mit seinem Bruder Donald ein weltweites Imperium geformt. Das Geld der Pritzker-Stiftung, die den Preis verleiht, stammt also direkt aus dem Hotelbusiness.

Für sich genommen wäre das höchstens eine historische Fußnote, aber in Wirklichkeit reicht die Verbindung tiefer. Jay Pritzker unterhielt sein Leben lang eine intensive Beziehung zur zeitgenössischen Architektur und pflegte Freundschaften mit zahlreichen Architekten. In dieser Hinsicht war er wohl geprägt durch seine Herkunft aus Chicago, der »Welthauptstadt der Architektur«. Genau diese persönliche Leidenschaft wurde dann aber auch zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor bei der Entwicklung Hyatts von einer in Maßen erfolgreichen inneramerikanischen Hotelkette zu einer Marke von Weltrang. Das Ereignis, das diesen Wendepunkt markierte, hat Hotel- und Architekturgeschichte geschrieben. Ich spreche vom Hyatt Regency Atlanta, dessen Innenhof nach dem Vorschlag des Architekten John Portmann als spektakuläres, 22 Stockwerke hohes glasüberdachtes Atrium gestaltet wurde: das erste Atrium-Hotel der Welt. Jay Pritzkers Sohn Thomas J. Pritzker, heute Präsident der Pritzker-Stiftung, erinnert sich:   weiterlesen…

20. Februar 2010

Hotelkulturen im Widerstreit?

In einem Gastbeitrag für das Magazin der New York Times geht Juliet Kinsman einer hochinteressanten Frage nach: welchen Einfluß haben der kulturelle Hintergrund oder kulturelle Unterschiede auf die Architektur und das Design von Hotels? Spiegelt sich der Gegensatz von Orient und Okzident auch im Ambiente der Hotels? Um es in die provozierende Frage zu kleiden, die Kinsman an den Anfang ihres Artikels stellt: »East is East, and West is West, and never the twain shall meet?«

Rudyard Kipling, von dem die Zeile stammt, war von der Unaufhebbarkeit des Gegensatzes überzeugt. Bei Kinsman geht es differenzierter zu. An einer definitiven Antwort auf die Frage ist ihr so wenig gelegen wie an einer Zementierung oder Wiederlegung bekannter Vorurteile. Vielmehr versucht sie im Gespräch mit erfahrenen Kollegen möglichst viele Einzelbeobachtungen zusammenzutragen; erst am Ende wagt sie sich an eine Hypothese, die aber auch mehr den Charakter einer offenen Frage hat als den einer dogmatischen Definition. weiterlesen…